hier & jetzt

27. Januar 2026

Hier & Jetzt
Lingen (Ems) – Kunsthalle, Kaiserstraße 10a  / Harry-Kramer-Platz
31. Januar 2026 – 15. März 2026
Eröffnung Freitag, 30. Januar 2026 um 19 Uhr
öffentliche, kostenlose Führungen jeweils sonntags um 15:30 Uhr.

Früher hieß die traditionelle Gruppenpräsentation schlicht „Mitgliederausstellung“. Jetzt wird unter dem Titel „hier & jetzt!“ ein umfangreicher Einblick in die künstlerische Tätigkeit unserer Region geboten. Sowohl Künstler:innen, die an renommierten Kunsthochschulen oder auch an vergleichbaren Hochschulen studiert haben, als auch solche, die sich autodidaktisch ausgebildet haben, stellen in den kommenden Wochen in der Kunsthalle aus. Als Mitglieder des 1983 gegründeten Kunstverein Lingen leben viele von ihnen im Emsland, in der Grafschaft Bentheim oder auch in den benachbarten Niederlanden. Die gestalterische Freiheit sorgt für eine breit gefächerte Sammlung an Techniken, die von Malerei, Zeichnung, Fotografie, Collage, Assemblage, Skulptur und Video bis hin zu Installation und Performance reicht.

Entstanden ist ein vielschichtiger Überblick über die zeitgenössische künstlerische Produktion in all ihren aktuellen medialen Ausprägungen. Inhaltlich eint die Werke ihre Auseinandersetzung mit gesellschaftlich und politisch relevanten Themen, sowohl im regionalen als auch im überregionalen Kontext.

Zur Eröffnung der Gruppenausstellung am Freitag, dem 30. Januar 2026 um 19 Uhr, lädt der Kunstverein Lingen herzlich ein. Nach Begrüßung und Grußworten führen Meike Böhm und Julia Weber in die Ausstellung ein. Anschließend bietet der Kunstverein  Getränke und einen Imbiss.
Musik: Maria Haase, Blockflöte, und  Wilhelm Schulte, Gitarre

Die Kunstwelt ist ein Stück leiser und farbloser geworden. Am vergangenen Donnerstag, 22. Januar ist Ulrich „Ulli“ Dörrie nach langer Krankheit im Alter von 67 Jahren in Hamburg verstorben. Mit ihm verlieren wir nicht nur einen profilierten Galeristen und Professor am Campus Lingen, sondern vor allem einen Menschen, der die seltene Gabe besaß, Intellekt mit Bodenständigkeit und Scharfsinn mit Herzlichkeit zu verbinden.

Monopol schreibt über den Verstorbenen: „Von 1987 bis 2011 war er Partner der Dörrie | Priess Galerie in Hamburg, von 2005 bis 2010 zudem der Berliner Dependance der Galerie. Zuvor prägte Dörrie als wichtiger Akteur der Offszene die Buch Handlung Welt und des Vereins weltbekannt. Als Gründungsmitglied des Vereins Westwerk sowie mit seiner Galerietätigkeit trug er maßgeblich zum Erhalt und zur Entwicklung des Kunststandorts Fleetinsel in Hamburg bei.“

„Darüber hinaus engagierte sich Dörrie kulturpolitisch: Er war Mitglied im Vorstand des Kunstvereins in Hamburg, in der Kunstkommission sowie als Galerienvertreter in der Arbeitsgruppe Bildende Kunst eine profilierte Stimme der Hamburger Kulturlandschaft. Auch in Berlin wirkte er kulturpolitisch, setzte sich für die Entwicklung und Professionalisierung des Schwulen Museums ein und arbeitete bei der Qnitiative Queer Nations mit.“

Wer Ulli kannte, weiß: Er war kein Mann der lauten Selbstdarstellung. Mit seinem feinen Humor, einer Prise Ironie und jener unaufgeregten Gelassenheit, die man wohl nur mitbringt, wenn man im Emsland aufgewachsen ist, navigierte er durch die oft exaltierte Kunstszene Hamburgs und Berlins. Gemeinsam mit Holger Priess prägte er Jahrzehnte lang das Gesicht der Hamburger Fleetinsel – ein Ort, der unter seiner Hand mehr war als ein Marktplatz für Kunst; es war ein Ort der Begegnung.

Doch so sehr er die Metropolen liebte, so sehr zog es ihn am Ende zurück zu seinen Wurzeln. Dass Ulli Dörrie als Professor an den Campus Lingen zurückkehrte, war für die Hochschule und die Stadt ein echter Glücksfall. Er war kein „Theoretiker im Elfenbeinturm“. Er brachte den Dreck der Galeriewelt, die Leidenschaft der Ateliers und die harte Realität des Kulturbetriebs mit in den Hörsaal. Für seine Studierenden war er Mentor, Wegweiser und ein Vorbild an Authentizität. Er lehrte sie nicht nur, wie man Kunst verwaltet, sondern wie man sie liebt und kritisch hinterfragt.

Ulli war jemand, der keine Berührungsängste kannte. Er konnte im Hamburger „Abendblatt“ oder in der „monopol“ über komplexe Marktmechanismen referieren und im nächsten Moment in Lingen mit derselben Leidenschaft über die Bedeutung lokaler Kulturarbeit sprechen. Er blieb immer er selbst – unangepasst, neugierig und zutiefst menschlich.

Wir werden seine Stimme vermissen, sein wissendes Lächeln und die Art, wie er es schaffte, die Welt ein kleines bisschen klüger und weniger kompliziert erscheinen zu lassen.

Mach’s gut, Ulli. Du lässt eine Lücke, die niemand so recht füllen kann – weder in Lingen noch an der Elbe.

 

-.-.-
Quellen: Monopol, Facebook, Priess Galerie

Testspiel: HSG vs OHV

26. Januar 2026

Der Osnabrücker Hans Georg Calmeyer war Rechtsanwalt und Notar. Von 1941 bis 1945 im Zweiten Weltkrieg arbeitete er während der deutschen Besatzung der Niederlande  als Mitarbeiter der deutschen Besatzungsbehörde in Den Haag. Mindestens 2.866 jüdische Männer, Frauen und Kinder bewahrte er in dieser Zeit vor der Deportation in die Vernichtungslager, doch er schickte auch Tausende Niederländer*Innen in die Vernichtung. Hans Georg Calmeyer entschied über Leben und Tod als „Rassereferent“ der NS- Verwaltung in Den Haag. Die ARD-Doku „Calmeyers Dilemma“ beleuchtet den moralischen Konflikt zwischen systemischer Macht und individueller Menschlichkeit.

Über ein deutsches Leben:

Es war die Idee von Elisabeth Tondera: Immer am letzten Freitag im Monat wird im Café Am Markt um 15.30 Uhr vorgelesen. Organisatorin Andrea Thal schreibt dazu in Ihrem Wortglitzer-Blog: „Genießen Sie bei Kaffee und Kuchen die selbstgeschriebenen Texte der Teilnehmer*innen der Schreibwerkstatt.“

Amsterdam: Der Stadtrat hat in dieser Woche ein Werbeverbot für Fleisch, Wurstwaren und andere Klimaschädlichkeiten beschlossen. 

Ab dem Sommer gibt es an Straßen, Plätzen und Haltestellen des niederländischen Flaggschiffs keine Werbung für bestimmte Produkte wie Hamburger, Kreuzfahrten, Dieselautos oder Flugreisen mehr. Der Stadtrat hat mit einer ökologisch-linken Mehrheit für dieses Verbot gestimmt. Damit ist Amsterdam die erste Hauptstadt der Welt, die Werbung für Fleischprodukte verbietet. Für ExpertInnen: Obwohl der Regierungssitz im Nachbarland in Den Haag liegt, ist Amsterdam laut Verfassung die Hauptstadt der Niederlande.

Die ökologische Partei GroenLinks, die sich für das Verbot eingesetzt hat, freut sich über diesen „wichtigen Sieg für das Klima und die öffentliche Gesundheit“.  „Für Werbung großer Unternehmen, die die Klimakrise vorantreiben, ist in Amsterdam kein Platz mehr“, sagte die grüne Stadtabgeordnete Jenneke van Pijpen.  Schon 2020 hatte Amsterdam versucht, die sogenannte fossile Reklame zu verbieten, aber bisher hatte es nicht geklappt.

In den Niederlanden haben schon einige Städte ähnliche Verbote beschlossen. Haarlem war im Jahr 2024 weltweit die allererste Stadt, die Werbung für Fleisch verbot und sorgte damit für internationale Aufmerksamkeit.  Die britische Tageszeitung „The Guardian“ berichtete zum Beispiel darüber. Auch in Nijmegen und Utrecht gibt es ähnliche Verbote. Im vergangenen Jahr wies ein Gericht in Den Haag die Klage von Reiseveranstaltern gegen ein Reklameverbot ab.

Die Wirkung ist vor allem symbolisch: Werbung für klimaschädliche Produkte verschwindet von städtisch kontrollierten Außenflächen, aber im Fernsehen, Internet oder im Supermarkt werden Konsumenten weiterhin Werbung sehen.

Reihe Weltklassik am Klavier
Sunghoon Simon Hwang
Chopin in seiner Essenz: Ein Abend der Etüden!
Lingen (Ems), Musikschule des Emslandes, Wilhelmstraße 49
> Heute, Sonntag, 25. Januar 2026 – 17 Uhr
Karten 30 Euro, bis 18 Jahre Eintritt frei

‚Dieser Klavierabend widmet sich den beiden beeindruckenden Sammlungen von Chopins Etüden: op. 10 und op. 25. Chopin, der Meister der Klaviermusik, nutzt diese Etüden nicht nur zur technischen Schulung, sondern auch zur musikalischen Ausdruckskraft. Die 12 Etüden op.10, die oft als seine erste Sammlung betrachtet wird, zeigen eine breite Palette an Emotionen und technischen Herausforderungen – von der lyrischen Schönheit der Etüde Nr. 3 bis zur virtuosen Brillanz der Etüde Nr. 5. Die 12 Etüden op.25 erweitern dieses Spektrum und bieten noch komplexere Strukturen und tiefere emotionale Einsichten. Diese Werke sind nicht nur technische Meisterleistungen, sondern auch poetische Erzählungen, die das Publikum auf eine bewegende Reise durch Chopins musikalische Welt mitnehmen. Ein Abend, der die Faszination und den Zauber der Klaviermusik feiert.‘

Das heutige Programm:
Frédéric Chopin
Études Buch II op. 25
1. As-Dur
2. f-Moll
3. F-Dur
4. a-Moll
5. e-Moll
6. gis-Moll
7. cis-Moll
8. Des-Dur
9. Ges-Dur
10. h-Moll
11. a-Moll
12. c-Moll

– Pause –

Frédéric Chopin
Études Buch I op. 10
1. C-Dur
2. a-Moll
3. E-Dur
4. cis-Moll
5. Ges-Dur
6. es-Moll
7. C-Dur
8. F-Dur
9. f-Moll
10. As-Dur
11. Es-Dur
12. c-Moll – Revolution

Sunghoon Simon Hwang sagt: „Ich spiele für Weltklassik, weil große Musik die Kraft hat, Herzen zu öffnen und zu vereinen.“ – Simon Hwang Der Konzertpianist Simon Hwang zählt zu den herausragenden Pianisten seiner Generation. Sowohl in Europa als auch in Asien gastierte er mit zahlreichen Orchestern. Er gewann mehr als 40 Preise bei renommierten internationalen Wettbewerben und erhielt neun Sonder- und Interpretationspreise. Es folgten zahlreiche Einladungen zu diversen internationalen Musikfestivals. Mit dem Wunsch, verschiedene abendländische kulturelle Traditionen zu erkunden und unterschiedliche pianistische Schulen kennenzulernen, setzte er seine Studien in drei Ländern fort: in Rom an der „Accademia nazionale di Santa Cecilia“, in Paris an der „École normale de musique“ und an der Musikhochschule Hannover. Er wurde in die Jury des internationalen Klavierwettbewerbs Claude Bonneton, Euterpe, G. Raciti berufen. Im Jahr 2012 erschien seine CD „Artist Poetry“.

Spoiler:
Leider ist es mittlerweile in unserer Stadt so, dass bei Konzertankündigungen immer wieder weder Interpreten noch das Programm musikalischer Aufführungen genannt werden. So weit, so Provinz. Ich habe jedenfalls lange vergeblich versucht, über das Konzert anlässlich des Holocaust-Gedenktages die Essentials herauszufinden.

Denn auf der Veranstaltungsseite der Stadt Lingen (Ems) taucht das ganze Konzert nicht auf, obwohl es in Kooperation mit der Stadt Lingen (Ems) stattfindet. Auf der Website des Forum Juden Christen im Altkreis Lingen eV lese ich bloß: „An diesem Tag wird um 19 Uhr eine Konzertveranstaltung stattfinden. Nähere Informationen werden rechtzeitig bekanntgegeben.“ Sind etwa diese lokalen ExpertInnen und Veranstalter außerstande, eine vernünftige Konzertvorschau abzuliefern? Das wäre peinlich!

Schließlich habe ich sozusagen „im Kleingedruckten“ auf der Instagram-Seite „Gedenkortjüdischeschulelingen“ Aussagekräftigeres gefunden: 

Am Dienstagabend spielt ab 19 Uhr in der Kreuzkircbe am Universitätsplatz 1 das Ensemble „Die Grenzgänger“ ihr Programm „und weil der Mensch eine Mensch ist“ mit Liedern und Texten aus Konzentrationslagern, Gefängnissen und aus dem Widerstand gegen das NS-Regime.
Der Eintritt ist frei.

Ein Crosspost von der Seite der Lingener BürgerNahen (veröffentlicht am Mittwoch, 21. Januar 2026):

„Das war heute ein Ausverkauf der Mieterinteressen in Reuschberge: „CDU, SPD, Grüne und FDP kapitulierten am Mittwochnachmittag vor Investor-Zusagen“

In einer teilweise hitzigen Sitzung des städtischen Ausschusses für Planen, Bauen und Mobilität zur Sanierung der Lühnschen Wohnblocks im nördlichen Reuschberge (Grafik links) wurde dabei deutlich: Der Schutz der Mieter vor Gentrifizierung spielt für die Ratsmehrheit keine Rolle. Während der Stadtbaurat mit Angst-Szenarien vor Ausgleichsbeträgen hantierte, verließen sich die etablierten Parteien geradezu blind auf die unverbindlichen Versprechen eines Investors. Einzig die BürgerNahen (BN) fordern echte Rechtssicherheit statt „sozialer Kälte“ so Bernd Koop, der die BN in der Sitzung vertrat.

Die Weichen für das Sanierungsgebiet Reuschberge sind damit dauerhaft gestellt, und der Weg führt direkt in die Unsicherheit für hunderte Mieter. In der „PBM“-Sitzung präsentierte die Stadtverwaltung ein „vereinfachtes Sanierungsverfahren“. Die Begründung: Man wolle den Anwohnern südlich der Mühlenbachstraße Ausgleichsbeträge ersparen.

„Das ist ein Trick“, kritisierte Bernd Koop für die BN. „Hier werden die berechtigten finanziellen Sorgen von Eigenheimbesitzern instrumentalisiert, um ein Verfahren durchzudrücken, das im Kern den Mieterschutz im nördlichen Teil aushebelt. Ein umfassendes Sanierungsverfahren wäre das einzige Mittel, um Mietsteigerungen und Verdrängung der Mieterinnen und Mietern in den Lühnschen Häusern rechtlich wirksam zu begrenzen. Die Stadtverwaltung wählt bewusst den zahnlosen Tiger, um Investoren zu hätscheln umd belohnt sie zusätzlich mit Steuervorteilen.“

Die „Frank-Exeler-Show“: Kaffee statt Rechtssicherheit

Während die Mieterinnen und Mieter ihre Interessen nicht darstellen konnten, bildete den Höhepunkt der Sitzung eine fast zwanzigminütige Präsentation des Investors Frank Exeler. In einer beispiellosen „Verkaufsshow“ wurden den Mietern goldene Berge versprochen: Container für Sperrmüll, Ersatzwohnungen zum gleichen Preis, Umzugshilfe und sogar ein „Infopoint zum Kaffeetrinken“.

„Bloße Lippenbekenntnisse und Kaffee-Einladungen sind aber kein Ersatz für rechtlich bindenden Mieterschutz“, so BN-Fraktionsvorsitzender Robert Koop nach der Sitzung. „Dass die CDU jeden kritischen Einwand als Angriff auf die ‚Ehre‘ eines lokalen Unternehmers abtat, zeigt, wie tief das Verständnis von Klientelpolitik sitzt. Vertrauen ist gut, werte CDU, eine umfassende Sanierungssatzung ist aber besser.“

Das Versagen der Parteien: Ein politischer Offenbarungseid

Besonders erschütternd war die Rolle der anderen Fraktionen:

  • SPD: Einst als Partei der Mieter gestartet, agierten ihre Vertreter Andreas Kröger und Hannelore Scholz völlig blass. Anstatt für den BN-Änderungsantrag zu stimmen, der echten Schutz geboten hätte, flüchteten sie sich in „Das ist noch zu früh“ und Meta-Diskussionen über den angeblich so „polterigen Ton“ der Kritik. Wer die Form über den Inhalt stellt, hat die Sorgen der Menschen in Reuschberge offensichtlich nicht verstanden.
  • DIE GRÜNEN: Trotz anfänglicher Skepsis ließen sich die Vertreter Christina Lobenberg und Martina Pellny von den ausweichenden Antworten des Stadtbaurates faktisch einlullen. Zweimal wurde nach Einsicht in Modernisierungsvereinbarungen gefragt, zweimal gab es keine klare Zusage – am Ende knickten die Grünen auch noch ein.
  • FDP: Blieb die gesamte Sitzung über faktisch unsichtbar. Wer nichts sagt, stimmt dem Ausverkauf schweigend zu.

Forderung der BN: Mieterschutz vor Rendite

Die BürgerNahen halten an ihrer Forderung fest: Eine unabhängige Mieterberatung und die Anwendung des umfassenden Sanierungsverfahrens nach Baugesetzbuch sind unumgänglich. „Es darf nicht sein, dass während der laufenden Untersuchungen bereits vollendete Tatsachen geschaffen werden. Die Menschen im nördlichen Reuschberge brauchen keinen Mieter-Infopoint zum Kaffeetrinken, sondern die Garantie, dass sie in fünf Jahren noch in ihren Wohnungen leben können“, sagte Bernd Koop.

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Beitragsbild: Neues Rathaus Lingen (C) BN