Meyer Werft: Letters of Intent und Criticism
15. Dezember 2025
Die neue Geschäftsführung der Papenburger Meyer Werft wird wohl einen bedeutenden Auftrag über vier Kreuzfahrtschiffe von der Schweizer (!) Reederei MSC erhalten. Der sichert die Auslastung der Werft für die nächsten zehn Jahre und damit Tausende Arbeitsplätze. Auf einer Pressekonferenz mit Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) und Niedersachsens Ministerpräsident Olaf Lies (SPD) wurde dies heute früh bestätigt (mehr…). Unterzeichnet wurde allerdings nur ein „Letter of Intent“ und noch kein Vertrag. Es soll aber nach Angaben des NDR insgesamt gut stehen.
Ehemaliger Seniorchef Meyer äußert Kritik in Brief
Die Erfolgsmeldung der Meyer Werft wird aber von Misstönen überschattet, ausgelöst durch einen Brief, den der „Spiegel“ jetzt zitierte. Das operative Herz des Unternehmens sei verwaist, heißt es darin. Er ist, so der Spiegel, eine „Diagnose des Stillstands“. Geschrieben haben ihn Senior Bernard oder Bernhard Meyer und die Meyer-Söhne Jan und Tim. Empfänger dieses „Letter of Criticism“ sind die Mitgesellschafter, also der Bund und das Land Niedersachsen. Beide hatten 2024 jeweils 400 Millionen Euro in das hochverschuldete Schiffbauunternehmen investiert (und 2,6 Milliarden Euro an Bürgschaften) und es so vor der Insolvenz bewahrt. Als Teil der Vereinbarung musste die Familie Meyer 80% der Firmenanteile abgeben und der ehemalige „Firmenpatriarch“ Bernhard Meyer den Chefsessel räumen, was er als Enteignung empfand.
Auch die Meyer’sche Verlagerung des Firmensitzes in das mitbestimmungsfeindliche Luxemburg war mit dem Einstieg des deutschen Staates zu Ende. Nun äußerten die Meyers in ihrem Brief die Sorge über die mangelnde Perspektive der Werft und die damit verbundene Gefahr, dass sie ins Abseits gerate. Diese Kritik läuft jedoch angesichts der neuen Aufträge ins Leere, auch wenn die noch nicht unterschriftsreif sind, aber „laut einem Insider“ (NDR) auf einem guten Weg dahin.
Unternehmerisch läuft es jedenfalls besser als zuletzt zu Zeiten der Familie Meyer. Doch in der Chefetage herrschen Spannungen. Der NDR berichtete, dass Meyer sen. und Sanierer Schmitz „nicht miteinander können“. Um die Wogen zu glätten, soll gar Niedersachsens ehemaliger Ministerpräsident und Ex-Bundespräsident Christian Wulff (CDU) als Mediator fungieren. Gleichzeitig wird André Walter (bisher Airbus) als neuer CEO künftig die Werft führen und Bernd Eikens in der Geschäftsführung ablösen, der sich zur Ruhe setzen will.
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Quelle: NDR, Handelsblatt, HAZ, NWZ
Cristina Alarcón: Partnerstadt Salt hat neue Bürgermeisterin
15. Dezember 2025
Cristina Alarcón ist neue Bürgermeisterin der Lingener Partnerstadt Salt. Nach ihrer Vereidigung übernahm sie am Samstag in der außerordentlichen Ratssitzung den traditionellen Bürgermeisterstab.
Die einzige Tagesordnungspunkt der Stadtratssitzung war die Neuwahl und Vereidigung der Bürgermeisterin. Der Ratssaal war mit Familienangehörigen der Kandidatin, BürgerInnen sowie Persönlichkeiten aus Politik und Öffentlichkeit gefüllt, darunter Pau Presas, der Vizepräsident des Rates der Provinz Girona, die Bürgermeisterin von Vilablareix, Maite Tixis und der Zweite Bürgermeister von Girona, Quim Ayats. Ebenfalls anwesend war der bisherige Bürgermeister Jordi Viñas.
Cristina Alarcón (ERC) und die übrigen Kandidaten der anderen Parteien (PSC, Vox und IpS-CUP) stellten sich zunächst jeweils vor Die Wahl erfolgte geheim und verlief ohne Überraschung: Die ERC-Kandidatin erhielt 9 Stimmen, Joan Martín (PSC) 5, Sergi Fabri (der rechtspopulistischen Vox) 4 und Àlex Sarrado (IpS-CUP) 2. Da kein Kandidat die absolute Mehrheit erreichte, übernahm, wie es die Wahlordnung vorsieht, Alarcón als Kandidatin der stärksten Partei bei den Kommunalwahlen 2023 das Amt
„Ich konnte nur Ja sagen.“
Nach Iolanda Pineda (2007–2011, PSC) ist Alarcón die zweite Bürgermeisterin in der Geschichte der Stadt. In ihrer Antrittsrede versicherte sie: „Ich hätte mir nie vorstellen können, dass ich eines Tages das Amt der Bürgermeisterin dieser Stadt übernehmen würde, das kann ich Ihnen versichern.“ Sie merkte an, dass einer der „Schuldigen“ Viñas sei, den sie als „Freund und Weggefährten“ bezeichnete.
Sie sagte, dass „Politik für mich nie eine Option war“, doch Viñas’ Vorschlag aus dem Jahr 2018 bedeutete, „für unsere Bürger zu arbeiten und diese Stadt, die ich so sehr liebe, zu verbessern“, und deshalb habe sie „nur Ja sagen können“. In diesem Sinne dankte sie ihm für sein Vertrauen und setzte hinzu, dass Viñas für sie ein „Vorbild “ sei.
Bezüglich der künftigen Vorhaben der Stadt blieb sie eher vage: „Ich werde die Verantwortung als Bürgermeisterin stets im Blick behalten und mich der damit verbundenen Verantwortung bewusst sein.“ Sie reiche allen politischen Kräften die Hand, um „Übereinstimmungen zu finden, die es der Gemeinde ermöglichen, sich in die Richtung zu entwickeln, die wir Saltaner uns wünschen“. Konkret ging sie auf einige Projekte der Regierung ein, wie beispielsweise die Wohnungsbaupolitik, „die Salt zu einer der Gemeinden in Katalonien macht, in denen wir in den letzten sieben Jahren am meisten erreicht und geleistet haben“. Alarcóns Rede endete unter großem Beifall.
Cristina Alarcón folgt auf den bisherigen Bürgermeisters Jordi Viñas, der nach mehr als 10 Jahren überraschend vor we igen Tagen seinen Rücktritt zum 10.12. erklärt hatte. Seine Begründung war, dass „es jetzt der richtige Zeitpunkt ist“ und er sich nicht „auf ewig an diesem Amt festhalten“ wolle.
Jetzt übernimmt also die 48jährige das Amt der hauptamtlichen Bürgermeisterin der 35.000-Einwohner.Stadt. Die neue „Alcaldessa“ gehört seit 2019 zur ERC- Ratsfraktion in Salt, zunächst als Unabhängige und seit 2023 mit republikanischem Parteibuch; ihre eher sozialdemokratisch ausgerichtete Partei fordert -anders als die ebenfalls sozialdemokratische PSC- die Unabhängigkeit von Spanien und damit ein selbständiges Katalonien. Alarcón war zuletzt zuständige ehrenamtliche Stadträtin für Allgemeine Dienste und Senioren, bevor sie jetzt den Bastó de comandament erhielt.

-> Keine Amtskette sondern der Bastó de comandament
In Katalonien (und generell in ganz Spanien) ist das traditionelle Amtszeichen eines Bürgermeisters und einer Bürgermeisterin (Alcalde, Alcaldessa) keine Amtskette wie in Deutschland, sondern ein Stab – der vara de batlle oder bastó de comandament). Dieser Stab wird bei der Amtseinführung symbolisch überreicht und bei feierlichen Anlässen getragen.
Der Bastó de comandament ist ein kurzer, oft verzierter Stock aus Holz mit metallenem Griff – meist aus Silber oder Gold, mit Wappen). Er stammt historisch aus der Zeit, als Alcaldes (Richter und Verwalter) ihn als Maßeinheit bei Landstreitigkeiten nutzten – daher die Redewendung „mit der gleichen Elle messen“ (katalanisch: „mesurar amb la mateixa vara“).
Ein Vergleich mit einem Marschalstab passt vielleicht: Denn beide sind Symbol militärischer oder herrscherlicher Autorität, auch wenn der katalanische Bürgermeisterstab kürzer und zeremonieller ist.
In Deutschland hingegen tragen Bürgermeister seit dem 19. Jahrhundert meist eine Amtskette als Zeichen der Würde, eine Tradition, die in romanischen Ländern wie Spanien, Frankreich oder Italien durch Stab oder Schärpe ersetzt wird.
Fotos von Amtseinführungen in Barcelona, Girona oder anderen katalanischen Städten zeigen immer den Stab – nie eine Kette. Das ist eine landestypische Unterscheidung innerhalb Europas.
-> Spoiler:
Die deutschsprachige Wikipedia-Seite der katalanischen Partnerstadt Salt dürfte gern einmal überarbeitet werden. Damit kann ich selbst allerdings nicht dienen, weil ich -warum auch immer- aktuell bei Wikipedia für so etwas gesperrt bin.