Oh, wait…

5. September 2020

In Memmingen im beschaulichen Allgäu gibt es einen uralten Brauch: Zur Feier des Fischertags wird dabei der Stadtbach ausgefischt – aber nur von Männern. Doch derlei Traditionen rechtfertigen keine Diskriminierung, urteilte jetzt das lokale Amtsgericht (AG).

Auch Frauen dürfen also künftig am Höhepunkt des Memminger Fischertags den Stadtbach ausfischen. Wie das Amtsgericht Memmingen (AG) in dieser Woche entschied urteilte, ist der Ausschluss von Frauen aus der Gruppe der Stadtbachfischer durch den veranstaltenden Verein eine unzulässige Diskriminierung. Geklagt hatte ein weibliches Mitglied.

Amtsrichterin Katharina Erdt betonte bei der Urteilsverkündung, der gemeinnützige Verein mit rund 4.500 Mitgliedern habe in Memmingen eine „besondere soziale Machtstellung“ inne und sei an den Grundsatz der Gleichberechtigung im Grundgesetz gebunden. Eine männliche Tradition sei kein zulässiger Grund für Diskriminierung. Der Vereinsvorstand hatte den Ausschluss von Frauen vom Höhepunkt des Volksfests mit Zehntausenden Besuchern mit der Wahrung eines jahrhundertealten Brauchtums begründet.

Das Urteil ist noch nicht rechtskräftig Der Fischertagsverein hatte schon vor der Verkündung der Entscheidung angekündigt, im Fall einer Niederlage  Berufung einlegen zu wollen. Jetzt also wird das zuständige Landgericht entscheiden, das auch in Memmingen ist. Zuständig ist -wenn ich den Geschäftsverteilungsplan richtig gelesen habe, die 1. Zivilkammer, die-  nur mit Männern besetzt – unter dem Vorsitz des neuen Landgerichtspräsidenten Konrad Beß steht.

Das Allgäu ist bekanntlich weit, also würde diese Entscheidung jetzt für unsere Stadt Lingen (Ems) nur Bedeutung haben, wenn es auch bei uns Vereine mit Tradition gäbe, die nur Männer aufnehmen und privilegieren. Gäbe es sie und hätten sie eine „besondere soziale Machtstellung“ inne, könnte es spannend sein. Doch so etwas gibt es ja in unserem Lingen (Ems) nicht,  oder?

Oh, wait…

 


(AG Memmingen, Urt. v. 31.8.2020, Az. 21 C 952/19) Quelle: LTO, BR24

Eine Antwort zu “Oh, wait…”

  1. Hans Brinck said

    Und was ist mit dem Kivelingsverein? Dort werden seit 1372 die Frauen diskriminiert, weil sie nicht Mitglied werden können. Zusätzlich werden auch keine verheirateten Männer aufgenommen.
    Das wäre also nach dem Memminger Urteil ein Grund, diese Diskriminierungen anzufechten.
    Wenn dann ein Lingener Gericht ebenfalls ein gerechtes Urteil fällt, wird durch die Bildung neuer Sektionen (zum Beispiel „Die Kiverinnen“) meiner Meinung nach auch das Kivelinngsfest bereichert.
    Welcher Lingener oder welche Lingenerin wagt jetzt den Schritt zum Gericht und fängt damit an zu „Kiven“? Nur mutig!
    Dazu wünsche ich viel Erfolg und sende liebe Grüsse in meine Heimatstadt!

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