Über 7.500 historische Stätten öffnen jedes Jahr kostenfrei beim Tag des offenen Denkmals und begeistern Millionen von Besuchern. Ganz nach dem Motto Kultur für alle erhaschen Jung und Alt, Experten und Laien, Familien und Einzelgänger Einblicke in sonst nicht zugängliche Innenräume. Tauchen auch Sie ab in Welten, die sich dem Alltag unterscheiden. Erkunden Sie ein Gebäude, das Sie sooft in der Eile links liegen lassen haben. Denn jedes Denkmal ist ein wahrer Wissensspeicher und birgt sein ganz eigenes Geheimnis. So schreibt es die veranstaltende Deutsche Gesellschaft für Denkmalschutz auf ihrer Webseite.

Geht man in diesem Jahr online auf die Suche nach „offenen Denkmälern“ in unserer Region, findet man (fast) keine. Im ganzen Emsland gibt es lediglich vier. Die Grafschaft Bentheim steht noch schlechter da. Es gibt dort heute gar kein offenes Denkmal zu besuchen.

Neben den Heimathäusern in Dörpen und Freren, der Hilter Mühle bei Lathen und in Papenburg das ehemalige Werk Höweler und Dieckhaus findet sich nichts. Lingen glänzt mit Abwesenheit. Daher erfährt das Motto des diesjährigen TdoD bei uns eine ganz besondere regionale Betonung; es lautet nämlich „Sein & Schein – in Geschichte, Architektur und Denkmalpflege„.

 

Zu Protokoll

29. Mai 2018

Ich gebe meine Ablehnung eines neuen Bauvorhandens zu Protokoll:

Denn einmal mehr berichte ich zum Umgang unserer Stadt mit ihren Baudenkmalen. An der sog. Tanzgalerie soll nämlich ein Anbau entstehen, der mit dem unter Denkmalschutz stehenden Gebäudekomplex der ehemaligen Güterabfertigung der Hannoverschen Eisenbahn nicht in Einklang zu bringen ist. Für mich ist es ein absolutes Rätsel, weshalb „der Denkmalschutz“ ein solches Bauwerk durchwinken kann, zumal es in das Baudenkmal hineingebaut wird (s. Planskizze).

Das Vorhaben hat übrigens  nichts und nichts und nichts mit dem wirtschaftlichen Erfolg der Betreiberin der Tanzgalerie zu tun, den Redakteur Thomas Pertz in den Mittelpunkt seiner Zustimmung stellt. Es geht allein um unsere Kultur, genauer: um Baukultur und die Frage, wie wir Baudenkmäler erhalten und bewahren – oder eben nicht.  Die Lingener Untere Denkmalschutzbehörde macht seit Jahren und Jahrzehnten nicht selten das Gegenteil von Denkmalschutz. Dies stellt sich mir als Arbeitsverweigerung dar.

Wenn ich dann noch sehe, welches Gebäude in das Baudenkmal geradezu hineingedrückt wird, dann stockt mir der Atem. Es ist von seinen Proportionen, von den Fensteröffnungen und den an Starwars-Landeplätze erinnernden Dachausbauten bis hin zu den Kunststoffschindeln an der Südseite ein völlig (!) misslungenes (!) Werk. Gerade seine Planer, die Lingener Architekten von WBR Wolbeck sollten sich bitte fragen, was sie dem Stadtbild zumuten und was sie da dem erstaunten Publikum vorstellen. Diese Frage ist umso gebotener, als  das WBR-Büro selbst in einem Baudenkmal ist.

Man erkennt zwanglos, dass der Denkmalschutz in Lingen von allem davon abhängt, wem eine Immobilie gehört. Deshalb ist der Grundsatz so wichtig, dass Baudenkmale nicht von der öffentlichen Hand veräußert werden dürfen; bei der z Tanzgalerie nutz7ngsgeönderten Güterabfertigung wurde dagegen verstoßen. Unsere Stadt hat aber wie alle Gemeinden in Niedersachsen „die besondere Pflicht, die ihnen gehörenden und die von ihnen genutzten Kulturdenkmale zu pflegen und sie im Rahmen des Möglichen der Öffentlichkeit zugänglich zu machen.“ Deshalb darf die öffentliche Hand sie nicht privatisieren. Geschieht dies dennoch, haben wir in Lingen immer denselben Salat. Es wird spätestens nach 10, 15 Jahren umgebaut, die Zeitung bejubelt den Tatendrang der Investoren und alles wird genehmigt. Wie bei der Güterabfertigung.

Lieber Stadtbaurat Lothar Schreinemacher, es ist mir ausgesprochen rätselhaft, was da genehmigt wurde.

Denn in der Umgebung eines Baudenkmals dürfen Anlagen nicht errichtet werden, wenn dadurch das Erscheinungsbild des Baudenkmals beeinträchtigt wird. Zu dem Erscheinungsbild unserer historischen Güterabfertigungsgebäude zählen auch der vor dem Gebäude gelegenen An- und Abfahrbereich mit den Zufahrtsrampen. Sie werden zugebaut. Bauliche Anlagen in der Umgebung eines Baudenkmals sind aber so zu gestalten, daß keine solche Beeinträchtigung eintritt. Das neue Bauorhaben beachtet diese Gestaltungsanforderungen nicht  – nicht einmal die Bauflucht der historischen Güterabfertigung mit ihrem ersten und zweiten Bauabschnitt wird geschützt. Übrigens: Auch die dort geschaffenen „Studentenwohnungen“ direkt neben der lauten Bahnstrecke sind bauplanungsrechtlich zweifelhaft.

Noch eine Preisfrage zum Schluss: Derartige Planungen werden der Bevölkerung immer mit gaaaaanz viel Grün in den Planzeichnungen verkauft. So auch hier. Den Mitgliedern des Stadtrates wurde mit der Vorlage nämlich diese Gründarstellung übermittelt:

Für die Bevölkerung reichte dies offenbar nicht. Der für sie in der Lokalzeitung veröffentlichte Artikel enthielt flugs noch eine kleine Aufforstung. Siehst Du die Hecke, wo vier mal mehr Zypressen grünen? Guckst Du hier:

Was brauchen wir? Mehr genaues Hinschauen, mehr konsequenten Denkmalschutz ( auch wenn die Verantwortlichen selbst gern in der Tanzgalerie feiern!)  und einen Bebauungsplan für das Quartier zwischen Georg, Burg- und Rosemeyer-Straße, damit es nicht -wie an der alten Lingener Güterabfertigung- über die Krücke „Bauen im unbeplanten Innenbereich“ zu solch schlimmen Entwicklungen kommt.

 

(Bilder: Stadt Lingen, WBR)

schlimm

16. Mai 2012

Sie können es nicht!  Gerade lese ich in der gedruckten Ausgabe der LT (online kommt wohl später), dass entgegen aller (!) Vorankündigungen doch „neue Dachpfannen“ auf die Alte Posthalterei gepackt werden sollen. Die alten seien marode. Abgesehen davon, dass die Renovierung bereits seit gestern fertig sein sollte, wie vor vier Wochen vollmundig versprochen („Wenn nichts dazwischenkommt, sollen die Arbeiten bis Mitte Mai abgeschlossen sein.“):
Auf dieses alte Haus, dieses Baudenkmal gehören keine neue Dachpfannen. Disneyland ist anderswo. In ganz Deutschland geht man mit mehr Sorgfalt und Baugeschichtsbewusstsein an die Renovierung von Baudenkmalen, allemal in Regionen, die Baukultur und Baugeschichte zu schätzen wissen. Dafür gibt es dann, wenn traditionelle Baustoffe fehlen, spezialisierte Betriebe, Börsen und andere Gelegenheiten. Man muss es allerdings wollen und können. Das fehlt aber bei uns: Was für ein Satz, wenn der Rathausverantwortliche laut Tagespost sagt: „Wir haben bereits bei der sogenannten Pfannenbörse eine Anfrage gestellt und leider…“ Er sagt tatsächlich“eine“ Anfrage und  „bereits„! Die Renovierung eines Baudenkmals muss immer besonders sorgfältig geplant werden. Das hat unsere Bauverwaltung versäumt. Zeit genug war da. Es standen Jahre Planungszeit zur Verfügung. Es war seit langem klar, dass das Baudenkmal saniert werden muss.

Die Absolution, die der Oldenburger Denkmalpfleger Hermann Schiefer laut LT erteilt, hilft nicht weiter. Natürlich muss „das Haus denkmalpflegerisch gut in Schuss sein“, wie er sagt. Schließlich ist es Lingens Aushängeschild und gehört der Stadt.

Warum übrigens ist die Pfannenfrage in keinem Ratsgremium mitgeteilt oder besprochen worden?  Noch letzte Woche turnte der Verwaltungsausschuss zwar von oben bis nach unten durch das Uffz-Heim in Reuschberge, erfuhr aber zu den Änderungen am zweitwichtigsten Baudenkmal im Stadtzentrum nichts. Da wäre u.a. gefragt worden, weshalb die Dachpfannen nebenan beim Ratskeller zur Weiterverwendung tauglich waren, hier aber nicht. Beide Häuser wurden vor 85 Jahren zeitgleich neu eingedeckt. Dass die Wiederverwendung bei den Hoffschroer-Brüdern ging, die den Ratskeller sanierten, und zu recht beklatscht wurde, bei der Alten Posthalterei der Stadt aber nicht, finde ich rätselhaft. Wollten die Verantwortlichen vielleicht gar nicht? Ist es zu teuer oder zu viel Arbeit? Und dann, um es ein bisschen zu verschleiern, steigt man auf ein Gerüst, lässt sich nett „für die Zeitung“ ablichten und meint, das wäre es. Bisschen runterschreiben noch, es wären Industriepfannen und die wären marode. Industriepfannen? 1927? Eher doch wohl jetzt und heute!

Dass auf die nun beiläufig mitgeteilte Weise ein Baudenkmal mal eben kurz kaputt modernisiert wird, weil es seine Identität und Ausstrahlung ein großes Stück weit verliert, ist offenbar egal. Schlimm!

(Foto: Alte Posthalterei © dendroaspis2008 flickr)

Zukunft

14. März 2011

Entdeckt am Freitag:  Bei der Renovierung des Lingener Ratskellers werden die bis zu 100 Jahre alten Dachpfannen aus Ton sorgsam geborgen, um später auf dem Dach des Baudenkmals wieder verwendet zu werden. Prima!

Masuren

10. Dezember 2009

Lassen Sie mich bitte eine etwas holprige Metapher wählen: Das wunderschöne Masuren ist bekanntlich die größte Seenlandschaft Polens und die Marienstraße ist die größte Pfützenlandschaft Lingens. Da es hierzulande bekanntlich bisweilen regnet und die Baustellen rund um die Marienstraße das Ihrige hinzu tun und taten,kam ich mir heute wiederum in dieser Straße vom Markt zum Bahnhof vor wie bei einer masurischen Springprozession. Der Straßenzustand ist nicht erst seit der Fertigstellung der  Lookentorpassage  unverändert schlecht.
In unserem Städtchen Lingen begegnet man derlei Ungemach angesichts (ehemals) voller Kassen dann so: Es wird nichts instand gesetzt, es wird neu gepflastert. Die Neupflasterpläne für die Marienstraße sind unverändert, werden aber nicht verwirklicht, weil die Anlieger nicht die Hälfte der Kosten tragen wollen. Also Untätigkeit mit Pfützen: Flache, tiefe und vor allem große. Die Passanten freuen sich eher nicht über so viel Nässe.
Vielleicht haben Sie ja eine Idee, wie unser öffentliche Dienst  auf das Problem aufmerksam gemacht werden kann?

Dann kann er sich auch noch einmal zum Erhalt des vor sich hin gammelnden Baudenkmals Marienstraße 16 (ehemals „Hotel zur Post“) äußern. Aber ich sehe seit Jahren nur einen zunehmend trostlosen Eindruck des Gebäudes. Daraus ist zwanglos zu schlussfolgern, dass das Baudenkmal den Verantwortlichen egal ist; ihnen ist der Eigentümer Josef Berning wichtig. Dabei hat die Stadt bekanntlich mit dem Eigentümer  sogar einen Vertrag geschlossen, in dem sie sich einerseits bereit erklärte, den rückwärtigen Parkplatz zur Straße Am Pulverturm vollständig bebauen zu lassen und sich Josef Berning im Gegenzug verpflichtete, das Baudenkmal zu erhalten. Seit Jahren verfällt trotz dieses Vertrag  das mehr als 100 Jahre alte Backsteingebäude.  Die CDU-Ratsmehrheit duldet wohlwollend, dass Josef Berning den geschlossenen Vertrag bricht. Es wird offenbar so kommen, dass die Unzumutbarkeit des Erhalts erklärt wird und dann nur ein „Gedankenstrich“ (eine Lieblingsvokabel des noch amtierenden Baurats Georg Lisiecki) verbleibt, aber der Eigentümer Josef Berning durch den „Gedankenstrich“  die steuerlichen Vorteile eines Baudenkmals für sich nutzen wird. Eigentum verpflichtet vernichtet.

(Foto Masurische Seenplatte:© Tim Caspary, pixelio.de)

Vorsätzlich

25. April 2008

Die Tage des 100 Jahre alten Hauses Marienstraße 16, ein seit Jahrzehnten geschütztes Baudenkmal, sind offenbar gezählt. Mit einem bemerkenswerten Coup hat Eigentümer Josef Berning den offenbar lange geplanten  Abriss des Hauses vorbereitet, das noch nicht lange sein Eigentum ist. Der Lingener Kaufmann hat sich zwar vor vier Jahren in einem städtebaulichen Vertrag mit der Stadt Lingen verpflichtet, das Baudenkmal zu erhalten, dann aber hat er vertragswidrig nichts gemacht und das Gebäude gezielt verfallen lassen.

Für ihn war offenbar nur wichtig, dass ihm die Stadt ihrerseits in dem Vertrag die Möglichkeit schuf, den großen Freiraum zur Straße Am Pulverturm vollständig zu bebauen. Die Stadt hat ihren Teil des Vertrages  eingehalten. Berning bricht ihn.
Die Beamten der Stadtverwaltung haben dem Verfall des Baudenkmals jahrelang untätig und pflichtwidrig zugesehen.  Angeblich hatten sie, sagte Stadtbaurat Lisiecki vor sechs Monaten im Ausschuss, keine anderen  Möglichkeiten. Lächerlich! Denn weshalb schließt man dann einen Vertrag? Entweder man war zu dumm, die eigenen Rechte aus dem Vertrag durchzusetzen oder man wollte es nicht.

Die jetzigen, im Bau- und Planungsausschuss am Mitwoch bekannt gegebenen Ergebnisse der  Gebäudeuntersuchung haben ergeben, dass trotz der vertragswidrigen Untätigkeit die Bausubstanz noch zu 50 % gesund ist. Was sagt Stadtbaurat Liesiecki: „Die Bausubstanz ist zu 50 % marode!“ Muss man ihm wirklich zurufen: „Natürlich, lieber Stadtbaurat aus Oldenburg! Das ist doch normal, dass ein altes Haus häufig zu 50% in schlechtem Zustand ist“ ?

Um diese Bausubstanz festzustellen, muss man das Baudenkmal jedenfalls kaum mit, mir unqualifiziert erscheinenden Großbohrungen durchlöchern wie einen Käse.

Man merkt leicht die Absicht an Wortwahl und Schwerpunktsetzung des Herrn Lisiecki: Natürlich ein paar verbale Krokodilstränen, aber vor allem soll Herrn Berning der Abriss des Denkmals ermöglicht werden. Motto: „Wir sind so traurig, aber es geht ja nicht anders…“.  Zur Erinnerung: Schon bei seiner Neujahrsrede hat OB Pott angekündigt, die niederländische Kaufhauskette HEMA werde auf dem Grundstück eine Filiale errichten. Da können einem Kritiker wie mir  die Resultate der Gebäudeuntersuchung, ihre Durchführung und ihre Präsentation schon einmal seltsam „bestellt“ vorkommen.

Die Herren um Lisiecki oder über ihm waschen die Hände in Unschuld. Sie werden einmal mehr mit ihrer Politik durchkommen und vielleicht auch ein bisschen über „den Koop“ feixen und „seinen blog“. Andere Formen der Öffentlichkeit brauchen sie nicht zu fürchten. Die lokale Lingener Tagespost wird ihrem Anzeigengroßkunden Berning nichts Kritisches ins Stammbuch schreiben. Wetten?!

Und dann gibt es nicht nur Verträge sondern auch Gesetze. Auch die werden verletzt. Vorsätzlich. Etwa das Denkmalschutzgesetz des Landes Niedersachsen. Das sagt:

§ 6
(1) Kulturdenkmale sind in Stand zu halten, zu pflegen, vor Gefährdung zu schützen und, wenn nötig, instandzusetzen. Verpflichtet sind der Eigentümer oder Erbbauberechtigte und der Nießbraucher; neben ihnen ist verpflichtet, wer die tatsächliche Gewalt über das Kulturdenkmal ausübt.

(2) Kulturdenkmale dürfen nicht zerstört, gefährdet oder so verändert oder von ihrem Platz entfernt werden, dass ihr Denkmalwert beeinträchtigt wird.

Denn:

(1) Kulturdenkmale im Sinne dieses Gesetzes sind Baudenkmale, Bodendenkmale und bewegliche Denkmale.

(2) Baudenkmale sind bauliche Anlagen (§ 2 Abs. 1 der Niedersächsischen Bauordnung), Teile baulicher Anlagen und Grünanlagen, an deren Erhaltung wegen ihrer geschichtlichen, künstlerischen, wissenschaftlichen oder städtebaulichen Bedeutung ein öffentliches Interesse besteht.

Das trifft auf das Haus Marienstraße 16 zu. Daher ist es unter Denkmalschutz gestellt worden. Dann aber gilt:

(1) Wer ohne die nach § 10 erforderliche Genehmigung und ohne Vorliegen der Voraussetzungen des § 7 ein Kulturdenkmal oder einen wesentlichen Teil eines Kulturdenkmals zerstört, wird mit Freiheitsstrafe bis zu zwei Jahren oder mit Geldstrafe bestraft.

(2) Reste eines Kulturdenkmals, das durch eine Tat nach Absatz 1 zerstört worden ist, können eingezogen werden.

Tja, Herr Lisiecki, dann sorgen Sie mal schnell dafür, dass Herr Berning seine Genehmigung zum Abrissdes Baudenkmals  erhält. Sonst interessiert sich vielleicht die Staatsanwaltschaft auch noch für die, die durch Unterlassen das Baudenkmal zerstört haben – oder 50% – eben einen wesentlichen Teil davon.