Vor 75 Jahren haben britische Soldaten das KZ Bergen-Belsen befreit. Dieser Jahrestag sollte eigentlich in großem Rahmen begangen werden: Mit insgesamt 5.000 Gästen und 120 Überlebenden des Lagers. Das Coronavirus hat allem einen Strich durch die Rechnung gemacht. Die großen Feierlichkeiten mussten abgesagt werden, das Gedenken fand jetzt heute nur in kleinem Rahmen statt. Ministerpräsident Stephan Weil (SPD) legte einen Kranz in Bergen-Belsen nieder – gemeinsam mit Michael Fürst (Vorsitzender des Landesverbandes der jüdischen Gemeinden) und Jens-Christian Wagner (Leiter der Stiftung niedersächsische Gedenkstätten).

Stephan Weil erinnerte zum Jahrestag daran, die Zeit der NS-Verbrechen und ihre Folgen nicht zu vergessen: „Der 75. Jahrestag der Befreiung von Bergen-Belsen unterstreicht, wie wichtig Frieden und die Wahrung der Menschenrechte sind und dass insbesondere wir Deutschen alles dafür tun müssen, damit nie wieder Menschen anderen Menschen so unermessliches Leid zufügen.“

Viele Reden, die gehalten worden wären, liegen als Videobotschaften vor. Ergänzt durch historische Hintergrund-informationen und Grußworte aus aller Welt hat die Gedenkstätte die Botschaften hier zusammengestellt.

Auf dem Kriegsgefangenenfriedhof Hörsten sind ca. 20.000 Kriegsgefangene begraben, die meisten von ihnen stammten aus der Sowjetunion. Auf dem Friedhof sollte im April 2020 anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung eine große Gedenkveranstaltung stattfinden, die wegen der Corona-Pandemie abgesagt werden musste. Das Video beschreibt die Geschichte des Kriegsgefangenenlagers Bergen-Belsen und des Friedhofs als Gedenkort. Außerdem ist eine Gedenkzeremonie in kleinem Rahmen dokumentiert, die am 75. Jahrestag im April 2020 stattgefunden hat.

Das zweite Video dokumentiert die Geschichte des KZ Bergen-Belsen und zeigt den heutigen Zustand des ehemaligen Lagergeländes. Das Dokumentationszentrum mit der Dauerausstellung wird ebenso vorgestellt wie die Erinnerungszeichen auf dem Gelände mit den Massengräbern. Das ehemalige Lagergelände wäre einer der zentralen Orte der Gedenkveranstaltungen anlässlich des 75. Jahrestages der Befreiung des Konzentrationslagers Bergen-Belsen gewesen, die aufgrund der Corona-Pandemie abgesagt werden mussten. Daher zeigt der Film auch eine Gedenkzeremonie in kleinem Kreis.

In den letzten Kriegstagen, zeigt das dritte Video, wurde die nahegelegene Kaserne zu einem Außenlager des KZ Bergen-Belsen. Nach der Befreiung entstand in der Kaserne ein Displaced Persons Camp für jüdische und polnische Überlebende. An den Folgen der Haft starben dort noch mehrere tausend Menschen. Die meisten von ihnen sind auf dem sogenannten Zelttheaterfriedhof beigesetzt. Das Video dokumentiert die Geschichte dieses Ortes.


Die ursprünglich geplante große Gedenkveranstaltung um 75. Jahrestag der Befreiung des KZ wurde auf den 18. April 2021 verschoben.  

Echtzeit

12. April 2020

Wie haben die Häftlinge die letzten Tage im Konzentrationslager Bergen-Belsen erlebt? Wie reagierten die britischen Soldaten auf das unfassbare Grauen, als sie die Tore des Lagers nach der Übergabe passierten? In drei Tagen – am kommenden Mittwoch, 15. April – jährt sich die Befreiung von Tausenden Gefangenen zum 75. Mal. NDR.de/Niedersachsen nimmt diesen Jahrestag zum Anlass, zurück in die Zeit kurz vor Ende des Zweiten Weltkriegs zu schauen. Ab heute um 16 Uhr können Sie auf dem Twitter-Account von NDR Niedersachsen unter dem Hashtag #bergenbelsen75 die Ereignisse der letzten Tage im Lager verfolgen.

In Echtzeit gegen das Vergessen

Bergen-Belsen ist ein Symbol für die Gräuel des Nationalsozialismus. Bei uns in Niedersachsen – aber auch besonders in der angelsächsischen Welt. Denn das Konzentrationslager am Rande der Lüneburger Heide wird nicht, wie viele andere, von der SS geräumt, bevor die Alliierten einrücken. Wehrmacht und britische Armee handeln eine Übergabe vor Kriegsende aus. Die Briten ahnen zu diesem Zeitpunkt nicht, was…

[…weiter beim NDR]

(Foto gemeinfrei)

Lingen unter

1. April 2019

Mittwochs im Museum:
Lingen unter dem Hakenkreuz
Eine Stadt im Nationalsozialismus
Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 30a
Mittwoch, 3. April 2019
Wegen des starken Interesses findet die etwa einstündige Präsentation am Mittwoch (3.4.) in mehreren Durchgängen um 11 Uhr, 14 Uhr, 16 Uhr und 19.30 Uhr statt.
Der Eintritt beträgt 5 Euro, für Heimatvereinsmitglieder 3 Euro.

„Lingen unter dem Hakenkreuz“ lautet das Thema beim nächsten „Mittwoch im Museum“ . Dr. Andreas Eiynck schildert die Zeit des Nationalsozialismus in Lingen von der sog. Machtergreifung im Januar  1933 bis zum Kriegsende 1945. Zu der Veranstaltung laden das Emslandmuseum und der Heimatverein alle Interessierten ein.

Zunächst beschreibt der Museumschef, wie die Nationalsozialisten auch im Emsland an die Macht gelangten, obwohl sie hier nie eine Mehrheit hatten. Sie konnten ihre Position in kürzester Zeit so ausbauen, dass jeder Widerstand, ja sogar Widerspruch gegen das System gefährlich wurde.

Es folgten dann die sogenannten „Erfolgsjahre“ des Regimes, in denen sich die Wirtschaft erholte und die Arbeitslosigkeit rasch zurückging. Dafür nahmen viele die politischen Repressionen und die Verfolgung von Gegnern teilnahmslos hin. Viele interessierten sich nicht dafür, dass der Aufschwung aus dem geraubten Vermögen der Juden finanziert und über die Aufrüstung Deutschlands umgesetzt wurde. Andere fürchteten Nachteile oder Verfolgung, wenn sie ihre Stimme dagegen erhoben. Jeder Widerstand wurde im Keim erstickt, während sich das Regime bei Aufmärschen, Großkundgebungen, im Glanz von Sportveranstaltungen, erfolgssportlern und Olympischen Spielen sonnte.

Mit Beginn des Zweiten Weltkriegs nahm die Gewalt des Systems ungehemmt zu. Aus der Judenverfolgung wurde der Holocaust, friedliche Nachbarstaaten wurden militärisch erobert, ihre Bevölkerung gewaltsam unterdrückt und ihre Wirtschaft ausgeplündert. Doch auch die deutsche Bevölkerung spürte bald die Folgen des Krieges. Immer mehr junge Männer starben an allen Fronten Europas und 1944 war Lingen das Ziel zweier verheerender Luftangriffe mit vielen Toten.

Bis zur letzten Minute lief auch im Emsland die Propaganda- und Unterdrückungsmaschinerie des NS-Staates. Die Stadt Lingen (Ems) sollte „bis zur letzten Patrone“ gehalten werden, um die Gegner an der Ems aufzuhalten. Der Kampf um die strategisch wichtige Stadt forderte viele Opfer und führte zu schweren Zerstörungen im Stadtgebiet. Ostern 1945 rückten die alliierten Truppen in Lingen ein, die letzten verbliebenen Nazis flüchteten. Erst allmählich realisierten die Meisten, dass die Besetzung durch die Kriegsgegner die Befreiung vom Nationalsozialismus war.