Torf

13. März 2011

Umweltbewusste Mitmenschen wissen: Torf gehört ins Moor und nicht in den Garten. Zu Beginn der Gartensaison hat der Bundesverband Bürgerinitiatinven Umweltschutz empfohlen, im Garten auf den Einsatz von Torf zu verzichten: „Auch in der Bundesrepublik werden noch immer Tier- und Pflanzenarten durch den Torfabbau in Moorgebieten bedroht. Torf sollte im Gartenbereich nicht mehr zum Einsatz kommen“, verlangt Vorstandsmitglied Udo Buchholz. Experten sagen, dass allein die Gartenbesitzer 20 Prozent des abgebauten Torfes verbrauchen. Ungefähr 90 Prozent der in Bau- und Gartenmärkten  angebotenen Blumenerde besteht aus Torf. Davon  wird viel importiert, vor allem aus dem Baltikum.  Hamburgs BUND-Sprecher Paul Schmidt fordert, keine Torferde zu kaufen: „Weil der Torfabbau die Moorflächen zerstört. Es werden Unmengen an CO2 freigesetzt und die Lebenswelt vieler Tiere und Pflanzen gefährdet, beispielsweise die der Torfmoose oder Moorfrösche (Foto re.). Dennoch greifen die Leute“, so Schmidt, „wenn sie im Frühjahr ihre Balkone bepflanzen, zu den billigeren Torfprodukten.“

Aber auch hierzulande – nicht nur in Wiesmoor – wird Hand an die letzten Hochmoore gelegt. Die schwarz-gelbe Landesregierung will -je nach Lesart – zusätzlich weitere 33 Quadratkilometer (so die Landesregierung) oder 90 Quadratkilometer Hochmoore (Naturschutzverbände) industriell abbauen. Dabei gibt es Streit um den Torfabbau. Nach Medienberichten soll sich Niedersachsens Umweltminister Hans-Heinrich Sander (FDP) für den Schutz der Moore ausgesprochen und vom CDU-geführten niedersächsischen Agrarressort eine Korrektur des neuen Landesraumordnungsprogramms (LROP) gefordert. Der Umweltminister hält es nach Presseberichten für „wünschenswert“, alle neuen Vorrangflächen aus der LROP-Fortschreibung wieder herauszunehmen, über die  der Niedersächsische Landtag in diesem Jahr entscheiden soll. In dem Entwurf sind zusätzliche 9000 Hektar Vorranggebiete für die Torfgewinnung in Niedersachsen ausgewiesen – vor allem im Elbe-Weser-Raum, aber auch in den Kreisen Leer, Cloppenburg und Emsland. Rund 23 000 Hektar sind bereits im gültigen LROP des Jahres 2008 ausgewiesen.

Der Torfabbau kann selbst nach Einschätzung von CDU-Politikern wie CDU-Generalsekretär Ulf Thiele (Remels) auch die ohnehin schwierige Situation der Milchbauern verschlechtern – „weil den Bauern dringend benötigte Flächen verloren gehen. Schon jetzt sind landwirtschaftliche Flächen knapp wegen des zunehmenden Anbaus von Energiemais für Biogasanlagen.“

Auch der stellvertretende Fraktionsvorsitzende der Landtagsgrünen Christian Meyer hat den inzwischen trotz Sanders Position von der Landesregierung beschlossenen Entwurf für ein neues Landesraumordnungsprogramm als „schwere Sünde gegen den Klima- und Umweltschutz“ bezeichnet. Erstmals seit langem würden in dem Programm wieder tausende Hektar neue Torfabbauflächen zur Ausbeutung ausgewiesen, sagte der Grünen-Politiker am Freitag. „95 Prozent aller Moore in Niedersachsen sind bereits unwiderruflich zerstört. Jetzt die letzten Flächen abzutorfen ist ökologischer und klimapolitischer Irrsinn!“

Moore seien heutzutage nicht nur für den Naturschutz, sondern auch als CO2-Speicher für den Klimaschutz unverzichtbar, sagte Meyer. Die Grünen halten die massive Bevorratungsplanung der CDU-FDP-Landesregierung für ein „einseitiges Erfüllungsprogramm der Wunschlisten der Rohstoffindustrie“ zu Lasten von Tourismus, Natur und Bevölkerung. Mit einem entsprechenden Entschließungsantrag fordern  die Grünen eine Umkehr. „Wir wollen, dass die Moorzerstörung vollständig beendet wird „, sagte Meyer.

(Foto: Moorfrosch juergen.mangelsdorf CC)

Ökoalarm in Niedersachsen! Bündnis’90/Die Grünen, die Linksfraktion im Landtag Niedersachsen sowie der Naturschutzbund Niedersachsen (Nabu) haben sich gegen weitere Torfabbauflächen ausgesprochen.  12.000 Hektar Fläche sind derzeit im Niedersächsischen Landes-Raumordnungsprogramm (LROP) für den Bodenabbau vorgeschlagen, davon mehr als 7.000 Hektar für den Torfabbau. Eine Vielzahl dieser Flächen liegt innerhalb von Trinkwassergewinnungsgebieten, in Landschaftsschutzgebieten oder grenzt an bereits renaturierte, für den Natur- und Artenschutz besonders wertvolle Flächen, die häufig Teil des Niedersächsischen Moorschutzprogramms sind. Durch die nun geplanten neuen Abtorfungen ist die positive Entwicklung dieser Gebiete für den Natur-, Arten-, Trinkwasser- und Klimaschutz gefährdet, erklärte jetzt der NABU Niedersachsen.

Rücksichtslos wurden zahlreiche neue Abbauflächen für Torf und Gesteine vom Hannoverschen Landwirtschaftsministerium in das LROP aufgenommen – selbst solche  die aus Natur- und Artenschutzgründen bisher vom Abbau ausgeschlossen waren. Dr. Holger Buschmann, Landesvorsitzender des NABU Niedersachsen, dazu: „Die Ausweisung von weiteren Hoch- und Niedermoorflächen als Vorranggebiete für den Torfabbau wäre ein Rückfall in die 1970-er Jahre“. Längst schien verstanden, dass über 95 Prozent der ehemaligen Hochmoorflächen des einstigen Moorlandes Niedersachsen bereits zerstört wurden und die letzten Reste zum Erhalt der einmaligen Fauna und Flora der Moore unter Schutz gestellt werden müssen. Anstatt das Moorschutzprogramm durch Niedermoorflächen zu ergänzen und zu entwickeln, sollen nun aber auch diese restlichen Flächen dem Abbau preisgegeben werden. Dr. Holger Buschmann:  „Wir setzen allerdings auf die Einsicht der Landesregierung und gehen davon aus, dass alle neu zum Torfabbau vorgeschlagenen Flächen aus dem Entwurf des Landesraumordnungsprogramms entfernt werden. Es wäre ein Unding, dass gegen den Protest vieler Kommunen und der Naturschutzverbände, das allseits anerkannte und fachlich gültige Moorschutzprogramm Niedersachsens ‘abgegraben’ würde.“

„Besonders erschreckend“ – so der NABU- ist die vorgesehene Erweiterung des Torfabbaus im Georgsdorfer Moor im Landkreis Grafschaft Bentheim an der Grenze zum Emsland. Der 300m breite Streifen Hochmoor umfasst insgesamt 63 Hektar, die bisher vertraglich vom Abbau ausgenommen und dem Naturschutz zugesprochen waren. Die Nordhorner Kreisgruppe des BUND und des NABU protestierten schon vor Wochen „nachdrücklich und auf das Schärfste“ gegen die entsprechende Änderung des LROP und den vorgesehenen Torfabbau. Der sei „aus Gründen des Artenschutzes und des Klimaschutzes“ unverantwortlich. Durch eine Zerstörung des Hochmoor-Grünlandblocks bei Georgsdorf würden in kürzester Zeit klimaschädliche Gase mobilisiert, die vorher in etwa 10.000 Jahren festgelegt wurden. Artenschutzrechtlich ist ein Torfabbau aus Sicht der Umweltverbände unvertretbar: „Im 300-Meter-Block brüten streng geschützte Wiesenvogelarten wie Großer Brachvogel, Kiebitz und Uferschnepfe. Die geplante Abtorfung wird zum vollständigen Verlust dieser Arten führen. Der Erhaltungszustand ihrer lokalen und regionalen Populationen wäre durch das Vorhaben stark gefährdet.“

Die Verbände: „63 Hektar sollten es wert sein, für nachfolgende Generationen erhalten zu bleiben. Schließlich handelt es sich auch um ein Stück Grafschafter Kulturgeschichte.“ Die Verbände erinnern die Kommunalpolitiker und die politisch Verantwortlichen auf Landesebene an die Worte von Bundespräsident Christian Wulff, die er jüngst bei der Verleihung des Deutschen Umweltpreises vorgetragen hat: „Wir dürfen nicht länger für kurzfristigen Nutzen längerfristigen Schaden in Kauf nehmen.“ In diesem Zusammenhang habe der Bundespräsident eine konsequente Klima- und Umweltpolitik angemahnt.

Der hinter verschlossenen Türen tagende Kreisausschuss des Landkreises Grafschaft Bentheim in Nordhorn berät in diesen Tagen über die Pläne, im LROP die letzten 63 Hektar Hochmoor bei Georgsdorf in der Grafschaft als „Vorranggebiet für den Torfabbau“ freizugeben. Seit 2001 hat die Fläche im Regionalen Raumordnungsprogramm (RROP) Vorrang für Natur und Landschaft. Der westlichste niedersächsische Landkreis bemüht sich seit Jahren, durch Verträge mit den Eigentümern schutzwürdige Naturräume in der Grafschaft zu sichern. Deshalb wurde 1997 vereinbart, die Georgsdorfer Fläche nicht industriell abzutorfen; sie ist das letzte verbliebene Hochmoor in unserem Nachbarkreis.

„Es ist nicht nur wegen des Natur- und Artenschutzes, sondern besonders aus Gründen des Klimaschutzes unverantwortlich, die eigentlich als CO2-Senken funktionierenden Moore abzutorfen und damit Unmengen von CO2 in die Luft zu blasen. Das Land Niedersachsen würde damit seiner hohen Verantwortung im Moor- und Klimaschutz keineswegs gerecht, sondern muss sich vielmehr die Frage stellen lassen, ob es mit der Ausweisung neuer Torfabbau-Vorranggebiete den vollmundig propagierten Klimaschutz nicht ad absurdum führen würde“, erklärte Dr. Holger Buschmann.

Eine 15 Zentimeter hohe Torfschicht speichert auf der gleichen Fläche in etwa ebensoviel CO2 wie ein 100-jähriger Wald. Bei Torfmächtigkeiten von mehr als einem Meter ist die CO2 Speicherung eines Moores enorm, eine Freisetzung dieser CO2 Mengen nicht zu verantworten. Die Georgsdorfer Pläne sind kein Einzelfall. Auch die Neuausweisung von 157 Hektar des Badener/Posthauser Moores im Landkreis Verden, das Günnemoor im Landkreis Osterholz mit fast 100 Hektar oder das Hanlaxmoor mit 89 Hektar im Landkreis Nienburg stehen auf der umweltfeindlichen Liste von Schwarzgelb. Die Zerstörung von Mooren ist extrem klimaschädlich. Vor allem im Ostfriesland, im Emsland und Bremen wehren sich daher Kommunen, Bürgerinitiativen und Umweltverbände gegen den Torfabbau.

(Foto: Georgsdorfer Hochmorr, © BUND Grafschaft Bentheim; Kiebitz: © wikipedia CC)