Input

13. Mai 2010

Die Ratsvorlage 146/10 klärt über einen Beratungspunkt der Sitzung des Lingener Planungs- und Bauausschusses am 19. Mai auf. Bei genauem Hinsehen allerdings ganz anders, als sie vorzugeben scheint. Sie lautet:

„In der Sitzung des Planungs- und Bauausschusses am 21.04.2010 wurden im Rahmen des Tagesordnungspunktes „Einwohnerfragestunde“ von mehreren Bürgern detaillierte Fragen zur genehmigten Biogasanlage am Baccumer Berg gestellt. Neben Fragen zur Standortsuche, Verkehrsbelastung, Dimensionierung der Anlage, Gefahrenpotential oder Inputstoffen wurden auch anlagenspezifische Informationen gewünscht, die aufgrund der Komplexität der Anlage nicht direkt und abschließend beantwortet werden konnten.
Fragen zu dem gesamten Themenkomplex sollen nunmehr in der Sitzung von Herrn Awater (Sachverständiger), Herrn Wulkotte (Landwirtschaftskammer) und Herrn Wigbels (Consentis Biogas Anlagenbau) beantwortet werden.“

Betrachten wir die eingeladenen Herren genauer:

  • Dipl-Ing. Kurt Awater (Delmenhorst) ist seit 1994 als Projektingenieur für die Realisierung von Anlagen der Energie- und Umweltschutztechnik sowie deren Betreuung im laufenden Betrieb verantwortlich. Er hat in dieser Zeit an der Realisierung und Inbetriebnahme von u.a. über 40 Biogasanlagen sowohl für die Landwirtschaft als auch zur Behandlung von Abwasser und Abfall mitgewirkt.
  • Dipl.-Ing. Jan Wulkotte ist Biogasberater der Landwirtschaftskammer Niedersachsen in Meppen und unkritischer Propagandist  dieser nicht problemlosen Energieerzeugung. Die Landwirtschaftskammern treiben nachhaltig den Ausbau der Biogaserzeugung voran. Schon vor drei Jahren referierte er z.B. über „Kapazitäten und Potentiale der Produktion von Agrarrohstoffen für die Lebensmittel- und Energieerzeugung im Emsland“.
  • Dipl.-Wirtschaftsingenieur Stefan Wigbels (Consentis Biogas Anlagenbau aus Wietmarschen-Lohne) ist Projektleiter bei der Gesellschaft, die – wirft man einen Blick auf die Referenzliste der Firma –  die Overhoffsche Doppelanlage („500 kW + 370 kW“) in Baccum erstellt hat.

So etwas nenne ich eine beeindruckend-einseitige Auswahl. Kritische Stimmen sind offenbar nicht erwünscht. Wohl gemerkt: Es geht um die Beantwortung fachlicher Fragen der Baccumer Einwohner und Nachbarn der Overhoffschen Anlage an die Lingener Stadtverwaltung bzw. Stadtbaurat L., der die Fragen ebenso wenig wie ein anderer Mitarbeiter seines Dezernats beantworten konnte. Stadtbaurat L. und seine Leute haben aber das zu große 500+370-kW-Overhoff-Projekt -ungeachtet der jetzt beklagten Komplexität- bereits genehmigt. Jetzt holen sie betreibernahe Ingenieure, um kritische Nachfragen beantworten zu können, wozu sie selbst offenbar nicht imstande sind.  Kompetenz und Sachverstand sehen deutlich anders aus.

Fazit: Es steht offenbar eine Scheinaufklärung vor der Tür. „Input“ ist anders. Dass ich wegen eines beruflichen Termins in Sachsen nicht an der Sitzung teilnehmen kann, stört mich daher weniger…

(Foto © Biogastour2010, flickr.com, Creative Commons)