Im Jahr 1986 erhielt der Germanistikstudent Gerhard Henschel von Walter Kempowski den Ratschlag: „Eine Tour, die in Bargfeld beginnt, sollte in Nartum enden.“ Fast dreißig Jahre später – im Sommer 2015 – setzte er die Idee mit dem Fotografen Gerhard Kromschröder in die Tat um: beide wanderten quer durch die Lüneburger Heide von Bargfeld, Arno Schmidts letztem Wohnort, nach Nartum, wo Walter Kempowski zuletzt lebte. Entstanden ist dabei ein Wandertagebuch, das den spröden Charme und die Kulturgeschichte einer unterschätzten Landschaft in der niedersächsischen Provinz reich illustriert.

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Am 16. Februar um 19:30 Uhr stellen Gerhard Henschel und Gerhard Kromschröder ihr Buch „Landvermessung. Durch die Lüneburger Heide von Arno Schmidt zu Walter Kempowski“ im Bibliothekssaal der Uni Oldenburg vor (Campus Haarentor, Uhlhornsweg 49-55 26129 Oldenburg; Karten sind für 7 Euro bzw. 5 Euro ermäßigt an der Abendkasse).

Als ausgewiesener Kromschröder-Fan weise ich auf diese feine Lesung in Oldenburg hin, weil es doch so dringlich ist, dass Kromschröder und Henschel weiterwandern – durchs Emsland natürlich. Ungeachtet des Umstandes, dass  Kromschröder einmal sagte: „Das Emsland ist keine Toskana des Nordens.“ und diese steile These, wie jeder Emsländer weiß, schon deshalb falsch ist, weil wir hier nicht Norden sondern -ganz klar- Nordwesten sind, Natürlich gab es bei uns auch keine großen Literaten. Etwas Wegweisend-Verbindendes wird sich trotzdem finden lassen – zum Beispiel von Sögels Levin Schücking hin zu Ferdinand Freiligrath, obwohl der eingestandenermaßen mehr westfälisch ist. Trotz alledem und auch, wenn die beiden Wahlhamburger ihre Emsland-Tour vielleicht ohne Begleitfahrzeug mit HH-Autokennzeichen realisieren sollten; denn zwanglos wir erinnern uns daran, was im Emsland alles passieren kann, weil der Fotograf ein Hamburger Fahrzeug nutzt. Jedenfalls darf das tiefe, hermannlönsige Niedersachsen nicht alles sein, was Kromo und Freund diesseits der deutschen Mittelgebirge erwandern. Oder?

ps Im Vorfeld der Veranstaltung besteht um 19.00 Uhr im Bibliothekssaal die Möglichkeit, mit Gerhard Henschel und Gerhard Kromschröder ins Gespräch zu kommen. Welcher verständiger Leser dieses kleinen Blogs  also meldet sich bitte dazu an (E-Mail: heike.andermann(at)uni-oldenburg.de) und trägt mein dringliches Anliegen vor?

pps Übrigens zeigt die Samtgemeinde Sögel ab 3. Mai die Ausstellung von Kromschöders legendären schwarz-weißen Emsland-Bildern, die nach einem -man sagt „Hermann-Bröring-Verdikt“ ungenutzt in Schloss Clemenswerth lagerten. Redner: Hermann Vinke. Und am 5. Mai gibt Kromschröder dann dort eine Lesung.. Schon mal vormerken, bitte.

 

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Schaurig ist´s übers Moor zu gehn
Eine literarische Nachtwanderung
Sögel – Schloss Clemenswerth
Schlaunallee
Freitag 18.09., 20.00 Uhr

Karten: 15 – 18 €

Hier lauert das Grauen an jeder Wegbiegung! Der Publizist Heiko Postma hat eine abenteuerlich-literarische Nachtwanderung zusammengestellt, die neben dem Schauer einer Nacht in Moor, Wald und Heide noch einiges mehr zu bieten hat. Auf ihrem Wandelgang begegnen den Gästen an nächtlichen Vorlese-Stationen geisterhafte Phänomene. Bekannte Synchronstimmen wie die von Katrin Fröhlich (Cameron Diaz), Timmo Niesner (Elijah Wood), Sascha Rotermund (Joaquin Phoenix), Stefan Krause (Philip Seymour Hoffman) oder Hörspielsprecher Uve Teschner lesen klassische Meisterstücke der Phantastischen Literatur – von Stokers „Dracula“ über Hawthorne’s „Ken’s Mysterium“ bis hin zu Gedichten von Eichendorff, Uhland und Herder. Eine schaurig-schöne Kulisse für diese Nachtwanderung bei flackerndem Taschenlampenlicht bietet Schloss Clemenswerth mit seinem weitläufigen Park.

Das Literaturfest Niedersachsen stürzt sich vom 9. bis 27. September 2015 mit insgesamt 24 Veranstaltungen ins Abenteuer; leider sind das Emsland und die Grafschaft Bentheim nur am Rande vertreten – mit der nach der Ballade von Annette von Droste-Hülshoff benannten Veranstaltung in Sögel.

Im 10. Jahr seines Bestehens lädt das Festival an thematisch passenden Orten zu einer kühnen Entdeckungstour ein: Auf dem Fahrgastschiff “Warsteiner Admiral” sticht beispielsweise Schauspieler Boris Aljinovic in Leer mit einer leicht gekürzten Fassung der „Schatzinsel“ in See und im Moorexpress Stade spüren Sophie Rois und Henning Nöhren dem Fernweh auf Schienen nach.

Auch in diesem Jahr konnte die Intendantin des Festivals, Susanne Mamzed, neben zahlreichen renommierten Sprechern und Schauspielern bekannte Autoren und Dramaturgen wie Raoul Schrott, Tina Uebel, Kristof Magnusson und Helge Timmerberg gewinnen. Im Gespräch, bei Lesungen und in der Reihe Texte & Töne gehen sie dem Abenteuer unerschrocken auf die Spur und scheuen sich nicht, ausgetretene Pfade zu verlassen. Denn das Abenteuer wartet bekanntlich dort, wo wir Neuland betreten.

Das Literaturfest Niedersachen wird von der VGH-Stiftung in Zusammenarbeit mit den VGH Regionaldirektionen und Mitveranstaltern vor Ort veranstaltet. NDR Kultur begleitet das Literaturfest Niedersachsen als Kulturpartner.

Manfred W. Jürgens

27. Juli 2015

schloss_clemenswerth_00Manfred W. Jürgens
Der Seelenfänger
Sögel  – Schloss Clemenswerth
noch bis Sonntag 30.08.2015  –  Di-So 10 – 18h
Jürgens ist ein Vertreter des „Neuen Realismus“. Er verbrachte, weiß die Internetseite von Schloss Clemenswerth, vor vielen Jahren ganze Tage in der Dresdener Gemäldegalerie Alte Meister, um ausgesuchte Bilder zu betrachten. Nach ersten abstrakten Arbeiten arbeitet der in Hamburg und Bremen lebendenJ ürgems seit nunmehr 35 Jahren  „wie die alten Meister“ und sagt: „Mit den alten Meistern verbindet mich ihr Hang zu Schönheit und Perfektion und ihre Neugierde an den dunklen Flecken in unseren Seelen.“ Zu seinen Modellen zählen Berühmtheitheiten wie Helmut Schmidt, Ulrich Tukur und lokale Bekanntheiten wie Erna Thomsen aus St. Pauli (Foto unten).
ErnaThomsen
Die Clemenswerther Ausstellung zeigt einen Überblick des Werkes von Manfred W. Jürgens.
  • Samstag 08.08. / Sonntag 09.08. jeweils 15 Uhr
    Führung durch die Ausstellung
    Manfred W. Jürgens führt gemeinsam mit seiner Frau Bärbel Koppe an beiden Tagen des Kunstmarktes ParkArt durch die Ausstellung und erzählt von den „Geschichten hinter den Bildern“. 

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((Fotos © Manfred W. Jürgens).

Musikfest Bremen in Sögel

1. September 2014

316_Quatuor Cambini 2 - Amelie TchemiakVorgestern Abend begann das Musikfest Bremen. Die dreiwöchige Veranstaltung gibt es seit 25 Jahren. Im Rückblick bedeutet das- wie die Veranstalter zu recht schwärmen-  „einen glanzvollen Reigen an Repertoire-Schlüsselwerken in maßstabsetzenden Interpretationen, beglückende Wiederaufführungen vergessener Werke, Debüts von renommierten Stars wie hoffnungsvollen Nachwuchstalenten sowie Uraufführungen und exklusive Deutschland-Premieren. Und mit diesen Zutaten lockt das Festival auch zu seinem Jubiläum und bietet dem Publikum ab heute und bis zum 20. September ein klangvolles Geburtstagsprogramm mit über 35 Veranstaltungen in Bremen, Bremerhaven, ausgewählten Spielstätten im Nordwesten und Gastspielen in Groningen (NL) und Hamburg.“

Am kommenden Dienstag (02. September), gastiert das Musikfest auf  Schloss Clemenswerth in Sögel. Es konzertiert das Quatuor Cambini-Paris (Foto) mit  diesem Programm:

Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartett d-Moll KV 421 (417 b), Streichquartett C-Dur KV 465 (»Dissonanzenquartett«)
Joseph Haydn: Streichquartett Nr. 34 op. 20 Nr. 4 D-Dur

Beginn 20 Uhr. Eintritt: 24 Euro (erm. 18 Euro)
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Weitere „Auswärts“-Konzerte finden u.a. in Emden (5.9.), Leer (17.9.) und Langförden (17.9.) statt.

(Foto: © Amélie Tchemiak)

Museumsnacht

22. Mai 2014

Museumsnacht
Sögel  – Schloss Clemenswerth

Freitag, 23. Mai 2014  19.00 – 23.00 Uhr
Eintritt 10 Euro, Kinder 5 Euro, Familien 25 Euro

Zur morgigen Museumsnacht öffnet Schloss Clemenswerth seine Türen in den Abendstunden. Eingetaucht in sphärisches Licht laden das Schloss und die Pavillons zur nächtlichen Entdeckungstour ein. Neben den Ausstellungen erwartet Besucher in den Häusern verschiedene Kurzführungen und Aktionen.

Musik von Stanley van Sprang mit einer Mischung aus Lounge, Blues, Jazz und Latin rundet das Programm ab. Für das leibliche Wohl ist gesorgt.
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(Nebenbei: „Eingetaucht in sphärisches Licht…“? Nun, ich meine die barocke Schlossanlage Clemenswerth braucht keinen derartigen Schnickschnack…)

Scherbenhaufen

16. März 2011

„Der von der Johann Alexander Wisniewsky-Stiftung mit Landrat Hermann Bröring als Vizepräsident ins Leben gerufene und mit insgesamt 10.000 Euro dotierte Medienpreis Emsland wird in diesem Jahr nicht vergeben. Alle vier journalistisch tätigen Jurymitglieder haben die insgesamt fünfköpfige Jury verlassen. Geblieben ist einzig Dr. Andreas Mainka als Mitglied des Stiftungsrats in der Jury. Die hatte zuvor Tobias Böckermann, Redakteur bei der Meppener Tagespost, für seine Serie „Faszinatur Emsland“ ausgezeichnet, die zwischen 2006 und 2010 in der MT erschienen ist und die sich mit den Themen Natur und Umwelt im Emsland auseinandersetzt sowie Sebastian Beck, Redakteur der Süddeutschen Zeitung, für seinen Artikel „Bis aufs Blut“. Hierbei handelt es sich um eine Reportage über den emsländischen Unternehmer Franz-Josef Rothkötter.

Der Stiftungsrat lehnte beide Auszeichnungen ab mit der Begründung, dass die entsprechenden Bewerbungsunterlagen nicht vollständig gewesen seien. Diese zu überprüfen und fehlende Unterlagen gegebenenfalls nachzufordern sei laut Jurymitglied und gebürtigem Emsländer Hermann Vinke, Journalist und Autor, jedoch nicht die Aufgabe der Jury gewesen, sondern der Stiftung bzw. des von ihm beauftragten Medienhauses Emsland mit Sitz in Lingen.

Sowohl er als auch weitere drei Jurymitglieder vermuten, dass die Auszeichnungen nicht aufgrund von Formfehlern abgelehnt wurden, sondern aufgrund der Tatsache, dass sich die beiden potentiellen Preisträger in ihren Texten kritisch mit dem Emsland auseinandergesetzt haben.

Aus Protest gegen die Entscheidung des Stiftungsrats haben die vier Journalisten jetzt die Jury verlassen. Die für den 8. April geplante Preisverleihung auf Schloss Clemenswerth in Sögel fällt aus.“

Ich übernehme diese heutige Nachricht (fast unverändert) von der -wie üblich- bestens informierten Ems-Vechte-Welle. Natürlich interessieren uns alle die Hintergründe des Jury-Rücktritts. Vielleicht kann dem Informationsbedürfnis nachgeholfen werden? Übrigens nicht, um die verdienstvolle Arbeit der Johann Alexander Wisniewsky-Stiftung zu diskreditieren sondern um aufzuklären, welche Mechanismen hier warum so und mit diesem fatalen Ergebnis zusammengewirkt haben.

Hermann Vinke jedenfalls ist ein exzellenter Journalist und prominenter Mann. Schon als junger Volontär war er bei der Papenburger  Ems-Zeitung nicht wohl gelitten, damals u.a. mit Gerhard Kromschröder (mehr), den übrigens die Alexander-Wisniewsky-Stiftung mit dem Medienpreis Emsland für “herausragenden, kritisch-hinterfragenden Lokaljournalismus” ausgezeichnet hatte. Ich glaube seiner Vermutung, doch zusätzliche Informationen über den Hintergrund der Entscheidung wären doch besser. Ganz spannend ist auch die Frage, ob die lokalen Medien über den Eklat überhaupt berichten.

Jurymitglieder waren neben dem renommierten Hermann Vinke die Journalistin  Beate Tenfelde (Neue Osnabrücker Zeitung), Waltraud Luschny, Studioleiterin des NDR Osnabrück und  Prof. Dr. Achim Baum, Hochschule Osnabrück/Lingen (Ems) – auch sie allesamt nicht für fundamentalistische Dickschädelei bekannt.

Also, was ist da passiert, wer hat warum den Scherbenhaufen angerichtet?

Update: Die Ems-Echte-Welle meldet um 14:44 Uhr:

Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung hält mit einköpfiger Jury an Medienpreisvergabe 2011 fest

Emsland – Laut einer Mitteilung des Medienhauses Emsland hält die Johann-Alexander-Wisniewsky-Stiftung an der Vergabe des Medienpreises 2011 fest. Da 45 Bewerbungen alle Formalitäten nach wie vor erfüllten, werde die Stiftung wie geplant den Medienpreis Emsland 2011 vergeben. Die Stiftung habe sich mit dem Medienpreis Emsland ein Projekt auferlegt, um Journalismus im Emsland und über das Emsland zu fördern. Dr. Andreas Mainka, einzig verbliebenes Mitglied der ehemals fünfköpfigen Jury, äußerte laut Medienhaus, dass die vier Jurymitglieder dieses gemeinsame Ziel leider vergessen hätten und mit ihrer Entscheidung alle anderen Bewerber abstrafen würden. Deshalb werde an der Vergabe des Preises festgehalten.

Wer will eigentlich eine solche Auszeichnung noch annehmen, lieber Herr Mainka?