vermeintliche

9. November 2020

Rums., der neue Journalismus aus Münster,  informiert:
Einige Eltern, Schulleiter- und Schulleiterinnen, Lehrer und Lehrerinnen dürften dem heutigen Montag mit einer gewissen Anspannung entgegensehen. Das NRW-Schulministerium hat am Mittwoch mit einer offiziellen E-Mail davor gewarnt, dass die Gruppe „Querdenken 711“ am Montag vor 1.000 Schulen in ganz Deutschland Aktionen gegen die Maskenpflicht plane; zur Einordnung: In Deutschland gibt es insgesamt gut 32.000 allgemeinbildende Schulen.
Mitglieder und Sympathisantinnen der Gruppe würden unter anderem unwirksame Masken verteilen und möglicherweise dazu auffordern, gar keinen Mund-Nasen-Schutz zu tragen. Die Nachricht verbreitete sich nicht nur in Nordrhein-Westfalen. Viele Zeitungen, Radio- und Fernsehsender berichteten darüber, zum Beispiel hier und hier.

Am vergangenen Donnerstagabend hieß es dann : Stimmt gar nicht, alles nur Fake, die „Querdenker:innen“ planen gar nichts. Die Gruppe schreibt in einer Pressemitteilung: „Es gibt keine Aktion am 09.11.2020. […] Bei der Aktion handelt es sich um einen Test unserer Kommunikationsstrukturen. Wir werden immer wieder vor einer Unterwanderung gewarnt.“ Sprich: Angeblich haben sie die Nachricht nur intern rausgegeben, um zu gucken, ob und wo sie durchsickert. Viele Schüler und Schülerinnen werden sich am Montag auf dem Schulweg trotzdem sehr unwohl fühlen – und viele Eltern werden zur Sicherheit vielleicht trotzdem mitgehen und die Augen offenhalten.

Bevor ich[, Constanze Busch,] erkläre, warum die Pressemitteilung von „Querdenken 711“ Blödsinn ist -das ist sie nämlich-, sollten wir uns anschauen, mit wem wir es überhaupt zu tun haben.

„Querdenken 711“ ist die Stuttgarter Ortsgruppe der „Querdenken“-Bewegung (die Zahl steht für die Stuttgarter Telefon-Vorwahl), die seit Monaten gegen die Maßnahmen zur Pandemiebekämpfung demonstriert. Sie ist gewissermaßen sogar die Keimzelle, „Querdenken“ wurde im Frühjahr 2020 von dem Unternehmer Michael Ballweg in Stuttgart gegründet (gestern am Sonntag kandidierte er dort übrigens bei der Oberbürgermeisterwahl und erhielt „machtvolle“ 3%). Unter dem Dach dieser Bewegung versammeln sich auch Rechtsradikale und Verschwörungsideolog:innen. Zuletzt drohten einige Mitglieder einem Polizisten mit Mord .

Wie diese Leute drauf sind, lässt sich gerade auch in Sachsen und Thüringen beobachten. „Querdenken 711“ und die Leipziger Gruppe „Querdenken 341“ haben in Leipzig für den morgigen Samstag eine Demonstration angemeldet , zu der Tausende Teilnehmer:innen aus ganz Deutschland erwartet werden [mehr…]. Kurz vorher, am Mittwoch, haben Mitglieder der Bewegung in sozialen Medien die Privatadresse von Thüringens Ministerpräsident Bodo Ramelow veröffentlicht, der „Querdenken“ vorher scharf kritisiert hatte. Am Mittwochabend fand Ramelow vor seiner Haustür eine Grabkerze und einen Flyer zur „Querdenken“-Demo. Dem Tagesspiegel sagte der Ministerpräsident, er fühle sich bedroht und unter Druck gesetzt. Außerdem wohne in dem Mehrparteienhaus, in dem er lebt, auch eine Familie mit kleinen Kindern.

Mit diesem Wissen im Hinterkopf kommen wir jetzt zurück zur vermeintlichen Schul-Aktion der „Querdenker:innen“ und zu ihrer absurden Presseerklärung.

„Querdenken 711“ wollte natürlich nicht die „Kommunikationsstrukturen“ auf Lecks testen. …Die Gruppe will eben … Aufmerksamkeit – und hat sie (leider) bekommen. Denn: Es geht um Kinder. Und um die Gesundheit. Die Vorstellung, dass mitten in der zweiten Pandemie-Welle krude Corona-Skeptiker:innen auf der Straße Schüler:innen ansprechen und sie dazu drängen könnten, ihre Masken abzunehmen, weckt bei vielen Menschen einen Beschützerinstinkt – nicht nur bei Eltern. Wir werden wütend, der Puls steigt, wir empören uns. Kinder bedrängen, das geht gar nicht. Und schon ist die Aufmerksamkeit maximal hoch, selbst wenn (oder gerade weil) die Gruppe die Ankündigung im Nachhinein als Falschmeldung bezeichnet.

Und dann ist da noch das Datum der angeblichen Aktion. Der 9. November ist so ziemlich der sensibelste Termin, den man sich in Deutschland für etwas Politisches aussuchen kann. Und damit betreiben die Organisator:innen der „Querdenken 711“-Bewegung ein nahezu perfektes Framing : Das Datum steht für die Erinnerung an die Reichspogromnacht und für den Mauerfall. Egal, an welches dieser Ereignisse Sie zuerst denken, es ordnet die Ankündigung der „Querdenker:innen“ automatisch in einen historischen Rahmen ein. Wir verbinden den 9. November mit bedeutenden Ereignissen. Also muss auch die vermeintliche Aktion an den Schulen irgendwie bedeutend sein, positiv oder negativ. Das sollen wir jedenfalls denken. Falls Sie mir nicht glauben, probieren Sie es aus: „Am Montag wollen ‚Querdenker:innen‘ gegen die Maskenpflicht demonstrieren.“ Oder: „Am 9. November wollen ‚Querdenker:innen‘ gegen die Maskenpflicht demonstrieren.“ Na?

Hätte ich Ihnen das alles gar nicht schreiben sollen?

Natürlich haben auch Journalist:innen wie wir dazu beigetragen, die Nachricht zu verbreiten – und den „Querdenker:innen“ damit eine Bühne geboten. Ich habe deshalb heute Morgen lange überlegt, ob ich Ihnen überhaupt zu dem Thema schreiben soll – oder ob es besser in einer Meldung aufgehoben wäre, damit die Bühne möglichst klein bleibt. In diesem Dilemma stecken wir und unsere Kolleg:innen immer wieder, zum Beispiel bei der Berichterstattung über die AfD. Wir können nicht nicht berichten. Aber wenn wir es tun, tragen wir unweigerlich auch gefährliche Thesen weiter. Denn bevor wir solche Ideologien widerlegen und auseinandernehmen können, wie ich es in diesem Text versucht habe, müssen wir sie ja erstmal wenigstens kurz wiederholen.

Haben wir all dem dann widersprochen, passiert leider das, was der Autor Sascha Lobo in diesem sehr klugen Text als „Windrad-Prinzip“ beschrieben hat: „Wie ein Windrad lebt die AfD-Sphäre vom Gegenwind. Sie zieht ihre Energie aus der Empörung der Gegenseite und verwandelt sie in eine Form sozial ansteckender Identifikation. Das Gemeinschaftsgefühl besteht primär daraus, dass sich die richtigen, als Feinde begriffenen Leute auf die richtige Weise empören.“ Dem ist wenig hinzuzufügen, denn der Mechanismus „Wir gegen die“ lässt sich genau so auch bei den „Querdenkern“ beobachten.

Wie Sie gemerkt haben, habe ich mich trotzdem entschieden, ausführlich über die Schul-Aktion zu schreiben. Nicht nur, weil ich darauf vertraue, dass unter Ihnen, den RUMS-Leser:innen, keine „Querdenken“-Sympathisant:innen sind, die sich durch meine Einordnung erst recht angestachelt fühlen dürften. Sondern auch, weil ich es wichtig finde, die Hintergründe zu kennen, um die Aktion zu verstehen und sie einzuordnen. Es soll eben nicht bei einem aufgeregten „Die wollen unsere Kinder bedrängen“ bleiben. Ich finde es wichtig, zu verstehen, dass solche Leute anderen Menschen Angst machen wollen, und wie sie das erreichen – Grablichter, Kinder, Morddrohungen. Mit diesem Wissen lassen sich auch die nächsten Nachrichten zu den „Querdenkern“ besser einordnen.

Falls übrigens am Montag wider Erwarten doch einige Mitglieder der Bewegung vor der Schule Ihres Kindes auftauchen sollten: Lassen Sie sich nicht einschüchtern und rufen Sie im Zweifel die Polizei….


Ein Beitrag von Constanze Busch im Münsteraner Magazin Rums.

Wortlaut

12. November 2017

Als Nachtrag hier iM Wortlaut die Rede am 9. November von Gerhard Kastein am Stolperstein für die Lingenerin jüdischen Glaubens, Henriette Flatow, die im KZ Theresienstadt (Nazisprech: „Altersghetto“) ermordet wurde. Der Stolperstein befindet sich vor dem Alten Krankenhaus in der Gymnasialstraße. Die Rede:

„Wir befinden uns hier an einem Ort in Lingen, wo -bislang einmalig- ein Stolperstein und ein Straßenschild in unmittelbarer Nähe auf die Gräuel der deutschen Vernichtungsmaschinerie in Bezug auf eine ehemalige Lingenerin hinweisen.

Diese Todesfallanzeige Henriette Flatows im Ghetto Theresienstadt  zeigt, wie exakt der Ältestenrat des Ghetto Theresienstadt, sicher im Sinne deutscher Gründlichkeit durch die Besatzer, die Todesbuchführung erledigte.

Nun könnte ich eigentlich schon den Vortrag beenden. Doch das wäre der Person und der Intension unseres Treffens nicht angemessen.

Wer also war Henriette Flatow?

Henriette Flatow wurde 1866 in Wormditt (heute Orneta), Kreis Braunsberg in Ostpreußen geboren. Sie wuchs dort mit zwei Geschwistern Aurelia Rachel und Louis auf. Im Jahr 1915 zog sie von Rheine nach Lingen in die Rheinerstr. 57. Wie und warum, bleibt bislang im Dunkeln.

Im September 1921 verlegte sie den Wohnsitz in die Kaiserstr. 20, direkt dem damaligen Eisenbahnausbesserungswerk gegenüber. Als Pfründnerin schrieb sich Henriette Flatow im September 1929 in das Bonifatius Hospital ein. Sie war dort wahrscheinlich als Küchenhilfe tätig. (In der Meldekartei der Stadt wird sie als Invalide, im Adressbuch als Rentnerin geführt).

Ab 1933 wird sie sicherlich auch die Diskriminierung des Regimes mehr oder wenig stark ertragen habe. Die massive Flut von Gesetzen, Erlassen und Verfügungen dienten alle dazu, diese Bürgerinnen und Bürger des Deutschen Reiches zu entwürdigen. Eine inhumane Bürokratie machte es möglich. Da war zum Beispiel das Verbot des Haltens von Haustieren. Auch diese mussten getötet werden, selbst ein Verschenken an „arische“ Bekannte oder Freunde war nicht zulässig. Jeder heutige Tierbesitzer möge sich das vorstellen.

Ende 1941 wurden alle Juden verpflichtet, in ein so genanntes „Judenhaus“ einzuziehen. Henriette Flatow wurde dieser Einzug in ein „Judenhaus“ erspart.

Trotzdem wurde sie am 29. Juli 1942 mit dem Zug nach Münster deportiert. Zwei Tage später erfolgte der Transport in das Ghetto Theresienstadt. Ihr Tod wurde laut der Todesfallanzeige am 20. Juli 1943 pedantisch mit exakter Uhrzeit protokolliert. Die Beerdigung erfolgte dann zwei Tage später ebenfalls in Theresienstadt

Jahrzehnte wurden die jüdischen Bürgerinnen und Bürger Lingens in der breiten Öffentlichkeit buchstäblich vergessen. Sicher hat sich die Stadt Lingen mit der Renovierung der seinerzeit zum Pferdestall gemachten jüdischen Synagogenschule des Problems des Nichtvergessens angenommen. Auch fanden zwei große Gedenksteine zum Nichtvergessen Platz, allerdings im „Hinterhof“.

Im Jahr 1997 verlegte der Künstler Gunter Demnig in Köln sogenannte Stolpersteine, ein Exemplar für Henriette Flatow liegt vor ihnen, im Sinne des Erinnerns in ihrer Heimatstadt.

Dieses Projekt wurde Anfang des 21. Jahrhundert von der Ratsfraktion der SPD diskutiert und fand dann seinen Weg zur Realisierung durch einen Antrag, wie das demokratisch so üblich ist, in den Kulturausschuss des Rates. In der Sitzung des Ausschusses vom 20. Januar 2003 stimmte die Ausschussmehrheit dieser Empfehlung der Verwaltung zu:

„Es wird vorgeschlagen, diese Gedenkorte [gemeint sind die jüdische Schule, die beiden Gedenksteine …] auch in Zukunft [gemeint ist hier ausschließlich] in den Mittelpunkt des Erinnerns zu stellen. Das Projekt des Künstlers Demnig sollte daher in der Stadt Lingen (Ems) nicht umgesetzt werden“.

Übrigens wurden hier keine öffentlichen Gelder gefordert – alles werde über Spenden erfolgen. Wie gesagt: Die Ausschussmehrheit stimmte dem Verwaltungsvorschlag zu.

Nach zwei Jahren intensiver Vorarbeit wurden dann doch 12 Stolpersteine, u.a. auch der vor ihnen liegende, ins Pflaster unserer Stadt gemauert. Jetzt war der Bann gebrochen. Am 29. Juli 2002 wurde die hinter ihnen liegende Straße als Henriette-Flatow-Straße durch den damaligen Oberbürgermeister Heiner Pott feierlich eingeweiht. Es folgten zwei weitere Stolpersteinverlegungen und das Benennen von Straßen mit den Namen unserer verfolgten Mitbürger.

Es hat sich in diesem Prozess gezeigt, dass eine offene Gesellschaft immer der Mehrheit bedarf. Gedenkarbeit, und das findet hier gerade statt, ist für die Zukunft unserer Demokratie unabdingbar. Unsere offene Gesellschaft hat voraussichtlich weiterhin viele Probleme zu erwarten – ihre Gegner stehen bereit. Denn wie sagte es Harald Welzer:

‚Es ist einfacher, für die Demokratie zu kämpfen, solange es sie noch gibt.‘Danach wird es erheblich schwerer.“

 

zornig

10. November 2016

Selten habe ich ihn so bestimmt, man könnte auch sagen, so zornig erlebt. Heribert Lange, der Vorsitzende des Lingener Forum Juden Christen hat einmal mehr am 9. November ein bemerkenswertes Statement abgegeben. Am Lingener Gedenkort Jüdische Schule hielt er eine Rede, in deren Zentrum die Menschenwürde stand, und sagte u.a.:

„…Artikel 1 des Grundgesetz lautet […]: „Die Würde des Menschen ist unantastbar!“

Finden Sie, dass sich damit volksverhetzerische Begriffe und Parolen wie artfremd, Primitivgesellschaften, Quotenneger, Rettung des Deutschtums, Wirtschaftsflüchtlinge, Parallelgesellschaft, Islamisierung, völkisch und die Bewahrung des Völkischen, laut Alexander Gauland, Zitat: “am besten mit Bismarck‘-schem Instrumentarium auszurotten, nämlich ‘mit Eisen und Blut‘ „(Zitat Ende), dass dies alles sich mit dem Menschenwürdeanspruch unserer Verfassung oder gar den, dem christlichen Abendland heiligen Gesetzen Gottes verträgt?

Und finden Sie nicht auch, dass die wachsende Zahl sogenannter Hasskriminalität, die wir den Polizeistatistiken entnehmen, das genaue Gegenteil dessen bezeugt? Hasskriminalität ist Kriminalität gegen Menschen und gegen Sachen, z.B. gegen Moscheen, Synagogen und Flüchtlingsheime, die in Brand gesteckt werden oder gegen die Menschen selbst, die darin einstweilen Zuflucht gefunden haben – leider auch in Lingen, wie wir uns ja sicher alle leicht erinnern.

Und finden Sie es nicht auch bedrohlich und deprimierend zugleich, dass die Chefideologen dieser Rattenfängergilde inzwischen jedes 10. Wählers, mancherorts sogar jedes 6. Wählers gewiß sein können? Das aber ist ein Mehrfaches von dem, was sich sowieso im Sigma- oder 2-Sigmabereich am Fransenrand jeder Normalstatistik findet.

Nicht nur von den derzeitigen Wahlsiegern und ihnen verwandten Gruppen wie NPD, Reichsbürgern, Identitären und ihren europäischen und neuerdings auch überseeischen Mitstreitern, also in den USA: was da heute passiert ist, haben wir wahrscheinlich alle überhaupt noch nicht begriffen – nicht nur in diesen Zirkeln werden Hass und Aggression gegen Fremde geschürt und gepäppelt.

Die Rattenfänger sind in der Mitte etablierter Parteien mit ihren Parolen unterwegs z.B. so, wie ich es in einem Antrag gelesen habe, der am Wochenende einem Parteitag im Süden Deutschlands vorgelegen hat: Die Bundeskanzlerin dürfe nicht wiedergewählt werden, weil, ich zitiere: “… sie einen beispiellosen, oft unkontrollierten Migrationsstrom aus den rückständigsten, gewalttätigsten sowie christen- und frauenfeindlichsten Regionen dieser Erde nach Deutschland geleitet“ habe….“

schon mal

9. November 2016

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Da schläft man schlecht, wird wach und sieht diese Grafiik der New York Times. Alles schon mal da gewesen?

Es ist der 9. November. Heute Abend 19 Uhr sollten wir zusammen stehen an der Jüdischen Schule am Konrad-Adenauer-Ring. Es ist höchste Zeit zu erinnern, wohin rechter Populismus schon einmal geführt hat. Zu viel, viel mehr als einem Börsengewitter.

9. November

9. November 2011

Gedenkfeiern

heute am 9. November
im Emsland zur Erinnerung an die Novemberpogrome von 1938 in
Lingen (Ems),
Lengerich,
Freren,
Haren,
Meppen,

Sögel,
Papenburg.

Noch ein Wort zu  Sögel. Dort werden heute erstmals Stolpersteine von dem Kölner Künstler Gunter Demnig verlegt, zunächst in der „Alte Poststraße“ zum Gedenken an die Familie Bertha Jacobs und im Anschluss daran in der Straße „Am Pohlkamp 10“ zum Gedenken an die Familie Gottfried Grünberg und daran anschließend in derselben Straße bei der Haus-Nr. 6 zum Gedenken an die Familie Isidor Grünberg. Im Anschluss daran, lese ich auf der Webseite der Gemeinde im Gegensatz zur NOZ, ist die Gedenkveranstaltung anlässlich des Jahrestages der Reichsprogromnacht am Denkmal in der Straße „Am Pohlkamp“ vorgesehen. Dazu sei die gesamte Bevölkerung ebenso wie zu der anschließenden Kaffeetafel im Heimathaus eingeladen. Leider findet sich auf der Internetseite der Gemeinde Sögel keine Uhrzeit. Die Lokalzeitung meldet allerdings, dass die Veranstaltung um 15 Uhr beginnt.

Ähnlich gedankenlos präsentieren sich leider auch die Internetseiten der Stadt Freren und Lengerich. Noch peinlicher: Andere emsländische Orte, in denen noch Spuren jüdischen Lebens zu finden sind, ignorieren diese und verzichten gleich ganz auf  Gedenkveranstaltungen. Zu nennen sind Aschendorf, Haselünne, Herzlake und Lathen.

(Foto: Jüdischer Friedhof in Lingen (Ems) © Forum Juden – Christen, Altkreis Lingen eV)

9. November

8. November 2010

Das Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e. V. und die Stadt Lingen (Ems) erinnern am Dienstag, 9. November an die Pogromnacht vor 72 Jahren. Dazu findet zunächst um 18 Uhr ein Ökumenischer Gottesdienst in der St. Bonifatius Kirche statt. Eine Gedenkfeier mit Kranzniederlegung folgt im Anschluss ab circa 19 Uhr am Lern- und Gedenkort Jüdische Schule, Konrad-Adenauer-Ring.