kein Scheiß!

22. Juli 2015

AF15Da trudelte gestern früh diese Bitte herein:

„Hey,
vielleicht kannst du in deinem Blog mal die Pressemitteilung (PM) der Polizei auf- und auseinandernehmen? Erst einmal ist der Name des Festivals konsequent falsch geschrieben, vielleicht könnte man das mit Poli-Zei kontern 😉

In der PM schreibt die Poli-Zei was von „Die Polizei hat insgesamt 60 Drogenverstöße festgestellt. Im Vergleich zu den letzten Jahren ist das eine enorme Steigerung.“ Nun ist es aber so, dass die Polizei in den letzten Jahren gar nicht so massiv auf Drogen kontrolliert hat. Die haben also gar keine Vergleichsdaten. Interessant, dass sie dann einen Vergleich anstellen.

Die Polizei hat zum ersten Mal so am Abifestival-Zugang kontrolliert — also an einer Stelle, an der man den Beamten nicht ausweichen konnte. Außerdem haben die ja [für die Kontrolle] extra [viel] Personal eingesetzt. Logisch, dass man bei mehr Personal auch mehr findet. Wenn ich zwei Blitzerteams, an die B213 stelle, dann kommen auch mehr Verstöße dabei rum, als bei einem.

Dazu kommt ja, dass die dafür Personal haben, für Straßensperrungen aber nicht. Wenn der SV Meppen ein Heimspiel gegen Köln hat, dann steht die Polizei überall, beim Abifestival wird eben lieber auf Drogen kontrolliert. Dasselbe gilt im Grunde auch für das NDR2-Festival in Papenburg, wo die Polizei und die Hilfsdienste die Straßen rundherum absperren und sichern. Hier, in Lingen, müssen das Abiturienten und nachts ein teurer Sicherheitsdienst machen.

Wir haben heute darüber gescherzt, dass wir auch ’ne PM rausgeben könnten, bei der wir sagen, dass bei diesem Festival ca. 80000% mehr Beck’s Bier, im Vergleich zum letzten Jahr, getrunken wurde. Klare Sache, denn letztes Jahr gab’s ja auch kein Beck’s.

Oder noch besser: Das wir darüber enttäuscht sind, dass nur rund 2 Drogenverstöße pro eingesetztem Drogenspührpolizisten geahndet werden konnten. Klingt reichlich ineffektiv, wenn man bedenkt, dass die da tagsüber sehr lange standen.

Lustig ist auch der Satz: „Es ist nicht hinnehmbar, dass beim Abi-Festival [sic!] 2015 in diesem Ausmaß Drogen konsumiert wurden!“. Hier wird suggeriert, dass die Festivalbesucher trotz Kontrolle am Zugang fleißig weiter Drogen und nicht nur Alkohol konsumiert haben. Wenn ja, warum tut die Polizei nichts dagegen? Und, vor allem, wie stellt die Polizei fest, dass konsumiert wurde? Nur durch deren 60 Funde vorneweg ja wohl eher nicht…

Immerhin wird bei der noz.de ein bisschen der Wind rausgenommen

Bei anderen Festivals werden solche Kontrollen übrigens angekündigt; das wurde es beim Abifestival nicht, auch nicht gegenüber dem Veranstalter. Beim Deichbrand-Festival zum Beispiel so: „Zudem kündigt der Gesamteinsatzleiter vor allem für Autofahrer Alkohol- und Drogenkontrollen an.“

Bei der Gelegenheit gleich ein paar Zahlen von anderen Festivals:
Beim Hip Hop Open (13000 Besucher, eintägig) 120 Drogenverstöße und beim
KHKinRuhestandRuhr-In-Love (48000 Besucher, eintägig) 400 Drogenverstöße und beim
Time-Warp Festival (15000 Besucher, eintägig) 163 Verstöße.“

Also, dieser Bitte von gestern früh, über aufgeregte  Polizisten auf dem AF15 zu berichten, wird schon von Berufs wegen in diesem kleinen Blog natürlich gleichermaßen gern wie sofort entsprochen, zumal meine richtig guten (kein Scheiß!) „Arbeitgeber“ (Foto lks) jetzt in Ruhestand sind.

Übrigens was war das eigentlich für eine Kontrolle? Eine Kontrollstelle etwa? Wer hat die Kontrolle angeordnet? Ein Richter gar oder einer dieser  nicht ausgelasteten Mittelbaupolizisten? Ich frage mich auch, wo eigentlich genau kontrolliert wurde und warum? Ob es die geneigte Leserschaft jemals erfahren wird? Vielleicht kann man mir mal helfen, lieber Abifestivaler…

(Foto: © privat Das Bild zeigt von links die am 30. Juni in Ruhestand gegangenen Hauptkommissare Reinhard Oldenburg, Paul Oldenburg, Manfred Ziethen via stadtblatt-lingen.de)

2 Antworten to “kein Scheiß!”

  1. mcolove said

    Gestern las ich den entsprechenden Post der Grafschafter Nachrichten auf Facebook. Da waren eigentlich nur positive Details zum Abifestival genannt – bis auf einen. Der machte dann die Überschrift. Dann habe ich mir alle 62 Bilder der Galerie angesehen. Und ich habe mir Sorgen gemacht. Nicht wegen Drogen auf dem Abifestival. Sondern um den Journalismus in der Region. Dass der Lokaljournalismus aufgrund der Monopolstellung der NOZ qualitativ praktisch am Boden liegt, ist das eine. Das ist ja nicht erst seit dieser Woche so. Aber dass man das Gefühl haben muss, da ist gar kein Erwachsener mehr in der Redaktion; Jungejungejunge. Nach Lektüre des Artikels habe ich gelacht und gelacht und gelacht. Wer Seminare für Öffentlichkeitsarbeit gibt und Material braucht: So geht seriöse Medienarbeit NICHT. *kopfschüttel*

  2. Andereas said

    Auf Festivals wird gekifft und gesoffen… na wer hätte das gedacht. Evtl tauschen Besucher sogar Intimitäten aus… Erschreckend diese Jugend…. da muss doch wirklich mal jemand was machen!!

    Ich war vor allem besorgt wegen des vergleichsweise schlechten Sounds auf dem Abifestival ! Das sollte die Polizei mal kontrollieren, ob der Tontechniker seinen Beruf überhaupt gelernt hat!
    Phasenprobleme, die eigentlich beim Abhören in Mono sofort auffallen sollten, nicht bassrelevante instrumente waren ganz ofensichtlich nicht hochpassgefiltert und die Compressor und Gate der Toms und Bassdrum waren für mehr als eine Band (zumindest am Nachmittag) entweder aus- oder so eingestellt, dass man das „Pumpen“ geradezu hören konnte …
    Die Liste ließe sich fortsetzten. Vor 10-15 Jahren haben ambitionierte Schüler das sehr viel besser gemacht. Wenn ich mich nicht täusche, ist einer der Verantwortlichen aus dieser Zeit nun sogar Tonmeister.

    Die Musikauswahl fand ich dieses Jahr erstaunlicherweise endlich wieder super!

    Gruß

    Andreas

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