Rückblick auf Rosemeyer

6. Dezember 2018

Kontrovers wurde am Dienstag, 27. November 2018, über das in Lingen geplante „Museum“ für Bernd Rosemeyer und seine Frau Elly Beinhorn diskutiert.

» Beitrag der Ems-Vechte-Welle, 28. November 2018
* Beitrag auf ev1.tv, 28. November 2018
» Artikel in der Lingener Tagespost/Meppener Tagespost, 29. November 2018

Impressionen aus der Veranstaltung:
» Audiomitschnitt der Veranstaltung, Teil 1 (Ems-Vechte-Welle)
» Audiomitschnitt der Veranstaltung, Teil 2 (Ems-Vechte-Welle)

Und die Rede des Vorsitzenden des Forums Juden-Christen, Dr. Heribert Lange, zum Nachlesen:
(Vorbemerkung: Ein freundliches Wesen hat meine Internetzuleitung mittels Bohrer geteilt. Ich bin also sozusagen offline und behelfe mich mit mobilen Endgeräten. Das macht die Präsentation in diesem kleinen Blog schwierig. Für die grafischen Fehler bitte ich um Entschuldigung!)

„Erklärung des Forums zum Rosemeyer Museum (27.11.18)

Unsere frühere, ausführliche, oft und plausibel erklärte Begründung unserer grundsätzlichen und generellen Ablehnung des Museums ist eindeutig und klar, und sie steht fest. Und doch haben wir ihr noch etwas hinzuzufügen. Vielleicht nämlich wird unsere Position verständlicher, wenn wir sie mit Fragen verbinden, an die viele bisher noch nicht gedacht haben:

Warum nicht ein Museum für die „kleine“ Sparkassenangestellte Selma Hanauer, die ihren Job und ihre berufliche Existenz bereits 1933, also am Anfang des ganzen Unheils, verlor, „nur“ weil sie jüdischen Glaubens war.

Warum kein Museum für den Altbürgermeister und Ehrenbürger Ro-bert Koop sen., der verbotener Weise des Nachts Brot aus seiner Backstube zu Hanauers brachte und dafür von der HJ übel zugerichtet wurde – nicht nur einmal, wie uns Bernhard Neuhaus erzählte? Warum kein Museum für die Eltern des kürzlich verstorbenen Obebürgermeisters Bernhard Neuhaus, die sich ähnlich und ähnlich für-sorglich, aber verbotener Weise um jüdische Nachbarsfamilien kümmerten, und inhaftierte Nazigegner im Gefängnis mit Nahrung versorgten, dieses sogar der Alt-OB selbst, wenn auch als kleiner Knirps an der Hand seiner Mutter?
Warum kein Museum für Helga Hanauer, die der Stadt Lingen schon 1975 – oder vielleicht auch: dann endlich eine geharnischte und Gott sei Dank wirkungsvolle Lektion zu deren perfektem Verdrängungs-komplex der jüdischen Geschichte Lingens erteilt hat? Warum also nicht ein Museum für Opfer der NS-Herrschaft, für die Kümmerer und für die Gefolgschaftsverweigerer und für die beharrlichen NEIN-Sager?
Weder gibt es Straßen mit ihren Namen in der Stadt, noch spricht man über sie, sondern überlässt sie dem allzu kurzen Gedächtnis unserer Gesellschaft und damit wohl auch dem Vergessen.

Wir, das Forum Juden Christen, und alle, die wir an unserer Seite wissen, setzen uns dafür ein, dass sich das ändert, damit diesen Menschen endlich Genugtuung widerfährt…
Stattdessen soll nun aber ein gänzlich anderes Museum her, ja, ein Museum! Ein Museum für einen Trittbrettfahrer, Kollaborateur und Profiteur des NS-Systems – Rennfahrer und SS-Offizier!

Was Sie, Herr Liesen und Herr Professor Walter, uns da, vor allem aber den Opfern, den Holocaustüberlebenden, aber auch denen, die mutig und tapfer dagegen gehalten haben, zumuten, ist bei näherer Betrachtung in der Tat eine unglaubliche und eine unziemliche Zumutung!

Wir haben bei mehreren, auch unterschiedlichen Gelegenheiten und in jeweils mehrstündigen Sitzungen zu dem Konzept von Herrn Professor Walter Stellung genommen, auch in einem überaus fragwürdigen NDR-Talk im August. Wir haben versucht, das Museumsprojekt auf diese Weise kritisch zu begleiten – ebenso wie die Historiker hier vor Ort, wie Frau Dr. Andrea Kalthofen von der Gedenkstätte Esterwegen und wie die aus Münster und Osnabrück hinzugebetenen Historiker, von denen Professor Rass sich heute Abend dankenswerter Weise erneut auf den Weg zu uns gemacht hat.

Aber wir sehen nun auch die Grenzen unserer Gegenrede: Denn Sie haben das Recht auf Ihrer Seite, und Sie verfügen, wie Sie uns erklärt haben, über die Mittel.

Am Ende stimmen wir deshalb mit der Einschätzung eines Vertreters der CDU-Mehrheitsfraktion im Rat der Stadt Lingen überein: „Das Museum ist so überflüssig wie ein Kropf!!!“ Im Umkehrschluss muss man diesen Satz naheliegender Weise auch als Antwort auf die in al-len Debatten bisher unbeantwortete Frage nach dem Sinn dieses Mu-seumsprojekts verstehen, also die Frage: Wozu denn das Ganze – um des lieben Himmels Willen?
In nicht einer der Zusammenkünfte haben wir eine Antwort auf diese Frage gehört, eine Frage, die sinnvoller Weise am Anfang solcher Vorhaben stehen sollte und steht. Wir haben sie die Frage des „Ob“, also des Ob überhaupt, genannt. Bezüglich der Frage des „Wie“ waren indessen zahlreiche Variationen und Paraphrasen zu vernehmen.

Übrigens ist dieser Satz „Überflüssig wie ein Kropf“ nicht etwa im Zu-sammenhang mit der von Herrn Liesen und anderen angezweifelten Rechtmäßigkeit des Votums des städtischen Verwaltungsausschusses vor 18 Monaten im Mai 2017 so gesagt worden, sondern in oder am Rande einer weiteren, erst kürzlichen Beratung des Ältestenrats unserer Stadt Lingen. Von falschen Voraussetzungen, unter denen sich der VA gegen das Museum entschieden hätte, kann keineswegs die Rede sein.

Aber auch noch das: Wir fühlen uns, entsprechend der programmatischen Ausrichtung des Vereins Forum Juden Christen im Altkreis Lingen e.V, als Paten und Anwälte der Opfer des Holocaust und damit zugleich als die Hüter des Ansehens ihrer Namen und ihrer Personen-würde und als Sachwalter der Erinnerung in unserer Stadt wie auch im Altkreis Lingen, und sind ausdrücklich auch autorisiert dazu.

Und dies nicht nur der Erinnerung an die Opfer wegen, sondern um der Erinnerungskultur in unserer Gesellschaft Willen. –
Es gibt, dies aber auch noch, die Erklärung von Hinterbliebenen der Opfer, gerade auch der Opfer aus Lingen. Und es gibt die Erklärungen der jüdischen Amtsträger, dass das Museum für Bernd Rosemeyer und Elly Beinhorn „vor dem Hintergrund des millionenfachen Schicksals der im Holocaust ermordeten Juden der Verhöhnung auch noch der Asche ihrer Opfer gleichkommt“. So hat es Michael Grünberg, der kluge Vorsteher der jüdischen Gemeinde Osnabrück, unserer Stadt Lingen vor kurzem geschrieben. Angesichts dieses nun wirklich unmißverständlichen Satzes wird doch keiner hier im Raum und auch keiner sonst erwarten können, dass wir, das Forum Juden Christen im Altkreis Lingen, bei diesem Projekt dann die Rolle des Hofnarren übernehmen.

Denn wir stehen nicht „einfach nur“ zu unserer Verpflichtung für die Ehre der Ermordeten und die Erinnerung an das Unrecht der Nazis, der SS und SA und all ihrer Helfershelfer und Profiteure, sondern hier und jetzt auch zu dieser dezidierten Aussage von Michael Grünberg: Lingen braucht kein Rennfahrermuseum.

Deshalb geht heute nochmals die Bitte und der Appell an Sie, Herr Liesen und auch an Sie, Herr Professor Walter: Bedenken Sie Ihre staatsbürgerliche und gesellschaftliche, aber nicht zuletzt auch Ihre moralische Verantwortung! Haben sie Erbarmen mit unser aller Stadt

und bewahren Sie die Bürgerinnen und Bürger von Lingen vor einem grauslichem Ungemach, vielleicht auch einer Schande, der Schande eines fragwürdigen Museumsorts.

Meine Damen und Herren, ich danke Ihnen für Ihre freundliche Geduld!“

Gelandet

24. Januar 2014

Emslandfreund Gerhard Kromschröder wurde 1963 Lokalredakteur im Emsland. Ihn interessierte vor allem die Geschichte der Konzentrationslager Börgermoor und Esterwegen. Doch mit seiner Neugier eckte er an und musste seinen Posten schließlich räumen. Ein kleiner Beitrag von ihm auf Gedächtnis der Nation. 

Wenn Sie mal Zeit über haben (es sind ja acht Filmchen zu verschiedenen Themen): vielleicht haben Sie ja Lust, auch sonst mal reinzugucken.

Geschichte lebt!

Geschichte lebt durch Geschichten. Durch persönliche Erfahrungen und Erlebnisse. Sie in Interviews einzufangen und für spätere Generationen zu bewahren, ist das Ziel des Vereins „Unsere Geschichte. Das Gedächtnis der Nation„. Das bundesweit einmalige Projekt sammelt Erzählungen von Zeitzeugen zu Alltagserfahrungen und zentralen Momenten der deutschen Geschichte. Vor der Kamera berichten Jung und Alt über ihre ganz individuellen Erinnerungen an historische Ereignisse und Entwicklungen. Sie bilden die Mosaiksteine im Geschichtsbild einer Nation und prägen das Selbstverständnis einer Gesellschaft. Erzählen auch Sie uns Ihre Geschichte und werden Teil eines facettenreichen Archivs der Erinnerungen!

Tag der Architektur

22. Juni 2013

Bildschirmfoto 2013-06-16 um 23.01.06Am letzten Junitag, Sonntag 30. Juni., findet bundesweit der Tag der Architektur statt. Geboten wird ein breites Spektrum an Bautypologien: Privathäuser, neue Miet- und Eigentumswohnungen, Bauwerke für Büro und Verwaltung, für Schule und Bildung, für Senioren und Kinder, für Handwerk und Gewerbe bis hin zu Gärten und Parks.

Für die Besucher ergibt sich der besondere Reiz am Tag der Architektur daraus, dass die meisten Objekte üblicherweise nicht für Interessierte offen stehen. Außerdem können sie neben vielfältigen Anregungen für eigene Planungs- und Baumaßnahmen auch im direkten Gespräch mit den Fachleuten vor Ort Positionen diskutieren, Probleme lösen und Fragen erörtern.

In Niedersachsen werden 120 Projekte gezeigt, und auch in der Region an Ems und Vechte sind in diesem Jahr mehr Projekte zu sehen als im Vorjahr, allen voran der Umbau der Hallen I/II des ehemaligen Eisenbahnausbesserungswerks Lingen zum Campus Lingen der Hochschule Osnabrück. Daneben gibt es neue Architektur in Nordhorn, Bad Bentheim, Emsbüren, Spelle, Wietmarschen, Meppen, Sögel und Esterwegen. Mehr findet sich auf der Internetseite der Bundesarchitektenkammer für Niedersachsen. (Direkt jenseits der Landesgrenze zur NRW gibt es u.a. Projekte in Hörstel und Rheine).

Alle Objekte können besichtigt werden [mehr…]. Die Architekten sind vor Ort, um  Fragen zu beantworten und  zu Führungen einzuladen.

Mehr…

Carl von Ossietzky

4. Mai 2013

Carl von Ossietzky im KZHeute vor 75 Jahren starb der Publizist und Friedensnobelpreisträger Carl von Ossietzky an Tuberkulose, Folge seiner Haft im KZ Esterwegen. Dorthin verschleppten ihn die NS-Schergen mit weiteren bekannten Häftlingen und setzten  die Gefangenen unter unerträglichen Bedingungen bei der Trockenlegung der emsländischen Hochmoore ein. Ende 1934 wurde der völlig abgemagerte Ossietzky in das Krankenrevier verlegt. Dem Bericht eines Mithäftlings zufolge sollte Ossietzky im Krankenlager durch Spritzen getötet werden.  Berichte sagen, er sei absichtlich mit Tuberkulose infiziert worden. Im Herbst 1935 besuchte der Schweizer Diplomat Carl Jacob Burckhardt das KZ Esterwegen. Dabei gelang es ihm, auch Ossietzky zu treffen, den er anschließend als ein „zitterndes, totenblasses Etwas, ein Wesen, das gefühllos zu sein schien, ein Auge verschwollen, die Zähne anscheinend eingeschlagen“ beschrieb. (Quelle)

Im Emsland, wo der Mann so geschunden und gequält wurde, erinnert nicht viel an Carl von Ossietzky. In Lingen gar nichts. Beschämend.

Das Deutschlandradio Kultur liest man heute  eine Beitrag von Ruth Fühner. Sie gedenkt des  großen Deutschen:

„Militärkritik und Pazifismus waren die Lebensthemen des Publizisten Carl von Ossietzky. Die Nazis verboten ihm, den Friedensnobelpreis entgegenzunehmen. Schließlich kostete ihn die Gewaltherrschaft sogar das Leben.

Es ist ein Bild, das man nicht vergisst: Carl von Ossietzky 1935 im Konzentrationslager. Klein, fast verloren wirkt er gegen die massig herausfordernde Gestalt seines Bewachers, der ihn vor sich an die Wand gestellt hat. Trotzdem hält das Foto weniger die Macht der Schergen fest als die Würde des Häftlings. Wie die anderen „Moorsoldaten“ wird auch von Ossietzky bei der mörderischen Trockenlegung des emsländischen Hochmoors eingesetzt.

Die Schinderei, die Misshandlungen, die Tuberkulose, die er sich im Lager zuzieht, kosten Carl von Ossietzky am 4. Mai 1938 das Leben. Zugleich steht sein Schicksal für eine der größten symbolischen Schlappen des noch jungen NS-Regimes. 1936, gerade in dem Jahr, als es mit den Olympischen Spielen sein internationales Image aufpolieren will, erhält der ehemalige KZ-Häftling, der nach öffentlichen Protesten schwer krank in ein Krankenhaus unter Gestapo-Bewachung entlassen worden ist, den Friedensnobelpreis zugesprochen. In der Laudatio heißt es:

„Carl von Ossietzky … ist ein Liberaler der alten Schule: mit brennender Liebe zur Freiheit der Gedanken und der Meinungsäußerung, festem Glauben an den Wettbewerb auf allen geistigen Gebieten … Respekt für die Werte anderer Völker – und all dies dominiert vom Thema ‚Friede‘.“

Selbstredend darf von Ossietzky nicht nach Oslo fahren, um…“ [weiter]

(Foto: CC Bundesarchiv)

„Ihre Namen leben“

27. Januar 2013

ZwangsarbeiterdenkmalLingen

„Werden sie uns wehtun?“
Kinder und Jugendliche in Auschwitz 1940 – 1945
Gedenkstätte Esterwegen  –  Esterwegen
So 27.01.- 14 Uhr
Ausstellungsdauer: 27. Januar bis 31. März 2013

Ausstellungsprojekt der Realschule Friesoythe
Die Schüler Willi Istomin, Maik Lungren, Delia Beifus, Anne Budde, Kurt-Simon Eggert, Michael Hagen und ihr betreuender Lehrer Michael Podkrajac führen in die Thematik ein.

Eintritt: frei

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„Ihre Namen leben“
Freren – Alte Molkerei
So 27.01. – 17 Uhr
Eintritt frei

Ausstellung zum Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Dargestellt werden die Schicksale der Frerener jüdischen Familien und die Ausstellung ehemaligen Schülern der Klasse 10a RS der Franziskus-Demann-Schule in Freren anläßlich der Verlegung der Stolpersteine im Jahr 2012.

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Lingen (Ems) – Kreuzkirche, Universitätsplatz

So 27.01. – 17.30 Uhr
Eintritt frei

Zum heutigen Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus veranstaltet das Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e. V. gemeinsam mit der Stadt Lingen (Ems) und dem Ludwig-Windthorst-Haus in Lingen seine kulturell geprägte Gedenkveranstaltung in der Kreuzkirche in Lingen, in der zurzeit 45 Lithographien und Radierungen der Ausstellung „Leiden und Hoffen im Leben und Werk Marc Chagalls“ zu sehen sind. Brigitte von Stephani liest aus der im vergangenen Jahr erschienenen Anthologie „Ist es Freude, ist es Schmerz? Jüdische Wurzeln – Deutsche Gedichte“ vor. Musikalisch wird der Abend von Kantor Peter Müller begleitet.
Nach der Lesung findet auf dem Marktplatz eine Mahnwache gegen Rechtsextremismus des Kinder- und Jugendparlamentes und des Stadtjugendringes der Stadt Lingen statt.
ab 17:30 Uhr
Möglichkeit zur Besichtigung der Ausstellung
18:00 Uhr
Begrüßung Edeltraud Sänger, Pastorin, Vorsitzende des Hospizvereins
Einführung Dr. Heribert Lange, stellv. Vorsitzender Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e. V.
Musik: Kantor Peter Müller
Lesung Brigitte von Stephani
19:15 Uhr
Mahnwache gegen Rechtsextremismus des Kinder- und Jugendparlamentes und des Stadtjugendringes Stadt Lingen (Ems), Marktplatz
jüdischerfriedhoflingen

(Fotos, von oben: Zwangsarbeiterdenkmal in Lingen, geschaffen von Bildhauer Friedel Kunst (c) dendroaspis2008 via flickr; Davidstern {c} Alte Molkerei Freren; Jüdischer Friedhof Lingen (c) Forum Juden-Christen)

Kraft

24. September 2012

Regelmäßige Leser dieses kleinen Blogs wissen, wie sehr mich die Fotoaufnahmen von Gerhard Kromschröder gefangen haben, die er in den letzten drei Jahren im Emsland „schoss“ – ist doch die Reaktion der politisch-gesellschaftlichen Regionalliga auf diese so einzigartig auf den Punkt gebrachte, zynisch-ironische Zusammenstellung so wunderherrlich entlarvend. Jetzt werden die Fotografien Kromschröders einige Wochen in Oldenburg gezeigt werden.  Vor einer Woche bei der Eröffnung dieser Ausstellung seiner „Expeditionen ins Emsland – Ein deutscher Bilderbogen“ in der Bibliothek der Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg hielt Gerhard Kromschröder  diese Rede über „ein anderes Bild aus dem Emsland“, die aufhorchen lässt und die mich berührt:

„Gestatten Sie mir vor dem Rundgang durch die Ausstellung eine persönliche Anmerkung: Ich möchte kurz sagen, warum es für mich so viel bedeutet, meine Fotos an einem Ort ausstellen zu können, der den Namen Carl von Ossietzkys trägt.

Dabei spielt auch ein Emsland-Bild eine Rolle, ein Bild mit Carl von Ossietzky, entstanden in den Dreißiger Jahren und aufgenommen von einem unbekannten Fotografen, ein Bild, das um die Welt ging.

Was hat es mit diesem Bild und mir auf sich? Ossietzkys Namen kannte ich schon als Schüler in Frankfurt, und als Student habe ich mit glühendem Kopf Artikel von ihm in alten Ausgaben der „Weltbühne“ gelesen – was für ein Journalist, was für ein Mann!

Aber nie hätte ich mir träumen lassen, dass sich unsere Lebenswege einmal berühren könnten. Aber sie kreuzten sich – posthum und fern meiner Geburtsstadt Frankfurt. Denn als junger Redakteur der „Ems-Zeitung“ in Papenburg stand ich zu meiner Überraschung plötzlich dort, wo Carl von Ossietzky als Gesinnungshäftling gedemütigt und gequält worden war – am KZ Esterwegen, übrigens gar nicht so weit von hier, mitten in den „killing fields“ der Nazis im emsländischen Moor.

Als ich vor nun 50 Jahren das erste Mal an dieser Stelle stand, dieser Schädelstätte in der Landschaft des Leidens, da hatte ich dieses eine Foto vor Augen – es zeigt Carl von Ossietzky im KZ Esterwegen; auch das ein Emsland-Bild, wie gesagt.

Sie kennen es vielleicht: Ossietzky, ein eher kleiner, schmächtiger Mann, steht mit dem Rücken an einer weißgestrichenen Barackenwand, den Kopf leicht zwischen die Schultern gezogen. Seine beiden Arme hält er etwas linkisch seitlich nach unten gestreckt, als versuche er sich in einer militärisch strammen Haltung. An seinem dürren Leib schlottert die verschlissene, dunkle Sträflingskleidung, über der linken Brusttasche prangt seine Häftlingsnummer: 562.

Vor Ossietzky hat sich, leicht von hinten fotografiert, ein hochgewachsener SS-Mann aufgebaut in seiner schwarzen Uniform, besetzt mit silbernen Zierknöpfen. Im Bewusstsein seiner Überlegenheit hat der KZ-Aufseher beide Arme in die Hüfte gestemmt, in der linken Hand hält er dabei kokett ein Paar Lederhandschuhe. Von oben herab blickt er mit leicht nach vorn geneigtem Kopf auf den kleineren Ossietzky an der Barackenwand, der die Augenlider gesenkt hält und etwas zu sagen scheint.

Dieses Bild habe ich auch später oft genug aus meinem Erinnerungsarchiv abgerufen. Denn was mich dabei immer wieder beeindruckt, ist die Tatsache, dass der Mann an der Barackenwand auch in dieser scheinbar ausweglosen Situation noch seine Würde behält gegenüber dem gockelhaft auftretenden SS-Mann. Und bis zum Schluss hat sich Ossietzky den Nazis nicht gebeugt, ist trotz widrigster Umstände seinen Überzeugungen treu geblieben. Er zeigte, was geistige Freiheit, moralische Unantastbarkeit und Zivilcourage bedeuten können.

So habe ich aus diesem Bild auch später Kraft geschöpft, wenn ich selbst einmal mit dem Rücken zur Wand stand. So wurde es für mich zum Sinnbild, dass man auch gegen eine scheinbare Übermacht ankämpfen kann.

Zugleich ist dieses Foto Carl von Ossietzkys aus dem Emsland ein Appell, sich nicht zu unterwerfen, sondern einzutreten für eine gerechtere Welt. Dafür gibt es viele gute Gründe. Bert Brecht hat 1935 einen davon aufgeschrieben, in dem Jahr, für das Carl von Ossietzky den Friedensnobelpreis erhielt:

„Und weil der Mensch ein Mensch ist,
Drum hat er Stiefel im Gesicht nicht gern!
Er will er unter sich keinen Sklaven sehn
Und über sich keinen Herrn.“ „

Ausstellung: „Gerhard Kromschröder – Expeditionen ins Emsland
Ein deutscher Bilderbogen“
Dienstag, 18. September  2012 bis Mittwoch 31. Oktober 2012
Carl-von-Ossietzky-Universität Oldenburg
Foyer der Universitätsbibliothek, Uhlhornsweg 49-55, Oldenburg

Eintritt frei. Öffnungszeiten der Universitätsbibliothek.

Esterwegen

8. September 2012

Unter ihrer neuen Intendantin Katrin Zagrosek (Foto lks.) widmen sich die 26. Niedersächsischen Musiktage  in diesem Jahr dem Thema „Freiheit“ und seinen vielfältigen Facetten. In 65 Veranstaltungen beleuchten hochkarätige Künstler politische und persönliche Freiheit, die Freiheit der Natur und vor allem die Freiheit der Musik.

Ein ganz besonderer Beitrag findet dabei am nächsten Samstag als sog. Wandelkonzert auf dem Gelände des ehem. Konzentrationslagers Esterwegen statt, wo erst  66 Jahre nach dem Ende der NS-Gewaltherrschaft, im vergangenen Oktober, doch noch eine Gedenkstätte eröffnet wurde. Sie gilt als zentraler Erinnerungsort für alle 15 sog. „Emslandlager“. Sie gedenkt der Opfer des NS-Regimes, setzt damit ein Zeichen gegen Diktatur, Gewaltpolitik und Rassismus. Esterwegen fordert damit auf zum Engagement für Menschenrechte, Demokratie und – Freiheit.

Hier in Esterwegen nähern sich die Musiktage dem dunkelsten Kapitel deutscher Geschichte unter der an diesem Ort so bitteren Überschrift Die Gedanken sind frei. Unfreiheit und Hoffnung werden mit leisen Tönen und musikalischer Eindringlichkeit nachvollziehbar, verstummte Stimmen wieder hörbar. „Manchmal sagt die Atmosphäre eines Ortes mehr als jede historische Information. Manchmal kann Musik mehr ausdrücken als jedes beschreibende Wort.“

Mitwirkende sind u.a.

Bennewitz Quartett mit Musik von J. S. Bach und Erwin Schulhoff,
Camerata Vocale Hannover mit Chormusik und
Kolsimcha mit Klezmer-Klängen.

In den Baumgruppen des Geländes formen sich Texte berühmter Häftlinge wie Carl von Ossietzky zu einem »Hörwald«. Das Bennewitz Quartett spielt Stücke des von den Nazis ermordeten Erwin Schulhoff, sowie Bachs »Kunst der Fuge« – ergänzt und kommentiert durch eine Lesung von Celans »Todesfuge«, vorgetragen von Schauspieler Dieter Hufschmidt. Die Camerata Vocale Hannover tritt mit Gesängen von di Lasso, Kodály und Schostakowitsch auf, und die international renommierte Klezmer-Formation Kolsimcha „holt die Besucher schließlich im Lagerraum II zu einem Konzert zusammen, das sich auf den Gedanken der Befreiung konzentriert – auf eine Hoffnung, an welche die Musik noch glauben lässt, wenn Worte bereits verstummt sind.“ (NDR)

Samstag, 15.09., 17:00 Uhr
Gedenkstätte Esterwegen
Hinterm Busch 1
26897 Esterwegen

Das Konzert ist Teil der PartiTouren Niedersachsen.

Anfahrt mit Google Maps

Eintritt 12,50 Euro – 25,00 Euro
Der Eintritt beinhaltet einen Imbiss, mit der Eintrittskarte kann ab 15 Uhr die Gedenkstätte besichtigt werden.

Online sind bereits keine Karten mehr verfügbar. Es gibt eine Warteliste, auf die man sich mittels E- Mail mit Anzahl der Karten an kirsten.karg(at)svn.de eintragen kann.

Konzertprogramm:

Erwin Schulhoff: Fünf Stücke für Streichquartett
Johann Sebastian Bach: Die Kunst der Fuge (Contrapunctus 1-4)

Orlando di Lasso: Super flumina Babylonis
Zoltán Kodály: Sirató ének

Wolfgang Rihm: Mit geschlossenem Mund
Dmitri Schostakowitsch: Den Hingerichteten

Johann Sebastian Bach: Durch dein Gefängnis, Gottes Sohn, ist uns die Freiheit kommen
Johannes Brahms: Nachtwache I, opus 104/1

Erwin Schulhoff: Fox-Song für Klavier und Melodieinstrument
Erwin Schulhoff: Hot Sonate für Klavier und Saxophon

Hinweis: Ein Teil des Konzerts findet im Freien statt. Empfohlen werden daher wetterfeste Kleidung und festes Schuhwerk.

(QuelleFoto: (c) Thomas Keydel)

Nie erschienen

12. Mai 2012

Fleurop lässt grüßen! Gerade empöre ich mich über diese peinlich-arroganten Worte der Pressesprecherin des Kreises Emsland Anja Rohde. In diesen Tagen jährt sich bekanntlich zum 67. Mal die Befreiung der Emslandlager; aber  der Landkreis Emsland hat gar nicht so richtig dran gedacht. Denn da sagt die Dame auf Anfrage der Presse tatsächlich:

Wir werden in der alten Rheder Kirche und am Ossietzky-Denkmal in Esterwegen Kränze niederlegen“, sagt Kreissprecherin Anja Rohde auf die Frage, ob es denn von Seiten des Landkreises eine Gedenkveranstaltung gebe. „Allerdings wird dies kein offizieller und auch kein öffentlicher Akt. Die Kränze sollen ein Zeichen für die Besucher sein.

So ist es eben, wenn man lediglich aus parteipolitischen Gründen glaubt, gedenken zu müssen, und man nicht mit dem Herzen dabei ist.

Heute informiert die taz-nord über dies:

„In diesem Jahr könnte die deutsch-niederländische Initiative 8. Mai ihre Gedenkveranstaltung im Emsland zum Jahrestag der Befreiung vom Nationalsozialismus zum ersten Mal auf der Gedenkstätte Esterwegen ausrichten. Die hat Ende Oktober letzten Jahres zur Erinnerung an die Opfer der 15 Konzentrations- und Strafgefangenenlager im Emsland eröffnet.

Die Initiative, zu der auch ehemalige Gefangene gehören, wird sich am heutigen Samstagnachmittag allerdings nicht dort treffen, sondern, wie in jedem Jahr seit 1985, auf dem Lagerfriedhof Bockhorst bei Esterwegen.

Nikolaus Schütte zur Wick, Fraktionsvorsitzender der Grünen im emsländischen Kreistag, ist sich sogar sicher: „Selbst wenn die Initiative beantragt hätte, ihre Veranstaltung an der Gedenkstätte abzuhalten, wäre das bestimmt nicht genehmigt worden.“

Die Veranstaltung der NS-Opfer wird von den Vertretern des Landkreises gemieden. Nie erschienen ist der ehemalige…“

weiter bei der taz

Mehr im taz-Kommentar von Simone Schnase
und über die Ab- und Hintergründe hier 

und online im Emskopp

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DIE EMSLANDLAGER

„1933 wurden die Kozentrationslager Börgermoor, Esterwegen und Neusustrum fertiggestellt, bis 1937 kamen Aschendorfermoor, Brual-Rhede, Walchum und Oberlangen hinzu, ab 1938 Wesuwe, Versen, Fullen, Groß-Hesepe, Dalum, Wietmarschen, Bathorn und Alexisdorf.

In den Emslandlagern wurden insgesamt 70.000 Menschen inhaftiert, darunter politische Gefangene, Homosexuelle, wehrmachtgerichtlich verurteilte Soldaten und sogenannte Nacht-und-Nebel-Gefangene .

1939 übernahm die Wehrmacht drei Lager und nutzte sie als Kriegsgefangenenlager für weit über 100.000 Soldaten aus der Sowjetunion, Frankreich, Belgien, Polen und Italien. 1944/45 dienten die Lager Dalum und Versen der SS kurzzeitig als Außenlager des KZ Neuengamme.

Insgesamt sind in den Emslandlagern rund 30.000 Menschen ums Leben gekommen.“ (Quelle)

Suchmeldung II

2. November 2011

Im Emskopp-Blog lese ich über die Einweihung der Gedenkstätte Esterwegen am Montag dies:

„…Der ehemalige Lagergefangene Hendrik Verheyen und der Stiftungsratsvorsitzende Bernd Faulenbach richteten ihren Dank auch an Kurt Buck, den Leiter des DIZ. Der tosende Applaus, den die Dankesworte auslösten, machte deutlich: Vielen Anwesenden fehlte an diesem Tage etwas.

In der Tat fehlte etwas. Die o.g. Gäste sowie Bischof Bode, Landesbischof Ralf Meister und der Landesrabbiner Jonah Sievers, die zur Kranzniederlegung Psalmen aus der Bibel vorlasen, bestritten den offiziellen, feierlichen Teil der Gedenkstätteneröffnung. Ein Vetreter des DIZ sprach nicht. Ein paar Worte über die Geschichte und die Zukunft des DIZ, über seine Rolle als Kooperationspartner der Gedenkstätte und über seinen zukünftigen Wirkungsort in Esterwegen, das hätten sich viele Besucher gewünscht. Der ehemalige “Nacht- und Nebel”-Gefangene Hendrik Verheyen sprach in seiner Dankesrede das aus, was wohl viele dachten: “Ich hoffe, dass die Arbeit, die das DIZ 26 Jahre lang geleistet hat, fortgesetzt wird…”.

Hier geht’s weiter bei Emskopp.de

Suchmeldung

31. Oktober 2011

Heute, fast 80  Jahre nach der Einrichtung des KZ Esterwegen im Sommer 1933, wird  die Gedenkstätte Esterwegen eingeweiht. Damit erhalten die Opfer der NS-Gewaltherrschaft im Emsland direkt auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers einen Ort der Erinnerung. Das Lager in Esterwegen war eines von 15 emsländischen Konzentrations- und Strafgefangenenlagern, in denen vor allem Kriegsgefangene und politisch Verfolgte („Moorsoldaten“) inhaftiert waren. Insgesamt sind in den Emslandlagern rund 30.000 Menschen ums Leben gekommen.

Der schon wahlkämpfende Ministerpräsident aus Hannover wird um 10 Uhr da sein und der Kulturstaatssekretär aus Berlin. Natürlich auch der scheidende Landrat des Emslandes – an seinem letzten Arbeitstag; dazu wird kolportiert, es sei ihm ein persönliches Anliegen gewesen, die Gedenkstätte noch zu eröffnen. Nun denn, alle drei Redner sind Christdemokraten und ihre Auftritte zeigen, dass sich die Haltung der CDU in den letzten Jahren offenbar geändert hat. Totschweigen wie früher geht nicht mehr.  Also haben sie sich dafür entschieden, eine  eigene Erinnerungskultur zu etablieren. Mit Kirche und Kloster,  eigener politisch-korrekter Stiftung und ganz viel Geld.

Vergebens suche ich in all dem Kurt Buck. Buck ist der Mann, der 30 Jahre lang das Papenburger DIZ aufgebaut und dabei Vorbildliches geleistet hat. Offenbar passt er nicht so richtig in das neue, offizielle Erinnern; denn Kurt Buck taucht nirgendwo mehr auf. Dabei hätte er viel zu berichten. Zum Beispiel was davon zu halten ist, wenn Landrat Hermann Bröring behauptet, eine Gedenkstätte sei „1980 kein Thema“ gewesen. Ob sich da Hermann B. etwa die eigene Regionalgeschichte zurecht bastelt?

Immerhin hat der ungeliebte Kurt Buck noch dafür sorgen können, dass zwei Journalisten eingeladen sind:  der inzwischen 70-jährige Gerhard Kromschröder und der aus Rhede stammende Hermann Vinke, der spätere Programmdirektor Hörfunk bei Radio Bremen. Ganz jung waren beide von 1963 bis 1967/68 Journalisten der Ems-Zeitung in Papenburg und sie recherchierten  die Geschichte der Emsland-Lager, bis sie vom Verlag der Neuen Osnabrücker Zeitung  entlassen wurden. „Wir haben ein bisschen zu viel über die Lager berichtet“, sagte Kromschröder jetzt zur taz, „und die Kirche kam auch nicht so gut weg. Es gab diese Moorsoldatentreffen“, erinnert er sich. „Wenn du da hinkamst, wurdest du vom Verfassungsschutz fotografiert und am nächsten Tag gab es einen Anruf von der Chefredaktion aus Osnabrück, wo man sich denn rumgetrieben hätte.“

Entsprechend kommentiert der kritische Kromschröder gegenüber der taz, in die neue Gedenkstätte in Esterwegen  „…sind ja Millionen reingeflossen nach dem Motto: ,Wir haben jetzt auch Erinnerungskultur – auf Weltniveau!'“ Nur ein paar Kilometer weiter, in Börgermoor, „wo das Lied von den ,Moorsoldaten‘ geschrieben wurde“, da sei „1968 in einer Nacht-und-Nebel-Aktion komplett alles abgerissen“ worden. „Nach mehr als sechs Jahrzehnten“, sagt Kromschröder, „haben sie ein wunderbares Haus gebaut – kann man nur hoffen, dass die Erinnerung auch einzieht.“

Vinke, der 1969 eigenhändig eine verharmlosende Schriftzeile auf einem Gedenkstein wegmeißelte, und sein Kollege Kromschröder können vielleicht die Verantwortlichen nach Kurt Buck und seinen künftigen Aufgaben fragen und sie können auch an die Jahre vor 1980 erinnern, als für sie und viele andere -allerdings nicht die lokale CDU- eine Gedenkstätte in Esterwegen längst ein Thema war.
Und, wenn sie schon dabei sind, werden sie sich bestimmt auch erkundigen, warum gestern Abend die neue Gedenkstätte von einem katholischen und einem evangelischen Geistlichen „eingesegnet“ wurde; eigentlich sollte dies auch heute erfolgen, doch die Vereinnahmung durch die Kirchen im Rahmen der offiziellen Eröffnung war dann wohl doch etwas zu viel. Ich habe meine Zweifel ob dieser nachträgliche Christianisierung des Widerstandes der Sozialisten, Kommunisten und Gewerkschafter gegen Nazi-Deutschland. Ich habe auch Zweifel, ob das vom Landkreis Emsland 2007 wohl mitinitiierte Kloster der Franziskanerinnen auf dem KZ-Gelände Esterwegen  eine dem Ort und seiner Geschichte angemessene Einrichtung ist.

Denn gerade die Rolle  der katholischen Kirche und ihrer Würdenträger in den Emslandlagern ist besonders umstritten. Der Osnabrücker Bischof und preußische Staatsrat Wilhelm Berning beispielsweise soll zum Abschluss eines Besuchs der Emslandlager die Wachmannschaften im Lager Aschendorfermoor zu einem Bier eingeladen und dabei gesagt haben: „Lange lag das Emsland im Dornröschenschlaf,  bis der Prinz kam und es weckte; dieser Prinz ist unser Führer Adolf Hitler.“ Amtskirche und politische Regionalliga bestreiten unisono die Authentizität dieses Zitats, das am 26. Juni 1936 die damals gleichgeschaltete Ems-Zeitung zu berichten wusste. Längst haben Historiker in einem vom Landkreis Emsland in Auftrag gegebenen, umfangreichen Werk das Zitat bezweifelt. Aber dass der Pressebericht  falsch ist, ist nicht belegt und auch, dass im  sonst vollständig mikroverfilmten Archiv der „Ems-Zeitung“ vom 26.06.1936 ausgerechnet der Lokalbericht über den bischöflichen Besuch fehlt, wirft -sicherlich nicht nur bei mir- Fragen auf.

Immerhin wird heute nicht mehr geschwiegen. Künftig wird erinnert –  wenn auch politisch wie  kirchlich korrekt und stiftungsfaktisch wohl auch ohne DIZ. Warum das so ist und was es bedeutet, kann der 33-jährige Henning Harpel erklären. Harpel ist Lehrer am Meppener Gymnasium Marianum. Er ist nicht ab 10 Uhr in Esterwegen dabei; denn er muss heute arbeiten. 2004 hat der Pädagoge seine Staatsexamensarbeit zum Thema „Die Emslandlager des Dritten Reichs – Formen und Probleme der aktiven Geschichtserinnerung im nördlichen Emsland 1955-1993“ geschrieben. Eine überarbeitete Fassung erschien im Jahr darauf im 12. „Blauen Band“ der Studiengesellschaft für Emsländische Regionalgeschichte und sorgte für große Aufregung unter den Lokalgrößen.  Warum, wird Harpel heute Abend ab 19.30 Uhr in der NDR-Sendung „Hallo Niedersachsen“ erklären können. Ich bin gespannt.

Übrigens:

Mehr über die Emslandlager im Allgemeinen und Esterwegen im Besonderen habe ich auf der Internetseite des Magazins Emskopp gefunden, bei dem ich mich herzlich für die Erlaubnis bedanke, den Text über Carl von Ossietzky verwenden zu dürfen

(Kasten ©: Carl von Ossietzky aus emskopp.de)