fehlende Kartierung

11. September 2019

Der NABU hat die öffentliche geäußerte Hoffnung des Landkreises Emsland, die Planungsreife für den ersten Bauabschnitt der autobahnähnlichen E 233 durch das von der niederländischen Grenze und das Hasetal bis zur A1 bei Cloppenburg Ende 2020 zu erreichen, als völlig illusorisch ebzeichnet. Aufgrund der erforderlichen umfänglichen Neukartierungen von Tierarten mit der notwendigen, nachfolgenden Überarbeitung der Unterlagen wäre nach Auffassung des NABU-Naturschützer eine Genehmigung frühestens in zwei Jahren möglich. 

Katja Hübner, Mitarbeiterin des NABU-Regionalverbandes, erläuterte jetzt, dass der NABU in seiner Stellungnahme zu den Planungsunterlagen für den ersten Planungsabschnitt auch die fehlende Kartierung der Rastvögel und die veralteten Kartierungen anderer Tiergruppen wie Brutvögel, Fledermäuse und Großsäuger bemängelt hat. Daraufhin habe die Landesbehörde für Straßenbau und Verkehr als Planfeststellungsbehörde bereits im Juni dieses Jahres festgestellt, dass entsprechende Neukartierungen erforderlich sind, damit die artenschutzrechtlichen Bestimmungen eingehalten werden können und Rechtssicherheit für weiteren Planungsschritte besteht. Wie der Landkreis vor diesem Hintergrund jetzt noch äußern könne, auf eine Planungsreife Ende 2020 zu hoffen, ist für Hübner völlig unverständlich.

„Die Kartierungen selbst benötigen mindestens ein volles Jahr. Anschließend müssen die Ergebnisse ausgewertet und in die Planungsunterlagen eingearbeitet werden. Dann müssen die Naturschutzverbände die neuen Unterlagen noch einmal mit Gelegenheit zur Stellungnahme erhalten. Und deren Anregungen und Hinweise müssen dann wieder bearbeitet werden. Eine Genehmigung ist daher keinesfalls vor Ende 2021 zu erwarten“, so die Landschaftsarchitektin. Da der Landkreis selbst Genehmigungsbehörde sei und die Abläufe sehr wohl kenne, seien anderslautende Aussagen wohl nur eine „Beruhigungspille“, um die Befürworter des 4-spurigen Straßenausbaus vorerst ruhigzustellen.

(Quelle: PM NABU)

Fledermäuse

20. September 2017

Im emsländischen Freren findet am kommenden Wochenende vom 23.- 24. September 2017 die 26. Tagung der Landesfachgruppe Fledermausschutz im NABU Niedersachsen statt. Zum Erfahrungs- und Informationsaustausch werden etwa 100 Fledermausspezialisten vor allem aus Niedersachsen erwartet. Im Mittelpunkt stehen am Samstag Fachvorträge zu vielfältigen Themen zum Fledermausschutz, bevor der Abend mit einem Fotovortrag von Dr. Erhard Nerger zu Landschaften und Tieren des Emslandes ausklingt. Am Sonntag findet eine Exkursion in das Hahnenmoor statt.

Alle Fledermausarten sind streng geschützt, sodass der Artengruppe im Rahmen von Planungen aber auch im Naturschutz mittlerweile vielfältige Aufmerksamkeit geschenkt wird. Trotz der stetigen Schutzbemühungen sind die Tiere aber durch aktuelle Entwicklungen nach wie vor gefährdet. Ein gravierendes Problem ist beispielsweise der Rückgang der Insekten, die die Nahrungsgrundlage für Fledermäuse darstellen. Dr. Frauke Krüger wird diesen Aspekt in einem Vortrag näher beleuchten. Ein weiteres aktuelles Thema ist der „Fledermauszug“, zu dem es bezogen auf Offshore-Gebiete der Nord- und Ostsee einen Beitrag geben wird. Vor dem Hintergrund aktueller Windparkplanungen sind hier durch die Intensivierung der Forschung wichtige Erkenntnisse zu erwarten.

Weitere Fachvorträge widmen sich der Berücksichtigung von artenschutzrechtlichen Belangen im Rahmen von Planungsvorhaben, die im Zusammenhang mit Quartierverlusten stehen – wie dem Abriss oder der Sanierung von Gebäuden und dem Verlust von Höhlenbäumen. Es werden vielfältige Wege aufgezeigt, Beeinträchtigungen von Fledermäusen zu vermeiden oder möglichst gering zu halten sowie adäquat zu kompensieren.

Gastgeberin ist die Fledermaus-AG des NABU Emsland/Grafschaft Bentheim. Sie gibt einen Einblick in ihre langjährige Arbeit. Dass die Vernetzung der Fledermausschützer eine besondere Rolle spielt, wird in Vorträgen zu einem gemeinsamen niedersächsischen Erfassungsworkshop und einer deutsch-finnischen Kooperation deutlich. Weitere Beiträge zum Thema Echoortung und zu Tierschutzaspekten runden das Programm ab.

Veranstaltungsort ist die Alte Molkerei, Bahnhofstr. 79, 49832 Freren von 9 Uhr bis 18 Uhr.. Fledermausfreunde und weitere Interessierte sind herzlich willkommen. Anmeldungen noch möglich hier. Die Teilnahme am Samstag kostet 5,00 Euro pro Person.

(Quelle Nabu PM; Foto Pipistrellus Pipistrellus; Mnolf, CC Attribution-Share Alike 3.0 Unported)

 

Müssen

8. Februar 2015

„Bäume müssen gefällt werden“, titelt die Lokalpresse und erläutert dem verständnisvollen Emsländer: Auf den Flächen der Schleusen in Hesselte (Emsbüren) und Rodde (Rheine) werden Bäume gefällt, „damit ein Vermessungsfeld angelegt werden kann“.

Was für ein ausgesprochener Vermessungsunsinn, denke ich spontan, zumal für die Baumaßnahmen kein rechtskräftiger Planfeststellungsbeschluss vorliegt und völlig offen ist, wann es denn konkret los geht. Steht etwa Geld im Bundeshaushalt ’15?  Natürlich nicht oder nicht nennenswert; denn auf der Internetseite der Wasser- und Schiffahrtsverwaltung heißt es nämlich: „Der Baubeginn ist an diesem Schleusenstandort für 2016 vorgesehen und die Arbeiten sollen rund sechs Jahre dauern. “ [Dazu, dass die Maßnahme sechs (!) Jahre (!) und nicht sechs Monate dauern soll, fällt mir übrigens auch nichts mehr ein.] Auf dem Luftbild wird übrigens deutlich, dass die meisten Bäume nicht gefällt werden müssen, wenn man sie denn erhalten wollte.

Hesselte

Doch jetzt erst mal und sofort weg mit den Bäumen. Man kann nur dringend hoffen, dass die beantragten „Genehmigungen bei den Umweltbehörden“ (wer?) abgelehnt werden bis erstens  der Planfeststellungsbeschluss vorliegt, der ja die Bäum schützen könnte, und zweitens klar ist, wann das Projekt überhaupt startet. Weil die Schleusenarbeiten erst noch europaweit ausgeschrieben werden müssen, wird dies nämlich noch 12 und mehr Monate wenn nicht  garJahre dauern.

Ich fürchte allerdings, dass den zuständigen „Umweltbehörden“ die Sache reichlich gleichgültig ist. Also wird der Kahlschlag kommen und anschließend ein kritischer Leserbrief in der Lingener Tagespost, oder gar zwei. Den verantwortlichen anonymen Verwaltungsbeamten, die Datteln sitzen, ist das reichlich egal, was eher nicht der Fall wäre, müssten sie sich öffentlich für den zumindest völlig verfrühten Baum-weg-Unsinn  rechtfertigen; irgendwo in den Tiefen des Internets findet sich als Projektleiterin übrigens  die stellvertretende Leiterin des Wasserstraßen-Neubauamtes Datteln (WNA) Dipl.-Ing. Birgit Maßmann.

Gefällt werden die Bäume laut Pressemitteilung von Mitarbeitern des Wasser- und Schifffahrtsamtes Rheine während der jährlichen Baumschau. Noch so ein Begriff in verwaltungschinesisch. Ob bei derselben Gelegenheit auch am Dortmund-Ems-Kanal gerade zwischen Lingen und Altenlingen zwei stattlich-prägende und gesunde Laubbäume verschwunden sind? Ist der spontane Eindruck etwa falsch, dass es vor allem darum geht, Kaminholz zu produzieren und sich damit Einnahmen zu verschaffen?

„Die Bundesanstalt für Immobilienaufgaben begleitet die Arbeiten aus naturschutzfachlicher Hinsicht“, lese ich weiter und denke, noch so ein ausgesprochener Dumpfbackensatz. Weshalb muss das Beseitigen von Bäumen „naturschutzfachlich begleitet“ werden? Vielleicht weil es im Bereich der Schleuse Hesselte vom Aussterben bedrohte Fledermausarten gibt, die jetzt vertrieben werden?

(Foto: www.lgln.de)