NAWALNY

4. Mai 2022

Nawalny, der Dokumentarfilm von Daniel Roher, folgt dem Mann, der im August 2020 ein Attentat durch Vergiftung mit einem tödlichen Nervenkampfstoff überlebt hat. Während seiner monatelangen Genesung macht er schockierende Entdeckungen über den Anschlag auf sein Leben und beschließt, nach Hause zurückzukehren.

Der Film begleitet den bedeutendsten russischen Oppositionellen und Putin-Gegner Alexei Nawalny von dem Attentat des russischen Geheimdienstes bis zu seiner Rückkehr nach Moskau und seiner Inhaftierung. Nawalny beginnt mit geheimen Aufnahmen in dem Flugzeug, in dem Alexei Nawalny mit dem russischen Nervengift Nowitschok ermordet werden sollte. Die Zuschauer.innen sind dann hautnah dabei, als seine Frau im russischen Krankenhaus um sein Leben kämpft; als Nawalny in der Berliner Charité gerettet wird und im Schwarzwald wieder zu Kräften kommt. Der dortige Aufenthalt steht im Zentrum des Films. Zusammen mit seiner Familie, seinem Team und dem bulgarischen Journalisten Christo Grozev gelang es Nawalny hier, den Mordanschlag gegen ihn aufzudecken.

NAWALNY
Dokumentarfilm, USA 2022
98 Minuten
Regie:
Daniel Roher
Kamera: Niki Waltl
Musik: Marius de Vries
Schnitt:
Langdon Page, Maya Daisy Hawke,
Eamonn O’Connor, Aleks Gezentsvey

Ab morgen in den Kinos.

The Truth Wins

20. April 2022

Anlässlich des Welttages gegen die Internetzensur 2022 im März hat die „The Truth Wins“ -Kampagne der Organisation Reporter ohne Grenzen für alle zugängliche nationale Losnummern in einen Zugangscode für unabhängigen Journalismus verwandeln und den Adressatinnen und Adressanten die Möglichkeit bieten, staatliche Zensur zu umgehen.

Indem die neuesten Lottozahlen in die Twitter-Konten und Inhalte der Kampagne eingebettet und regelmäßig aktualisieren werden, können wir der Zensur immer einen Schritt voraus sein. Nutzerinnen und Nutzer geben einfach die neuesten Lottozahlen in die Twitter-Suchleiste ein, und schon erscheinen „The Truth Wins“-Konten mit unabhängigen Nachrichten, zensierten Nachrichtenartikeln und Augenzeugenberichten von führenden Medienschaffenden, die zur Zielscheibe ihrer Regierungen wurden. Darunter sind prominente Medienschaffende wie Can Dündar (Türkei) und Patrícia Campos Mello (Brasilien) sowie Denis Schedow von der Menschenrechtsorganisation OVD-Info (Russland), die eine Info-Webseite betreibt.

Zensur in Russland, Türkei und Brasilien 

Nicht nur in Russland passt ein repressives Regime seine Medienzensur an das digitale Zeitalter an. Auch die Türkei hat sich zu einem weltweiten Vorreiter in Sachen Internetzensur entwickelt; sie blockiert jedes Jahr Tausende von Nachrichtenartikeln und verfolgt Medienschaffende sowie Bürgerinnen und Bürger wegen ihrer Beiträge in den sozialen Medien. Und auch in Brasilien versucht Präsident Bolsonaro kritische Journalistinnen und Journalisten sowie Medien durch systematische Schikanen zum Schweigen zu bringen. Mit der neuen Kampagne will RSF das Bewusstsein für die katastrophalen Auswirkungen der Zensur von Online-Medien schärfen und globale Online-Plattformen dazu aufrufen, sich gemäß ihrer unternehmerischen Verantwortung für die Wahrung der Menschenrechte der staatlichen Zensur zu widersetzen.

Für Internetfreiheit kämpfen

Mit dem Start der neuen Kampagne wird auch die Website www.the-truth-wins.com online gehen. Alle Spenden, die über die Kampagnen-Webseite gesammelt werden, fließen direkt in Projekte von RSF, die auf die Umgehung der Internetzensur abzielen, zum Beispiel durch die Spiegelung von Nachrichten-Webseiten, die in Russland blockiert sind.

 

Robert Habeck

9. März 2022

Schwanensee

5. März 2022

Russland schottet sich immer mehr gegen unerwünschte Informationen ab. Manche internationale Medien und soziale Netzwerke sind aus dem Land nicht mehr ohne Weiteres erreichbar. Ein neues Gesetz soll zudem vermeintliche „Falschinformationen“ über den Krieg drastisch bestrafen. Netzpolitik.org fasst zusammen:

„Die russische Regierung verschärft die Informationskontrolle im Land auf vielen Ebenen. Schon seit dem Beginn des Krieges hatte Russland Facebook und Twitter gedrosselt, so dass die Verbreitung von Bildern und Videos eingeschränkt ist. Seit heute sind zudem die Webseiten von BBC, Meduza und Deutscher Welle nur eingeschränkt bis gar nicht mehr erreichbar, wie auch Netblocks.org beobachtet. Genauso sei Facebook in Russland weitgehend nicht erreichbar.

Im Fokus der Zensur ist auch die russische Wikipedia. Hier hatten Regierungstellen die Enzyklopädie aufgefordert, den Artikel „Russische Invasion in der Ukraine 2022“ zu ändern. Dieser Aufforderung kam die Wikimedia Foundation nicht nach. Auch der Online-Enzyklopädie droht nun die Sperrung.

Das russische Parlament hat zudem heute ein Gesetz verabschiedet, das Geldstrafen und bis zu 15 Jahre Haft vorsieht für die Verbreitung von „Falschnachrichten“ über das russische Militär. Laut der Tagesschau versteht der Gesetzestext darunter das Verbreiten vermeintlicher Falschinformationen über russische Soldaten, das Diskreditieren russischer Streitkräfte und auch Aufrufe zu Sanktionen gegen Russland.

Das Gesetz dürfte nicht nur Medien bedrohen, sondern auch die Menschen, die seit Kriegsbeginn immer wieder in verschiedenen Städten Russlands gegen den Krieg mobilisieren und demonstrieren. Nach Angaben der Menschenrechtsorganisation OVD-Info sind seit Beginn des Krieges mehr als 8.170 Personen auf Antikriegsdemonstrationen in Russland festgenommen worden.

Was das Gesetz bedeuten wird, zeigt der Umgang mit Medien in Russland seit Kriegsbeginn. So darf der Krieg in den Medien weder „Angriff“ noch „Krieg“ genannt werden, sondern nur „Militärische Sonderoperation“. Zuletzt hatte Russland die Verbreitung des unabhängigen Radiosenders „Echo Moskwy“ und des Fernsehsenders „Doschd“ verboten. Auch für die Zeitung Nowaja Gaseta, deren Chefredakteur zuletzt den Friedensnobelpreis bekommen hatte, könnte es laut einem Bericht des Tagesspiegels eng werden.

In Russland wurde das Tor-Netzwerk, mit dem man sich anonym im Internet bewegen und Zensur umgehen kann, schon vor dem Krieg von täglich etwa 300.000 Menschen genutzt. Russland hatte zuletzt die Tor-Webseite gesperrt und versucht auch den Zugang zum Netzwerk zu blockieren.

Aktivist:innen bauen derzeit mehr Infrastruktur für das Tor-Netzwerk auf, darunter auch viele so genannte Bridges, die eine Blockade des Dienstes verhindern sollen. Normale Nutzer:innen ohne große IT-Kenntnisse können mit dem Plugin „Snowflake“ in den Browsern Firefox und Chrome mithelfen, das Tor-Netzwerk zu stärken und so Menschen in Ländern mit Zensur den ungefilterten Zugang zu Information ermöglichen.

Die BBC bietet unterdessen ihre Inhalte auch im so genannten Dark Web auf russisch und ukrainisch an. Diese Seiten können nur mit dem Tor-Browser erreicht werden. Ebenso wurden Kurzwellen-Frequenzen der BBC reaktiviert, die man auch in Teilen Russlands empfangen kann.

Eher symbolischen Charakter hatten kollektive Aktionen wie der Versuch, Antikriegs-Botschaften in Google- und TripAdvisor-Rezensionen zu platzieren. Solche Rezensionen werden von den beiden Plattformen jedoch als nicht-echte Rezensionen gelöscht.

Informationskontrolle auch im Westen

Auch Länder des Westens und der EU üben eine zunehmend schärfere Informationskontrolle aus. So wurden die russischen Propaganda-Sender RT und Sputnik europaweit verboten. Die EU-Kommission versteht den Schritt nicht als Zensur, sondern als Sanktion. Das RND zitiert einen EU-Beamten damit, dass es sich nicht um journalistische Medien handele, sondern um Waffen des Kremls in seiner Aggression gegen die Ukraine.

An diesem Vorgehen gibt es deutliche Kritik. „Der Einfluss dieser Medien auf die Meinungsbildung in Europa ist begrenzt, die zu erwartenden russischen Gegenmaßnahmen allerdings könnten eine unabhängige Berichterstattung aus Russland erschweren oder sogar unmöglich machen“, so der Geschäftsführer von Reporter ohne Grenzen, Christian Mihr.

Neben dieser Form von staatlicher Informationskontrolle reagieren auch Plattformen und Unternehmen auf den Krieg. Sie sperren russische Staatsmedien und stellen bestimmte Dienste ein. Die SZ spricht von einem „riskanten Zensur-Ping-Pong“, in dem die ukrainische Regierung sogar den Ausschluss Russlands aus dem Internet forderte.


von Markus Reuter auf Netzpolitik.org
Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

 

 

unabhängig informieren

3. März 2022

In diesen Tagen stellt sich immer wieder die Frage: Wo kann man sich unabhängig informieren? In Russland, wo ausländische Journalist*innen schon immer Schwierigkeiten hatten, ihrer Arbeit nachzugehen, wird es immer komplizierter, ja fast unmöglich, aus dem Land heraus geprüfte Informationen und Recherchen zu veröffentlichen. In der Ukraine arbeiten Journalist*innen im Krieg unter Lebensgefahr, doch herrscht dort die Pressefreiheit und einige Journalist*innen leisten gerade unglaublich wichtige Arbeit.

So auch die unabhängige Medienplattform kyivindependent.com, die von mehreren Medienmacher*innen in der Ukraine als Start-up lange vor Beginn des russischen Angriffs gegründet worden ist. Sie liefern auf ihrer Seite unabhängige Nachrichten, transparente Quellenangaben und Berichte aus den Städten des Landes, die unter Beschuss sind. Zumindest ist Kyiv Independent für mich als Nicht-Experte in diesen Tagen eine gute, ergänzende Informationsquelle, die ich allen empfehlen möchte.

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Von Mohamed Amjahid auf qipd.

Und noch was: Wer die Arbeit von Journalisten in der Ukraine unterstützen möchte: Das Netzwerk für Osteuropa-Berichterstattung e.V. sammelt hier Spenden.

Das geht gerade viral, und es ist eine gute Idee. Wer also etwas Zeit hat, ist gerne eingeladen zu helfen:

„Geh zu Google Maps. Geh nach Russland. Am besten Moskau, St. Petersburg, Omsk, Tomsk, Irkutsk, Wladiwostok, Jekaterinburg. Und Weißrussland sollte mit einbezogen werden.

Finde dort ein Restaurant oder ein Lokal und schreib deine Bewertung. Wenn Du die Bewertung schreibst, erkläre zugleich, was aktuell in der Ukraine passiert. Hier ein Beispielstext, den Du kopieren kannst:

„Еда была отличной! К сожалению, Путин испортил наши аппетиты, вторгшись в Украину. Противостаньте своему диктатору, прекратите убивать невинных людей! Ваше правительство лжет вам. Вставай!“

DeepL-Übersetzung:

„Das Essen war großartig! Leider hat uns Putin mit dem Einmarsch in die Ukraine den Appetit verdorben. Widersetzt euch eurem Diktator, hört auf, unschuldige Menschen zu töten! Ihre Regierung belügt Sie. Steht auf!“

Und natürlich immer die Bewertung mit 5 Sternen geben!

Ein Crosspost von Netzpolitik.org

Während in der Ukraine Panzer rollen und Raketen einschlagen, ist auch der „Cyberkrieg“ in aller Munde. Viele Aktionen davon sind aber eher symbolische Angriffe. Vor Attacken auf echte kritische Infrastruktur warnen nicht nur IT-Experten, sondern auch das Hackerkollektiv Anonymous selbst.

Das Kollektiv Anonymous ist „offiziell im Cyberwar gegen die russische Regierung“, der ukrainische Digitalminister sucht über Twitter „IT-Talente“ und bewirbt dort einen Kanal der „IT-Armee der Ukraine“ auf Telegram, den in kürzester Zeit mehr als 230.000 Menschen abonniert haben. Der Angriffskrieg Russlands gegen die Ukraine hat längst das Netz erfasst und die unterschiedlichsten Player spielen mit – von putintreuen Ransomware-Gruppen bis hin zu Leuten, die von IT keine Ahnung haben, aber aus Solidarität mit der Ukraine browserbasiert bei DDoS-Attacken mitmachen.

Die Lage ist unübersichtlich, der offizielle Aufruf des ukrainischen Digitalministers allerdings ein Novum. „Für ein Land, das mit einer existenziellen Bedrohung konfrontiert ist, wie die Ukraine, ist es nicht verwunderlich, dass ein solcher Aufruf ergeht und dass einige Bürger darauf reagieren“, sagt J. Michael Daniel, Leiter von Cyber Threat Alliance und ehemaliger Cyber-Koordinator des Weißen Hauses unter US-Präsident Barack Obama gegenüber Wired.

Ungewollte Eskalation möglich

Bislang ist im Telegram-Kanal der „IT-Armee“ nur von DDoS-Attacken die Rede. Daniel warnt zugleich aber auch vor digitalen „Querschlägern“ aus dem Kanal und Angriffen auf kritische Infrastrukturen, die dann Zivilisten in Russland verletzen könnten. Er sieht in der Maßnahme auch die Gefahr einer ungewollten Eskalation, „wenn die Russen dies als direkten Befehl, als direkte Absicht der ukrainischen Regierung wahrnehmen und entsprechend reagieren“, so der IT-Experte weiter.

Linus Neumann, Sprecher des Chaos Computer Clubs (CCC), schließt nicht aus, dass sich Menschen durch den Krieg und Aufrufe wie die des ukrainischen Digitalministers inspiriert fühlen könnten, echte Attacken auf kritische Infrastruktur zu fahren und damit auch erfolgreich sein könnten. „Das würde dann sehr schnell sehr gefährlich, weil Staaten auf derartige Angriffe mit militärischer Logik reagieren“, so Neumann gegenüber netzpolitik.org. Weil die Attribution derartiger Angriffe ohnehin kaum möglich sei, könnte Putin sich zudem dann aussuchen, wem er die Schuld gibt, und wo er „Vergeltung“ üben möchte.

Anonymous im „Cyberwar“

Auch das internationale Hacktivism-Kollektiv Anonymous macht im Ukraine-Krieg mit. Es hat nach eigener Aussage in den letzten Tagen „mehrere 100 Websites der russischen Regierung, von Banken und Staatsunternehmen“ per DDoS attackiert. Viele von ihnen sind nach wie vor nicht erreichbar. Unter den Seiten sind die Webseite des Kremls, die der populären Sberbank, den Staatssender RT sowie das Gasunternehmen Gazprom, bei dem auch die deutsche Webseite derzeit nicht aufrufbar ist. Neben den DDoS-Attacken, die einfach gesagt mit vielen Zugriffen eine Seite überlasten, hat Anonymous nach eigenen Angaben auch richtige Hacks durchgeführt, darunter auf das russische Verteidigungsministerium und den belarussischen Waffenhersteller Tetraedr.

Der deutsche Ableger von Anonymous erklärt in einem Blogpost die Hintergründe der Aktionen. Es gehe nicht darum, die russische Bevölkerung zu treffen. „Putin, der Hackertruppen und Trollarmeen gegen westliche Demokratien einsetzt, bekommt einen Schluck seiner eigenen bitteren Medizin“, heißt es in der Erklärung.

Neben der Störung der Infrastruktur Russlands und der Unterstützung der Ukraine in technischer Hinsicht sei ein weiterer Schwerpunkt die Information der russischen Bevölkerung. Deswegen würden Sendungen auf Russisch in das staatliche Fernsehen eingeschleust und Botschaften über Rundfunk verbreitet. Darüber hinaus engagierten sich Anonymous-Aktivisten dafür, dass die Bürger der Ukraine trotz massiver Störungen des Internets in der Ukraine weiter online bleiben können. Dazu gehörten die Bereitstellung von VPN-Services genauso wie Anleitung zur Umgehung von Sperren des Tor-Netzwerks durch den Einsatz von Bridges.

Digitaler Protest und Zeichen der Solidarität

CCC-Sprecher Neumann sieht DDoS-Attacken, wie sie von Anonymous propagiert werden, eher als digitalen Protest als eine echte Teilnahme am Krieg. „Solche Aktionen können als Zeichen der Solidarität wahrgenommen werden, weil sie zeigen, dass quasi die ganze Welt gegen diesen Krieg und hinter den Ukrainer:innen steht. Und das eben auch auf der Ebene digitaler Aktionen.“

Wenn die Webseiten von Kreml oder Gazprom wegen einer DDoS-Attacke nicht erreichbar seien, dann sei das eher eine symbolische digitale Sitzblockade, bewertet Neumann die Lage. „Die bisherigen Aktionen von Anonymous dürften Russland wohl kaum nennenswert schaden oder gar den Verlauf des Angriffskriegs beeinflussen“, so der CCC-Sprecher weiter.

Theoretisch sei ein nennenswerter Einfluss von Hackerangriffen auf den Krieg natürlich denkbar, wenn die Angriffe sich auf kritische Infrastrukturen richten würden. „Praktisch kommt den Angriffen, die wir in den letzten Tagen gesehen haben, eher die Rolle zu, für Ausfälle, Kosten, Instabilität und Verwirrung zu sorgen. Das angegriffene Land hat dann mehr mit sich selbst zu tun.“

Das gibt auch Anonymous als Ziel aus. Es gelte, den russischen IT-Apparat beschäftigt zu halten. Angriffe auf wirklich kritische Infrastrukturen lehnt Anonymous in seiner Erklärung als „NoGo“ ab. „Derzeit sind auch Hacker unterwegs, die sich nicht an die Werte von Anonymous gebunden fühlen, die Ukraine selbst hat ja den Hackeruntergrund zur Hilfe aufgerufen. Auf diese Leute hat man keinen Einfluss“, distanziert sich die deutsche Gliederung des Hacker-Kollektivs schon vorab von solchen Aktionen.


Ein Beitrag von Markus Reuter auf Netzpolitk.org
Creative Commons BY-NC-SA 4.0.

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Screenshot: RT.de

Das Online-Medienmagazin Uebermedien informierte jetzt darüber, wie die russische Kriegspropaganda funktioniert:

„Wir haben einen Krieg, und dieser Krieg ist auch ein Informationskrieg“, sagt Tamina Kutscher. Die Chefredakteurin der Internetplattform „Dekoder“ spricht in unserem Podcast mit Holger Klein darüber, wie die staatlichen russischen Medien den Konflikt darstellen, und welche Chance Menschen in Russland haben, sich aus anderen, unabhängigen Quellen zu informieren.

Den Krieg gibt es seit 2014 im Osten der Ukraine, und seitdem sei in den russischen Medien immer von den „Faschisten auf dem Maidan“ die Rede. „Diese Rhetorik wird jetzt nochmal ganz massiv bedient“, sagt Kutscher. „Von Putin selber, aber natürlich auch auf allen staatlichen Fernsehkanälen und in den Talkshows“, in denen „Russia Today“-Chefredakteurin Margarita Simonjan etwa von schrecklichsten Gräueltaten gegen Kinder im Donbas erzähle und sage: „Wir kämpfen ja nicht gegen Ukrainer, wir kämpfen gegen Faschisten.“

Der Einfluss dieser extrem emotionalen Talkshows sei nicht zu unterschätzen, sagt Kutscher, die wenigen unabhängigen Medien litten dagegen unter immer weiter gehenden Repressionen – und müssen teilweise aufgeben. Die Polarisierung der Medienlandschaft habe in vergangenen Jahr noch einma stark zugenommen.

Die russische Propaganda lasse sich auf die einfache Formel bringen: „Russland ist die belagerte Festung. Diesem Narrativ wird im Grunde genommen alles mögliche untergeordnet. Das ist die Strategie, durch den äußeren Feind das System Putin zu konsolidieren.

Holger ruft an … wegen Olaf Scholz Übermedien

Olaf Scholz gerät beim G7-Gipfel in Kritik, weil er einer Journalistin eine flapsige Nicht-Antwort auf ihre Frage gibt. Kann er es nicht besser? Oder will er nicht? Holger Klein spricht mit „Zeit“-Journalist Mark Schieritz über Scholz' seltsames Verhältnis zur Öffentlichkeit.

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Quelle: uebermedien.de

Oleg Senzow: Haft

25. Februar 2022

Oleg Senzow, geboren 1976 in Simferopol auf der Halbinsel Krim, ist ukrainischer Autor und Filmemacher.  2013/14 unterstützte er den Maidan in der Ukraine, während der Annexion der Krim durch Russland im Frühjahr 2014 leistete er humanitäre Hilfe. Am 11. Mai 2014 wurde er zugleich mit drei weiteren Aktivisten wegen angeblicher terroristischer Handlungen vom russländischen Inlandsgeheimdienst FSB in Simferopol festgenomme; zuvor hatte Russland völkerrechtswidrig die Krim besetzt.. Die Anklage warf ihm die Gründung einer terroristischen Vereinigung, Senzow wurde zu 20 Jahren Haft verurteilt. Die Menschenrechtsorganisationen Memorial und Amnesty International schätzten das Verfahren und Urteil gegen Senzow als politisch motiviert und als Schauprozess ein. Sie stellten gravierende Verstöße gegen internationale Rechtsnormen fest.

Im Mai 2018 trat Senzow in einen unbefristeten Hungerstreik, den er während der Fußball-WM in Russland fortsetzte, dann aber im Oktober 2018 nach 145 Tagen wegen seines kritischen Gesundheitszustandes abbrach. Im gleichen Jahr verlieh ihm das Europäische Parlament den Sacharow-Preis für Menschenrechte und die französische Hauptstadt Paris die Ehrenbürgerwürde. Am 7. September 2019 wurde Oleg Senzow im Rahmen eines großen Gefangenenaustausches freigelassen und kehrte in die Ukraine zurück.

Während seines Hungerstreiks hat Senzow Tagebuch und Kurzgeschichten geschrieben. „‚Haft‘  ist keine leichte Lektüre, nicht, weil es der Autor so wollte. Das Buch ist so grausam wie die Erfahrung in russischer Haft.“ (BR24).  Senzows Schilderungen geben Einblick in den Alltag in der russischen Strafkolonie „Eisbär“ in Labytnangi am Polarkreis, in der er seine Lagerstrafe bis zu seiner Freilassung verbüßen musste. Der Autor beschreibt die körperlichen Veränderungen, die während der ausgesetzten Nahrungsaufnahme mit ihm vor sich gehen, das launische Wetter in dieser unwirtlichen Gegend, seine Lektüren und die Erinnerungen an die Revolution auf dem Maidan im Winter 2013/14, an der er unmittelbar beteiligt war. Er porträtiert Mitgefangene und beleuchtet die Mechanismen eines brutalen und menschenverachtenden Rechts- und Haftsystems, in dem der betreuende Lagerarzt Senzows einzige vertrauenswürdige Stütze ist. Willkür kennt keine Logik. „Haft“ ist ein Überlebensbericht.

In der Rezension auf DLF-Kultur heißt es:

„Noch am 120. Tag, knapp einen Monat vor Beendigung seines Hungerstreiks und mehr tot als lebendig, schreibt Senzow: „Heute habe ich für mich vier Hauptregeln formuliert, nach denen ich lebe: Mach das, was du willst, hab keine Angst, gib nie auf, verlass dich nur auf dich selbst.“
Die geistige Freiheit, die aus diesen Worten spricht, macht dieses Tagebuch einzigartig und bewegend. Trotz der omnipräsenten Dramatik liest es sich nicht nur deprimierend, sondern inspiriert durch Entschlossenheit und Kraft – schon deshalb, weil man von Anbeginn um das „Happy End“ weiß. „Je näher die Leute dem Tod sind, um so reiner ist ihr Herz.“
Auch das macht diesen Text so lesenswert.“

Oleg Senzow, Haft: Notizen und Geschichten
Verlag: Voland & Quist, Leipzig 2021, 431 Seiten, 26 Euro
ISBN-13 ‏: ‎ 978-3863912925
Bestellung per E-Mail im örtlichen Buchhandel: info(at)Buecher-Holzberg.de

 

Krieg in Europa

24. Februar 2022