„das letzte Mal 1928…“

18. Februar 2026

Wer einen Facharzttermin bekommen will, muss oft sehr lange auf einen Termin warten. In medizinisch dringenden Fällen stehen dem Hausarzt jedoch zwei Instrumente zur Verfügung, die Kassenpatienten einen schnelleren Termin beim Facharzt verschaffen sollen: Dringlichkeitscodes und Hausarztvermittlungsfälle.

Für diese Behandlungen dürfen Fachärzte teils deutliche Zuschläge extra-budgetär abrechnen. Aber: Nutzen manche Fachärzte das Abrechnungssystem aus, um mit Hilfe dieser Instrumente ihr Honorar für die Behandlung gesetzlich Versicherter zu erhöhen?

Die Recherche des WDR-Verbrauchermagazins „Markt“ für die ARD ist   heute, am 18. Februar um 20:15 Uhr, im WDR Fernsehen zu sehen.

Zumindest bejahen das über alle Bundesländer hinweg mehr als 750 Hausärzte in einer nicht repräsentativen Umfrage, die der WDR für das ARD-Kompetenzcenter „Verbraucher“ durchgeführt hat. Gut 820 Hausarztpraxen hatten bei der Umfrage mitgemacht.

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Das Ende kam nicht überraschend, und doch ist eine Zäsur. Wie jetzt (Stand: 18. Februar 2026) bekannt wurde, hat der russische Staatskonzern Rosatom den Vertrag mit Siemens Energy über die Leittechnik für das ungarische AKW-Projekt Paks II offiziell beendet. Was in Berlin und München wohl mit einer Mischung aus Erleichterung und Resignation aufgenommen wird, hat eine Sprengkraft, die bis nach Lingen reicht.

Das Bundeswirtschaftsministerium (BMWK) gibt sich gewohnt schmallippig, doch zwischen den Zeilen der jüngsten Antworten auf Kleine Anfragen im Bundestag liest man die klare Kante heraus: Wer die energiepolitische Unabhängigkeit von Russland ernst meint, darf keine Hochtechnologie für Putins Prestigeprojekte liefern.

Die faktische Blockade der Exportgenehmigungen für sensible „Dual-Use“-Güter durch das Ministerium war der Genickbruch für den Deal. Man ist in Berlin das „Problem Siemens“ nun los, ohne selbst ein formales Verbot aussprechen zu müssen, das teure Entschädigungsforderungen nach sich gezogen hätte. Rosatom hat die Reißleine gezogen – ein eleganter Ausweg für die Bundesregierung.

Die politische Fallhöhe für Lingen steigt
Doch während man in Ungarn die Trümmer der Kooperation zusammenfegt, stellt sich im Emsland die Frage nach der Konsequenz. Niedersachsens Umweltminister Christian Meyer (Grüne) hat bereits mehrfach betont, dass Sicherheitsaspekte wie Spionage und Sabotage eine „zentrale Rolle“ im laufenden Genehmigungsverfahren für die Brennelementefabrik (ANF) spielen werden Die Logik ist bestechend simpel: Wenn die Bundesregierung Siemens die Technik-Lieferung nach Ungarn wegen Sicherheitsbedenken untersagt, wie will sie dann rechtfertigen, dass Rosatom-Mitarbeiter im Emsland ein- und ausgehen, um deutsches Personal an russischer Technik zu schulen?

Die Kündigung bei Paks II erhöht den Druck auf Framatome und die Lingener Tochter ANF massiv. Die „Zeitenwende“, von der in Berlin so oft die Rede ist, darf nicht vor der Lingener Brennelementeproduktion haltmachen. Es wird immer unwahrscheinlicher, dass eine Genehmigung für die Kooperation mit Rosatom in der jetzigen Form erteilt werden kann, ohne die eigene Glaubwürdigkeit in Sicherheitsfragen komplett zu opfern. Die über 11.000 Einwendungen gegen das Projekt in Lingen wiegen nach dem Paks-Aus schwerer denn je. Es bleibt abzuwarten, ob die Genehmigungsbehörden in Hannover und Berlin nun endlich den politischen Mut finden, auch hier den Stecker zu ziehen.


 

  • Hintergrund I:

Das PAKS II-Projekt ist der Ausbau des einzigen ungarischen Atomkraftwerks um zwei neue Reaktoren (Block 5 und 6). Es wird  vom russischen Staatskonzern Rosatom mit WWER-1200-Reaktoren. Großteils (ca. 80 %) soll es durch einen staatlichen Kredit aus Russland (ca. 10 Mrd. Euro) finanziert werden. Nach drei Jahren Vorarbeiten war der offizieller Baubeginn am 5. Februar 2026; das Projekt ist wegen der Abhängigkeit von Russland und fehlender Ausschreibungen politisch sowie auch rechtlich durch den EuGH höchst umstritten.
(Quellen: wikipedia, google)

  • Hintergrund II:
    Jüngste Anfragen im Deutschen Bundestag zur Brenneleentafbrik in Lingen:
    BT-Drucksache 21/4118 (Februar 2026): Eine aktuelle Kleine Anfrage der Fraktion Die Linke mit dem Titel „Planungen von Framatome für die Produktion von Brennelementen russischer Bauart für osteuropäische Atomkraftwerke am Standort Lingen“. Hier werden gezielt Sicherheits- und außenpolitische Risiken der Zusammenarbeit mit Russland thematisiert.
    BT-Drucksache 21/354 (Juni 2025): Ein Antrag der Fraktion Bündnis 90/Die Grünen („Sicherheit stärken – Russische Atomgeschäfte in der Brennelementefabrik Lingen unterbinden“), der die Bundesregierung auffordert, Einflussmöglichkeiten russischer Staatskonzerne auf die deutsche Nuklearinfrastruktur zu verhindern.
    BT-Drucksache 21/3857 (Januar 2026): In dieser Antwort auf eine Anfrage zu Paks II wurde Lingen ebenfalls mitbehandelt, da die dortige Produktion von Brennelementen als Teil der nuklearen Wertschöpfungskette für russische Reaktoren im Ausland (wie eben Paks II) gilt.

Manchmal überholt die Realität die Politik so schnell, dass man mit dem Staunen kaum hinterherkommt. Wer heute über Friedhöfe spaziert, sieht es mit eigenen Augen: Die klassischen, wuchtigen Eichensärge werden zur Rarität. Was wir erleben, ist nichts Geringeres als eine stille Revolution in der deutschen Abschiedskultur. Die Zahlen lügen nicht: Der ganze Norden wird längst „urnen-dominiert“.

Früher war die Erdbestattung der Goldstandard, die Feuerbestattung eher die Ausnahme für Konfessionslose. Diese Zeiten sind endgültig vorbei. Aktuelle Zahlen des NDR und der Gütegemeinschaft Feuerbestattungsanlagen zeigen ein deutliches Bild:
Bundesweit liegt der Anteil der Urnenbestattungen mittlerweile bei 81 Prozent.
In Niedersachsen sieht es exakt genauso aus: 80 Prozent aller Verstorbenen werden eingeäschert.

Spitzenreiter im Norden ist Mecklenburg-Vorpommern mit sage und schreibe 93 Prozent Urnenbestattungen. In Osnabrück hat man das Zeichen der Zeit erkannt. Dort wurde gerade die dritte „Ofenlinie“ eingeweiht; die zweite kam erst 2023. Man spricht von „Stabilität und Verlässlichkeit“ – Begriffe, die man sonst eher aus dem Geschäftsbericht der Sparkasse kennt, die hier aber schlicht bedeuten: Wir kommen mit dem Verbrennen kaum hinterher. Papenburg schafft gerade ein neues Krematorium.

Warum eigentlich Urne?
Eine Urnenbestattung ist nicht nur eine Kostenfrage. Eine Forsa-Studie zeigt, dass sich vor allem die Generation 40+ eine Feuerbestattung wünscht. Die Gründe sind so vielfältig wie das Leben selbst:

Die Vielfalt: Ob Ruheforst, Seebestattung oder Kolumbarium – die Urne macht’s möglich. Die Ästhetik des dahinter stehenden Vergehens: Fast 40 Prozent der Befragten geben an, dass sie schlichtweg nicht möchten, dass ihr Körper unter der Erde verrottet.
Die Freiheit: Viele Menschen ohne Konfession suchen nach individuellen Wegen jenseits starrer kirchlicher Rituale.

Und in Lingen? Hier bremst eine bürokratische Festlegung die Wirklichkeit aus
Kommen wir zu unserer Lingener „Situation“, die durch das  Krematorium in Lingen-Brögbern geprägt ist. Seit vier Jahren gibt es dort die Anlage am evangelischen Friedhof, die kommunalpolitisch 2019 beschlossen wurde. Doch es gibt ein Problem, das man inzwischen  bürokratisches Kuriosum bezeichnen kann: Die Deckelung auf maximal 1.500 Kremierungen pro Jahr. Festgeschrieben im Bebauungsplan Brögbern 022 und in einem städtebaulichen Vertrag mit der Betreiberin. Im Ortsrat Brögbern, der akribisch über die Einhaltung der 1500-Obergrenze wacht, wurde just noch einmal gefragt. 1500 Einäscherungen habe es 2025 gegeben. Weit ehr als 400 weitere Einäscherungen habe die Betreiberin nach Aurich gegeben. Der Ortsbürgermeister fragte daraufhin, ob diese Zahlen auch kotrolliert würden.

Zur Erinnerung: Damals, vor acht Jahren, als die Planungen endlich konkret wurden, war die Welt noch eine andere. Da dachte man, 1.500 Einäscherungen seien eine stattliche Zahl. Inzwischen aber wissen wir: Die Nachfrage in Niedersachsen und in der Region an Ems und Vechte haben sich in dieser Zeit verdoppelt. Bei 3.500 Sterbefällen im Emsland (650 davon in Lingen) und 80% Urnenbeisetzungen liegt der jährliche Bedarf statistisch inzwischen knapp doppelt so hoch. Da ist die Grafschaft Bentheim noch nicht einmal erhalten, die auf 1600 Sterbefälle kommt und über kein eigenständiges Krematorium verfügt.

Ein kurzer Rückblick mit Schmerzfaktor:
Es bleibt in der Rückschau schlicht unverständlich, dass die CDU Darme vor gut 15 Jahren den idealen Standort für ein Krematorium am Darmer Waldfriedhof verhinderte und dabei so inkomplexe Äußerungen fielen wie, dass man kein Gemüse mehr im Garten anbauen könne, wenn das Krematorim am Waldfriedhof entstehe. Das war peinliche Kirchturmpolitik par excellence.

Meine Forderung: Die Obergrenze muss weg!
Lingens Bestattungskultur braucht einen Realitätscheck. Es ist Zeit für Pragmatismus. Wenn 80 Prozent der Menschen eine Urnenbestattung wählen, dann kann eine Stadt wie Lingen (Ems) nicht an Kapazitätsgrenzen festhalten, die auf veralteten 40%-Prognosen basieren. Das Krematorium in Brögbern braucht eine Erweiterung.

Die starre Obergrenze von 1.500 jährlichen Einäscherungen muss fallen. Wir können nicht einerseits über moderne Friedwälder oder neue Friedhofskonzepte philosophieren, aber gleichzeitig die notwendige Infrastruktur durch künstliche Limits ausbremsen. Bestattungskultur ist auch eine Frage der regionalen Versorgungssicherheit aber stets und vor allem auch eine Frage der Würde.

Was meint die Leserschaft dieses kleinen Blogs? Ist es Zeit für eine Anpassung der Regeln in Brögbern, oder sollten wir die Kapazitäten bewusst klein halten? Schreibt es in die Kommentare!


Video oben: Werbevideo Ems-Vechte-Krematorium/Hardy Klossek
Foto unten/Beitragspflicht: Krematorium Ems-Vechte /Facebook Marion Rosemann – interior design