Prophet

27. November 2009

Im Blog der Ruhrbarone bin ich auf einen interessanten Beitrag von Ruhrbaron Stefan Laurin gestoßen. Sein Fazit:

„Wir müssen über die Zukunft lokaler Medien diskutieren – sie sind in wesentlich größerer Gefahr als die bundesweit agierenden. Und ich möchte sie nicht missen.“

Laurin knüpft an die -ach so schwierige und wohl auch langweilige (Laurin)-  Arbeit von Lokalredakteuren an. Die säßen in sterbenslangweiligen Ausschuss-Sitzungen der Kommunen und dort sei es so:

„Nahezu 90 Prozent der Vorlagen, die von der Verwaltung erstellt werden, gehen einstimmig durch. Die Zustimmung des Rates oder des betreffenden Aussschusses – beispielsweiese bei der Genehmigung von Garagen – ist eigentlich eine Formsache. Klar, zu der Ratssitzung, auf der die einschneidenden Sparmaßnahmen beschlossen werden,  Koalitionskrisen offensichtlich und Dezernenten gestürzt werden, würde ich gehen – und wahrscheinlich auch andere Blogger. In die langweilige Standardsitzung nie.
Nur: in der muss man über Jahre gewesen sein, um zu verstehen, was in einem Rat passiert, um die Konfliktlinien zu erkennen und die handelnden Personen einzuschätzen. Sterben die Lokalteile, findet sich für sie kein Geschäftsmodell, das es erlaubt, Journalisten in diese Sitzungen zu schicken wird es mit der Transparenz in der Lokalpolitik zu Ende gehen.“

Stefan Laurin hat, mit Verlaub, von Kommunalpolitik keine Ahnung. Dröge Routine sind 90 % aller Ratssitzungen, spannend die „Standard“-Sitzungen der Ausschüsse. Noch spannender wäre es, wenn die lokale Zeitung die örtlichen Themen wirklich aufbereiten, recherchieren und kritisch darstellen würden. Vielleicht mal auch vor einer Beratung?! Und da ist es wieder: mein Lieblingsthema die „Lingener Tagespost“ und ihr Journalismus. Die „LT“ leistet nämlich solche Arbeit grundsätzlich erst einmal nicht. Alle sechs Monate ein halbwegs kritischer Kommentar zu den herrschenden Verhältnissen- das reicht nicht.

Kein Prophet zu sein braucht man angesichts der medialen lokalen Langeweile für die Prognose, dass angesichts langsam sinkender Verkaufszahlen in absehbarer Zeit in Lingen (Ems), in Meppen und Papenburg die drei bislang selbständigen  Redaktionen der Neue-Osnabrücker-Zeitung-Lokalausgaben zur Disposition gestellt werden – zugunsten einer einheitlichen Emslandredaktion in Meppen, wo es bekanntlich selbst im Theater so zugig ist, dass die Besucher der Aufführung im Mantel folgen. Dabei hat snext in seinem ruhrbarone-Kommentar doch nicht Unrecht:

„Der Lokalteil ist das Herz der Tageszeitung. (Zeitungs-)Mäntel sind in der Regel austauschbar, weil eh alle über dieselben Themen schreiben. Über meine Gegend aber schreibt nur der, der sich hier auskennt. Wird Lokales gestrichen, fällt der Sinn einer Regionalzeitung weg.“

Daran sollten die Betriebswirtschaftler unseres -außerdem im Vergleich besonders teueren- Monopolblattes denken, bevor sie es noch weiter nivellieren. Und den Redakteuren sei empfohlen, (lokal)politischer zu werden. Kritik -gern auch, aber bitte nicht nur an mir- hilft. Sonst passiert, was Stefan Laurin, schon mit gerade spürbar spitzen Fingern so beschreibt:

„Immer mehr Politiker fangen an zu bloggen – sie nutzen Blogs als PR Medium, versuchen, eine, wenn auch meist, kleine Community, aufzubauen. In den seltensten Fällen diskutieren sie quer zu ihrer Parteilinie – und wenn, dann zumeist um sich selbst zu profilieren. Sie machen – und das ist natürlich legitim, PR in eigener Sache. Mal mehr, mal weniger geschickt.“

Gut, dass wir in Lingen noch nicht so weit sind. Hier reguliert noch die Lokalpresse… 😉

(Foto © Rainer Sturm, pixelio.de)

5 Antworten zu “Prophet”

  1. Hendrik said

    „Deutschland, entblättert“ http://www.zeit.de
    […] Die Presse soll die Mächtigen kontrollieren, so will es das Grundgesetz, das sie deshalb unter besonderen Schutz stellt. Doch jetzt sieht es so aus, als ob sich die Presse ihrer Freiheit selbst beraubt. […]

  2. Ex-Bürger said

    ach kommense, Herr Koop, den Wegfall der LT werden Sie doch locker mit Ihrem Block wettmachen ;-))

    btw: ich erinnere mich ganz ganz dunkel, daß es in den 70ern des vergangenen Jahrhunderts noch eine andere Zeitung gab, Emsland-Nachrichten hieß die meines Wissens. Was wurde aus der?

  3. Klausbärbel10 said

    …ich wünsche mir das STADTBLATT zurück !

  4. Robert Koop said

    @Ex-Bürger:
    Es gab manches, zB die Zeitung „Lingener Volksbote“, die im Verlag von Acken erschien und so schwarz war, dass die „LT“ dagegen eine rote Postille ist. In den 1950er Jahren, als es den Sozis schon einmal so schlecht ging wie heutzutage, gab es noch die Rundschau (beim Titel bin ich mir gerade nicht ganz sicher) – sie wurde in Osnabrück von der SPD herausgegeben.
    Dann erschien als Lokalausgabe der Westfälischen Nachrichten aus Münster die „Emsland-Nachrichten“. Um 1970 vereinbarten der NOZ-Verlag und der Verlag der Westfälischen Nachrichten vertraglich eine an den Grenzen von NRW und Niedersachsen ausgerichtete Gebietsbereinigung. Die NOZ schloss ihre Lokalausgabe in Ibbenbüren (und/oder Lengerich/Westf) und die Emsland-Nachrichten blieben in unserem Beritt auf der Strecke. Die Abonnenten wurden jeweils weitergereicht.

  5. Ex-Bürger said

    Als 60er-Baujahr kennt man nur das, was mal zuhause im Briefkasten steckte oder auf dem Dachboden rumlag.

    Beim alten Hinkebein van Acken sen. kaufte ich anno dunnemals meine Schulbücher, den Laden gibts wohl auch nicht mehr. Hat Rüdi das verbockt?

    Der andere Laden, Holzberg, gehörte einer Frau ??, die wiederum in einer, sagen wir mal, nicht ganz einfachen familiären Situation lebte. [@Ex-Bürger: Das war die liebe, gute Frau Ingeborg Rosenthal. Die sagte immer ‚Koopchen‘ zu mir und wird mir immer unvergessen bleiben -genauso wie ihre flott-kritischen Jungs Wolf und Axel]]

    Nochmals danke für die Nachhilfe in Sachen Lingener Lokalpresse.

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