Machbar

14. Mai 2010

Samstag kommt das Bundesligateam von Borussia Mönchengladbach zum TuS Lingen, der seinen 100. Geburtstag feiert. Der TuS wurde am 10. April 1910 als „Lingener Sportverein 1910“ (LSV) gegründet (mehr…und noch mehr). Borussia Mönchengladbach kommt also zum Feiern. Obwohl der TuS angesichts der Tabellensituation in der Bezirksoberliga zurzeit wenig zu feiern hat, vergleicht man dies mit einem anderen, 1910 gegründeten Fußballverein –  dem just aufgestiegenen FC St. Pauli.

Allerdings scheint bei Borussia Mönchengladbach die Luft raus zu sein. Der fünfmalige deutsche Meister unterlag nämlich am Himmelfahrtstag mit 0:2 (0:1) beim Regionalligisten Bonner SC. Vor 2600 Zuschauern schossen Dalibor Karnay und Erdogan Aydogmus die Tore für den Viertligisten. Ex-Nationalspieler Oliver Neuville, der unlängst beim 9:0-Testspielsieg gegen den SV Lürrip sein Karriereende bekannt gegeben hatte und ab dem 1. Juli in Mönchengladbach eine Tätigkeit im Nachwuchsbereich übernimmt, spielte in Halbzeit eins. Bevor es also für „die Fohlen“ in den Urlaub geht, steht Samstag als vorletztes Spiel der Saison das Treffen beim TuS und seinem wohltuend unaufgeregten Trainer Miladin Lazic an. Für den TuS eine machbare Aufgabe.  😉

Unter den Besuchern wird übrigens all 30 Sekunden eine von 180 Kisten Getränke verlost. Gutes Wetter ist auch bestellt. Also: Warum nicht mal wieder zum TuS?!

Der Anstoß erfolgt um 15.30 Uhr im Emslandstadion. Eintritt 5 Euro (Stehplatz), 3 Euro Jugdl. bis 14 Jahre (Stehplatz), 10 Euro (Sitzplatz), ViP-Karten für 50,00 Euro.  Mehr…

ps Das DFB-Pokalfinale in Berlin startet übrigens erst um 20 Uhr.

vuurwerkramp

14. Mai 2010

Vor genau zehn Jahren zerstörte eine Explosionskatastrophe im benachbarten Enschede ein ganzes Stadtviertel. 23 Menschen starben und rund 1000 wurden verletzt. Gestern am Donnerstag gedachten die Einwohner Enschedes der Opfer. Genau um 15.25 Uhr begannen die Glocken aller Kirchen zu läuten. Um diese Zeit hatte am 13. Mai 2000 die erste Explosion in der Feuerwerk-Fabrik S.E. Fireworks das direkt nördlich der Innenstadt gelegene Stadtviertel Roombeek erschüttert. Danach war ein flammendes Inferno ausgebrochen. Hunderte Kilo von Feuerwerkskörpern flogen in die Luft, fast der gesamte Stadtteil brannte nieder.

Bei einer  Gedenkveranstaltung am Ort der Katastrophe sagte Enschedes Bürgermeister Peter den Oudsten (Foto lks.) vor mehr als Tausend Menschen, dass ,,jeder in Enschede hofft, dass das Rätsel um die Ursache der Katastrophe endlich gelöst wird“.  Er verwies auf neue Untersuchungen der Staatsanwaltschaft und der Polizei, die die Ursachen klären soll. Neue Zeugenaussagen sollen  ausgewertet werden, wonach Arbeiter der Feuerwerkfabrik  direkt vor der Explosion auf dem Firmengelände gearbeitet hätten.  Auch Wim Kok (kl. Foto), im Jahr 2000 niederländischer Ministerpräsident, war gestern nach Enschede gekommen und unterstrich: ,,Die Aussagen der neuen Zeugen klingen überzeugend“.

Am 13. Mai vor zehn Jahren wurde bei der vuurwerkramp, wie es auf Niederländisch heißt, ein ganzes Viertel zerstört. Aber es war auch ein Anfang. Nur zwei Wochen nach der Katastrophe gründeten die Betroffenen einen Verein. Sie wollten ihren völlig zerstörten Stadtteil nach ihren eigenen Vorstellungen wieder aufbauen – und ohne die „Fachleute“ in der Stadtverwaltung, die die Feuerwerkskatastrophe nach Ansicht vieler erst möglich gemacht hatten, weil sie viel schlampten, kaum kontrollierten und so eine gefährliche Feuerwerksfabrik mitten in einem Wohnviertel duldeten.

Ein Projektbüro wurde in Roombeek eröffnet, externe Berater kamen hinzu. Der bekannte niederländische Architekt Pi de Bruijn neben dem Briten Norman Foster übrigens Preisträger beim Umbau des Berliner Reichstages– wurde in die Projektleitung gewählt. „Nicht nur als Baumeister, auch als Seelenarzt”, sagte jetzt Vereinsvorsitzender Albert Vasse: „Es ging auch um unsere Gefühle.”Unter de Bruijns Leitung ließen die Anwohner ihrer Kreativität freien Lauf. Auf Informationsabenden bastelten sie mit Legosteinen und Ton, was ihnen vorschwebte. Vieles davon ist verwirklicht worden und hat das neue Roombeek zu einem Wohnviertel gemacht, das es so wohl kein zweites Mal auf der Welt gibt. 600 Millionen Euro sind in den Wiederaufbau geflossen. Das ehemalige Fabrikgelände ist zum Park geworden. Entlang vieler Straßen gleicht kein Haus dem anderen, weil jede Farbe und jede Form erlaubt war. Grün steht neben rot, rund neben eckig, klein neben groß, Holz neben Beton, 1920er Jahre neben Science-Fiction. „Wir durften viele Baunormen ignorieren”, bestätigt Vasse. Architekturpreise hat das dem Projekt gebracht und jährlich mehr als 200 geführte Besuchergruppen aus aller Welt. Übrigens waren auch zwei Architekturbüros aus Deutschland  aktiv: Peter Wilson aus Münster und Peter Hübner aus Neckartenzlingen. (mehr…)


(Quellen:  Tubantia, DerWesten.de; Fotos: © flickr.com Creative Commons oben: Elger van… unten von lks. Patrick…, , Niek ten…, chogenbo, andrevanb., Think Blink, Willem van…(2))



Herzensthema

14. Mai 2010

250 Kontrollverfahren bei Unternehmen wegen Verstößen gegen Datenschutz haben die niedersächsischen Datenschützer in den letzten drei Monaten eingeleitet, darunter gegen Einkaufsmärkte und Callcenter. Die Wirtschaft bekommt in der Regel aber eine Schonfrist und muss erst mal kein Bußgeld fürchten. „Wir wollen nicht den Ruf eines Scharfmachers haben“, sagte Niedersachsens Datenschutzbeauftragter Hans-Joachim Wahlbrink. Er wolle, so der Datenschützer, „nicht gleich mit Sanktionen drohen“, zumal auch die vielen Rechtsverstöße bei den Videokameras im öffentlichen Bereich– bei Polizei und in Kommunen – nicht geahndet werden können. Die meisten Betriebe, die den Datenschutz nicht ernst genug genommen hätten, seien zudem einsichtig und reagierten auf die Kritik.

In rund zehn bis zwölf Fällen in Niedersachsen drohen den Unternehmen Bußgelder, erklärte Wahlbrink gegenüber der Nachrichtenagentur dpa, vor allem weil die Unternehmen den Datenschützern Informationen verweigerten oder notwendige Veränderungen beim Datenschutz nicht umsetzten. Nach den Datenschutz-Skandalen bei Lidl, der Telekom und der Deutschen Bahn gibt es im Gegensatz zu früher mehr Kontrollen in niedersächsischen Unternehmen. Wegen der Bespitzelung von Mitarbeitern hatte  Lidl rund 670.000 Euro Bußgeld  zahlen müssen.

Die Zahl der Datenschützer wurde außerdem aufgestockt – statt vier sind nun zehn Mitarbeiter für die rund 300.000 Unternehmen in Niedersachsen zuständig. Allerdings, so Wahlbrink, habe sich die Verstärkung des Personals, das im Bereich des Innenministeriums gesucht wurde, einige Zeit hingezogen. „Der Datenschutz ist nicht so ein Herzensthema für das Innenministerium, dass man da Druck machen würde“, erklärte Wahlbrink.

(Quelle und mehr; Foto © gynthi46, flickr.com Creative Commons)