Peter Fjodoroff

15. September 2018

Petja
Peter Fjodoroff
Helmut Berninger
Jürgen von Hündeberg

15. September bis 11. November 2018
Im Wasserturm der Kunsthalle, Lingen (Ems), Kaiserstraße 10a

Sonntag, 16. September 2018, 11.30 Uhr
Matinee im Haus von Peter Fjodoroff
Bilder von Helmut Berninger und Jürgen von Hündeberg
Lesung von Eckhard Rohde
Musik von xxx, Klavier
Die Ausstellung ist zu sehen bis Sonntag, 23. September 2018, Besichtigung jeweils nachmittags 15 bis 18 Uhr
Hauptstraße 88, 49835 Wietmarschen

TdoD ’18

9. September 2018

Zum 25. Mal findet heute  der Tag des offenen Denkmals statt. „Entdecken, was uns verbindet“ – lautet das Motto der diesjährigen Aktion. In ganz Deutschland werden rund 7.500 Denkmale geöffnet sein. Auch in  Lingen (Ems) gibt es drei Baudenkmale, die zu besichtigen sind und erläutert werden. Neben dem Koke-Mausoleum am Alten Friedhof sind die Leinpfadbrücke an der Wasserzufahrt zum Alten Hafens und der Wasserturm zu erfahren und zu entdecken.

Das Mausoleum der Familie Koke auf dem Alten Friedhof in Lingen entstand 1930. 2015 konnte die Friedhofskommission das im neoklassizistischen Stil der griechischen Antike erbaute Gebäude erwerben, und sanierte es umfassend. Die Särge der Familie Koke wurden, wie mit den in Südamerika lebenden Nachfahren der Lingener Kaufmannsfamilie vereinbart, in den Keller umgebettet. Das Mausoleum selbst dient künftig als Kolumbarium. Es kann heute zwischen 11 und 17 Uhr besichtigt werden; auch die Friedhofskapelle ist geöffnet. Führungen bietet die Friedhofskommission um 12, 14 und 16 Uhr an.

Frisch restauriert präsentiert sich seit Mai 2017 die denkmalgeschützte Leinpfad-Brücke über den Kanal am Alten Hafen. In einer spektakulären Aktion war sie Ende 2016 „aus den Angeln gehoben“ und über den Wasserweg im Ganzen in eine Werkstatt ins nordemsländische Fresenburg transportiert worden und nach Sanierung auch wieder über den Wasserweg zurück nach Lingen. Stadtbaurat Lothar Schreinemacher lässt um 11 und 15 Uhr die Aktion anhand von Bildern noch einmal Revue passieren und gibt getreu dem TdoD-Motto „Entdecken, was uns verbindet“ auch darüber hinaus Informationen zu dieser Brücke, den Wasserwegen in Lingen und zum Alten Hafen. 

Ob Schreinemacher sich dabei auch zu den die Plänen der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung Meppen äußert? Die will nämlich  im nächsten Jahr an der Ostseite des Dortmund-Ems-Kanals von den Bootshäusern am Neuen Hafen bis zur 120 Jahre alten Leinpfad-Brücke einen kompletten Kahlschlag durchführen. Dann wird auch dieser Bereich so kahl und kühl geräumt aussehen, wie bereits das südlich anschließende Stück des Leinpfads zwischen der zu besichtigenden Brücke und der Lindenstraße. Das Vorhaben ist schon deshalb umstritten, weil der Kanaldamm schon mit der geplanten Spundwand gesichert wird.

Zwischen 11 und 15 Uhr haben interessierte Bürgerinnen und Bürger auch Zeit, den historischen Wasserturm an der Kaiserstraße zu besichtigen, wo man hoch über den Dächern der Stadt auch heiraten kann. Um 12 Uhr und um 13.30 Uhr findet zusätzlich eine kostenlose Führung durch das zum Turm gehörende Wasserwerk und die Technik statt. Da die Teilnehmerzahl begrenzt ist, hatten die Stadtwerke im Vorfeld um Anmeldung per E-Mail gebeten. Doch man kann sicherlich „auch so“ vorbeischauen.

Weitere  Informationen zum Tag des offenen Denkmals finden Interessierte auch unter www.tag-des-offenen-denkmals.de. In der Region an Ems und Vechte gibt es zahlreiche Baudenkmale zu entdecken.

 

)Quelle PM; Foto: Mausoleum Koke, © Friedhofskommission Lingen; Leinpfadbrücke © pipp021 Johannes Gieskenvia flickr])

5. April

5. April 2015

„Die vergangene Nacht war in unserer näheren Umgebung relativ ruhig verlaufen Es hatte hier keine weitern Granateinschläge gegeben, und auch das Gewehrfeuer war gering gewesen. Erst gegen Mittag flammte es dann wieder stärker aus Richtung Wagen-Ausbesserungswerk auf. Das war für uns ein Zeichen, daß nun die Front auf uns zu kam. Wobei von einer Front keine Rede sein konnte. Wir haben an der Schwedenschanze keinen einzigen Soldaten gesehen, eine Verteidigungslinie gab es hier also nicht.

Gegen 14.00 Uhr sah ich dann vom Bunkereingang aus einen englischen Spähtrupp aus der Gerhardstraße auf uns zukommen. Die Soldaten durchkämmten flüchtig die umstehenden Häuser, und weil kein Schuß fiel, standen sie dann mit schußbereiter Maschinenpistole im Anschlag bald vor uns. Es war schon ein unangenehmes Gefühl, jetzt hilf- und wehrlos einem Gegner gegenüberzustehen, dem wir Deutschen jahrelang schweren Schaden zugefügt hatten und der nun sicher Rache üben wollte.

Lookenstraße5445Die Frage, ob sich in unserem Bunker Soldaten befänden, konnten wir verneinen. Sie schickten uns in den Bunker zurück, und wir konnten das weitere Geschehen in unserer Nachbarschaft leider nicht mehr verfolgen. Am späten Nachmittag gegen 16.00 Uhr (seit unserer Gefangennahme waren etwa 2 Stunden vergangen) wurden wir aufgefordert, den Bunker zu verlassen. Uns wurde gesagt, daß man mit einem Gegenangriff der Deutschen rechne und wir deshalb in Sicherheit gebracht werden sollten. Ohne Gepäck und ohne Verpflegung traten wir den Marsch in Richtung Stadtmitte an, ohne zu wissen, was unser Ziel sein sollte.

Ein Soldat übernahm unsere Gruppe (wir waren etwa 15 Personen). Am Fuße des Wasserturms war der erste Halt. Wir wurden dort einer genauen Kontrolle unterzogen. Besonders eingehend beschäftigte man sich mit mir. Aufgrund meines Schwerbehindertenausweises konnte ich die Annahme, ich sei ein deutscher Soldat in Zivilkleidern, rasch zerstreuen.

Wir setzten unseren Marsch in Richtung Lookenstraße (Foto, am Andreasplatz) fort, vorbei an einer großen Zahl von riesigen Panzern, die im Schutz der Mauer des Viehmarktes und der Hüttenplatzschule in Bereitstellung standen. Überall waren die Spuren von Kämpfen zu sehen. Besonders groß waren die Zerstörungen in der Innenstadt. Ausgebrannte Häuser zeugten vom (vergeblichen) Widerstand der deutschen Soldaten.

Beeindruckend für mich war der Umfang des Kriegsmaterials, der schon am 2. Tag der Kämpfe um Lingen als Nachschub der Engländer in den Straßen der Stadt bereitstand. Bei einer solchen Übermacht war mir klar, daß die deutschen Truppen für eine Verteidigung der Stadt weder die Kräfte noch das Material gehabt hätten. Der uns begleitende Soldat lieferte uns beim Kolpinghaus an der Baccumer Straße ab. Es war als Lazarett neben dem Bonifatius-Hospital mit dem Roten Kreuz gekennzeichnet. Im Keller dieses Hauses sollten wir nun die nächste Nacht verbringen. Es war dort schon eine große Zahl von Zivilisten untergebracht.
Wir waren eng zusammengepfercht, hungrig und durstig, und die Stunden unserer „Gefangenschaft“ vergingen nur sehr langsam. Alle waren wegen des ungewissen Ausgangs der Kämpfe ängstlich, und an Schlaf war schon gar nicht zu denken.
Was ist mir von der ersten Begegnung mit den feindlichen Truppen in Erinnerung geblieben? Zuerst denke ich mit Freude daran, daß man uns Zivilisten sehr korrekt behandelt hat und sich daher bei uns keine Furcht oder sogar Panik eingestellt hat. Daß man uns nichts zu essen und zu trinken gab, war unter den gegebenen Umständen zu entschuldigen und brachte nur unsere Mägen zum Knurren. Sehr beeindruckend war für mich auch die riesige Menge an Kriegsmaterial und die gute Ausrüstung der Soldaten (z.B. mit Lederzeug). Meine Nase nahm die mir bisher unbekannten Gerüche des Zigarettenrauchs und des verwendeten Benzins auf. Das also waren die ersten Eindrücke, die mir von unseren Feinden in bester Erinnerung geblieben sind. Der erwartete deutsche Gegenangriff hat dann auch tatsächlich stattgefunden. Wir Zivilisten im Kolpinghaus haben aber davon nichts gemerkt.“

—-

Der Bericht über den 5. April 1945 stammt von Hans Brinck, einem ehemaligen Schüler der Lingener Castellschule. Ostern 1931 war er in die VIII. Klasse( = 1. Schuljahr) eingeschult worden und danach Schüler bis zum Schuljahr 1938/39. Seine Erlebnisse bei Kriegsende sind hier veröffentlicht.  Später übersiedelte Brinck in die Schweiz und lebt heute hochbetagt in Davos.

Foto: Stadtarchiv Lingen

Lingenfoto17

30. März 2013

zweituerme

(Lingen – Zwei Türme;© milanpaul via flickr))