Überzuckerungstag

12. August 2020

Der 11. August gestern war „Kinder-Überzuckerungstag“: An diesem Tag hatten Kinder und Jugendliche hierzulande bereits so viel Zucker konsumiert, wie für ein ganzes Jahr empfohlen wird. Das ergibt eine Berechnung der Verbraucherorganisation foodwatch. Angesichts hoher Zahlen von übergewichtigen und fettleibigen Kindern fordert foodwatch Bundesernährungsministerin Julia Klöckner auf, sich für Werbebeschränkungen auf allen Marketingkanälen einzusetzen. Ob mit Influencern über Soziale Medien, mit Comic-Figuren direkt auf den Verpackungen oder mit Werbung im Fernsehen: Nur noch ausgewogene Produkte sollten an Kinder vermarktet werden dürfen.

Süßwaren, Limo und Snacks bescheren der Lebensmittelindustrie besonders große Profite, daher fixt sie Kinder und Jugendliche auf allen Kanälen gezielt auf diese Produkte an. Dies fördert Übergewicht, Adipositas und ernährungsbedingte Krankheiten bei hunderttausenden Kindern und offenbart zugleich das Versagen der Politik, die Schwächsten der Gesellschaft vor den hinterhältigen Strategien der Konzerne zu schützen“, erklärte Luise Molling von foodwatch. „Die Ministerin darf nicht länger tatenlos dabei zusehen, wie die Konzerne mit perfiden Marketingtricks Kinder dick und krank machen.“

Kinder und Jugendliche in Deutschland essen deutlich mehr Zucker als von Fachorganisationen wie etwa der Weltgesundheitsorganisation, der Deutschen Gesellschaft für Ernährung und der Deutschen Diabetes Gesellschaft empfohlen wird. Die Organisationen empfehlen, dass Minderjährige maximal 10 Prozent der täglich aufgenommen Kalorien durch sogenannte freie Zucker aufnehmen. Tatsächlich aber nehmen Kinder und Jugendliche im Alter von 3 bis 18 Jahren in Deutschland 16,3 Prozent ihrer Tagesenergie aus freien Zuckern auf – also 63 Prozent mehr als empfohlen. Umgerechnet erreichen die jungen Menschen damit schon am 224. Tag im Jahr, dem 11. August, ihr Zucker-Limit für ein ganzes Jahr.

Konkret bedeutet das: Mädchen essen im Durchschnitt mehr als 60 Gramm freie Zucker pro Tag, obwohl sie maximal 38 Gramm zu sich nehmen sollten. Jungs essen im Schnitt mehr als 70 Gramm freie Zucker pro Tag, obwohl sie nicht mehr als 44 Gramm verzehren sollten. Als freie Zucker werden alle Zuckerarten bezeichnet, die zum Beispiel Lebensmittelhersteller ihren Produkten zusetzen, sowie der in Honig, Sirup, Fruchtsaftkonzentraten und Fruchtsäften natürlich enthaltene Zucker. Natürlicherweise in Früchten oder Milchprodukten vorkommender Zucker fällt nicht darunter.

Die Grünen hatten vergangene Woche nach einem entsprechenden Vorstoß Großbritanniens eine Beschränkung der an Kinder gerichteten Fernsehwerbung in Deutschland gefordert. Bundesernährungsministerin Klöckner hatte sich „offen“ für eine solche Regelung gezeigt. foodwatch wies darauf hin, dass das Fernsehen nur einer von zahlreichen Marketingkanälen sei, der von der Industrie für Produktwerbung an Kinder genutzt werde. Eine Regulierung müsse deshalb zum Beispiel auch Influencer-Marketing in Sozialen Medien, Gewinnspiele, Spielzeugbeigaben und Comicfiguren umfassen.

Das WHO-Regionalbüro für Europa hatte Anfang 2015 konkrete Vorgaben definiert, wonach nur noch ernährungsphysiologisch ausgewogene Produkte an Kinder vermarktet werden sollten. Dabei spielen unter anderem die Anteile von Fett, Zucker und Salz, aber auch der Kaloriengehalt oder zugefügte Süßstoffe eine Rolle.

Seit Jahren fordern Fachgesellschaften und Ärzteverbände wirksame Maßnahmen gegen Fehlernährung. Neben Werbebeschränkungen fordern sie eine EU-weit verpflichtende Nährwert-Kennzeichnung in Ampelfarben, verbindliche Standards für die Schul- und Kitaverpflegung sowie steuerliche Anreize für die Lebensmittelindustrie, gesündere Rezepturen zu entwickeln – etwa durch eine Sonderabgabe auf Limonaden.

Grundlage für die Berechnung des „Kinder-Überzuckerungstags“ sind Daten aus der sogenannten DONALD-Studie aus dem Jahr 2016, die das Ernährungsverhalten von mehr als 1.000 Kindern und Jugendlichen untersucht hat. Aktuellere Zahlen zum Konsum von freiem Zucker durch Kinder in Deutschland liegen nicht vor.


Hinweis:
Formel zur Berechnung des Kinder-Überzuckerungstags: 365 Tage / 16,3 Prozent der Energiezufuhr x 10 Prozent der Energiezufuhr = 224. Tag im Jahr (gerundet) = 11. August

Foto: Zucker von pasja1000 auf pixabay; Quelle: foodwatch

Maestro Heiner & Co.

6. März 2020

Endlich gibt es zwei Michelin-Sterne auch für Lingen. Also im Vertrauen erklärt: Es gibt  „nur“ einen wesentlichen Teil von zwei Sternen. Das Gourmet-Prädikat hat nämlich das Berliner „Coda“ in der erhalten. Zum Team des in zweifachem Sinn ausgezeichneten Restaurants zählt Heiner Pingel, der jüngste Spross der Heukamps Tannener Pingel-Dynastie. Einst erlernte er ganz profan das Kochen im Hause Klaas-Schaper in Laxten, dann ließ er eine Patisserie-Ausbildung folgen und ist jetzt im Patisserie-Olymp des „Coda Dessert Dining & Bar“ angekommen.

Nach nur einem Jahr mit einem Stern hat dieses Berliner Restaurant nämlich jetzt seinen zweiten Macaron erkocht, und ich lese über das „Coda-Dessert-Dining & Bar“ auf der Michelin-Webseite:

„Die Lage ist nicht die schönste und die Fassade des mit Graffiti besprühten Hauses in der Neuköllner Friedelstraße ist nicht gerade einladend. Sterneküche würde man hier eher nicht vermuten. Das „Coda“ ist ganz puristisch gehalten und wirkt etwas schummrig, von der Bar kann man in die große Küche schauen. So speziell wie die Location ist auch das Konzept: Patisserie-Handwerk steht im Fokus. Küchenchef René Frank, zuvor sechs Jahre Chef-Patissier im [legendären] 3-Sterne-Restaurant „La Vie“ in Osnabrück, kocht ausgesprochen kreativ und zeigt klassisches Handwerk auf neue und innovative Weise. Dabei geht die Patisserie im „Coda“ weit über den letzten Gang des Menüs hinaus. Prägend ist dabei der stark reduzierte Zucker-Einsatz. Auch Milch, Sahne und Butter sind keine Hauptzutaten. „Patisserie wird also neu gedacht: Andere Zutaten, leichte und bekömmliche Kombinationen, die angenehm süß, aber niemals zuckersüß sind.“

Mittendrin im René-Frank-Team steckt neben Julia Leitner und Jan Semmelhack eben just   Heiner Pingel, Lingener und Kiveling. Die Bürgersöhne-Sektion „Die Emspiraten“ bejubelt ihn aktuell auf ihrer Facebookseite als „Maestro der Desserts“ und „Connaisseur der Süßspeise“.

Dabei verraten die Protagonisten nebenbei auch, wie unser „Zwei-Sterne-Ich-Bin-Dabei-Lingener“ in ganz besonderer Weise die Cives Lingensis an seinen kulinarischen Künsten teilhaben lassen wird: Heiner wird Eierpfannkuchen backen. An Pfingsten auf dem traditionellen Kivelingsfest bei seiner Kivelingssektion. Und das, liebe Leserschaft, ist eine Sterne-Weltpremiere in unserer Stadt der stets besonders gut gefüllten doch meist nicht wirklich feinen Essteller – eine Weltpremiere, an der wir teilhaben können und natürlich auch müssen. „CCC!“


Foto: Heiner Pingel, 2. v. lks, René Frank, 2. v. re © Facebook, Emspiraten Lingen; Texte/Quellen FB, Michelin, Coda-Website)