Vetternwirtschaft

6. Mai 2010

So schnell kann es gehen: Land- und Gastwirt Georg Overhoff soll bei der Stadt Lingen (Ems) einen Antrag auf die Genehmigung einer Biogas-Anlage gestellt haben. Stadtbaurat L. gab heute in der Planungs- und Bauausschusssitzung auf Frage eines Baccumers an: „Seit heute morgen 9 Uhr liegt uns ein Antrag für eine weitere Biogasanlage vor.“  Das Pikante: Die neue Biogas-Anlage soll in Baccum unmittelbar neben der bereits genehmigten Biogas-Anlage der “Baccumer-Bio-Kraft GmbH” (BBK) entstehen, die über die Overhoff & Köhring Gesellschaft bürgerlichen Rechts und  die BBK-Beteiligungs-GmbH mehrheitlich Hermann, Paul und Christof Overhoff gehört. Die Anlage ist bekanntlich unzulässig groß gebaut, nur ihr Betrieb ist mittels Auflage auf die zulässige Höchstleistung von 500 kw begrenzt. Ich erfahre heute: Paul und Chrstoph Overhoff sind Vettern des neuen Antragstellers Georg Oberhoff. Reine Vetternwirtschaft also? Die BBK-Aussage vom vergangenen Dezember stimmt weiterhin aufs Wort. „Wir bauen in Baccum keine zweite Biogasanlage“, hatte damals  Hermann Overhoff, Geschäftsführer der „Baccumer-Bio-Kraft Beteiligungs-GmbH“ (BKK) gegenüber der „Lingener Tagespost“ unterstrichen. Im Zweifel will man die Anlage des Vetters sicherlich „nur“ betreiben, betreuen … was weiß ich.

Im Lingener Ortsteil Baccum haben sich inzwischen mehr als 600 Bürger schriftlich gegen einen Ausbau der Biogasproduktion am Baccumer Berg ausgesprochen. Es wären noch mehr, wenn nicht manche Angst vor den wirtschaftlichen Folgen einer Unterschrift für sich wie für ihre Angehörigen hätten.  Reinhold Hoffmann (SPD Baccum) hat die nicht. Er sagte am Mittwochabend:   „Wir haben eine derartige Vorgehensweise erwartet. Offensichtlich versucht man, ohne Rücksicht auf betroffene Anlieger und auf das Jugendfreizeitheim Baccumer Mühle den Ausbau mit allen Mitteln durchzusetzen. Die SPD wird sich auch diesem Vorhaben mit allen ihr zur Verfügung stehenden Möglichkeiten widersetzen und notfalls auch die Beantragung eines Landschaftsschutzgebietes in Betracht ziehen.“

Die CDU hat eine Erweiterung offenbar bereits abgenickt. „Wir als CDU in Baccum sagen Ja zu einer Erweiterung der Biogas- Anlage Overhoff von 500 auf 800 KW, wenn alles im gesetzlichen Rahmen ist und auch die verkehrliche Situation erträglich gelöst wird.“, sagte Ortsbürgermeister Hermann Schomaker vor zwei Monaten. Der Baccumer Ortsrat lehnte deshalb Anfang März mit der Stimmenmehrheit der CDU den Antrag der SPD auf Begrenzung der Biogasproduktion auf 500 KW am Standort Baccumer Berg ab. Ein Ortsratsmitglied der CDU enthielt sich damals mutig der Stimme. Als die SPD anlässlich der Sitzung CDU-Ortsbürgermeister Hermann Schomaker lange Unterschriftenlisten gegen die Biogas-Anlage Overhoff überreichte, irritierte Schomaker mit der Aussage, man dürfe derartige Unterschriften nicht überbewerten, letztlich käme es u.a. auch auf die Fragestellung des Initiators an. Während die CDU-Ortsräte bei dieser Äußerung mutig schwiegen, sagte die stellv. SPD-Vorsitzende Ulla Ahrend, die Äußerung Schomakers komme einer Missachtung des Bürgerwillens gleich.

Mich interessiert, ob die Vettern O. CDU-Mitglieder sind und ob sie der CDU Zuwendungen gemacht haben? Kann jemand weiter helfen?

(Foto Biogasanlage in Niedersachsen, © biogastour2010, flickr.com / Creative Commons)

kursiv = präzisierende Korrekturen vom 06.05. mittags

13 Antworten zu “Vetternwirtschaft”

  1. Lingener said

    haha. Herr Koop! Brilliant… nur sollten Sie doch wissen, dass die CDU so rein gar nichts mit Schwarzgeldern zu tun hat. Ehrenwort!

  2. Chrissi said

    Es bewahrheitet sich doch immer wieder: Wer die Umwelt nicht schätzt, sollte die CDU wählen! Seltsam, eigentlich müßten die Konservativen doch die Umwelt bewahren, da konservativ ja „bewahrend“ bedeutet. Aber es geht wohl nur darum, Pfründe zu bewahren. Wann lernen die es eigentlich mal? Und warum werden die eigentlich dauernd hier gewählt?

    • Lutz Golke said

      „Und warum werden die eigentlich dauernd hier gewählt?“
      Weil sie irgendwie alle Vettern sind 🙂

  3. Baccumer Bürger said

    Vetternwirtschaft … na ja, Vetter Georg „saß“ schon mal 5 Jahre für die CDU im Baccumer Ortsrat

  4. N.N. said

    Hallo Herr Koop!

    Sehe ich das richtig, dass die LT bei Ihnen jetzt schon die Aufmacher („Vetternwirtschaft“) abschreibt? Als ich das Blatt heute früh aufschlug, war das mein erster Gedanke! Oder heißen Sie in Wahrheit Burkhard Müller und sind LT-Redakteur… 😉

  5. Dieter Herrmann said

    Grenzt ja schon fast an eine Verschwörung, ich hol schon mal die Alufolie 🙂

  6. Stammtischbruder said

    Nur nicht auf den Bluff des Overhoff-Clan reinfallen! – Wachsam bleiben!

  7. Günter said

    Ob das mit der Vetternwirtschaft in diesem Fall zutreffend ist, wage ich mal zu bezweifeln. Der neue Antragsteller scheint zwar wohl mit dem anderen Clan verwandt zu sein, aber er wittert hier scheinbar eher ein gutes Geschäft als dass er seinen Vettern aus der Patsche helfen will. Denn wenn er eine BGA beantragt, hilft er dabei ja nicht wirklich den anderen. Die haben ihr überdimensionierten Pötte stehen, was natürlich die Wirtschaftlichkeit der Anlage massiv negativ beeinflusst. Insofern würde der andere Overhoff den Brüdern nur dann helfen, wenn er lediglich ein BHKW errichtet. Das ist hier aber sicher nicht der Fall. Insofern klarer Fall von „Nichtvetternwirtschaft“ sondern von „Geschäftemacherei“.

  8. Stammtischbruder said

    Nee, nee, nee Günter, – das deuten Sie falsch. Hier wird hoch gepokert. Wenn die Räte der Umwandlung in ein Sondergebiet nicht zustimmen –wie erforderlich wäre bei einer höheren Nutzung der bisherigen Anlage-, wird auf diese Art und Weise damit gedroht, dass dann als Retourekutsche jeder weitere Landwirt eine privilegierte Anlage bauen wird. So will man die Orts- und Stadträte hinter die Fichte führen. – Wetten, dass die meisten Räte das nicht durchschauen?!

  9. Günter said

    Stammtischbruder, da trauen Sie unseren Ratsmitgliedern aber nicht sehr viel zu. Aber, wenn dem so wäre, kann man den Räten nur die Empfehlung geben, bei der bereits genehmigten Anlage hart zu bleiben und keine Erweiterung zuzulassen. Dann erledigt sich ja, wenn Sie mit ihrer Vermutung richtig liegen, der neue Antrag von selbst. Im übrigen, viele schön angedachte Investments erledigen sich bei intensiver Betrachtung durch den Investor von selbst. Insofern bin ich hier noch ganz entspannt.

  10. Stammtischbruder said

    @ Günter Ja, – intensive Betrachtung. Daran hapert es im Rat leider zu oft. Gut, dass wenigstens Herr Koop und der von mir sehr geschätzte Herr Fuest kritisch genug sind, in dieser Angelegenheit die Dinge zu recherchieren und hinterfragen.

  11. […] Großanlage am Baccumer Berg – Sie erinnern sich? – ist die unerlaubt mit deutlich mehr als den maximal gestatteten 500 MW errichtete, nur in […]

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