„75 Jahre Kriegsende“

3. Februar 2020

76 Jahre Kriegsende – Vortragsreihe im Emslandmuseum
Lingen im 2. Weltkrieg
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28 b
Mi 5. Febr ’20 – 11, 16 und 19.30 Uhr
Fr 7. Febr ’20 – 11, 16 und 19.30 Uhr

Eintritt 5 Euro

Zu einer Präsentation über „Lingen im Zweiten Weltkrieg“ im Rahmen der Reihe „Mittwochs im Museum“ laden Heimatverein und Emslandmuseum ein. Das Thema bildet den Auftakt zu einer Vortragsreihe zum Ende des Zweiten Weltkriegs vor 75 Jahren.

Seit dem Bau der Kasernen 1934/35 Jahren war Lingen (Ems) Garnisonsstandort, das Reichsbahnausbesserungswerk zählte zu den kriegswichtigen Betrieben. Daher war die Stadt ab 1939 vom Zweiten Weltkrieg in besonderer Weise betroffen. Lingener Männer waren als Soldaten schon am Überfall auf Polen, an der Besetzung Dänemarks und Norwegens sowie am „Krieg im Westen“ gegen die Niederlande, Belgien und Frankreich im Frühjahr 1940 und dann später in ganz Europa beteiligt. Zahlreiche Fotos und Feldpostbriefe berichten von ihren Erlebnissen bei den Kampfhandlungen und der Besatzungszeit in diesen Ländern. Manche dienten bei der Luftwaffe in der sog. „Luftschlacht um England“, andere waren bei der Marine, insbesondere der U-Bootflotte eingesetzt. Alle diese Kriegseinsätze spiegeln sich in den Fotoalben und Nachlässen der Soldaten und ihrer Familien wieder.

In der Heimat machte sich der 2. Weltkrieg durch Rationierung und  Kriegswirtschaft in Betrieben wie Haushalten rasch bemerkbar. Mehrere hundert Eisenbahner aus Lingen wurden 1942 nach Saporoschje in die Ukraine verlegt, um dort hinter der Frontlinie den Eisenbahnverkehr auf den Nachschubwegen aufrecht zu erhalten. Kriegsgefangene und Zwangsarbeiter übernahmen in Lingen die Arbeitsstellen deutscher Soldaten und Kriegstoter. Im Laufe des Kriegs gerieten auch immer mehr Lingener Soldaten in Kriegsgefangenschaft und meldeten sich aus Lagern in anderen Ländern. Sie hatten immerhin überlebt, mussten aber nach Kriegende noch jahrelang in Gefangenschaft bleiben.

Nach kleineren Luftangriffen während der ersten Kriegsjahre wurde Lingen 1944 Ziel von zwei großen Luftangriffen. Das Reichsbahnausbesserungswerk und die benachbarten Wohngebiete erhielten schwere Treffer, und es gab zahlreiche Tote. In Salzbergen zerstörten mehrere Bombenangriffe die Raffinerie und das Dorf vollständig. Auch hier gab es viele Tote. Die Luftwaffe hatte in Lünne und Drope Flugplätze eingerichtet, doch gegen die Übermacht der Alliierten konnten die Flugzeuge der Luftwaffe nur noch wenig ausrichten. In den Lingener Flugabwehrstellungen waren zahlreiche Lingener Oberschüler eingesetzt.

Nach der Landung der Alliierten in der Normandie im Sommer 1944 rückte unaufhaltsam die Front von Westen her vor. Im Herbst desselben Jahres begann der Bau der „Emsstellung“, ein System von Panzerabwehrgräben, das die Alliierten westlich der Ems aufhalten sollte. Tausende, darunter viele holländische Zwangsarbeiter mussten in monatelanger Handarbeit die Gräben schaufeln, die sich dann als militärisch völlig unwirksam erwiesen.

Am 6. April 1945 begann der zweitgige sog. „Endkampf um Lingen“, der von der deutschen Wehrmacht erbittert geführt wurde. Straßenkämpfe in der Innenstadt und schwerer Artilleriebeschuss von beiden Seiten richteten große Schäden an, und es gab viele Tote. Am 8. April war Lingen fest in der Hand der englischer Truppen der Royal Ulster Rifles, und die Schrecken des Krieges hatten in Lingen ein Ende. Woanders wurde bis zum 8. Mai weitergekämpft. Viele Kriegsgefangene kehrten erst Jahre später zurück.

Rund 60 Millionen Tote und weitere Millionen Opfer forderte der Zweite Weltkrieg in ganz Europa. Unter den Millionen toten Soldaten und Zivilisten waren auch Hunderte Lingenerinnen und Lingener. Millionen Deutsche und Polen verloren ihre Heimat im Osten. Europa lag in Schutt und Asche.

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Fotos: Einmarsch der britischen Armee (Royal Ulster Rifles) in Lingen. Bilder aus der Lookenstraße und unten- aus der Lookenstraße im Vordergrund der aus Nordirland stammende Hugh Brown.
Text unter Verwendung einer PM der Stadt Lingen

Heute: Antikriegstag 2019

1. September 2019

Genau um diese Uhrzeit begann am 1. September vor 80 Jahren der Zweite Weltkrieg. Nazi-Deutschland überfiel das friedliche Polen. Deutsche Bomber brachten um 4:37 Uhr 1200 schlafenden Einwohner der zentralpolnischen Kleinstadt Wielun den Tod, ein erstes terroristisches Kriegsverbrechen an der Bevölkerung einer Stadt, die militärisch keine Bedeutung hatte. Das Kriegsschiff Schleswig-Holstein griff zehn Minuten später die polnischen Soldaten auf der Danziger Westerplatte an. In den sechs Jahren danach kamen 60 Millionen Menschen zu Tode.

Bundespräsident Frank-Walter Steinmeier besucht heute die Hauptstadt Warschau und ganz früh das kleine Wielun, wo ihn vor einer knappen halben Stunde der Präsident der Republik Polen, Andrzej Duda, begrüßte. Steinmeier gedenkt dort gemeinsam mit polnischen Politikern des verbrecherischen Überfalls Deutschlands auf seine Nachbarn:

http://www.bundespraesident.de/SharedDocs/Pressemitteilungen/DE/2019/08/190808-Reiseaufruf-Polen.html

Übrigens hat Wielun inzwischen vier deutsche Partnerstädte, darunter auch das westfälische Ochtrup.

Das ZDF überträgt ab 9.30 Uhr einen Fernsehgottesdienst aus der Friedenskirche in Frankfurt/Oder. Die Predigt dort hält der Ratsvorsitzende der EKD Bischof Heinrich Bedford-Strohm.

Unter dem Motto „Nie wieder Krieg!“ – ruft der DGB am Antikriegstag bundesweit zum Mitmachen auf.

In Weser-Ems sind offenbar an mehreren Orten Gedenkfeiern vorgesehen.

In Lingens Nachbarstadt Nordhorn beginnt die Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag 2019 um 11.30 Uhr in der Kornmühle in Nordhorn, Mühlendamm 1 und hat dieses Programm: Begrüßung durch  Horst Krügler (DGB-Kreisverband Grafschaft Bentheim), Grußwort: Ingrid Thole (stellv. Bürgermeisterin der Stadt Nordhorn), Vortrag: Gerhard Naber:“Die Grafschaft Bentheim – eine militarisierte Region“, anschließend gemeinsamer Gang zum „Schwarzen Garten“, 11.30 Uhr.

In der Friedensstadt Osnabrück finden diese Veranstaltungen statt:

https://www.dgb.de/themen/++co++bfb67658-b2d6-11e9-944b-52540088cada

Die traditionelle Mahn- und Gedenkveranstaltung zum Antikriegstag an der Begräbnisstätte in Esterwegen, Friedhof Bockhorst (B 401) beginnt um 18 Uhr.  Nach der Begrüßung durch Anton Henzen (DGB-Kreisverbandsvorsitzender Nördliches Emsland) spricht der Journalist und Autor Hermann Vinke über „Zeit zum Handeln: Antikriegstag 2019 – Pathos und Parolen reichen nicht mehr“.

Weitere Veranstaltungen in Weser-Ems gibt es bereits vormittags in Wilhelmshaven und später ab 15 Uhr im ehemaligen KZ Engerhafe im Dreieck von Emden, Aurich und Norden.

„An’s Herz legen“ möchte ich den Hinweis von Anne-Dore Jakob, die viele in unserer Region aus der pax christi Bewegung kennen, einen Brief von Heinz Missalla. In dem kurz vor seinem Tod am 3. Oktober 2018 verfassten fünfseitigen Brief fordert der Theologe von den katholischen deutschen Bischöfen ein offenes und ehrliches Bekenntnis zum problematischen Verhalten der damaligen Bischöfe zu Hitlers Krieg. Die katholische Friedensbewegung pax christi und die KirchenVolksBewegung Wir sind Kirche unterstützen. Hier findet man den Brief im Wortlaut.

update: Und hier -seit heute früh- weitere Informationen auf telepolis!

Epilog:
Dass heute in unserer Stadt an den Furor des Krieges gedacht würde, konnte man trotz unserer  polnischen Partnerstadt Bielawa nicht erwarten, und es passiert auch nicht. Das provinzielle Nichtbeachten dieses weltgeschichtlichen Datums (hier die Lingener Veranstaltungen an diesem 1.9.)  ist eine Form der Erinnerungsarbeit, über die ich nur den Kopf schütteln kann.

Ich bin zwar kein Kirchgänger, aber es interessiert mich schon, ob und inwieweit das Gedenken an den 1. September 1939 und der Antikriegstag 2019 Eingang in die zahlreichen Sonntagspredigten in unserer Region gefunden haben.


Foto: Wielun am 1. September 1939 Public domain

 

„Wenn ich mich mit Bloglesern unterhalte, kommt es häufig zu so Äußerungen wie „wie hälst du das nur alles aus“ und „was kann man denn überhaupt machen“. Ich finde es gefährlich, wenn man alle Dinge für unwirksam hält, die nicht gleich Auswirkungen auf globaler Ebene haben. Man muss eben tun, was man innerhalb seines Aktionsradius‘ machen kann.

Aber manchmal gibt es Ausnahmen. Da geht jemand los und tut etwas, das auch außerhalb des normalen Aktionsradius von einer Person Auswirkungen haben kann. Auf dem 33c3 gab es eine Filmvorführung von „National Bird“, das war sowas. Eine vergleichsweise zierliche Journalistin, die vorher als Korrespondentin für NDR und CNN gearbeitet hat, entschied sich eines Tages, dass sie die Drohnenmorde nicht mehr hinnehmen will. Sie nahm sich eine US-Soldatin und ging mit der einfach so in die Drohnenmordgebiete in Afghanistan. Mehrere Whistleblower kommen zu Wort. Nach allen Kommentaren zu dem Film ist das ein zeitgenössisches Meisterwerk, eine Sache, bei der jeder von uns als erstes denkt: Whoa, die hat mal was gemacht! Geil!

Und der Film gammelt da jetzt in der Obskurität herum, lief auf ein paar Filmfestivals. Das Mindeste, was wir jetzt alle machen können, ist dafür zu sorgen, dass sie dieses krasse Risiko nicht umsonst eingegangen ist. Sie und die Whistleblower natürlich. Ich will jetzt nicht ausführen, was ich gehört habe, was die für Drohungen ausgesetzt sind, das könnt ihr euch ja selber denken.

Jedenfalls, wer den Film sehen möchte, und dazu möchte ich alle Leser ausdrücklich aufrufen, der kann das in einigen Kinos im Lande tun. Viel weniger als ich gehofft hätte, aber hey, immerhin. Man kann, wenn man will. Ihr solltet die Chance nutzen.“ (Quelle)

Geht man auf den Link, findet sich im 50km Umkreis um Lingen kein Kino. Also, Centralkino, mach mal. Vor alle,, wenn man diesen Kommentar liest: „Primitivste Propaganda – aber bei den meisten wohl sehr gut wirkend.

Der Dokumentarfilm „National Bird“ begleitet Menschen, die entschlossen sind, das Schweigen über eine der umstrittensten militärischen Maßnahmen der jüngeren Zeit zu brechen: Den geheimen Drohnenkrieg der USA.

Im Zentrum des Films stehen drei Kriegsveteranen der US-Air-Force, die in unterschiedlichen Funktionen selbst an diesem Krieg beteiligt waren. Ihre Mitschuld an der Tötung Unbekannter – und möglicherweise Unschuldiger – auf weit entfernten Kriegsschauplätzen lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Schließlich gehen sie an die öffentlichkeit – ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen.

Im Verlauf des Films nehmen ihre Geschichten dramatische Wendungen: So führt eine der Protagonistinnen selbst nach Afghanistan, wo sie mit einem grauenhaften Vorfall und dessen Opfern konfrontiert wird. Doch ihre Reise bietet auch Anlass zu Hoffnung auf Frieden und Versöhnung.