TdA ’15

28. Juni 2015

TdA15Wenn Ratskollegin Birgit Kemmer (Bündnis’90/Die Grünen) in Sachen Architektur nicht mehr weiter weiß, betont sie immer achselzuckend: „Das ist ’ne Geschmacksfrage, und Geschmäcker sind nun mal verschieden“. Die Leserinnen und Leser dieses kleinen Blogs wissen längst, dass gute Architektur, genauso wie schlechte, natürlich keine Geschmacksfrage ist – und übrigens auch keine Geldfrage. An diesem Sonntag kann das jeder besichtigen. Denn es ist Tag der Architektur (Motto 2015: Architektur hat Bestand) und das interessierte Publikum kann zahlreiche, von den Architektenkammern ausgewählte Bauten kostenlos besichtigen.

Mit der EmslandArena und der Kita/Schule in Damaschke sind darunter offiziell zwei in Lingen. In der Nachbarschaft gibt es weitere zeitgemäße Architektur zu besichtigen: In Bad Bentheim zum Beispiel und in Nordhorn. Rheine zeigt spannende Projekte und Steinfurt u.a. eine Kaffeerösterei. Ich empfehle die .App des Tag der Architektur herunterzuladen, um die Objekte über die Umkreissuche zu finden. Auf meinem häuslichen Datenverarbeitungsautomaten funktioniert die etwas schwierig scheinende Präsentation nämlich nicht; also nehme ich an, dass dies bei der Leserschaft nicht anders ist.

Besichtigungen der präsentierten Lingener Objekte sind bei der EmslandArena um 11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr. möglich Die Architekten Christoph Bierschenk und Andreas Heim vom pbr Planungsbüro Rohling AG bieten den Besuchern dabei einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Veranstaltungshalle, die im November 2013 eröffnet wurde. Treffpunkt ist im Foyer der EmslandArena. Spannend dürfte auch sein, was die örtlichen Architekten Helge Kroppik und Ulrich Wolbeck zu sagen haben; doch ich weiß nicht, ob sie in die Präsentation eingebunden sind.

Zu Führungen durch die Kita Don Bosco und die Grundschule Damaschke laden die Architekten Stephanie Löning und Jürgen Schwegmann von der B-WERK architekten GmbH heute um 13 Uhr und um 15 Uhr ein. Treffpunkt der Führung ist am Eingang der Kita Don Bosco.

Im Vorfeld wurde noch über ein drittes Objekt im „Emsauenpark“ berichtet; aber das findet sich nicht im offiziellen Programm und ich weiß nicht, ob die Besichtigung nicht nur kommerzielle Gründe hat. Also verzichte ich hier auf die Darstellung.

Noch zwei Bemerkungen:
* Die Architektenkammern können 2015 „20 Jahre Tag der Architektur“ zurückschauen. Aus diesem Grund sind dieses Jahre neben dem „ganz normalen“ Programm auch 20 Bauten aus den vergangenen 20 Jahren am Tag der Architektur noch einmal wieder zu besichtigen – aus jedem Jahr ein Objekt. Keines davon im westlichen Niedersachsen rund um Ems und Vechte, was ja auch eine Aussage darstellt. Aus den 20 Objekten können alle Architekturinteressierten ihren Publikumsliebling wählen und eine Reise für 2 Personen zum Bauhaus nach Dessau gewinnen. Die Kammer schreibt: „Der Rückblick auf 20 Jahre Tag der Architektur schärft den Blick auf Themen wie Nachhaltigkeit, auf die gemeinsam von Bauherren, Architekten und Planern auf den Weg gebrachten Bemühungen um mehr Baukultur in Niedersachsen.“ Mehr: 20 Jahre Tag der Architektur 

* Und Birgit: In der Rezension über ein kleines, vor einigen Jahren erschienenen Buch zu „guter Architektur“, das ich empfehlen möchte wiewohl es vergriffen ist, finden sich Antworten und Fragen dazu, was gute Architektur ist: „Bringt uns dies Projekt kulturell weiter? Macht es uns klüger, reicher an Erfahrung, üppiger im Lebensgenuss? Oder anders und mit den Worten von Kristin Feireiss, der umtriebigen Gründerin der Berliner Architekturgalerie Aedes gesagt: „Gute Architektur bietet immer mehr als verlangt wird, sie denkt die Zukunft mit.“

 

6 Antworten to “TdA ’15”

  1. Pino Pilotto, architetto minore said

    Über die Verschiedenheit von Geschmäckern:
    „I have the simplest tastes. I am always satisfied with the best.“
    Oscar Wilde

  2. Tobias Moß said

    Hallo Herr Koop,
    ich verstehe nicht, warum das Haus MW nicht mehr offizieller Teil des TDA´s gewesen sein soll. Lediglich die Stadt Lingen hat das Haus bei ihren Ankündigungen nicht mehr berücksichtigt. Warum auch immer. Zum Veranstalter, der Architektenkammer Niedersachsen, bestand bis zum letzten Tag ein toller Kontakt, der unter anderem diesen kleinen Bericht des NDR möglich gemacht hat.

    http://www.ndr.de/nachrichten/niedersachsen/osnabrueck_emsland/Warm-und-kalt-durch-Holz-und-Beton,tagderarchitektur362.html

    • Tja, Sie haben recht. Ich habe Ihr Haus nicht in den regionalen TdA-Vorschauen gefunden. Das ist der Grund für meinen Fehler. Aber wer es deshalb nicht besichtigt hat, kann einen sehr guten Eindruck über/durch die NDR-Seite gewinnen.

    • Marc Riße said

      Hm. Kann es sein, dass auch Architektur etwas mit Geschmack zu tun hat?

      Meine Frau und ich hatten die im Video angesprochenen schlaflosen Nächte auch, als wir ein Heukamps Tannener Haus aus 1954 möglichst behutsam auf unsere Bedürfnisse, auf energetische Erfordernisse, aber vor Allem im Einklang mit der Umgebung umgebaut und erweitert haben. Unser Ziel war, dass man die Anbauten nicht sofort als solche erkennt.

      Dass wir dafür nie einen Architekturpreis bekommen würden, war uns klar. Und Abriss und Neubau wäre einfacher gewesen.
      Das war aber nicht unsere Vorstellung von Nachverdichtung.

      Und dass sogar Kinder anhalten und sagen, dass man das hübscheste Häuschen der Straße hat, das wäre uns mit so einem schöngeredeten Sichtbetonkasten bestimmt nicht passiert. Architekturpreis hin oder her.

      Wie gefragt: Alles nur eine Frage des Geschmacks?

      • Tobias Moß said

        Natürlich hat auch Architektur mit „Geschmack“ zu tun. Und über diesen kann man auch durchaus streiten. Über Qualität eines Baukörpers, ob „Sichtbetonbude“, Umbau oder Putzbau jedoch nicht. Proportionen, Materialen die im Einklang sind oder auch Möbel die zum Baukörper passen sind Merkmale die miteinander ein Ganzes ergeben sollten. Und das kann oder sollte man auch beurteilen können, wenn es den eigenen Geschmack trifft. Da fehlt es den meisten Kritikern an nicht der eigenen Meinung nach typischen Materialien und Bauformen, Fachwissen. Ich freue mich wenn sie es geschafft haben, einen Altbau so zu sanieren, dass er immernoch als Altbau zu erkennen ist. Dies gelingt leider nur in den seltesten Fällen.

        • Marc Riße said

          Ob es uns auch wirklich gelungen ist, können wir natürlich nur nach unserem Geschmack beurteilen.

          Was mir aber ganz wichtig ist, ist der Umstand, dass solche Häuser in den meisten Fällen gar nicht erst am Markt erscheinen. Nicht nur in Heukamps Tannen, auch in vielen anderen Stadtteilen fallen sie oft dem Abrissbagger zum Opfer und das Grundstück dann einem Investor zu. Die baulichen Ergebnisse daraus sind häufig eine Belastung für das Auge und die Nachbarn. Ich glaube, hier muss ein Umdenken stattfinden.

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