Salt, Catalunya

2. Oktober 2017

Wer spanisch lernen will, muss seit gestern eine neue Vokabel lernen: Den Superlativ von dumm: Rajoy. Oder auch rajoyen als Verb für: Etwas starrköpfig vor die Wand fahren. Es geht um das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien. Neben den verstörenden Bildern aus dem Nordosten des iberischen Halbinsel, die der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy produziert hat und die ihn sein ohnehin brüchiges Amt kosten werden, ist das Votum der Teilnehmer am Referendem mehr als eindeutig. 90 % sind für die Loslösung Kataloniens von Spanien. In Lingens Partnerstadt Salt etwa stimmten 93,4 % der Teilnehmer am Referendum für „die Unabhängigkeit“ Kataloniens. Doch gut 5.400 Si-Stimmen bei 30.000 Einwohnern sind so überragend auch nicht.

Da liegt ein großer, formaler Schwachpunkt des Referendums. Es gibt kein Quorum. Gleichgültig wie hoch die Teilnehmerzahl ist, das Ergebnis soll gelten. Hätten die Mannen um Rajoy nicht  deshalb eher gelassen auf den Ausgang der Abstimmung warten können? Hat er nicht, und jetzt hat er die blutigen Bilder, die zu Hass führen und die ihn sein Amt kosten werden.

Man fragt mich nicht, aber ist im Europa des Jahres 2017 tatsächlich der von den Katalnen eingeschlagene Weg in den Nationalismus a) richtig und b) alternativlos?

Bürgermeisterwechsel

11. Juni 2015

In Lingens Partnerstadt Salt in der autonomen Region Katalonien dürfte es bald einen neuen Bürgermeister geben. Denn der bisherige, konservative Amtsinhaber Jaume Torramadé  steht nach acht Jahren vor der Abwahl, nachdem seine CiU deutlich Stimmen bei der Kommunalwahlen vom 24. Mai einbüßte und die Wahlgewinner von der unabhängigen katalanische ERC, nicht davon überzeugen konnte, sich die Macht zu teilen und den Bürgermeister je zwei Jahre durch CiU und ERC zu stellen. Es zeichnet sich nämlich jetzt ab, dass die ERC mit Frontmann Jordi Viñas (5 Sitze), die katalanischen Sozialisten um Iolanda Pineda (3) und die lokale, linkskritische IpS-CUP („Independents per Salt-Candidatura d’Unitat Popular„) mit Spitzenkandidat Ferran Burch (3) eine „gemeinsame starke Stadtregierung“ bilden wollen. Zusammen verfügen die drei Parteien über 11 der 21 Ratsvertreter und damit über die absolute Mehrheit. Das erste Ziel: Sie wollen gemeinsam einen linken Bürgermeister wählen und das wird Jordi Viñas (Foto) sein.

Nach zwei Wochen politischer Verhandlungen hat ERC, sagte Viñas, die absolute Mehrheit gesichert und man habe miot PSC und IPS-CUP ein Programm formuliert „für eine Regierungsmannschaft mit dem notwendigen Minimum von elf Stadträten“.

Iolanda Pineda kündigte an, dass die neue Dreiparteien-Koalition aus drei Partnern  Jordi Viñas (ERC) zum Bürgermeister wählen will. „Bei so vielen Gruppen im Stadtrat wird es eine starke Regierung und eine stabile Mehrheit geben“, sagt Bürgermeisterkandidat Jordi Viñas. Die Mitgliederversammlungen von PSC, IpS-CUP und ERC haben die Ergebnisse der dreiwöchigen Verhandlungen jedenfalls gebilligt.

Gewählt wird der neue Bürgermeister am morgigen Samstag um 12 Uhr im Rathaus von Salt.

Hier das heutige Ergebnis der französischen Präsidentschaftswahlen in Lingens Partnerstadt Elbeuf-sur-Seine im Departement Seine-Maritime. Es gab mit 73,8% keine geringe Wahlbeteiligung, aber leider auch hier knapp 19% für die rechtspopulistische Marine Le Pen. Doch sonst war es in Elbeuf im ersten Wahlgang eine ziemlich klare Sache für den sozialistischen Kandidaten François Hollande und für Monsieur Nicolas Sarkozy blieb nur Platz 3:

Selbst gezapft

11. August 2008

Am Samstag war es wieder einmal soweit. Rund ein halbes Jahr ist verstrichen und meine tägliche Lieblingszeitung „Lingener Tagespost“  hat turnusmäßig wieder den nächsten lokalregierungskritischen Artikel veröffentlicht, naja, eher einen Kommentar – sogar mit einem unvorteilhaften Bild unseres OB Heiner Pott in einer geografisch verrutschten Collage. LT-Redakteur Burkhard Müller beklagt sich wortreich. Der Lingener Stadtrat sei vor gut vier Wochen in die britische Partnerstadt Burton upon Trent gereist, und niemand wisse das. Müller in einem Aufschrei journalistischer Bedrängnis:

Burton-upon-Trent - Remembrance Sunday 2007

Burton-upon-Trent - Remembrance Sunday 2007, Quelle: flickr

Bereits vor der Fahrt hatte unsere Zeitung darum gebeten, doch nach dem Besuch einmal darüber zu berichten, wie man aufgenommen wurde und was man während der vier Tage auf der Insel so erlebt hatte. Ein Kopfnicken, also ein „das machen wir dann“ – so lautete die Antwort aus dem städtischen Quartier.

Diese Verlautbarung aus dem Rathaus habe seine Zeitung nicht erreicht. Müller ist darob zornig und verzweifelt, und er beklagt sich, dass man ihm im Rathaus nicht aufgeschrieben habe, was denn in England  geschehen sei.

Eine bemerkenswerte Position für einen Journalisten. Demnächst beklagt sich ein Gastwirt auch, dass der Gast sein Bier nicht selbst gezapft, ein Anwalt, dass sein Mandant die Klage nicht fertig formuliert hat, und ein Arzt will wissen, warum der Patient nicht schon selbst die Diagnose gestellt und in die Apotheke gelaufen ist.

Lieber Burkhard Müller, wie wäre es denn mit ein bisschen eigener Arbeit, etwas Recherche, mit einem Anruf bei den Kollegen der Lokalpresse in den englischen Midlands und der Bitte um Foto und Bericht oder gar mit einem LT-Begleitservice für die Ratstour? Wir erleben ja seit langem, dass unsere Lokalzeitung nur Verlautbarungsjournalismus praktiziert. Aber sich jetzt noch in einem 7-Spalter darüber zu beklagen, dass man keinen fertig geschriebenen Artikel aus dem Rathaus erhalten hat, den man dann als eigenes Produkt veröffentlich könnte – ich meine, diese Selbstentlarvung des eigenen Selbstverständnisses ist wirklich ein bisschen peinlich, nicht wahr?

Noch zwei Anmerkungen:
Erstens: Lingens englische Partnerstadt heißt seit etwa einem Jahrzehnt und mehr East Staffordshire (und nicht mehr Burton-upon-Trent, wie Burkhard Müller schreibt).
Zweitens: Ich bin nicht mitgefahren – no time, no fun. Sonst hätte ich ja BM bestimmt seine Presseerklärung geschrieben.