CSD/Karl Gorath

28. Juni 2020

Der Christopher Street Day (CSD) erinnert an den ersten Aufstand von Homosexuellen und anderen sexuellen Minderheiten gegen die Polizeiwillkür in der New Yorker Christopher Street im Stadtviertel Greenwich Village: In den frühen Morgenstunden des 28. Juni 1969 fand in der Bar Stonewall Inn der sogenannte Stonewall-Aufstand statt. Zu dieser Zeit gab es immer wieder gewalttätige Razzien der Polizei in Kneipen mit trans- und homosexuellem Zielpublikum. Besonders betroffen von Misshandlungen und Willkür waren Afroamerikaner und solche mit lateinamerikanischer Herkunft. Als sich an diesem Abend insbesondere Dragqueens und transsexuelle Latinas und Schwarze gegen die wiederkehrenden Kontrollen wehrten, war dies der Ausschlag für tagelange Straßenschlachten mit der New Yorker Polizei. Um des ersten Jahrestages des Aufstands zu gedenken, wurde das Christopher Street Liberation Day Committee gegründet. Seitdem wird in New York am letzten Samstag des Juni, dem Christopher Street Liberation Day, mit einem Straßenumzug an dieses Ereignis erinnert. Daraus ist eine internationale Tradition geworden, im Sommer eine Demonstration für die Rechte von Schwulen und Lesben abzuhalten.

Das letzte Juni-Wochenende ist aber auch weltweit traditionell der Höhepunkt der queeren Pride-Paraden – schließlich wird dann immer des legendären Stonewall-Aufstandes gedacht, bei dem in der Nacht zum 28. Juni 1969 die queere Emanzipationsbewegung ihren Ausgang nahm. Trotz der Coronapandemie wirddies auch in diesem Jahr so sein.

Mehr als tausend CSD-Veranstalterinnen und -Veranstalter weltweit haben sich zu einem „Global Pride“ zusammengetan, der an diesem Samstag und Sonntag online übertragen wird. Es soll die „größte LGBTI+-Feier aller Zeiten werden“, heißt es auf globalpride2020.org, wo 24 Stunden lang Veranstaltungen aus aller Welt gestreamt werden sollen.

Hier ein Twitter-Thread aus den USA, den man nicht weiter zu kommentieren braucht.

(Quelle: Wikipedia, US Holocaust Museum)

Für diesen Sonntag, an dem das Wetter umschlagen wird, habe ich dann einen, für dieses Blog ungewöhnlichen Lesebefehl: Eine ungehaltene Predigt des Osnabrücker Generalvikar Theo Paul, der Stellvertreter des Bischofs von Osnabrück und Leiter der Verwaltung des Bistums ist. In seinen Blogbeiträgen greift er nicht selten aktuelle Themen auf. Lest selbst:

„Eigentlich wollte ich“, schreibt Theo Paul im Blog des Bistums Osnabrück, „diese Predigt am 8. Mai auf dem Gelände des ehemaligen Konzentrationslagers Fullen bei einer Gedenkveranstaltung halten. Wegen des Coronavirus musste die Veranstaltung leider abgesagt werden. Trotzdem denken wir an 75 Jahre Ende des Zweiten Weltkriegs, 75 Jahre Ende des Faschismus. Erinnerungsarbeit ist Friedensarbeit. Hören wir nicht auf zu rufen: Nie wieder Krieg.“

„Liebe Mitchristen!

75 Jahre Befreiung vom Faschismus – Ende des II. Weltkriegs

27. Januar
75 Jahrestag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz, internationaler Tag des Gedenkens an die Opfer der Shoah

2. März
Vatikan öffnet die Archive zu Papst Pius XII. Welche Rolle hat er im II. Weltkrieg, im Holocaust eingenommen?

Der Tag der Befreiung vom Faschismus stellt auch die Frage nach der Rolle der Christen und der Kirche in der Zeit der Nazi-Diktatur.

Wir sind auf dem Gelände eines Konzentrationslagers. Wie konnte es dazu kommen? Warum haben so wenige Menschen sich zur Wehr gesetzt, als ihre jüdischen Nachbarn verfolgt und verschleppt wurden? Als christliche Kirche warnen wir heute vor wachsendem Hass bzw. Antisemitismus und prangern die steigende Tendenz an, die Ereignisse der Shoah zu verharmlosen oder gar zu leugnen.

Verachtung und Hass entwickeln sich allmählich aus Worten, Stereotypen und Vorurteilen – durch rechtliche Ausgrenzung, Entmenschlichung und Gewalteskalation. An diesem Tag des Gedenkens bringen wir für die Opfer dieses schrecklichen Verbrechens Respekt und Trauer zum Ausdruck. Wir danken allen, die ihr Leben eingesetzt haben, um unser Land vom Faschismus zu befreien. Wir verneigen uns vor allen, die in diesem Befreiungskampf ihr Leben verloren haben.

Vor einigen Monaten ist er gestorben, der seine ganze Theologie – als Theologie „nach Auschwitz“ verstanden hat. Johann Baptist Metz plädierte für eine moralische Auffassung von Tradition, die nur dann Maßstäbe für das eigene Handeln aus der Geschichte gewinnt, wenn sie sich der katastrophischen Dimension der Geschichte stellt. Wir können keine Verkündigung an Groß Fullen, Esterwegen, Bockhorst, Groß Hesepe – Auschwitz, Bergen-Belsen, Dachau vorbei praktizieren. Nur mit Blick auf die verstummten Opfer können wir uns den Menschen der Gegenwart zuwenden. Dieser 8. Mai ist Tag der Befreiung, Gedenktag an die Opfer der Kriege und Eingeständnis in die Verstrickung in Schuldzusammenhängen von Christen und Kirche in ein System von Unrecht und Gewalt.

1982 war ich das erste Mal zu einem Gedenkgottesdienst in Groß Fullen. Wir wollten an die Opfer des Nationalsozialismus erinnern. Damals wurden wir damit konfrontiert, dass wir doch endlich die Zeit des Nationalsozialismus ruhen lassen sollten. Es sei schon soviel darüber geschrieben worden. Wir haben – Gott sei Dank – nicht geschwiegen. Die kleine Pax Christi-Gruppe und auch andere Institutionen haben die Erinnerung an das Grauen des Faschismus wachgehalten. Ob gelegen oder ungelegen – auch heute 2020, wer hätte es für möglich gehalten, dass wir mit einem um sich greifenden Populismus, der mit seinen einfachen und oft menschenverachtenden Antworten große Sorgen bereitet, konfrontiert werden. In unserem Land macht sich ein zunehmender Antisemitismus breit. Ich erinnere an den Mord von Kassel, den Anschlag von Halle und die Morde von Hanau. Wer hätte dies 1982 für möglich gehalten. Wir können unser Zusammenleben nicht gestalten ohne die Gläubigen des Judentums, die Muslime und alle Migranten in unsere Sorge mit einzuschließen.

er Gedenktag der Befreiung von Faschismus ist für uns verbunden „mit einem Suchen, was den Frieden schafft“. Friede will als „Fried-Fertigkeit“ ständig gelebt werden, gerade in einer Welt der Friedlosigkeit. Mehr als zwanzig militärische Konflikte kostet jedes Jahr Tausenden von Menschen das Leben und treibt Abertausende in die Flucht. „Der Tod ist ein Meister aus Deutschland“ klagte der jüdische Dichter Paul Celan im Jahre 1944 in seinem Gedicht „Todesfuge“. Wir sind eine der größten Waffenschmieden der Welt. Wir liefern militärische Rüstung in die verschiedenen Konflikt-herde. Gegenwärtig scheint die Menschheit wieder wild entschlossen, ihre eigene Vernichtung vorzubereiten. Abrüstungsverträge werden aufgekündigt, es droht ein neues atomares Wettrüsten. Mehr noch: Die Arsenale sollen zusätzlich um neue, angeblich kleine taktile Atomwaffen erweitert werden. Kein Wunder, dass namhafte Atomwissenschaftler ihre sogenannte „Weltuntergangsuhr“ von fünf auf zwei Minuten vor zwölf vorgestellt haben.

Kein Zweifel: Der „Kalte Krieg“ ist wieder aus der Rumpelkammer auf die Weltbühne zurückgekehrt. Die Rüstungshaushalte werden wieder erhöht. Waffenstarrend stehen sich die Völker gegenüber. Wir wissen doch: Rüstung tötet, auch ohne Krieg. Denn Rüstung ist Mord an den Bedürftigsten dieser Welt. Ohne Militärausgaben wäre es ein Leichtes, Armut und Not zu überwinden. Kein Kind müsste mehr Hungersterben, kein Flüchtling mehr im Mittelmeer ertrinken. Lebensmittel statt Raketen, Decken statt Bombenteppiche.

Wir sind in einer Zeit der Neuausrichtung der Kirche. Es ist ein Segen, dass Papst Franziskus nicht nur die Archive von Papst Pius XII. öffnet. Er ermutigt uns, den Konflikten der Welt nicht auszuweichen. Die Kriege in Syrien, Irak, Kongo, Mali, Lybien … lösen Flucht und Verfolgung aus.

„Wenn wir die Probleme nicht lösen, wenn wir Mauern aufbauen und Abgrenzungen in Gang bringen. Die Welt kann nur bestehen, wenn wir Brücken bauen und Menschen in Frieden leben …. Wir brauchen Dialog, Gerechtigkeit, die Austrocknung der Gewalt und Hoffnung für die Völker, dass sie vorankommen im Kampf gegen Ungerechtigkeit und Verfolgung. Die Kirche hilft, als Werkzeug für Frieden und Versöhnung aller Menschen zu dienen. Wir verlieren die Identität als Christen, wenn wir uns abgrenzen, das war auch immer eine Gefahr in der Geschichte der Kirche.“ (Papst Franziskus)

Kirche als Sauerteig – als Sakrament in den Friedensprozessen unserer Tage. Ganz im Sinne von Abraham Joschua Heschel, der sagt: „Unser Zeitalter bedeutet das Ende der Selbstzufriedenheit, das Ende des Ausweichens, das Ende der Selbstsicherheit. Gefahren und Ängste sind Juden und Christen gemeinsam; wir stehen zusammen am Rande des Abgrunds. Die Interdependenz der politischen und wirtschaftlichen Verhältnisse in der ganzen Welt ist eine grundlegende Tatsache unserer Situation. Störung der Ordnung in einem „kleinen Land irgendwo auf der Welt er-weckt Befürchtungen bei den Menschen auf der ganzen Welt. Beschränkung auf die eigene Gemeinschaft ist unhaltbar geworden …. Die Religionen der Welt sind so wenig selbständig, unabhängig oder isoliert wie Einzelmenschen oder Nationen. … Keine Religion ist ein Eiland. Wir alle sind miteinander verbunden. Verrat am Geist auf Seiten eines von uns berührt den Glauben aller. Ansichten einer Gemeinde haben Folgen für andere Gemeinden.“ (Abraham Joschua Heschel, Keine Religion ist ein Eiland (1965), in „Christentum aus jüdischer Sicht“, herausgegeben von Fritz A. Rothschild)

Bringen wir diese globale Sicht in die Debatten ein. Die Opfer des Faschismus rufen uns zu: Nie wieder Krieg. Nie wieder Faschismus. Nie wieder Schweigen.

Die Tatsache, dass flüchtende Menschen viele Risiken auf sich nehmen, um in Europa Schutz zu suchen, ist eine positive Aussage über Europa. „Die Flüchtlinge sehen das vereinte Europa als Raum, in dem die Menschen-rechte geachtet und gewährt werden. (P. Peter Balleis SJ) So ist „das Europa der Menschenrechte“ herausgefordert, diese Rechte zu gewähren. Der Umgang mit den Flüchtlingen ist der Testfall, wie ernst es unser Kontingent wirklich mit den Menschenrechten nimmt. „Flüchtlinge sind Menschen, die Krieg und Not erlebt haben, sie wollen mehr als jeder andere Frieden und in Frieden leben. Sie helfen uns das Gute des friedlichen Europas zu schätzen und zu wahren.“

Liebe Mitchristen! Ich bin dankbar für die Gedenkstättenarbeit vieler Christen in den zurückliegenden Jahrzehnten. Dankbar können wir sein für das Engagement von Gemeinden und Christen bei der Aufnahme von Flüchtlingen. Danke für Pax Christi und anderen Friedensinstitutionen für ihren Protest gegen Waffenexporte und Aufrüstungsentscheidungen. In allen diesen Bemühungen können wir Spuren entdecken, die dem Frieden dienen.

Wenn ich an diesem Ort des Grauens und der Verstorbenen stehe, kommt mir ein Auftrag der Christen und der Kirche in Erinnerung. Wir sind nicht da, um alle Fragen beantwortbar zu machen, sondern, so hat J. B. Metz formuliert, um von uns unbeantwortete Fragen unvergesslich zu machen. Als Glaubende haben wir nicht auf alles eine Antwort, sondern wir haben immer noch eine weitere Frage (eine Frage zuviel), die wir ins Gebet verwandeln können, die wir einfach stellen.

Wenn wir von Gott sprechen, zu ihm beten, dann können wir auch die Entfeindung leben, eine universale Solidarität gestalten, die ihren letzten Grund in Gott hat. Erinnerungsarbeit ist Friedensarbeit. Wir hören nicht auf zu rufen: Nie wieder Krieg.“


Sie finden die ungehaltene Predigt hier als PDF-Datei.

Nachtrag: „Auf dem Friedhof Groß-Fullen ruhen 133 sowjetische Kriegsgefangene, ein Dalmatiner, ein Marokkaner, ein Kroate und ein unbekannter Albaner sowie ca. 1.500 unbekannte Russen. Die hier ursprünglich bestatteten 751 italienischen Militärinternierten wurden in den fünfziger Jahren exhumiert und auf den italienischen Ehrenfriedhof in Hamburg-Öjendorf umgebettet oder in ihr Heimatland überführt.
Um zum Kriegsgefangenenfriedhof Gross-Fullen zu gelangen, biegt man zwischen km 23,5 und 23,6 von der „Süd-Nord-Straße“ in die „Weststraße“ ein, folgt dem Schild „Kriegsgräberstätte“ und gelangt nach 500 m zu dem linkerhand gelegenen Friedhof des Lagers X Fullen.“ (Quelle)

Bildnachweise: KZ Groß Fullen, GNU; Johann Baptist Metz, GNU; Paul Celan von Richard Sennett CC BY-NC-ND 2.0; Abraham Joshua Heschel, CC Peter1c Weitergabe unter gleichen Bedingungen 4.0 international,; Peter Balleis, CC von 19MS68 – Weitergabe unter gleichen Bedingungen 3.0 nicht portiert“

Heute vor 75 befreite die Rote Armee das Konzentrationslager Auschwitz. Das „Redaktionsnetzwerk Deutschland“ (rnd) aus Hannover, veröffentlicht aus diesem Anlass ein bewegendes Interview mit Erna de Vries aus Lathen, die der Mordhölle Auschwitz entkam:

  • Erna de Vries: „Ich wusste, ich lebe vielleicht noch 20 Minuten …“
  • Die heute 96 Jahre alte Zeitzeugin wurde als junge Frau gemeinsam mit ihrer Mutter nach Auschwitz deportiert.
  • Sie entging nur knapp dem Tod, ihre Mutter wurde im Vernichtungslager ermordet.
  • Seit den Achtzigerjahren berichtet sie an Schulen über ihr Schicksal.

Lathen. Das Licht würde sie nicht retten, aber es könnte sie vielleicht trösten, und auf mehr hoffte Erna de Vries in diesem Moment nicht mehr, am Morgen des 16. September 1943 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau. Am Abend zuvor war sie in Block 25 verlegt worden, den Todesblock, nun stehen sie und die anderen Frauen draußen, beim Zählappell, als die Lastwagen vorfahren, die sie zu den Gaskammern bringen sollen. Die Frauen um sie herum schreien, weinen, fallen auf die Knie, zerkratzen sich die Haut, da hat sie, so erinnert sie sich, nur einen einzigen letzten Wunsch.

„Ich wollte noch einmal die Sonne sehen“, sagt Erna de Vries. „Ich wusste, ich lebe vielleicht noch 20 Minuten, aber ich wollte noch einmal die Sonne sehen. Ich dachte, dann kann dir doch nichts passieren.“

Sie sieht dann tatsächlich, wie über dem Nachbarblock die Sonne aufgeht. Und sie hört, wie kurz danach ein SS-Mann die Nummer ruft, die man ihr nach der Ankunft in den Arm tätowiert hatte….

weiter hier beim Redaktionsnetzwerk Deutschland

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Eva Stories

2. Mai 2019

Der instagram-Account Eva Stories erzählt furios die Geschichte eines jungen Mädchens während des Holocausts und zwar so, als ob es damals Smartphones und Instagram gegeben hätte. Eva, deren Geschichte zu sehen ist, gab es wirklich. Der Account basiert auf den Tagebüchern von Éva Heyman, einer 1931 geborenen ungarischen Jüdin. Im Herbst 1944 wurde sie in Ausschwitz ermordet. Vor der Deportation in das Vernichtungslager hatte sie ihr Tagebuch einem Nachbarn gegeben.

In insgesamt 70 Instagram-Stories, kurzen Video- und Bildergeschichten, wird das Schicksal Eva Heymans vom Einmarsch der Wehrmacht in Ungarn bis zur Deportation nach Auschwitz erzählt. Die 13-Jährige wird von einer Schauspielerin dargestellt, die das Geschehen selbst filmt. Die Eva-Stories wurden komplett mit dem Smartphone aufgenommen.

Der israelische Tecnologieh-Millionär Mati Kochavi ha -unterstützt von seiner Tochter Maya- dieses Tagebuch für Instagram in Bilder umsetzen lassen. Gedreht wurde in der Ukraine, über 400 Menschen waren beteiligt. die Reaktionen auf das Projekt sind nicht nur positiv. Yad Vashem, das offizielle Holocaust-Gedenk-Zentrum Israels, zeigte sich dem Projekt gegenüber offener als traditionelle israelische Medien: Social Media zur Erinnerung an den Holocaust zu verwenden sei „legitim und wirkungsvoll“, schrieb die New York Times.

Auf Twitter tauschen sich Nutzer*innen unter #evastories über das Filmprojekt aus und diskutieren darüber. „Großartiges Projekt“, „ein ganz neues Genre“ oder „unglaublich kreativ und bewegend“, heißt es dort. Doch auch Fragen wie „Trivialisierung oder neuer Weg?“, werden gestellt. Ein Twitter-Nutzer schreibt: „Was mir übrigens fehlt, ist eine Reflexion darüber, für wen Eva die Stories macht. Sie bekundet zwar irgendwann ihren Willen, alles dokumentieren zu wollen, aber für wen bleibt unklar. Wer sollen denn ihre Follower sein?“

Anscheinend aber geht das Vorhaben der Macher*innen des Projekts auf: Evas Geschichte auf Instagram sorgt derzeit für viele Diskussionen und erzeugt eine Aufmerksamkeit für den Holocaust, also für etwas, das niemals vergessen werden darf.

mehr…

(Quellen: Tagesschau, ze.tt, Bento)

je weiter

27. Januar 2019

Heute „ist Holocaust-Gedenktag; er erinnert an den Tag der Befreiung des Konzentrationslagers Auschwitz im Jahr 1945. Wer meint, das sei lange her, wer meint, es gebe doch schon genügend Gedenktage, wer meint, so ein ausdrücklicher „Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus“ sei nicht oder nicht mehr notwendig, der lese die Rede, die Anita Lasker-Wallfisch im vergangenen Jahr zu diesem Tag im Deutschen Bundestag gehalten hat.

Anita Lasker-Wallfisch ist eine Überlebende. Sie hat Auschwitz überlebt, als Cellistin im Mädchenorchester des Lagers. Sie hat Bergen-Belsen überlebt. Sie war damals 19 Jahre alt.

In diesem Jahr wird der Historiker Saul Friedländer am 31. Januar die Hauptrede zur Gedenkstunde im Bundestag halten. Friedländer wurde 1932 als Sohn einer jüdischen Familie in Prag geboren. Als die Deutschen die Stadt besetzten, floh die Familie nach Frankreich. Der Junge überlebte in einem Versteck, seine Eltern wurden verhaftet und in Auschwitz ermordet. Nach dem Ende des Krieges wanderte Friedländer nach Israel aus.

Im vergangenen Jahr hat Bundestagspräsident Schäuble bei der Gedenkstunde gemahnt, nichts als selbstverständlich hinzunehmen – nicht die Demokratie, nicht den Rechtsstaat, nicht die Gewaltenteilung: „An Auschwitz scheitert jede Gewissheit. Und deshalb müssen wir sensibel sein, wachsam, selbstkritisch. Je weiter die Zeit des Nationalsozialismus zurückliegt, desto wichtiger wird die Erinnerung.“
(ein Text von Heribert Prantl)

In dieser Woche hat Götz Aly, einer der großen deutschen Intellektuellen, vor dem Thüringer Landtag eine Rede zum 74. Jahrestag der Befreiung des KZ Auschwitz gehalten. Sie sollten sie lesen Unbedingt. 

(Foto: Einfahrt zum Konzentrationslager Auschwitz-Birkenau; Aufnahme von Stanislaw Mucha / CC-BY-SA 3.0)

„In-Image Ad“

29. März 2018

„Das Amtsgericht Meißen hat einen Mann wegen Volksverhetzung, Bedrohung und Beleidigung verurteilt. Er hatte auf seiner Facebook-Seite unter anderem ein Foto des Konzentrationslagers Auschwitz gepostet, mit dem Schriftzug „Asylantenheim“ über dem Eingang und dem Kommentar: „Kommt ihr Pack, es ist wieder offen.“

Andererseits ist am kommenden Wochenende Ostern, und bei Penny kostet das Zanderfilet nur 4,99 Euro.

Die „Sächsische Zeitung“ hat es Denstag geschafft, beide Ereignisse zu verbinden, sogar mit einer schwungvollen Animation, und fröhlich flatternden Schmetterlingen:


Das Foto zeigt den Schriftzug „Arbeit macht frei“ über dem Eingang des Konzentrationslagers Auschwitz. Bei der „Sächsischen Zeitung“ ist darüber das Logo der Penny-Marke „Best Moments“ eingeblendet: „Jeder Moment ein Genuss“.

„In-Image Ad“ heißt diese Werbeform, bei der automatisch eine halbtransparente Anzeige über ein redaktionelles Foto gelegt wird. Die Münchner Firma Recognified, die sie anbietet, verspricht „vielfältige und innovative Produkte, für ein Maximum an Ausmerksamkeit. Ein garantiert sichtbarer Mehrwert!“

Das „In-Image Ad“…“

gefunden und weiter bei Uebermedien…

stolperstein_lingen_kaiserstrasse_1_caroline_heilbronnMit Hilfe und Unterstützung freiwilliger und großzügiger Spender konnten inzwischen 38 Stolpersteine in der Stadt Lingen verlegt werden. Sie sollen die Lebenden an das Schicksal der umgekommenen und ermordeten Opfer des Nationalsozialismus erinnern und den Toten Namen, Ehre und Menschenwürde zurückgeben.

Zwei weitere Stolpersteine für Ihno ten Brink (1932-1944) und Riekchen ten Brink (1896-1944) werden jetzt durch das Forum Juden Christen und die Stadt Lingen (Ems) verlegt. Die damals 48-jährige Mutter Riekchen und ihr 12-jähriger Sohn Ihno ten Brink starben am 6. Oktober 1944 im Vernichtungslager Auschwitz-Birkenau.
Dazu sind alle Lingenerinnen und Lingener am kommenden Dienstag, 13. Dezember, 14 Uhr zur Lindenstraße 45, Eingang des Hotels Altes Landhaus, eingeladen. Der Stolperstein von Ihno ten Brink wird vom Lingener Kinder- und Jugendparlament finanziert.
Neben Grußworten von Oberbürgermeister Dieter Krone und Dr. Heribert Lange, Vorsitzender des Forum Juden-Christen Altkreis Lingen e. V., wird Benno Vocks die Lebensläufe der beiden Ermordeten vor Ort darstellen.
(Foto: Stolperstein für Caroline Heilbronn, Lingen (Ems), von Gmbo 2013  CC 1.0)

Samuel Manne

27. Januar 2016

Heute ist der Internationale Tag des Gedenkens an die Opfer des Holocaust (International Holocaust Remembrance Day) und der Tag des Gedenkens an die Opfer des Nationalsozialismus. Heute vor 71 Jahren befreite die Rote Armee das Vernichtungslager Auschwitz.

In Freren laden die Geschichtswerkstatt „Samuel Manne“ und der Kulturkreis impulse  zur Eröffnung der Ausstellung „Das Geheimnis der Versöhnung ist Erinnerung“ um 19 Uhr in die Alte Molkerei in Freren ein.

27012016
Um den Tag der Befreiung des Vernichtungslagers Auschwitz und des Internationalen Gedenkens der Opfer des Holocausts zu würdigen, stellt Ihnen die Alte Molkerei in diesem Jahr eine Ausstellung zum nie an Aktualität verlierenden Thema Frieden und Versöhnung vor.

Der ergreifende Überblick zum Russlandfeldzug im Zweiten Weltkrieg wurde von der Friedensbibliothek des Antikriegsmuseums in Berlin-Brandenburg konzipiert. Mit zahlreichen Bild- und Schriftdokumenten soll ein möglichst unverfälschter Eindruck des Kriegsgeschehens vermittelt werden. Jenseits von verklärten Heldenepen und unterkühlter historischer Sachlichkeit wird hier die Geschichte von menschlichen Schicksalen erzählt. Mehr als reine Fakten es könnten, berühren sie und erinnern an die Notwendigkeit, sich um Frieden und Versöhnung zu bemühen.

Jochen Schmidt von der Friedensbibliothek wird anlässlich der Eröffnung anwesend sein und hält einen einführenden Vortrag. Für eine musikalische Umrahmung sorgt Nelly Heilmann mit dem Internationalen Freundschaftschor.

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In Lingen (Ems) findet um 18 Uhr in der St. Bonifatiuskirche eine Gedenkfeier zum Holocaustgedenktag 2016 statt, die das Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen eV zusammen mit dem Fachdienst Kultur der Stadt Lingen und dem Ludwig-Windthorst-Haus veranstaltet.

Diese Gedenkfeier wird nicht wie ein Gottesdienst begangen, sondern findet we- gen ihres instrumental-musikalischen Teils (Orgel: KMD Joachim Diedrichs) mit Werken aus dem Synagogenkultus und weiteren Werken von Felix Mendelssohn- Bartholdy wieder einmal in einer Kirche statt. Die Texte überwiegend jüdischer Au- toren sind ebenso wie die Musik auf das Motto „Löscht den Geist nicht aus!“ bezo- gen, das selbst wiederum Bezug nimmt auf die mit der Auslöschung der Juden im Holocaust verbundene Katastrophe der europäischen Zivilisation und Kultur.

Erna de Vries

29. Januar 2015

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Nur wenige können noch berichten, was wirklich im Konzentrationslager Auschwitz geschah. In dieser SPIEGEL-Serie erzählen Überlebende von ihrem Leidensweg durch den Holocaust.
Lathen im Emsland, 4. Januar. Erna de Vries, 91, lebt in einem hellen Backsteinhaus, auf einem Schrank stehen Familienfotos von drei Kindern, sechs Enkeln. 1943 hatte die damals 19-jährige Erna Korn Gestapo-Leute überredet, sie nach Auschwitz zu deportieren. Warum wollten Sie ins KZ?

Ich wollte meine Mutter nicht alleinlassen. Das war alles. Mein Vater ist schon 1930 gestorben, ich war das einzige Kind. Meine Mutter meinte, wir stünden unter einem gewissen Schutz durch meinen Vater, weil der ja kein Jude war. Um nahe bei ihr zu sein, hab ich meine…

[SPON-Fortsetzung hier]