schlechtes Wetter

12. November 2018

Hal Faber meinte gestern in seiner wwww-Kolumne aus heise.de:

„Die Gedenken sind frei, jeder kann sie verbraten“, tralala. Der 9. November ist vorbei und die großen Reden sind gehalten. Von allen und vor allem vom Bundespräsidenten Frank-Walter Steinmeier, ganz in der Tradition von Bundespräsident Gustav Heinemann, der da befand „Traditionen sind mit anderen Worten keineswegs das Privileg konservativer Kräfte“. Darum ist „Alles für das Volk, alles durch das Volk“, wie es Philipp Scheidemann formulierte, kein blutstümelnder Spruch von Trägern blauer Kornblumen. Darum kann man mit Steinmeier sagen, klaro, geht in Ordnung, wenn er fordert: „Trauen wir uns doch! Trauen wir uns, die Hoffnung, die republikanische Leidenschaft jener Novembertage auch in unserer Zeit zu zeigen. Trauen wir uns, den Anspruch zu erneuern. Es lebe die deutsche Republik! Es lebe unsere Demokratie!“ Zur Demokratie gehört auch das Aushalten von Widersprüchen wie den einer Verteidigung der Sozialdemokraten von 1918, die gemeinsame Sache machten mit dem Militär und dem Beamtentum des untergegangenen Staates…

*** Was bleibt, ist der heutige Sonntag. „Was für ein schöner Sonntag, Kumpel“ ist dieser Tag, wenn Emmanuel Macron und Angelika Merkel im Wald von Compiègne den Ergänzungs-Gedenkstein dort enthüllen, wo Matthias Erzberger am 11. November vor 100 Jahren die Waffenstillstandserklärung unterzeichnete. Wobei der Salonwagen, in dem die Erklärung unterzeichnet wurde, ein Duplikat ist. Das Original nutzte Hitler am 21. Juni 1940 beim Waffenstillstandsdiktat, mit dem die Schmach vom deutschen Volke getilgt werden sollte. Möge es weitergehen mit der „Aussöhnung im Dienste Europas und des Friedens“, vielleicht sogar mit einer echten europäischen Armee, eine Idee, die der US-Präsident Trump sehr beleidigend findet. Darauf eine rote Mohnblume. Unterdessen hat besagter Präsident den geplanten Besuch des US-Soldatenfriedhofes Bois Belleau wegen schlechten Wetters abgesagt.“ (Text und Quelle: Hal Faber wwww bei heise.de)

Und was war sonst noch?
Für interessierte oder gelangweilte Mitarbeiter unserer öffentlichen Verwaltung habe ich noch einen Rückblick auf diese kleine, aber feine Veranstaltung, die eine vierköpfige Initiative kurzfristig auf den Weg brachte,  zur Erinnerung an an 10. November 1918, als in Lingen der Arbeiter- und Soldatenrat gegründet wurde. Die lokale Revolution damals erscheint im Rückblick etwas zäh, was man vielleicht schon am dritten Wort des Aufrufs erkennen kann, der da „Ordnung“ lautete.

Hier die „handgemachten“ Videos, ohne jede Beleuchtung aber mit klarem Ton  (Danke, Bernd!) vom vergangenen Samstag. Danke, an alle die mitgemacht haben. Nicht zuletzt an Citypolizist Norbert Tenger, der uns das Gefühl ständiger Sicherheit bescherte und während des kleinen Umzugs auch noch ausreichend Zeit fand, die radelnde Jugend auf die Pflicht hinzuweisen, doch in der Fußgängerzone bitte abzusteigen.

und der zweite Teil

Heribert Prantl, Chefredakteur der Süddeutschen, schrieb vor einer Woche über das Erinnern an den 9. November 1918: „Man kann nicht sagen, dass die Geburt der deutschen Republik heute rauschend gefeiert würde. Verglichen mit dem Lutherjahr, bei dem das Gedenken und Feiern, das Jubilieren und das Kritisieren schier nicht mehr aufhörte, ist das Fest der Demokratie nicht einmal ein Festlein. Keine große Einladung, keine große Feier, kein Feuerwerk, keine Festakte. Das Wagnerjahr ist größer begangen worden. Deutsche Revolution? Es gibt keine Revolutionshelden (obwohl es sie gäbe), es gibt keinen Revolutionsmythos (obwohl es ihn bräuchte), es gibt nicht einmal eine dankbare Erinnerung (obwohl sie so wichtig wäre).“ Auch deshalb gab es vorgestern diese kleine Veranstaltung zur Erinnerung an die deutsche Revolution 1918 und ihre lokalen Protagonisten; denn auch in unserer Stadt hat man ansonsten weder des Tages noch seiner Helden gedacht.

Schöne Woche, liebe Leserschaft!

contre le racisme

27. Mai 2017

To denounce Le Front National (extreme right party) the French Black National Organization (le CRAN) organized a striking stunt. One man tattooed his whole body with real racist insults, and walked through the streets of Paris the day after the first round of the French presidential elections to open people’s minds. http://www.jeffaceleracisme.fr

schwer und intensiv

29. Juni 2016

Bachmannpreis16Der Schriftsteller Burkhard Spinnen eröffnet heute den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Der Ingeborg-Bachmann-Preis wurde in Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann von ihrer Geburtsstadt Klagenfurt (Kärnten) gestiftet und wird seit 1977 jährlich während der mehrtägigen Veranstaltung Tage der deutschsprachigen Literatur verliehen.  Spinnen war sieben Jahre lang Juryvorsitzender des Lesewettstreits und hält unter dem Titel „Grand Tour durch das Nähkästchen eines Veteranen oder: 15 Mal Bachmann-Preis“ die traditionellen Klagenfurter Rede zur Literatur.

Die Tage der deutschsprachigen Literatur im österreichischen Klagenfurt sind der bedeutendsten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum. Sie  finden in diesem Jahr bis zum 3. Juli statt und feiern gleich zwei Jubiläen: 2016 wäre nämlich die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann 90 Jahre alt geworden, und der nach ihr benannte Preis wird 2016 zum 40. Mal vergeben. 14 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Serbien, Türkei, Israel und der Schweiz lesen bis kommenden Samstag um den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis, der am 3. Juli vergeben wird.

Die Zuhörer selbst können via Internet den Publikumspreis in Höhe von 7.000 Euro vergeben. Außerdem vergibt 3sat, der werbefreie Gemeinschaftssender von ZDF, ORF, SRG und ARD, an „ein vielversprechendes Talent aus dem Kreise der zum Klagenfurter Wettbewerb eingeladenen Autorinnen und Autoren“ den mit 7.500 Euro dotierten 3sat-Preis.

Direkt nach Burkhard Spinnens Eröffnungsrede wird übrigens die Le­sereihenfolge der eingeladenen Autorinnen und Autoren ausgelost. Alle sich in den folgenden Tagen anschließenden Lesungen überträgt 3sat live bzw. per Livestream: Am Donnerstag (30.6.) und Freitag (1.7.) jeweils von 10.00 bis 15.30 Uhr, am Samstag (2.7.) von 10.00 bis 14.00 Uhr. Die Schlussdiskussion mit der Preisverleihung zeigt 3sat am kommenden Sonntag von 11.00 bis 12.00 Uhr. Beim Wettbewerb zugelassen sind übrigens ausnahmslos unveröffentlichte deutschsprachige Prosatexte mit einer maximalen Lesedauer von 25 Minuten.

Eine der im Wettstreit  lesenden Autoren ist in diesem Jahr die in Osnabrück lebende, in Hannover geborene Ada Dorian. Die studierte Literaturwissenschaftlerin liest auf Einladung der Jurorin Hildegard E. Keller.  Ada Dorians Romandebüt „Betrunkene Bäume“ erscheint 2017 bei Ullstein.

Ada Dorians Texte sind schwer und intensiv, schreibt der NDR. Sie sei kein Fan der Heiterkeit, erklärt die 34jährige über sich selbst und sagte dem NDR: „: „Ich würde mich selbst als optimistische Melancholikerin bezeichnen. Ich glaube, dass meine Texte ganz viel Mut machen, aber inhaltlich rückwärtsgewandt sind und sehr nachdenklich. Sie werden in meinen Texten keine Explosionen und keine Witze finden.“ Im Vorfeld der Veranstaltung hat die Niedersächsin wie die anderen Kandi­daten eine persönliche Visitenkarte in Form eines rund 2-minütigen Videoporträts eingereicht.

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Schadsoftware

10. Juni 2016

BSI2Der Neid der Freunde und Kollegen ist ihnen gewiss: Den Glücklichen, die der begehrten Eintrittskarten für ein Spiel in einem französischen EM-Stadion ergattert haben. Zudem können sie die Atmosphäre eines Public-Viewing-Events am Austragungsort genießen. Bevor sich die Fans auf die Reise nach Frankreich begeben, sollten sie nicht nur für eine vollständige Ausrüstung mit Trikot und Schal sorgen. Denn um die Daheimgebliebenen jederzeit mit Eindrücken der Reise zu versorgen, setzen viele auf das mobile Internet. Für den ungetrübten Spaß an der Kommunikation sollte man diese Tipps vom „Bundesamt für Sicherheit in der Informationstechnik“ (kurz BSI)  beachten:

  • Verschlüsseln Sie sensible Daten auf Ihrem Gerät und machen zusätzlich eine Sicherungskopie auf einem externen Datenträger, den Sie zuhause sicher verwahren. Im Falle eines Datenverlusts durch Schadsoftware oder Diebstahl des mobilen Geräts sind zumindest Ihre Daten gerettet.
  • Verschicken Sie keine sensiblen und vertraulichen Daten (z.B. Kreditkarten- oder Bankdaten), wenn Sie in einem öffentlichen WLAN eingeloggt sind, da die Daten dort in den allermeisten Fällen unverschlüsselt übertragen werden und so leicht in falsche Hände geraten können.
  • Aktivieren Sie drahtlose Schnittstellen wie Bluetooth, WLAN oder NFC nur dann, wenn Sie sie tatsächlich nutzen, denn auch auf diesem Wege kann ein Schadcode in Ihr Gerät geschleust werden.
  • Besuchen Sie mit Ihrem Gerät möglichst nur Ihnen bekannte Webseiten. Am besten setzen Sie noch zuhause Lesezeichen für jede Seite, dann vermeiden Sie auch, durch einen Tippfehler auf einer schadhaften Seite zu landen.
  • Falls Sie im Ausland ein Spiel über Ihr mobiles Gerät via Livestream verfolgen wollen, sollten Sie auf seriöse Anbieter achten wie beispielsweise die offiziellen TV- und Rundfunkanbieter. Denn auch hinter vermeintlichen Links zu Livestreams verbergen sich leider häufig Fallen von Cyber-Kriminellen, die zu einer Infektion des Geräts mit Schadcode führen.

Das BSI hat eine Reihe umfassender Tipps für die sichere Computer- und Internetnutzung auf Reisen zusammengestellt – übrigens auch für die, die nicht in Frankreich Fußball gucken, und die, die einen neuen Fernsehapparat erstehen.

Engländer

16. Mai 2016

Der Countdown zur Fußball-Europameisterschaft in Frankreich läuft. Rund einen Monat vor dem Start bringt sich nach Adidas, Mercedes und Bitburger auch DFB-Partner Lufthansa werblich in Stellung. Im Mittelpunkt des TV-Spots: Die Mutter aller Fan-Rivalitäten. Den Clip dürfte sogar der eine oder andere Engländer lustig finden.

(Quelle)

Ich…

6. August 2015

…bin dann mal weg und melde mich wegen der Sommerpause nur so ab und zu. 😉

Das französische Trio L.E.J. hat 11 französische Sommerhits dieses Jahrs in knapp vier Minuten gemixt.  Merci beaucoup, die Damen. Macht’s im nächsten Jahr noch mal.

Hier die Setlist:

Freedom – Pharrell Williams
Lean on – Major Lazer
Carmen – Stromae
Hey mama – Nicki Minaj / David Guetta
Gangsta – Bigflo et Oli
Laissez passer – Maitre Gims
Conmigo – Kenji Girac
Bitch better have my money – Rihanna
Uptown Funk – Bruno Mars
Cheerleader – OMI
CoCo – O.T. Genasis 

 

Beachtung

25. März 2014

Verloren haben am Sonntag die regierenden Sozialisten von Präsident François Hollande die französischen Kommunalwahlen am Sonntag. Der rechtsextreme Front National (FN) und die konservative Opposition verbuchten zugleich Erfolge. Der FN erzielte in einigen Regionen hohe Zuwächse , landesweit aber stimmten nur 4,65 % der Wähler für die Rechtsextremen. Umfragen hatten sie zuvor landesweit bei 7 % gesehen. In der ersten Runde der Kommunalwahlen vor fünf Jahren war der FN nur auf 0,9 Prozent gekommen.

Die konservativen Parteien erhielten bei der Kommunalwahl insgesamt 46,5 Prozent der Stimmen, die linken Parteien mussten mit 37,7 Prozent eine deutliche Niederlage hinnehmen.

Soweit der Überblick. Meine Sicht konzentriert sich auf Elbeuf-sur-Seine, die Partnerstadt Lingens. Vor zehn Jahren, am 15. Mai 2004, unterzeichneten der damalige OB Heiner Pott (CDU) und sein französischer Amtskollege die Partnerschaftsurkunde. Am Sonntag nun wurde der 40jährige Djoudé Merabet mit 64,4 % der abgegebenen Stimmen als Bürgermeister Elbeufs wiedergewählt. Er ist jetzt seit sechs Jahren im Amt.

Doch landesweite Beachtung erreichte sein Gegenkandidat Nicolas Bay, der in Frankreich für den FN die Kommunalwahlkampagne organisiert hatte. Bay nämlich verlor zwar, erhielt in der traditionell linken Kleinstadt an der Seine aber beeindruckende 35,6 % und damit einen der höchsten Werte der Rechtsextremen im Nachbarland. 

Hier das heutige Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahlen in Lingens Partnerstadt Elbeuf-sur-Seine im Departement Seine-Maritime. Es gab mit 73,8% keine geringe Wahlbeteiligung, aber leider auch hier knapp 19% für die rechtspopulistische Marine Le Pen. Doch sonst war es in Elbeuf im ersten Wahlgang eine ziemlich klare Sache für den sozialistischen Kandidaten François Hollande und für Monsieur Nicolas Sarkozy blieb nur Platz 3:

Burka

31. Januar 2012

Neues vom Nachbarn: Als drittes europäisches Land nach Frankreich und Belgien will die Niederlande die Burka verbieten. Die Burka (eigentlich Burqu, aus arabisch ‏برقع‎, DMG burquʿ, Plural ‏براقع‎ / barāqiʿ; in Pakistan auch als Barqa) ist ein Kleidungsstück, das der vollständigen Verschleierung des weiblichen Körpers dient. Die Burka wird von vielen muslimischen Frauen in Afghanistan und einem Teil der Frauen in PakistanIndien und anderen muslimischen Ländern getragen.

Hollands Innenministerin Liesbeth Spies nannte den niederländischen Plan einen Akt von “unvorstellbarer Wichtigkeit”.  Welche Strafen es geben wird, wenn jemand künftig entgegen dem Gesetz in der Öffentlichkeit doch eine Burka trägt, ist bislang unklar. In Frankreich riskiert eine Burka-Frau 150 Euro Strafe, und ein Mann, der seine Frau zur Burka zwingt bis zu 30.000 Euro und zwei Jahre Gefängnis. In den Niederlanden sollen nach Schätzungen um die 150 Frauen gezwungen oder freiwillig die Burka tragen.
(Quellen: Meine Güte Blog von Falk Madeja; wikipedia; Foto © Steve Evans CC)

Nicht schlecht II

23. Juni 2011

Sie wissen längst: Sonntag um 18 Uhr beginnt in Berlin die FIFA Fußball-Weltmeisterschaft der Frauen 2011 in Deutschland.  Das erste Spiel Deutschland gegen Kanada ist eigentlich das zweite, weil schon drei Stunden früher im Hoffenheimer Stadion in Sinsheim das Spiel Nigeria gegen Frankreich angepfiffen wird. Aber dieses zeitlich erste Spiel ist offiziell das zweite. Das ist für mich noch schwerer zu verstehen als der Umstand, dass Victoria Gersten künftig SV Meppen, FFC Bad Oldesloe demnächst VfB Lübeck und  FC Lübars dann Hertha BSC heißt. Ki(e)k! Die Sehnsucht nach Geld greift auch nach der 2. Bundesliga der Fußballerinnen. Also lieber, wie hier mitgeteilt, Heidekraut Andervenne.

Ach so! Von Public viewing im Emsland zur Frauen-WM habe ich jetzt doch etwas gehört. Nämlich hier. Geht doch!