Attacke

26. November 2009

Einer der Vorläufer der Neuen Osnabrücker Zeitung („NOZ“) war das ehemalige Osnabrücker CDU-Lizenzblatt „Neues Tageblatt“ bzw. später die „Neue Tagespost“ .  Es soll Leute geben, die  der Meinung sind, dass die NOZ mit all ihren Unterausgaben bis heute diesen genetischen Webfehler hat: ein parteipolitisches CDU-Blatt zu sein. Solchen Leuten fühle ich mich durchaus verbunden. Deshalb bin ich nicht unsensibel, wenn es um parteipolitische Angriffe auf die Medienfreiheit geht, allemal die öffentlich-rechtliche.

Hessens Ministerpräsident Roland Koch (CDU) reitet gerade eine solche Attacke auf die Meinungsfreiheit und die Staatsfreiheit der öffentlich-rechtlichen Medien. Er will verhindern, dass der Vertrag des parteifernen Chefredakteurs Nikolaus Brender für fünf Jahre verlängert wird. Das aber will Markus Schächter, erfolgreicher  Intendant des ZDF, der am Montag in New York mit dem Ehren-Emmy für sein «herausragendes Management» eine bemerkenswerte Auszeichnung in Empfang nehmen durfte.

Morgen am Freitag  tagt ab 14.00 Uhr im ZDF-Hauptstadtbüro „Unter den Linden“ der 14-köpfige Verwaltungsrat des Senders und wird darüber entscheiden, wer sich durchsetzt. Neben dem Vorsitzenden Kurt Beck und seinem Stellvertreter Roland Koch agieren in dem Gremium noch weitere Spitzenpolitiker. Als Vertreter der Länder sitzen Peter Müller, Matthias Platzeck und Edmund Stoiber, und als Vertreter des Bundes Bernd Neumann (Staatsminister für Kultur und Medien) im Verwaltungsrat. Acht weitere Vertreter sollten eigentlich aus gesellschaftlichen Organisationen kommen – sechs dieser Vertreter stehen allerdings als altgediente Parteisoldaten im Dunstkreis der beiden Volksparteien. So kommt es, dass der “Freundeskreis” der Union gleich neun der vierzehn Mitglieder stellt und somit über eine entscheidende Mehrheit verfügt, um die Personalentscheidung des ZDF-Intendanten Schächter zu torpedieren oder passieren zu lassen, wie der SPIEGELFECHTER schreibt.

Die deutschen Mediengurus attackieren jetzt Koch. Aber der wird am Ende wohl die Vertragsverlängerung verhindern und mit diesem Sieg gleichwohl der Verlierer, Chefredaktuer Brender ohne neuen Vertrag der Gewinner  sein.
Klicken Sie mal in die gut recherchierte Kolumne des SPIEGELFECHTERs und lesen Sie die Hintergründe. Es lohnt.

(Foto: © M. Hauck, pixelio.de)