„Alles Gute für Monika“

29. Dezember 2018

Über die Feiertage habe ich ein Buch in die Hand genommen, das ich mir sechs Wochen zuvor gekauft hatte. Da hatte ich an einem ruhigen Herbstsonntag mehr als eine gute Stunde lang der Buchautorin in der Sendung Zwischentöne des Deutschlandfunk Kultur zugehört Andrea Scrima.

Sie sprach in der DLF-Radiosendung mit Joachim Scholl, begleitet von den musikalischen Zwischentönen des von ihr geschätzten Bremer Jazzmusikers  Christian von der Goltz. Ich kannte den Namen Andrea Scrimas seit 1996; denn damals wurde die Mitte der 80er mit 24 Jahren nach Berlin gezogene New Yorkerin mit dem Lingener Kunstpreis ausgezeichnet. Das war nicht ihr einziger Erfolg. Damals stellte sie ihre Arbeiten national und weltweit aus. Scrima war gefragt. 1996 war, wie sie selbst sagt, ihr Jahr, in dem sie 11 Ausstellungen hatte und (Achtung!) „einen Riesenkunstpreis“ (Scrima) bekam.

Es war der Lingener Kunstpreis, vom damaligen Geschäftsführer des Kunstvereins Heiner Schepers organisiert und in der „Galerie im Theater“ überreicht; die heutige Kunsthalle in der Halle IV gab es noch nicht. Doch dann, keine zwei Jahre danach, änderte die Künstlerin ihr Leben, malte kaum mehr und begann zu schreiben. Ein „artistic suicide“, um „wieder bei Null anzufangen“ (Scrima). Denn sie wollte schreiben und wusste: „Der Wunsch zu schreiben, war immer da!“ Inzwischen schreibt sie längst Literaturkritiken für Quarterly Conversation, Music & Literature und The Brooklyn Rail.

Mit ihrem 2018 auf Deutsch erschienen Roman „Wie viele Tage“ hat sich Andrea Scrima 2018 als englischsprachige Schriftstellerin im deutschen Sprachraum einen Namen gemacht. Die englische Ausgabe war schon acht Jahre zuvor erschienen. Scrimas These: „Eine deutsche Nationalliteratur muss nicht unbedingt auf Deutsch geschrieben sein…. Angesichts der immer fremdenfeindlicher werdenden Atmosphäre, angesichts der Tatsache, dass die AfD die Kultur als Kampffeld für sich entdeckt hat und nun u.a. die Strategie der parlamentarischen Anfragen verfolgt, um sozialkritische Arbeiten zu diffamieren und die Kulturförderung an sich immer wieder in Frage zu stellen, ist eine derartige Behauptung höchst politisch. Scrimas erster Roman auf Deutsch heißt „Wie viele Tage“ ist eine „feinsinnige, unglaublich intensive Momentaufnahmen einer Frau über das Verstreichen der Zeit“, sagt der Kölner Klaus Bittner und Elisabeth Wagner schreibt in der taz, man habe „als Leser tatsächlich den Eindruck, genauer denken, deutlicher sehen zu können.“

Auch in Lingen. Denn sie berichtet über ihre Preisverleihung 1996, wenn auch, ohne Lingen zu nennen.

„Nach der Zeremonie stand ich unbeholfen herum in meinem neuen Kostüm, das ein bisschen tiefer ausgeschnitten war, als ich gedacht hatte, signierte den Katalog für eine Schlange Ausstellungsbesucher, schrieb Meine besten Wünsche für Wolfgang. Alles  Gute für Monika, oder später, erschöpft von der Wiederholung, einfach meinen Namenszug und das Datum, meinen Lippenstift in den Strumpfhosenbund geklemmt und den Scheck über das Preisgeld zusammengerollt in meiner Hand, denn ich wusste nicht, wohin damit, und so wartete ich, bis niemand herschaute und schob ihn in meinen BH, wie eine Prostituierte dachte ich, doch was blieb mir anderes übrig?“

Nicht nur hier greift der Text Momente der eigenen Biografie von Andrea Scrima in ihrem Leben zwischen den USA und Deutschland auf. So ist „eine private Landkarte der Erinnerungen entstanden. Unvergleichlich intensive Momentaufnahmen.“ (Claudia Fuchs, SWR 2). Was Fiktion, was nicht Fiktion ist, bleibt offen. Und die Phantasie setzt sich in Bewegung. Gerade weil das Buch so fragmentarisch ist. Mein Tipp: Kaufen, Leute!

Übrigens hängt im Rathaus Scrimas Arbeit „Want forget eat forget…“, die die Stadt Lingen vor 22 Jahren erwarb.

Mehr über Andrea Scrima findet sich in ihrem Blog.
Oder auch hier.


Andrea Scrima
Wie viele Tage

Roman 2018
Literaturverlag Droschl, gebunden, 13 x 21 cm 192 Seiten
Aus dem Amerikanischen von Barbara Jung
ISBN: 9783990590133
Hier bestellen

(Foto: Literaturverlag Droschl)

 

Schepers-Lesung bei Holzberg

17. September 2015

MoucheDiese feine, kleine Lesung mit Heiner Schepers in der traditionsreichen Lingener Buchhandlung Holzberg, Clubstraße 2, hat es leider nicht einmal in den städtischen Veranstaltungskalender geschafft, obwohl sie den Aufgalopp zum 17. Internationalen Fest der Puppen darstellt, dessen künstlerischer Leiter Heiner Schepers (Foto) seit dem letzten Jahrtausend war.

Heiner Schepers liest aus der im vergangenen Jahr erstmals in deutscher Übersetzung erschienenen Erzählung „Die Liebe der kleinen Mouche“ von Paul Gallico.

Die Geschichte des Buches:
Die Realität ist grausam und Hoffnungen werden schnell enttäuscht, das muss die kleine Mouche schon zu Beginn dieser Erzählung erfahren. Aber manchmal hat man auch Glück. So landet sie nicht in den kalten Fluten der Seine, sondern bei einem kleinen Puppentheater, das dank ihrer sprühenden Fantasie erst richtig lebendig und immer erfolgreicher wird. Die sieben Puppen, mit denen sie sich vor der Bühne unterhält, lieben sie so sehr, wie ihr Spieler, der Kriegsveteran Michel Peyrot alias Capitaine Coq, sie zu verachten scheint.

heiner-schepersEr fühlt sich von ihrer Unschuld angegriffen und so versucht er immer wieder, sie ihr durch sein brutales Verhalten zu nehmen. Doch was immer er ihr auch antut, sie erholt sich davon und die Liebe der Puppen lässt sie „wie ein Phönix“ aus der Asche wiederauferstehen. Als sie einen jungen Akrobaten kennenlernt, der sie heiraten möchte, sieht sie eine Möglichkeit, der Gewalt des Puppenspielers zu entfliehen. Doch die Geschichte nimmt eine überraschende Wendung…

Paul Gallico: Die Liebe der kleinen Mouche, Urachhaus, ISBN: 978-3-8251-7888-8, 17.90 Euro

Die Lesung beginnt um 19.30 Uhr. Der Eintritt beträgt 7 Euro. Es wird um Voranmeldung (Facebook) oder über 0591 3316 gebeten.

 

Fest der Puppen

25. September 2013

DSC04084Fest der Puppen
Internationale Figurentheaterkunst
Lingen (Ems) – Stadtmitte
25. – 30. September 2013

Zum 16. Mal findet in Lingen (Ems) das Fest der Puppen statt. Veranstalter ist das TPZ der Emsländischen Landschaft. 1983 hat Heiner Schepers das erste Fest der Puppen ins Leben gerufen und künstlerisch verantwortet. Viermal übernahm danach von 1985 – 1991 Andreas Poppe das Ruder. 1993 – 2007 war es Ingo Michael, der das Fest der Puppen bis zu seinem plötzlichen Tod im Mai 2009 achtmal geleitet und ihm ein hoch beachtetes Profil gegeben hat. Und 2009 – 2013 hat dann dreimal Heiner Schepers erneut die künstlerische Leitung übernommen. Das Internationale Fest der Puppen ist eines der traditionsreichsten und größten Festivals für internationale Figurentheaterkunst in Niedersachsen. Das ist uns in allen Jahren Verpflichtung gewesen, Bühnen und Theatergruppen einzuladen, die Maßstäbe im Bereich des Figurentheater gesetzt haben und und setzen.

Dabei gibt es diesmal durchaus auch Erinnerungen an die Vergangenheit und die Geschichte des Festes der Puppen. Turbo Prop aus Dortmund zum Beispiel ist nach 1983 und 1985 zum dritten Mal dabei. Das Stück „Die Schmuddels“ war schon damals in Lingen zu sehen. Rüdiger Eggert spielt es mit Partnerin bis heute. In Dortmund hat es fast Kultcharakter, da kommen heute die Kinder von damals mit ihren eigenen Kindern. Und Johanna und Harald Sperlich vom Hohenloher Figurentheater sind viele Male von Ingo Michael eingeladen worden. Sie sind diesmal mit Varieté Olymp erneut dabei, einem durchaus traditionellen, doch gleichzeitig ganz neuem Stück für Marionetten, die sie, wie nur noch ganz wenige, meisterhaft spielen können.
Parallel zum Fest der Puppen veranstaltet das TPZ – erneut gemeinsam mit dem Institut für Theaterpädagogik der Hochschule Osnabrück, Fakultät Lingen, – ein Fachforum.

Programm 2013.pdf
Download 1,04 M

„Wirkungsweisen eines Theaters der Dinge auf Vorschul- und Grundschulkinder“ ist der Kurztitel. Hier werden mit Figurenspielern, Theaterpädagogen und Wissenschaftlern anhand von Vorträgen und Stücken, Fragen zum Figurentheater Fragen gestellt und Inhalte beleuchtet. In diesem Jahr wird das Fachforum ergänzt um eine Eigenproduktion des Festes der Puppen: die „Geschichtsroute“. Sie wird von Lingener Studierenden der Theaterpädagogik gestaltet und dient uns gleichzeitig als Praxismodell für die Theaterpädagogik mit Mitteln des Figurentheaters.

Gruppengrundregeln

9. Juli 2012

Heiner Schepers, Jahrzehnte Geschäftsführer des Kunstverein Lingen, zeigte vor einigen Jahren eine Ausstellung, in der es um „schöne Bilder“ ging, also um unsere Sichtweise des Ästhetischen. Werke der bildenden Kunst müssen bekanntlich in Kleinstädten „schön“ sein, damit sich die Bevölkerung an ihnen erfreut. Daher die vielen (und oft missglückten) Bronzestatuen von kleinen Professoren, Kühen und Menschen. Sind Schafe aber unschön sögelblau oder liegen Torten auf der Matratze, gibt es Probleme. Doch warum ist ein Bild schön, fragte Schepers‘ Ausstellung, was ist schön, was hässlich und ist das Hässliche nicht schön? Oder das Schöne eigentlich nur kitschig? Was bedeuten diese Einordnungen?

Daran musste ich spontan denken, als jetzt selbsternannte (weil nicht gewählte) „Admins“ der Lingener Facebook-Gruppe „Du weißt Du kommst aus Lingen/Ems wenn,“  eingriffen, um eine nach ihrer Meinung „ausufernde“ Diskussion auf der Facebookseite der Gruppe zu stoppen. Ein Thread wurde einfach gelöscht:  In ihm ging es um den Dönerimbiss Istanbul in der Lingener Innenstadt. Dort war  Kunde Sven gefragt worden „Sach ma, bist du schwul?“ Als Sven bejahte, bekam er seinen bestellten Döner nicht mehr und hörte stattdessen ein : „Raus!“ Darüber ereiferten sich viele und das war dann nach Ansicht der Admins nicht mehr schön, weil ja auch das Raus mehr als hässlich war. Der Thread verschwand über Nacht. Tage danach knallte es bei Hagedorn und auch hier fühlten sich die „Admins“ berufen, die Diskussion zu stoppen. Auch als mein BN-Fraktionskollege Marc Riße angesichts von Kaufland-Plänen an der Kurt-Schumacher-Brücke den geplanten Abriss des Winkel-Bunkers thematisierte, meldeten sich gleich Zeitgenossen und befürchteten etwas ganz Schlimmes: eine politische Diskussion.

Gestern Abend hatte die Facebookgruppe  „Du weißt Du kommst aus Lingen/Ems wenn,“ immerhin 2853 Mitglieder. Sie ist, wie sich aus dem Namen ergibt,  unorthodox im Umgang mit Kommata, und sie nennt sich offen, was zwanglos dadurch bewiesen wird, dass auch ich mich bisweilen in ihr tummle.  Wirklich offen ist die Facebookgruppe aus Lingen aber überhaupt nicht. Die formulierte Frage „Wofür steht Lingen?“ ist jedenfalls nur theoretisch gemeint. Denn man liest, es gehe  um ein „positives Klima“, man soll „freundlich und respektvoll“ sein „für ein positives Miteinander“. Das hat Priorität und damit dies so bleibt,  haben jetzt die „Admins“ diese schönen „Grundregeln festgelegt“ und sie schließen aus, wenn man sich nicht dran hält.

  • „Unser Lingen – die wohl schönste Stadt an der Ems, unsere Kindheit und unsere Jugend, für manche Vergangenheit, für manche Gegenwart und auch Zukunft. Was verbindet Euch mit unserer Heimat, an was denkt ihr gerne zurück, wofür steht Lingen – Stadt der Kivelinge für Euch??? Postet, sammelt, erinnert und teilt es miteinander … .“

    Damit wir diese Grundidee der Gruppe nicht aus den Augen verlieren und wir uns auch zukünftig in einem positivem Klima über die Stadt austauschen können die uns alle verbindet, haben wir folgende Grundregeln festgelegt.

    Beiträge und Kommentare mit folgenden Inhalten werden nicht geduldet und sofort entfernt:
    – Private oder geschäftliche Werbung
    – Aufrufe zu Gewalt- oder Straftaten
    – Beiträge, Kommentare die Persönlichkeitsrechte Anderer verletzen (dazu zählen u.a. Informationen die dazu geeignet sind den Ruf anderer in verleumderischer Weise zu schädigen oder ihre Privatsphäre unangemessen berühren)
    – Inhalte die Andere Personen oder Gruppen aufgrund
    o ihrer Herkunft
    o ihrer Hautfarbe
    o ihrer Religion
    o ihres Geschlechtes
    o ihrer sexuellen Neigung
    o ihrer politischen Einstellung
    o einer Behinderung
    o ihres Berufsstandes
    o ihrer persönlichen Lebensgeschichte oder
    o sonstiger persönlicher Eigenschaften
    beleidigen, verleumden, verhöhnen, provozieren oder auf andere Art in einem negativen Licht erscheinen lassen.

    – Die Administratoren behalten sich außerdem vor „ausufernde“ Diskussionen gemäß den oben aufgeführten Kriterien vorzeitig mit folgendem Hinweis zu beenden.
    STOP – DIESER BEITRAG ENTSPRICHT NICHT (MEHR) DEN GELTENDEN GRUPPENREGELN. WEITERE KOMMENTARE WERDEN GELÖSCHT.
    – Sollte es darüber hinaus weiteren Klärungsbedarf geben wird gebeten diesen im direkten Kontakt untereinander abzustimmen.
    – Sollten trotz Hinweis auf die Gruppenregeln diese wiederholt missachtet werden so behalten sich die Administratoren vor ganze Threads zu löschen und/oder den/die Verursacher aus der Gruppe auszuschließen.
    – Wer sich in seinen Persönlichkeitsrechten verletzt fühlt oder einen Beitrag für unangemessen hält kann sich per persönlicher Nachricht an einen der folgenden Administratoren wenden: Dirk Appelhans, Klaus Boschat, Anne Coßmann-Wübbel, Heidi Jürgens, Peter Koch, Schoko Minza, Mike Nike, Andreas Schulz, Matthias Seekamp, Gabriela Siegbert, Uli Werner

    Mit einfachen Worten – bleibt freundlich und respektvoll – für ein positives Miteinander.
    Die Admins“

Ich lese kopfschüttelnd diese „Gruppenregeln-beachten“-Liste und  fürchte, sie steht im Zweifel für die Zensur des Unbequemen oder dessen, was dafür gehalten wird. Das, liebe Lingen-Gruppenfreunde, ist aber gar nicht „freundlich und respektvoll“.

Eine Antwort auf die Frage, wofür unsere Stadt steht, braucht eine gleichberechtigte, offene Diskussion. Die setzt aber die subjektie Wahrnehmung  der Realität/en und -bei allem blinzelnd-lächelnden Blick zurück- immer auch den  Meinungsstreit heute voraus. Sie braucht Kritik und Gegenkritik, Debatte und Diskussion. Wo dies nicht gewünscht ist, entsteht ein Zerrbild, eine Fiktion unserer Stadt. Da muss ich wieder an die lokale Kunstgeschichte denken, nämlich an die früher ausgestellten „schönen Bilder“ auf der Treppe im CEKA-Kaufhaus in der Lookenstraße. Da hing neben dem röhrenden Hirsch, der glutäugigen Zigeunerin auch der Schwarwaldhof. In echt Öl. Das hatte weder mit Kunst noch mit Hirsch, Zigeuner oder Schwarzwald viel zu tun. Gezeigt wurden bloß die Bilder einer Illusion, keine der Realität. Wer das will, braucht kein Internet sondern ein analoges Medium. Es heißt Fotoalbum.

Also stampft den Regelmist schleunig ein. Wenn jemand  hetzt oder Straftaten begeht, kann man dessen Beitrag löschen. Aber sonst darf man es nicht.

Dynamisches Licht

2. Oktober 2011

Dynamisches Licht.
ZERO und die Kunst der 1960er Jahre

Museum Kloster Bentlage  
Bentlager Weg 130, 48432 Rheine

02.10.2011 – 24.06.2012
Eröffnung Heute 11 Uhr
Öffnungszeiten: Mi-So 10-18 Uhr (ab 2. 11. 2011: 11 – 17 Uhr)
Das Museum Kloster Bentlage im benachbarten Rheine präsentiert ab heute die Kunst der 1960er Jahres. 15 künstlerische Positionen  von Künstlern aus Westfalen, Deutschland und weiteren europäischen Ländern zeigen, wie  sich ihre Protagonisten vor mehr als einer Generation zeitgleich mit Phänomenen der Wahrnehmung beschäftigten, die Grenzen zwischen Kunst und Alltag aufhoben und den Betrachter zum Bestandteil ihrer Werke machten.

Im Zentrum der Ausstellung steht die Lichtinstallation „Die Geschichte des Feuers“ von Otto Piene, „bei der der Betrachter die gewohnte distanzierte Position zum Kunstwerk aufgibt und stattdessen in einen Erlebnisraum eintritt“ (Ausstellungstext). Otto Piene, Mitbegründer der Künstlergruppe ZERO wurde durch seine ungewöhnlichen Aktionen mit elementaren Materialien wie Licht, Luft, Feuer und Erde bekannt, die darauf abzielten, Natur, Technik und Kunst zu vereinen. Skulpturen, Lichtobjekte, Gemälde und Arbeiten auf Papier von u. a. Victor Vasarely, Günther Uecker, Kuno Gonschior, Adolf Luther und Yaacov Agam werden zu seiner Installation spannungsreich in Beziehung gesetzt.

Mit der Ausstellung geben erneut Meisterwerke des Münsteraner Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte ein „Gastspiel im Grünen“.  Alle gezeigten Werke sind Leihgaben aus dem LWL-Landesmuseum für Kunst und Kulturgeschichte Münster. Die Ausstellung der Meisterwerke aus dem   zentralen Kunstmuseums in Westfalen nutzt damit die Gelegenheit, dass im Herzen Münsters der neue Museumsbau des Landesmuseums entsteht. Am Freitag wurde übrigens fröhlich das Richtfest gefeiert; gebaut wird allerdings noch weitere 30 Monate…

Die Studioausstellung im Dormitorium des ehemaligen Klosters schließt sich unmittelbar an die ständige Präsentation in der Westfälischen Galerie an, die mit Josef Albers, Emil Schumacher, Fritz Winter und anderen ebenfalls Einblick in die Kunst nach dem 2. Weltkrieg gibt.

Lingener erinnern sich derweil an die erste große Ausstellung des Kunstverein Lingen, die vor gut 25 Jahren ebenfalls die Gruppe ZERO vorstellte. Damals hatte sich der Kunstkreis Lingen zerstritten und aufgelöst und der neue Kunstverein präsentierte zwei Jahre nach seiner Gründung unter der Verantwortung von Heiner Schepers im „Galerie im Theater“ für emsländische Augen Ungewohntes, eine inzwischen spannende Tradition, die der Kunstverein bis heute erfolgreich pflegt.

 

(Foto: „Geschichte des Feuers“ Otto Piene,  © LWL)

 

Fest der Puppen

20. September 2011

„Just Puppets“ ist das Motto des 15. Internationalen Festes der Puppen vom 21. bis 26. September 2011. Veranstalter ist das Theaterpädagogische Zentrum der Emsländischen Landschaft e.V.  in Zusammenarbeit mit der Stadt Lingen (Ems).
Künstlerischet Leiter des Festes ist Heiner Schepers, schon in den 1970er Jahren Protagonist des Puppentheaters in Lingen. Ihm ist es gelungen, ein internationales Programmmit aktuellem Figurentheater auf höchstem Niveau und mit hohem Unterhaltungswert für jedes Alter zusammen zu stellen. Eingeladen sind  Figurentheatergruppen aus Deutschland, Niederlande, England und Russland.

Eröffnet wird das Festival am morgigen Mittwoch, 21. September. Vormittags um 11.00 Uhr läutet das Puppentheater „Der goldene Schlüssel“ aus Krasnojarsk im Zelt auf dem Marktplatz das Festival mit dem Stück „Omas Märchen“ ein. Präsentiert wird ein ganzer Reigen lustiger Volksmärchen (nach Motiven russischer Märchen) mit scherzhaft gereimten Redensarten und Scherzliedern. Diese Vorstellung ist für Zuschauer ab 3 Jahren, erfolgt in deutscher Sprache und der Eintritt ist frei. Am Donnerstag (22.9.) präsentieren die Russen dann „Kasperle oder die Abenteuer von Pjotr Iwanowitsch Uksusov„. Ein Höhepunkt des Festivals wird sicherlich die Vorstellung „ Die Bremer Stadtmusikanten“ vom Theater-Laboratorium Oldenburg ebenfalls am Mittwoch (21.9.)  um 19.00 Uhr und am 22. September um 11.00 Uhr im Kulturzentrum Centralkino sein. Aber auch die Aufführungen des Engländers Stephen Mottram (mehr…)oder des Drents Jeugd Theatergezelschap aus den Niederlanden, United Puppets aus Berlin (mehr, noch mehr…), Lutz Großmann, Berlin, und vom Ensemble Material Theater Stuttgart, Thèâtre Octobre, Brüssel beeindrucken mit  hohem spielerischem Niveau.

Michael Sänger öffnet im Rahmen des Festivals sein Marionettentheater im Professorenhaus und zeigt am Freitag, 23. September um 19.00 Uhr Mozarts „Die Zauberflöte„.
Spielorte sind in diesem Jahr das Professorenhaus, das Marionettentheater im Professorenhaus, das Kulturzentrum Centralkino, das Burgtheater und ein großes Zelt auf dem Lingener Marktplatz. Die Veranstalter laden Kindergärten und Schulklassen herzlich ein, eine der morgendlichen Schulvorstellungen  zu besuchen. Der Eintritt ist oft frei, ansonsten sind  7 Euro bzw. 4,50 Euro ermäßigt zu zahlen, für das kleine Marionettentheater  mit nur 18 Sitzplätzen im Professorenhaus beträgt der Eintritt 14 Euro.
(Fotos: © TPZ Lingen)

Harald

4. September 2010

Gestern Abend wurde der 19. Lingener Kunstpreis verliehen. Die 1983 von Heiner Schepers, damals Geschäftsführer des Kunstvereins Lingen, initiierte Auszeichnung verdient längst die Bezeichnung „renommiert“. Oder um in der Sprache unserer politischen Regionalliga zu sprechen: Sie erfüllt oberzentrale Anforderungen. Ich könnte jetzt über die Peinlichkeit  polemisieren, dass bei der Preisverleihung zwar mehr als 100 Gäste anwesend waren aber kein einziger Vertreter der Stadt Lingen (Ems). Niemand aus der Verwaltungsspitze, keine Bürgermeisterin, keine Kulturausschussvorsitzende. Nun, jeder blamiert sich, so gut er kann.

Statt dessen will ich lieber einige Worte über Harald Müller (Foto unten) schreiben. Der Chef der Lingener Erwin-Müller-Gruppe ist bekanntlich ein gegenüber den Künsten und der Kultur sehr aufgeschlossener  Mann. Ohne ihn gäbe es beispielsweise nicht das Kulturforum in der ehemaligen Reuschberger Kirche St. Michael. Legendär ist schon seine Entscheidung Mitte der 1990er Jahre, den abgeschlossenen Wiederaufbau des abgebrannten Emco-Werks II in der neuen Werkhalle mit einem Sinfoniekonzert der Halleschen Philharmonie zu feiern. Gestern nun überreichte Harald Müller den 19. Lingener Kunstpreis in der Kunst-/Halle IV an Preisträgerin Birgit Megerle; er hatte die Preissumme zur Verfügung gestellt.

Anschließend sprachen wir am Rande der Megerle-Ausstellung einige Minuten miteinander und da berichtete der bescheidene Mäzen von seinem jüngsten wirtschaftlichen Projekt. Bei einem  China- Besuch im vergangenen November seien ihm Elektroroller aufgefallen. „Kein Krach, kein Gestank!“  und er  habe sich gefragt, warum es eigentlich „die nicht in Deutschland“ gebe. In Europa sei die Elektromobilität völlig verschlafen worden. „Aber die Chinesen…die bauen Millionen jedes Jahr“ Da sei ihm die Idee für sein neues Projekt gekommen. Man habe Prototypen der fahrbaren Untersetzer aus China geholt, zerlegt, verbessert.  Jetzt könne es losgehen. Über eine eigens gegründete Gesellschaft emco-electroroller wolle er die Elektrofahrzeuge  importieren und verkaufen, zuerst hier und „im Raum bis Hamburg“. „Später vielleicht…wir werden sehen!“ Vier Modelle gebe es in fünf Farben. „Gedrosselt auf 25 km/h für den Radweg, 45 km/h auf der Straße“. Das preiswerteste Modell koste rund 1700 Euro, seine Reichweite betrage 65 Kilometer – „ideal für die Stadt“.

„Eine ‚Tankfüllung Strom‘ kostet den Zweiradfahrer rund 35 Cent,“ hat Müllers Vertriebschef Oswald Gerl errechnet. „Eine Strecke von 100 Kilometern kostet also nur einen halebn Euro Cent. Der Nutzer ist somit nicht nur äußerst umweltfreundlich unterwegs, sondern spart auch noch enorme Spritkosten.“  Allerdings beträgt die Ladezeit bis zu sechs Stunden – immer noch ein Problem für Elektrofahrzeuge.

Interesse ist da. So drängten sich gestern die Menschen um die fünf Elektroroller, pardon emco-electroroller (Firmenlogo oben links), die in der Lookentor-Einkaufspassage präsentiert werden sind. Die ersten 500 Exemplare sind in nur zwei Monaten verkauft worden. Zweirad-Hilmes in Bawinkel vertreibt sie und drei Lingener Händler, darunter Radel-Bluschke, ebenso.

Bekanntlich nutzen Elektromobile der Umwelt nur, wenn sie mit Strom aus erneuerbaren Energien fahren. Werner Neumann, Energiefachmann des BUND: „Ein durch Elektroautos steigender Stromverbrauch darf nicht aus neuen Kohlekraftwerken bedient werden. Dann wäre die CO2-Bilanz schlechter als bei einem Pkw mit Benzinmotor. Das Elektromobil darf nicht zum Kohle- und nicht zum Atomstromauto werden.“

Harald Müller hat darauf eine richtige Antwort. Er will in den Elektrotankstellen ausschließlich Strom aus erneuerbaren Energien bereitstellten. Das notwendige öffentliche Stromtankstellen-Netz entwickelt gerade der Lingener Helge Kropik. Seine Idee: Tanken für eine jährliche Flatrate von rund 30 Euro, für die unbegrenzt im Netz aufgeladen werden kann.

Es war ein mehr als interessantes  Gespräch mit dem EMCO-Chef und beeindruckt haben mich dabei besonders die Tatkraft und Entschlussfreude des immerhin bereits 69-jährigen Lingener Unternehmers. Ich bin gespannt, wie sich das Projekt entwickelt. Hoffentlich hervorragend.

(Foto: © PR)