Tag der Architektur

24. Juni 2017

Der letzte Sonntag im Juni ist jedes Jahr Tag der Architektur. In ganz Niedersachsen (und bundesweit) sind an diesem Tag interessante neuere Gebäude und Anlagen geöffnet. Die Architekten führen hindurch, erklären ihre Baukunst, stellen sich den Fragen und Meinungen der Besucher. 2017 steht der „ag der Architektur unter dem Motto „Architektur schafft Lebensqualität“ und will dazu beitragen, Architektur als gebaute Umwelt, als Kunst für den alltäglichen Gebrauch im öffentlichen Bewusstsein zu verankern.
Im Rahmen des Tages der Architektur bietet in Lingen (Ems) das Architekturbüro „Reindersarchitekten“ aus Osnabrück am 25. Juni Führungen durch die Zweifeld-Turnhalle der Matthias-Claudius-Schule an. Interessierte treffen sich dafür um 11, 12 oder 13 Uhr am Haupteingang der Turnhalle in der Birkenallee 21 in Lingen (Ems).
2013 hatte die Schule die Zweifeld-Turnhalle nach einem Jahr Bauzeit in Betrieb genommen. Sie kostete rund 3 Millionen Euro. Neben der Schule nutzen auch der Hort der Trinitatis-Kirchengemeinde sowie verschiedene Sportvereine das Gebäude. Die Matthias-Claudius-Turnhalle wurde nach neuestem energetischem Standard in Anlehnung an den Passiv-Haus-Standard errichtet und im Hinblick auf das Thema Inklusion zudem barrierefrei gebaut. Großflächige Verglasungen sowie farbig abgesetzte Wandflächen im Außen- und Innenraum tragen zum positiven Erscheinungsbild der Halle bei.
Reinders Architekten haben übrigens gerade den Architekturwettbewerb zur Erweiterung des Lingener Emslandmuseums gewonnen.
In der Region an Ems und Vechte präsentieren am Sonntag außerdem Nordhorn, Salzbergen, Meppen, Bersenbrück und Leer moderne Architektur. Mir persönlich gefällt besonders dieses Supermarkt-Projekt in Oldenburg, das vor eineinhalb Jahren Entwurfsverfasser Lars Frerichs („neun grad architektur“) im Rahmen der Lingener Architekturreihe „Lingen & Technik“ vorstellte (mehr…).
Im angrenzenden NRW werden am Tag der Architektur u.a. Projekte in Hörstel, Recke, Rheine und Steinfurt vorgestellt. Mehr
Weitere Informationen sind unter www.tag-der-architektur.de erhältlich.
(Foto: © Stadt Lingen)

Bürgermeisterwahl: 33:4

13. September 2015

Landesweit kann die NRW-CDU mit den heutigen Wahl der Landräte und Bürgermeister zufrieden sein; die NRW-SPD musste dagegen deutliche Verluste einstecken. In Oberhausen verloren die Sozialdemokraten nach fast 60 Jahren den Oberbürgermeister-Posten. Der CDU-Kandidat Daniel Schranz entschied die Wahl mit 52,5 % der Stimmen für sich.

Auch in Bonn gewann der CDU-Kandidat und die SPD verlor nach mehr als 20 Jahren  das OB-Amt. Gewählt wurde der indischstämmige CDU-Kandidat Ashok-Alexander Sridharan mit 50,06 % der Stimmen.

In 37 Städten und Gemeinden im Münsterland wählten die Westfalen heute ihren Bürgermeister, im Kreis Coesfeld und im Kreis Steinfurt wurden außerdem neue Landräte gesucht. Nur wenige Überraschungen waren dabei, meist gab es klare Ergebnisse. Nur in sechs Kommunen wird in zwei Wochen eine Stichwahl über das neue Stadtoberhaupt entscheiden, nämlich in Ahaus, Ahlen, Billerbeck, Hörstel, Laer und Lengerich.

In Münster gewann Amtsinhaber Markus Lewe (CDU) sein Amt im ersten Wahlgang. Der CDU-Politiker erhielt 50,6 % der Stimmen und muss nicht in die Stichwahl. Auf Platz zwei kam Jochen Köhnke (SPD) vor der Grünen Maria Klein-Schmeink (Grüne).

Heinz Öhmann (CDU), in den 1990er Jahren kurzzeitig Kämmerer in Lingen (Ems),  bleibt mit 64,5 % der abgegebenen Stimmen Bürgermeister von Coesfeld. Sein Konkurrent Rainer Lagemann, den SPD, Pro Coesfeld, Grüne, Aktiv für Coesfeld und die Familienpartei gemeinsam auf den Weg geschickt hatten, bekam 35,5 %. Die Wahlbeteiligung in Coesfeld lag übrigens nur bei 47,6 %.

In Rheine gewann der schwarz-grüne Kandidat: Dr. Peter Lüttmann (aufgestellt von CDU und Grünen) setzte sich wie erwartet deutlich gegen zwei Einzelbewerber mit 76 % durch; die lokale SPD hatte es nicht geschafft, einen eigenen Kandidaten in der 80.000-Einwohner-Stadt zu nominieren…

Bei der Landratswahl im Kreis Steinfurt wurde CDU-Mann Klaus Effing (57,7 %) Nachfolger von Thomas Kubendorff (CDU). SPD-Kandidat Stefan Giebel kam auf 30 %. Auch bei der Landratswahl im Kreis Coesfeld siegte der CDU-Kandidat: Christian Schulze Pellengahr holte auf Anhieb  62 %, der SPD-Kandidat Carsten Rampe kam auf 38 %.

Insgesamt wurden -wenn ich es richtig ausgewertet habe- 33 Männer und lediglich vier Frauen in das Bürgermeisteramt gewählt -in Borken, Dülmen, Nottuln und in Steinfurt, wo die ehemalige FDP-Bundestagsabgeordnete Claudia Bögel-Hoyer den langjährigen Bürgermeister Andreas Hoge ablöst.

Auch bei diesen Wahlen ist eine ausgesprochen schlechte Wahlbeteiligung zu beklagen. Sie ist erneut gesunken und hat sich gegenüber der Wahl im Mai 2014 (50 Prozent) nochmals verschlechtert hat.

Bei den Bürgermeister-Wahlen wurde bei etwa der Hälfte der Bezirke eine Beteiligung zwischen 40 und 50 Prozent gezählt. An wenigen Orten gingen über 60 Prozent der Berechtigten wählen, in Billerbeck waren es gar 68 Prozent. Lotte und Unna erreichten weniger als 30 Prozent, meldet der WDR.

Hier auf der Wahlkarte der Westfälischen Nachrichten per Doppelklick alle Ergebnisse aus Westfalen:

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Erklärung: Blau (CDU), Rot (SPD), Gelb (FDP), Orange (parteilos), Violett (Stichwahl)

[Mehr aus NRW…]

TdA ’15

28. Juni 2015

TdA15Wenn Ratskollegin Birgit Kemmer (Bündnis’90/Die Grünen) in Sachen Architektur nicht mehr weiter weiß, betont sie immer achselzuckend: „Das ist ’ne Geschmacksfrage, und Geschmäcker sind nun mal verschieden“. Die Leserinnen und Leser dieses kleinen Blogs wissen längst, dass gute Architektur, genauso wie schlechte, natürlich keine Geschmacksfrage ist – und übrigens auch keine Geldfrage. An diesem Sonntag kann das jeder besichtigen. Denn es ist Tag der Architektur (Motto 2015: Architektur hat Bestand) und das interessierte Publikum kann zahlreiche, von den Architektenkammern ausgewählte Bauten kostenlos besichtigen.

Mit der EmslandArena und der Kita/Schule in Damaschke sind darunter offiziell zwei in Lingen. In der Nachbarschaft gibt es weitere zeitgemäße Architektur zu besichtigen: In Bad Bentheim zum Beispiel und in Nordhorn. Rheine zeigt spannende Projekte und Steinfurt u.a. eine Kaffeerösterei. Ich empfehle die .App des Tag der Architektur herunterzuladen, um die Objekte über die Umkreissuche zu finden. Auf meinem häuslichen Datenverarbeitungsautomaten funktioniert die etwas schwierig scheinende Präsentation nämlich nicht; also nehme ich an, dass dies bei der Leserschaft nicht anders ist.

Besichtigungen der präsentierten Lingener Objekte sind bei der EmslandArena um 11 Uhr, 13 Uhr und 15 Uhr. möglich Die Architekten Christoph Bierschenk und Andreas Heim vom pbr Planungsbüro Rohling AG bieten den Besuchern dabei einen spannenden Blick hinter die Kulissen der Veranstaltungshalle, die im November 2013 eröffnet wurde. Treffpunkt ist im Foyer der EmslandArena. Spannend dürfte auch sein, was die örtlichen Architekten Helge Kroppik und Ulrich Wolbeck zu sagen haben; doch ich weiß nicht, ob sie in die Präsentation eingebunden sind.

Zu Führungen durch die Kita Don Bosco und die Grundschule Damaschke laden die Architekten Stephanie Löning und Jürgen Schwegmann von der B-WERK architekten GmbH heute um 13 Uhr und um 15 Uhr ein. Treffpunkt der Führung ist am Eingang der Kita Don Bosco.

Im Vorfeld wurde noch über ein drittes Objekt im „Emsauenpark“ berichtet; aber das findet sich nicht im offiziellen Programm und ich weiß nicht, ob die Besichtigung nicht nur kommerzielle Gründe hat. Also verzichte ich hier auf die Darstellung.

Noch zwei Bemerkungen:
* Die Architektenkammern können 2015 „20 Jahre Tag der Architektur“ zurückschauen. Aus diesem Grund sind dieses Jahre neben dem „ganz normalen“ Programm auch 20 Bauten aus den vergangenen 20 Jahren am Tag der Architektur noch einmal wieder zu besichtigen – aus jedem Jahr ein Objekt. Keines davon im westlichen Niedersachsen rund um Ems und Vechte, was ja auch eine Aussage darstellt. Aus den 20 Objekten können alle Architekturinteressierten ihren Publikumsliebling wählen und eine Reise für 2 Personen zum Bauhaus nach Dessau gewinnen. Die Kammer schreibt: „Der Rückblick auf 20 Jahre Tag der Architektur schärft den Blick auf Themen wie Nachhaltigkeit, auf die gemeinsam von Bauherren, Architekten und Planern auf den Weg gebrachten Bemühungen um mehr Baukultur in Niedersachsen.“ Mehr: 20 Jahre Tag der Architektur 

* Und Birgit: In der Rezension über ein kleines, vor einigen Jahren erschienenen Buch zu „guter Architektur“, das ich empfehlen möchte wiewohl es vergriffen ist, finden sich Antworten und Fragen dazu, was gute Architektur ist: „Bringt uns dies Projekt kulturell weiter? Macht es uns klüger, reicher an Erfahrung, üppiger im Lebensgenuss? Oder anders und mit den Worten von Kristin Feireiss, der umtriebigen Gründerin der Berliner Architekturgalerie Aedes gesagt: „Gute Architektur bietet immer mehr als verlangt wird, sie denkt die Zukunft mit.“

 

Frommes Terrain

3. September 2014

Bildschirmfoto 2014-09-02 um 22.08.48„Münster bleibt fromm: Bei zwei von drei „Auszeichnungen guter Bauten“ des Bund Deutscher Architekten Münster-Münsterland war der Bauherr die katholische Kirche. Zugelassen waren Bauwerke, Gebäudegruppen und städtebauliche Anlagen, die in den letzten vier Jahren fertig gestellt wurden und sich in der Stadt Münster und den Landkreisen Steinfurt, Borken, Coesfeld und Warendorf befinden. Die Mitgliedschaft im BDA war keine Teilnahmevoraussetzung. Eine Jury unter Vorsitz von Frank Werner kürte diese Preisträger…“ 
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Heinrich Neuy

3. Juni 2011

Als bislang einziges Bauhaus-Museum Nordrhein-Westfalens ist am Mittwochabend  das „Heinrich- Neuy-Bauhaus-Museum“ in Steinfurt-Borghorst in einem Festakt eröffnet worden. Das jüngste Museum in NRW befindet sich im historischen Stiftskurienhaus aus dem Jahre 1668 am Kirchplatz der benachbarten westfälischen Kleinstadt, das von der Heinrich-Neuy-Stiftung restauriert wurde.

Gewidmet ist das  „Heinrich-Neuy-Bauhaus-Museum“ dem Steinfurter Maler, Möbeldesigner und Architekten  Heinrich Neuy (1911 – 2003). Als Schüler von Josef Albers, Wassily Kandinsky und Ludwig Mies van der Rohe am Bauhaus in Dessau zählt er zu den wichtigen Vertretern der Bauhaus-Bewegung. Nach Ende des Zweiten Weltkrieges arbeitete Neuy in Steinfurt-Borghorst als Tischlermeister und widmete sich wieder der Kunst, die er später auch in einer eigenen Galerie ausstellte.

Neuys Bilder, Möbel, Stelen und Bleiverglasungen sowie Werke anderer Bauhaus-Künstler werden künftig in Wechselausstellungen in dem renovierten Stiftskurienhaus präsentiert. Zum Bestand des neuen Museums gehören etwa 380 Bilder Heinrich Neuys  und etwa 125 Bilder und Skizzen anderer namhafter Bauhauskünstler. Hinzu kommen Möbel nach Entwürfen von Heinrich Neuy, Walter Gropius, Marcel Breuer oder Ludwig Mies van der Rohe.  „Wir sind guten Mutes“, sagte anlässlich der Eröffnung Jürgen Holtz für die Stiftung, die das Projekt  mit Hilfe zahlreicher öffentlicher und privater Geldgeber verwirklicht hat.

Der Eintrittspreis beträgt  für Erwachsene 3 €, für Kinder ab 10 Jahren 1,50 €.
Geöffnet ist das neue Museum von Mittwoch bis Freitag sowie am Sonntag jeweils von 11 bis 17 Uhr. Führungen können telefonisch unter  02552  995 8309 vereinbart werden.

Weitere Informationen und die Anmeldung zu einem Newsletter über: www.heinrich-neuy.de/

Unkonventionell

6. November 2010

Erdgasbohrung90 Prozent der konventionellen Erdgas-Vorräte in Deutschland liegen in Niedersachsen. Das deutsche Erdgas versorgt rund zehn Millionen Haushalte. Doch die konventionellen Vorräte werden in 20 bis 30 Jahren erschöpft sein. Mit der Erschließung so genannter unkonventioneller Gas-Vorräte könnte sich die Verfügbarkeit des fossilen Brennstoffs um 30 bis 50 Jahre verlängern, sagen die Energiekonzerne.  Bei den zusätzlichen, im Niedersächsischen Becken vermuteten Vorkommen, das auch Teile von Nordrhein-Westfalen umfasst, handelt es sich um solches unkonventionelles Gas. Dieses befindet sich z.B. in besonders kleinporigem Gestein oder ist an kohlehaltiges Gestein gebunden und lagert in abgeschotteten Zwischenräumen. Konventionelle Fördermethoden können deshalb nicht verwendet werden. Nur mit dem so genannten Fracking können die Gasvorkommen zutage gefördert werden. Dazu wird eine Lösung aus Wasser, Sand und Chemikalien in die Gas enthaltenen Gesteinsschichten gepumpt. Dies erzeugt kleine Risse im Gestein, wodurch das Gas frei wird und nach oben gepumpt werden kann.

Der weltgrößte Erdöl- und Erdgaskonzern Exxon Mobil will für die anstehende Gassuche allein in Niedersachsen  einen dreistelligen Millionenbetrag investieren. Er verfügt mit Hilfe des texanischen Unternehmens Baker  Hughes über die notwendige Technik; Baker Hughes hat seinen Deutschland-Sitz in Celle und versteht sich beispielsweise auch auf „Schrägbohrungen“. So sollen schadlos auch Gasvorkommen unter Naturschutzgebieten angezapft werden können. In den USA sind in den letzten Jahren bereits rund 6000 neue Erdgasquellen entstanden.

Schon vor zwei Jahren hat Exxon nahe Damme  eine Probebohrung bis auf 1500m Tiefe niederbringen lassen und dabei nach jetzt veröffentlichten Informationen des Nachrichtenmagazins „Der Spiegel“ 12.000.000 Liter Flüssigkeit in den Boden gepumpt (= 12.000 Kubikmeter). Das Problem dabei: Die Flüssigkeit ist mit hochgiftigen Chemikalien versetzt, die -so Exxon Mobil beschwichtigend- nur 0,2 Prozent ausmachen. Unter anderem handelt es sich dabei um Tetramethylammoniumchloride, Magnesiumchloride und Ethoxylated octylphenol. Das sind aber sämtlich Bestandteile, die weltweit bei ähnlichen Bohrungen üblich und den Genehmigungsbehörden bekannt seien, sagt Exxon.

Beim Oldenburgisch-Ostfriesischen Wasserverband (OOWV)  betrachtet man das Geschehen mit Sorge. OOWV-Sprecher Lutz Timmermann zur Nord-West-Zeitung: „Wir beobachten die Bohrungen insbesondere in der Nähe von Damme mit Interesse, weil eines unserer Wasserwerke in der Nähe liegt. Wir schließen uns Bedenken schon aus Vorsorgegründen an, denn wir können nicht mit dem Lebensmittel Nummer eins, dem Trinkwasser, spielen.“ Der OOWV stehe im Kontakt mit dem Bergamt Meppen.

Exxon Mobil, dem unter anderem die Tankstellenmarke Esso gehört, beteuert allerdings, dass keine Gefahr für das Trinkwasser besteht. Schon wegen der hierzulande notwendigen Bohrtiefe von deutlich mehr als 1 Kilometer; Grundwasser wird aus rund 200m gefördert.  Umweltschützer verweisen allerdings auf die USA, wo nach entsprechenden Arbeiten bereits Gase im Trinkwasser gefunden wurden. Sie sollen aus brüchigen Bohrrohren stammen. Außerdem können die Millionen Liter Flüssigkeit nicht wieder komplett aus der Tiefe gesaugt werden können. Exxon bestätigt, dass nach der Bohrung in Niedersachsen bisher nur etwa 30 Prozent des Gemisches entsorgt werden konnten.

In Niedersachsen sucht Exxon Mobil aktuell u.a. bei Sulingen und bei Stadthagen nach Schiefergas. Kohleflözgas lockt die Firma in Bad Laer und bei Osnabrück. Aufschlussreich für Emsländer ist vor allem ein parallel der Grenze zu den Niederlanden verlaufender Streifen von etwa 100km, der nach Angaben von Exxon Mobil für die Vorhaben besonders interessant sind. In ganz Deutschland will soll immerhin an 100 Stellen in Deutschland gebohrt werden.

Das in Niedersachsen letztlich zuständige Landesbergamt in Clausthal-Zellerfeld dürfte dabei kaum das Problem sein; Spötter sagen schon lange, es reiche bei dieser Behörde für eine Genehmigung meist aus, die Briefe mit dem alten Bergmannsgruß „Glückauf!“ zu unterzeichnen. Aber die Politik ist jetzt aufmerksam geworden: Bündnis’90/Die Grünen befassten sich vor einer Woche in Berlin ausführlich mit den offenen Fragen. Auch Detlef Tanke, stellvertretender Vorsitzender und umweltpolitischer Sprecher der niedersächsischen SPD-Landtagsfraktion, äußerte in dieser Woche Zweifel an dem Verfahren: „Angesichts der Tatsache, dass Tausende Liter hochgiftiger Chemikalien bereits in den niedersächsischen Boden gepresst worden sind, werden wir so schnell wie möglich für die nächste Sitzung des Umweltausschusses des Landtages eine Unterrichtung verlangen.“ Tanke will insbesondere der Frage nachgehen, ob diese Fördertechnik vom niedersächsischen Landesbergamt in Clausthal-Zellerfeld ausreichend geprüft worden ist.

Vor allem haben die Bohrer izwischen mit zunehmenden Protesten von Anwohnern zu rechnen. Als beispielsweise Exxon Mobil zuletzt Ende September 2010 verkündete, das in der Bauernschaft Scheddebrock im westfälischen Nordwalde (Kreis Steinfurt) eine Probebohrung nach unkonventionellem Gas durchgeführt werden soll. Mathias Elshoff,  Sprecher der daraufhin gegründetenInteressengemeinschaft gegen Gasbohrungen in Nordwalde“ befürchtet noch andere Risiken: In der Tiefe „können natürliche, radioaktive Stoffe sein, die auch wasserlöslich sind und wenn man da mit einer großen Menge an Wasser ausspült, ist nicht ausgeschlossen, dass dieses Wasser an die Oberfläche kommt“, sagte er dem Deutschlandfunk.

NRW-Wirtschaftsminister Harry Voigtsberger (SPD) beziffert übrigens die erwarteten Gasmengen in einer Antwort auf eine Anfrage der Grünen-Abgeordneten Wibke Brems (Gütersloh; Bild lks.  © wikipedia.de, CC) auf bis zu 2100 Kubikkilometer – allein in NRW. Das ist beeindruckend. Zum Vergleich: „Der Gasinhalt des größten europäischen Erdgasvorkommens im niederländischen Groningen betrug circa 2850 Kubikkilometer“, heißt es in dem Schreiben.

Das 1959 entdeckte Groningen-Feld bescherte den Niederlanden einen Jahrzehnte anhaltenden Energieboom und weitgehende Autarkie in der Gasversorgung. Deutschland könnte mit den erhofften Reserven seine Importquote verringern – sie liegt derzeit bei 85 Prozent. Die Chancen dafür steigen, seitdem sich neue Technologien zur Erdgasgewinnung aus schwierigen Lagerstätten wie Tongestein oder Schiefer in den USA bewährt haben. Dank des breiten Einsatzes dieser Technologien hat sich nämlich die Förderung der unkonventionellen Gasreserven drastisch verbilligt.

(Foto:  ©  flickr Travel Aficionado CC)