weiterhin die Separatisten

22. Dezember 2017

Ein Blick in die Partnerstadt Salt in Katalonien, wo gestern natürlich auch die Neuwahl zum Parlament der Autonomen Gemeinschaft Katalonien stattfand. Zur vorgezogenen Neuwahl war es gekommen, nachdem das Parlament von Katalonien im Rahmen der Anwendung des Artikels 155 der spanischen Verfassung aufgelöst worden war. Der spanische Senat hatte zuvor auf Antrag der spanischen Regierung mit parteiübergreifender Mehrheit für die  Inkraftsetzung des Artikels 155 der spanischen Verfassung gestimmt und  die Absetzung der gewählten Regionalregierung Kataloniens und die Auflösung des Parlamentes genehmigt.

Zu dieser Wahl kam übrigens keine Neuauflage diverser, nach dem Wahlsystem für größere Gruppierungen vorteilhaften Wahlbündnisse zustande, So klappte es nicht erneut mit dem 2015 so erfolgreichen, separatistischen Wahlbündnis Junts pel Sí zwischen der ERC und der PDeCAT  zustande; ebenso wenig konnten sich die konkurrierenden Parteien Ciutadans (C’s);  PPC und PSC auf ein Wahlbündnis einigen.

Gegen Mitternacht sagten gestern Abend stabile Hochrechnungen, dass die Befürworter einer Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien („Independentistas“) erneut die absolute Mehrheit im Parlament errungen haben- ganz nach dem klugen Motto: Nationalismus ist das letzte, was wir in Europa brauchen. Stärkste Kraft mit 37 Parlamentssitzen wurde aber die rechtsliberale Ciutadans (auf deutsch: Staatsbürger), die gegen die Unabhängigkeit Kataloniens und vor 11 Jahren in Barcelona als Gegenbewegung zum katalanischen Nationalismus entstanden ist.

Hier geht es zum Ergebnis für ganz Katalonien.* [mehr…]. Die Partido Popular (PP) des spanischen Ministerpräsidenten Rajoy wurde übrigens heftig abgestraft. Im katalonischen Parlament ist sie nur noch mit 3 (vorher 11) Sitzen vertreten und hat keinen Fraktionsstatus mehr. In Lingens Partnerstadt Salt kam sie nur auf knapp 3,3 %.

Hier das Wahlergebnis in Salt (Provinz Girona) (zum Vergleich die Zahlen von 2015), wo JxCat,  ERC und CUP, also die Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien, stark abschnitten mehr als die Hälfte der Stimmen erhielten.


 

 

* Diese Anmerkung zum Gesamtergebnis:
JxCat = Wahlbündnis der PDeCat mit Unabhängigen. Vergleichswert mit dem Ergebnis der JxSí 2015 (CDC/PDeCat erhielt die meisten Mandate im Rahmen des Wahlbündnisses und stellte den Ministerpräsidenten).
ERC–CatSíc = Wahlbündnis der ERC mit kleineren Parteien. 2015 trat die ERC mit der CDC (Vorgängerorganisation der PDeCat) im Wahlbündnis JxSí an.
Catalunya en Comú–Podem = Vergleichswert 2015: Wahlbündnis CSP
CUP-CC = Wahlbündnis der CUP mit kleineren Parteien

update am 22.12., 8.00 Uhr

Städtepartnerschaften

29. September 2017

Jede -öffentliche wie nichtöffentliche- Ratssitzung endet mit dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen. Gestern habe ich im Lingener Rat unter diesem Top das Wort ergriffen, weil mich der zunehmende Nationalismus umtreibt. Meine Rede zum Nachlesen:

„(Anrede)
ich melde mich mit einer Anregung. …
Gestatten Sie mir, dass ich ein klein wenig aushole. Es geht um unsere Städtepartnerschaften. Dazu möchte ich zuerst unterstreichen, dass es seit der ersten Städtepartnerschaft im Jahre 1981 mit der englischen Stadt Burton-upon-Trent inzwischen fünf Städtepartnerschaften und –freundschaften gibt.
Nach Burton-upon-Trent bzw. East Staffordshire sind dies
seit 1993 das polnische Bielawa bzw. Langenbielau (Niederschlesien),
dann nach Jahren guter und effektiver Zusammenarbeit seit 1996 offiziell Marienberg (Sachsen), Salt (Katalonien, Spanien), seit 1998 und in Frankreich Elbeuf (Normandie), seit 12 Jahren, also seit 2004. Man sollte auch nicht das kleine ukrainische Juskowzy vergessen, mit dem wir allerdings keine formelle Partnerschaft haben.

Ich weiß nicht, wie Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, es empfinden. Aber ich habe in den vergangenen Jahren zunehmend den Eindruck gewonnen, dass es immer mehr Rituale sind, die diese Städtepartnerschaften ausmachen. Es gibt wenig Neues bzw. wenig neue Begegnungen. Es gibt zu wenig Austausch.

Bei dem insgesamt guten Besuch des Rates in Bielawa vor zwei Monaten ist das sehr greifbar geworden. Ein wirklicher Meinungsaustausch hat leider nicht stattgefunden. Wir haben bereits in der letzten Ratssitzung darüber gesprochen, wie wir das aufnehmen.

Dies vorausgeschickt ergibt sich jenseits der Partnerschaftsrituale Handlungsbedarf, um sich intensiver kulturell und wirtschaftlich auszutauschen. Unsere kommunalen Partnerschaften sollten als Plattform genutzt werden, um Demokratisierungsprozesse, das Eintreten für Toleranz und Menschenrechte, für kulturelle Vielfalt und europäisches Denken und Handeln zu unterstützen.

Ich rege dazu an, in den Gremien des Rates offen zu diskutieren, wie sich dies trotz der Rituale verwirklichen lässt. Der Grund für meinen Vorschlag ist die Entwicklung in letzter Zeit, die uns allen bekannt geworden ist:

In Salt gibt es einen zunehmenden Nationalismus, mit dem die Kommune die Bewegung für ein eigenes Katalonien unterstützt.
In Burton-upon-Trent bzw. East Staffordshire haben im Frühjahr 2017 mehr als 60% der Abstimmungsberechtigten für den Brexit gestimmt, also auch für eine antieuropäische, nationalistische Position.
In Bielawa hat die nationalistische PiS-Partei maßgeblichen Einfluss und den Bürgermeister gewählt.. Sie entzog sich sogar –sagen wir –“protokollarischen Treffen“ mit uns „wegen unaufschiebbarer Termine“.
Und schließlich haben am vergangenen Wochenende bei den Bundestagswahlen in der Partnerstadt Marienberg 30 % der Wählerinnen und Wähler für die rechte, nationalistische AfD gestimmt.

All diese nationalistischen Entwicklungen machen Grund zur Sorge. Denn es war der Nationalismus in Europa, der in unserem Kontinent Jahrhunderte Krieg und Elend schuf. Wem es also um den Frieden in Eruopa geht, der muss gegen Nationalismus aufstehen. Das gilt auch für uns als Kommune.

Meine Bitte ist, offen und ehrlich ein Fazit von fast 40 Jahren Städtepartnerschaften zu ziehen und darüber hier im Rat sowie außerhalb in den Parteien und Gruppen zu diskutieren, wie wir weitermachen, was wir ändern und was wir neu und besser machen müssen, um „Europe first“ auf eine Weise zu befördern, die uns einander annähern lässt, anstelle uns voneinander wegzubewegen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.“

Dieses Frühlingswochenende wäre perfekt für eine Reise in Lingens katalonisch Partnerstadt Salt gewesen. Die 30.000-Einwohner-Stadt – nur 6 km vom Flughafen Girona entfernt gelegen – ist mit dem irischen Billigflieger in rund 2 Stunden von Weetze am Niederrhein zu erreichen, und heute feiert Salt -wie ganz Katalonien – den Diada de Sant Jordi. Das Warum und das Was erklärt das katalonische Touristenbüro so:

„Am 23.4.303 starb der Ritter Sant Jordi im Nahen Osten den Märtyrertod. Bevor es so weit kam, hatte er gerade noch rechtzeitig das katalanische Dorf Montblanc erreicht, um eine schöne Prinzessin vor einem Drachen zu retten, der seit Jahren immer neue Menschenopfer forderte. Als St. Jordi dem Ungeheuer seine Lanze ins Herz stieß, schoß ein Blutschwall zur Erde, aus dem sofort ein wunderschöner Rosenbaum wuchs. St. Jordi schenkte der Prinzessin eine Rose, lehnte eine Hochzeit dankend ab und ritt seiner letzten Bestimmung entgegen. Aus diesem Grund werden schon seit dem 15. Jahrhundert in Katalonien am 23. April Rosenfeste zu Ehren der Liebenden gefeiert und auch im 21. Jahrhundert füllen sich an diesem Tag die Straßen der Städte mit Blumenständen. Nach aktuellen Berechnungen machen katalanische Blumenhändler 40% ihres Jahresumsatzes am 23. April.

„Das wäre doch mal was..“ dachten sich die katalanischen Buchhändler, die einfach etwas cleverer sind als viele ihrer ausländischen Kollegen. Doch diese Sichtweise wird vermutlich der schicksalhaften Größe und Tragweite der Ereignisse nicht gerecht. Wir erinnern uns: Am 23.4.1616 stirbt Miguel de Cervantes Saavedra und am 23.4.1616 stirbt William Shakespeare. Ein erstaunliches Zusammentreffen, das umso erstaunlicher wird, wenn man bedenkt, dass Cervantes 10 Tage vor Shakespeare starb. Dass der Todestag beider auf einem 23.4 zusammenfallen konnte, ist der Tatsache geschuldet, dass zu jener Zeit in Großbritannien noch der julianische Kalender galt, während in Spanien bereits der gregorianische Kalender etabliert war. Kurz und gut, die beiden absoluten Shooting-Stars der Weltliteratur des 17. Jahrhunderts verstarben beide an einem 23. April.

Gute 300 Jahre später nahm man diese merkwürdige Fügung des Schicksals zum Anlass, am 23. April den Tag des Buches zu feiern. Damit wurde endlich zusammengebracht, was seit jeher zusammengehört: Rosen und Bücher, Liebe und Literatur. Ab den 1920er Jahren des letzten Jahrhunderts kam es somit zu einer kulturellen Umwälzung in der Feiertagstradition der Diada de Sant Jordi: Während die Männer seit jeher den Frauen zu diesem Anlass Rosen geschenkt hatten, wurde es nun ein ebenso fester Brauch, dass die Frauen den Männern an diesem Tag Bücher schenkten. Im Jahr 1995 ernannte die UNESCO auf eine katalanische Initiative hin den 23. April zum Welttag des Buches und ließ die Welt somit zumindest an einem Teil dieses katalanischen Vergnügens Anteil haben.“

Apropos Partnerstadt. Ich höre, dass es personelle Probleme in der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft in Lingen geben soll. Es wäre schade, wenn sich die Gesellschaft deshalb auflöst…

(Fotos vom heutigen Diada de Sant Jordi: Oben Jordi Viñas Xifra überreicht Rosen im Altersheim; unten Viel Betrieb auf dem offenen Büchermarkt in Salt)

Fiesta Mayor

7. Juni 2016

Filmabend Team75
Fiesta Mayor – Salt 2015
Lingen (Ems) – Centralkino
Do 9. Juni – 20 Uhr

Eintritt frei
84px-Escut_de_Salt.svgSeit 1998 pflegt Lingen eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Salt in Katalonien, Spanien. Im Juli 2015 veranstaltete die DHG (Deutsch-Hispanische Gesellschaft, Lingen) eine Bürgerreise nach Salt. Anlass war die Fiesta Mayor. – Auch Kivelinge der Sektion „Schreckensteiner“ waren nach Salt gefahren.
Ein solches Fest findet jährlich in vielen Orten Kataloniens statt und zwar am Tag des Pfarrpatrons. In Salt ist das „Sant Cugat“. Es veranstalten mehrere Vereine des Ortes einen spektakulären Umzug durch die Stadt.- Es sind dies die Gegantes, Riesenfiguren, begleitet von den Cabezudos, den Schwellköpfen, und den Correfocs, den Feuerteufeln; diese speien Feuer und schießen Feuerwerkskörper ab. Sie werden von einer Gruppe von Trommlern begleitet, die mit viel Temperament tanzend und springend durch die Straßen ziehen. Eine weitere Gruppe sind die Castellers, sie bauen Menschentürme mit bis zu 8 „Stockwerken“.- Auch aus den Nachbargemeinden werden die entsprechenden Vereine eingeladen.
Die Feuerteufel traten übrigens feuerspeiend am Freitag den 6. Mai vor dem Theater und am Samstag, dem 7. Mai auf dem Marktplatz vor der Laserschau anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr in Lingen auf. Ihre Feuerwerkskörper durften sie übrigens im Flugzeug nicht mitnehmen…
Die Ereignisse bei der Fiesta Mayor in Salt im vergangenen Juli 2015 wurden von Mitgliedern des Team75, den Lingener Filmamateuren, aufgezeichnet. Hier ein Video der „Konkurrenz“ TVSalt.

Jordi Viñas

26. Mai 2015

Saltresultate15Es gibt Neues aus unserer Partnerstadt. Am Sonntag hat nämlich Spanien in 13 der 17 autonomen Regionen die regionale Regierung gewählt und in über 8.000 Ortschaften die Gemeinderäte, darunter auch in der Lingener Partnerstadt Salt, eine der am dichtesten besiedelten Gemeinden der „Comarca Gironès“ im nördlichen Katalonien. Deren kommunales Problem liegt seit Jahren in der hohen Zahl von Migranten.

Bei der Kommunalwahl in Salt kam es wie überall in Spanien zu einem Linksruck – begleitet von einem katastrophalen Abschneiden der traditionellen Parteien. Die spanische Regierungspartei PP war in Salt immer schon nur schwach vertreten; am Sonntag hat nun auch ihr letzter Vertreter seinen Sitz eingebüßt; er kam nur auf rund 4% der Stimmen.

Auch die CiU, bisher stärkste Partei und eine katalanische Parteienspezialität, hat heftig Federn lassen müssen. Die CiU mit Bürgermeister Jaume Torramadé an der Spitze hat ihre prägende Stellung wohl verloren, bleibt aber trotz eines Verlustes von 847 Stimmen und damit von rund 10% aller Wähler mit insgesamt 6 Ratsmitgliedern (-3) gerade noch stärkste Gruppe im Stadtrat.

Große Verliererin ist ebenfalls die sozialdemokratische PSC mit ihrer Spitzenfrau Iolanda Pineda. Die PSC bekam nur noch 1131 Stimmen (-700) und damit letztlich noch etwa ein Drittel der Stimmen wie bei den vorletzten Kommunalwahlen 2007, als sie noch rund 3000 Wähler von sich überzeugen konnte. Die Folge: Nur 3 Sitze hat die einst so stolze PSC noch im 21-köpfigen Gemeinderat von Salt.

Neue Kraft ist dort die ERC Salt. Sie verfünffachte ihre Stimmen und kam so auf 5 Mandate. Bei  der letzten Kommunalwahl 2011 hatte die Regionalpartei ihre beiden Sitze eingebüßt, die sie 2007 errungen hatte. Ihr Spitzenmann Jordi Viñas (Foto) könnte also neuer Bürgermeister („Alcalde“) werden, falls er informell oder als Koalition neben seiner ERC, die Ratsvertreter der PSC, von IPS und vielleicht noch den Kandidaten der Wählergemeinschaft Canviem Salt („Veränderung Salt“) in’s Boot holt. Die Unabhängigen für Salt (IPS) haben sich am Sonntag um 2 % (+1 Sitz) verbessert und nun drei Vertreter im Gemeinderat.

Insgesamt ist der Gemeinderat in Salt aber mit sieben unterschiedlichen Gruppierungen bei 21 Mandaten reichlich zersplittert, und das verspricht nicht nur eine spannende Bürgermeisterwahl sondern auch lebhafte kommunalpolitische Diskussionen in den nächsten vier Jahren.

Geschwaderjungs

28. November 2012

Das ist wohl ein Sex- und Politskandal, der aus Lingens Partnerstadt Salt ins kalte Emsland herübertönt. In Salt, wo die katalanische Parteiengruppe Unió del Centre i la Democràcia Cristiana de Catalunya  (Kürzel: UDC) mit Jaume Torramadé den Bürgermeister stellt und die nach dem Sturz des Franco-Regimes lange Jahre unangefochtenen Sozialisten inzwischen  auf 15 % der Wählerstimmen geschrumpft sind, erfährt die staunende Öffentlichkeit eine unglaubliche Geschichte.

Ausgerechnet Bürgermeister Jaume Torramadé ist nämlich in schweren Verdacht geraten. UDC-Chef Torramadé, auch Präsident des Kreistages von Girona („Diputació de Girona“), wird  beschuldigt, eine Kreistagskollegin sexuell derb belästigt zu haben.  Anlässlich des UDC-Wahlkampfauftaktes zu den Regionalwahlen soll er bei einem Abendessen der Partei am 8. November im Restaurant El Teatret,  gelegen am historischen Rathaus von Girona im Barri Vell,  die 32-jährige Minerva Amador (Foto o.) sexuell attackiert haben. Besonders pikant: Die Affäre ist richtig „parteipolitisch“. Amador war nämlich bis jenem Abendessen Vorstandsmitglied der Torramadé-Partei UDC in Salt und UDC-Kreistagsabgeordnete in der Region Girona („asesora de la Diputación de Girona„).

Sie selbst trat nach dem Abend des 8. November sofort von ihrem Vorstandsamt zurück und legte auch -zwei Jahre vor Ende der Wahlperiode- ihr Kreistagsamandat nieder. Über die Gründe erklärte sie zuerst nichts, suchte aber zeitgleich anwaltliche Hilfe bei Francesc de Paula Rovira,  ehemaliger Vorsitzenden der UDC. Der nahm wohl Kontakt mit Präsoident und Bürgermeister Torramadé auf. Dieser habe, so Advokat de Paula Rovira, um Stillschweigen gebeten und seiner Mandantin 50.000 € Schadensersatz angeboten, sofern sie auf eine Anzeige verzichte und über das Vorgefallene schweige.

Nach diesem Angebot Torramadés habe man, so Anwalt de Paula Rovira, Verhandlungen mit dem Ziel einer formellen Einigung begonnen. Ob dabei Informationen durchsickerten? Medien begannen jedenfalls mit ihren Recherchen, und am 16. November („Tage später“)  habe Torramadé dann gegen Amador eine Strafanzeige bei der katalanischen Polizei („Mossos d’Esquadra“ – wörtliche Übersetzung: „Geschwaderjungs“) wegen versuchter Erpressung erstattet. Auch Minerva Amador entschloss sich daraufhin, ihren ehemaligen Chef förmlich anzuzeigen.

Bürgermeister Jaume Torramadé (Foto u.) bestreitet vehement die gegen ihn gerichteten Vorwürfe. Amador, so Torramadé,  habe versucht, ihn mit falschen Vorwürfen um 50.000 € zu erpressen.  Am vergangenen Donnerstag veröffentlichte er gegenüber den Medien eine knappe, vierzeilige Erklärung und erklärte seine eine Woche alte Strafanzeige so: „Die Verteidigung meiner Ehre und die Prinzipien, die mich öffentlich und privat immer geleitet haben, zwingen mich zu diesem Schritt.“

Minerva Amador ihrerseits veröffentlichte am vergangenen Samstag die von ihr inzwischen erstattete Strafanzeige. Die Justiz ermittelt also jetzt.

Und es ermittelt auch die UDC selbst. Schnell („eine Frage von Tagen“)  will sie auch eine parteiinterne Untersuchung  einleiten und zu klären versuchen, was genau da am 8. November passiert passiert ist. Dies bestätigte am Montag nach einer Vorstandssitzung Gironas UDC-Vize Joan Cañada. Und das staunende Publikum darf –wie die spanische Presse insgesamt– auf die Aufklärungsergebnisse gespannt sein.

los

26. November 2012

Da wurde ich tatsächlich schon gestern Abend um kurz nach 20 Uhr vom Nachwuchs per Twitter aufgefordert, etwas zum Ausgang der Regionalwahlen in der in der spanischen Provinz Catalunya gelegenen, Lingener Partnerstadt Salt zu schreiben. Also hier im Überblick die Salt-Ergebnisse der Landtagswahlen unserer Partnerstadt im Nordosten Spaniens nahe Girona:

Eine kurze Analyse: Das Ergebnis in Salt ist typisch für die gestrigen Wahlen. Zwar erhielten die katalanischen Nationalisten (CiU) des Ministerpräsidenten Artur Mas die meisten Stimmen, verfehlten aber die absolute Mehrheit mit kräftigen Stimmenverlusten im Vergleich zur vorigen Wahl vor zwei Jahren deutlich.

Dabei hatte der amtierende Ministerpräsident die eigentlich erst 2014 anstehende Wahl in der wirtschaftsstärksten Region Spaniens vorgezogen, weil erhoffte, mit dem Rückenwind einer absoluten Mehrheit eine Volksabstimmung über ein unabhängiges Katalonien abhalten zu lassen. Sein Parteienbündnis CiU („Konvergenz und Union“) kam aber nur auf ca 50 der insgesamt 135 Sitze im katalanischen Parlament – deutlich weniger als die absolute Mehrheit (68) und auch weniger als die 62 Sitze der letzten Wahl. Auch in Salt verlor die CiU 5 %.

Der große Gewinner gestern war die ERC, die man als katalanische Linksrepublikaner bezeichnen kann und die noch radikaler als CiU für ein unabhängiges Katalonien und die Trennung von Spanien eintritt. ERC verdoppelte die Zahl ihrer Sitze auf künftig 21; auch in Salt stieg ERC von 7,6% auf 14,6%. Daneben die marxistisch-separatistische CUP zieht erstmals mit drei Abgeordneten ins Parlament in Barcelona ein.

Die einst starke PSC verliert in Salt weiter und kommt nur noch auf 15% (2010: 17,8%) und im katalanischen Regionalparlament auf das historische Tief von nur noch 20 Sitzen (bisher 28); die Sozialisten sind also die großen Verlierer. Die konservative Volkspartei (PP) des spanischen Ministerpräsidenten Mariano Rajoy konnte hingegen geringe Stimmengewinne erzielen und hat jetzt 19 Sitze. Die Grüne Initiative für Katalonien/Vereinigte Linke (ICV) verlor zwar in Salt knapp 2 Prozent, kommt nur noch auf knapp 4,9 %; das aber ist untypisch, konnten die Grünen doch in ganz Katalonien ihre Sitze auf 13 steigern (2010: 10 Sitze).

Insgesamt (und auch in Salt) haben diejenigen Parteien eine deutliche Mehrheit erhalten, die für die Unabhängigkeit eintreten. Nach Umfragen sprechen sich schon knapp 60% der Bevölkerung in Katalonien dafür aus. An den gestrigen Regionalwahlen nahmen übrigens knapp 70% der Wählerinnen und Wähler teil (Salt: knapp 65%).

Deutlich in der Minderheit sind hingegen im neuen katalonischen Landesparlament die Anti-Separatisten: 19 Sitze erringt die konservative spanische Volkspartei (PP) und 9 die „Ciutadans“ (Katalanische Bürger). Rechnet man die 20 PSC-Sitze hinzu, die aber nicht für ein selbständiges Catalunya ist, wenn es Spanien erlaubt, dann werden im zukünftigen Parlament in Barcelona zwei Drittel der Parlamentarier für ein unabhängiges Katalonien eintreten.

Wichtigstes Thema im Wahlkampf war die ökonomische Situation. Die Katalanen sehen nicht ein, warum die Region mit 42 Milliarden Euro hoch verschuldet ist. Sie sehen die Ursache darin, dass viele Steuermilliarden in die spanische Hauptstadt fließen. Mindestens 6% des Bruttoinlandsprodukts (BIP) der strukturell unterfinanzierten Region fließen ab. Deshalb trägt Katalonien zwar überdurchschnittlich stark zur spanischen Wirtschaftsleistung bei, ist aber trotzdem die am höchsten verschuldete Region.

„Man kann sich vorstellen, was in Hessen oder Bayern los wäre. Beide erwägen eine Verfassungsklage gegen den Länderfinanzausgleich, führen aber nur 0,8 bis 0,9% des BIP über den Finanzausgleich ab.“ (Ralf Sterck auf Heise). Trotzdem wird eine Unabhängigkeit schwer, nicht zuletzt wegen der wirtschaftlichen Verflechtungen und der kritischen Situation der katalanischen Banken, die am Tropf der EZB hängen. Also spricht vieles dafür, dass die Abflüsse von Barcelona nach Madrid deutlich reduziert werden und die Katalanen da bleiben, wo sie sind. In Spanien.

(Mehr über die Wahlen hier)

Sprachkurs

14. Mai 2012

Die Idee, dort hinzugehen, wo Arbeit ist, zieht sich seit Jahrhunderten durch die Geschichte. Freunde, wäre bei uns die Arbeitslosigkeit so hoch wie in Salt und dort so niedrig wie bei uns, müssten nicht wenige von uns vielleicht Katalanisch lernen. Jetzt brauchen wir Zuwanderung und Arbeitnehmer sollen kommen. Achim Haming, Chef der Agentur für Arbeit Nordhorn, hat bei den BürgerNahen vor einigen Tagen vorgerechnet, dass bis 2025 in seinem Arbeitsamtsbezirk (sorry, dass ich immer noch Arbeitsamt schreibe) 27.000 Stellen neu zu besetzen sind. wegen Verrentung („demografischer Wandel“) und neuer, zusätzlicher Arbeitsplätzen. So viele Menschen haben wir nicht, auch nicht wenn bspw. die geringe Frauenarbeitsquote kräftig gesteigtert wird oder wir den Unsinn lassen, gut ausgebildete  junge Leute wegen irgendwelcher juristischer Spitzfindigkeiten rauszuwerfen, weil sie einen anderen Pass haben. Oder wenn wir uns um die kümmern, um die wir uns bisher noch nicht genug gekümmert haben.

Also werden Menschen zu uns kommen. Aus unseren Partnerstädten beispielsweise . Das katalanische Salt gehört dazu, wo die Arbeitslosenquote junger Menschen (wie in ganz Spanien) bei fast 50% liegt. Im vergangenen Jahr ist aus dieser „Gemengelage“ die Idee entstanden, einige junge Leute aus der Stadt bei Girona im spanischen Nordosten  einzuladen und zu ermuntern, nach Lingen zu kommen. Im Wahlprogramm der BürgerNahen heißt es dazu eher noch allgemein:

Wir unterstützen Existenzgründer, wollen Betriebe für Lingen gewinnen und so die heimische Wirtschaft fördern. Immer mehr leidet sie aber unter dem Mangel an Facharbeitern. Deshalb werden wir die Lebensqualität in Lingen verbessern, und dadurch Arbeitnehmer und ihre Familien aus dem In- und Ausland für unsere Stadt gewinnen.
BN-Programm 2011

Manel Vidal war Ende letzten Jahres wohl der erste junge Mann, der aus Salt nach Lingen kam, um hier Arbeit zu finden. Er sagt: „Man kann, ein oder vielleicht auch zwei Monate arbeitslos  sein. Aber dann muss man selbst etwas tun, damit sich das ändert.“ Manel Vidal wohnt bei  Dr. Wolfhard und Renate Schmidt, die sich seit Jahren in der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft engagieren. Er lernt gerade Deutsch – und beginnt in einigen Wochen bei der Lingener Fa Liesen seinen ersten Job.

Inzwischen gehen die Partnerstädte Salt und Lingen erste Schritte in die notwendige, richtige Richtung und wir in Lingen werden manches machen und lernen müssen, damit aus der Idee ein Erfolg wird. So müssen die Sprachkurse verbessert werden und homogener sein, als sie zurzeit sind. Vor einer Woche war OB Dieter Krone in Salt – u.a. mit Achim Haming- und es wurden mit  Jaume Torramadé, Bürgermeister von Salt, wohl Nägel mit Köpfen gemacht. Für unsere regionale Wirtschaft ist dies eine große Chance und die ganze Stadt tut gut daran, sich zu engagieren.

Also: Denken wir an die Deutsch lernenden Zuwanderer, lernen wir einfach auch ein bisschen katalanisch und fangen damit hier, mit diesem Bericht über den Besuch von OB Dieter Krone in Salt an:

Una quinzena de joves de Salt d’entre 18 i 35 anys podran treballar durant tres mesos a la ciutat alemanya de Lingen. Aquesta iniciativa és fruit del conveni de col·laboració que han acordat les dues ciutats que estan agermanades des del 1998. Durant aquest mes, l’Ajuntament de Salt seleccionarà els candidats que, com a mínim, han de tenir un títol de grau mitjà. L’alcalde de Salt, Jaume Torramadé, ha destacat que es tracta d’una „oportunitat única“ perquè els joves del municipi que estan a l’atur puguin trobar feina a l’estranger. Els seleccionats rebran classes diàries d’alemany.
En els propers mesos, l’Ajuntament de Lingen donarà a conèixer les possibles vacants i el consistori de Salt podrà començar a seleccionar els joves. L’alcalde de Salt ha detallat que es tindrà „molt en compte“ la voluntat d’aprendre la llengua dels candidats, la seva facilitat amb els idiomes i la seva motivació per conèixer noves cultures. Torramadé ha detallat que esperen tenir els joves seleccionats abans de la Fira de Barcelona, el mes de juny. „Moltes empreses de la regió de Lingen estaran exposades en aquest certamen i serà l’oportunitat que els empresaris cone?guin els candidats seleccionats“, ha explicat l’alcalde.
Tot i que no s’ha concretat quina feina realitzaran els joves, l’alcalde de Lingen, Dieter Krone, ha explicat que els seleccionats treballaran durant tres mesos en alguna empresa del sector metal·lúrgic, mecànic, sanitari o de l’àmbit de l’hostaleria. Si l’experiència és satisfactòria per al jove i per a l’empresari, els seleccionats podrien tenir un contracte temporal o indefinit amb l’empresa.
Aquesta iniciativa, l’acord de la qual es va tancar ahir, és una idea que va sorgir des del consistori alemany i es troba emmarcada dins un conveni de col·laboració que han acordat les dues poblacions agermanades. El conveni té com a objectiu intercanviar coneixement i experiències en temes de immigració, habitatge, treball, formació, infància i joventut. „Creiem que pot ser d’ajuda pel futur de Salt l’experiència de Lingen en aquests sectors“, ha destacat l’alcalde alemany. D’altra banda, Torramadé ha remarcat que, en aquests moments de crisi econòmica, és clau „aprofundir en les relacions entre localitats“ i col·laborar entre els municipis.

Ok, ich sehe, Sie haben dieselben Schwierigkeiten wie ich. Daher gibt es hier eine kleine Hilfestellung.

(Foto: OB Krone, BM Torramadé in Salt 5.5.2012; ©www.diaridegirona.cat)

Torramadé

23. Mai 2011

Rechtsruck in unserer Partnerstadt Salt. Die Wähler haben sich am Sonntag bei den Kommunalwahlen gegen die sozialistische Bürgermeisterin Yolanda Pinada entschieden. Neuer Bürgermeister (Alcalde) wird der konservative Jaume Torramadé. Er hatte das Amt bereits von 1999 bis 2007 bekleidet. Seine Amtszeit ging vor vier Jahren nach einigen -beschreiben wir es mal mit – undurchsichtigen Geschäften zu Ende, als die Bürger in Salt die junge Yolanda Pinada (PSC) wählten.

Jetzt errang die konservative katalanische CiU mit Jaume Torramadé 9 Sitze im Stadtrat, die Sozialisten kamen nur noch auf 6 Mandate. Drittstärkste Kraft wurde auf Anhieb die fremdenfeindlich-rechtspopulistische „Plattform für Katalonien“ („PxC“) mit 3 Ratsvertretern. Dem 21-köpfigen Gemeinderat gehören außerdem zwei Vertreter der unabhängigen „IPS n’aconsegueix“ und ein Ratsherr der spanischen Volkspartei PP an.

Auf den neuen Amtsinhaber warten große Probleme. Salt hat erhebliche Schwierigkeiten nach einer unkontrollierten Zuwanderung von Migranten aus Nordafrika und den lateinamerikanischen Ländern. Die Bevölkerungszahl der keine 7 Quadratkilometer großen Partnerstadt ist in den letzten  10 Jahren um 40 % auf jetzt mehr als 30.000 Einwohner gestiegen. Besonders drammatisch: Der Ausländeranteil beträgt nach 6 % im Jahr 2000  inzwischen 43 %. Erhebliche Probleme des Zusammenlebens und im  sozialen Gefüge der Stadt sind die Folge. Anfang des Jahres war es deshalb zu Unruhen in Salt gekommen. Der Wahlkampf drehte sich entsprechend um Fragen der Einwanderung. Daneben standen  Probleme der Stadterneuerung im Mittelpunkt, darunter Wohnungsfragen.

Knapp 8500 Wähler gaben am Sonntag ihre Stimmen ab (= 57,4 %), rund 42,6% der Wahlberechtigten nahmen nicht teil. Knapp 4 Prozent votierten ungültig oder gaben als Protest einen nicht ausgefüllten Stimmzettel ab. Viele der Zuwanderer konnten nicht abstimmen oder Nichtabstimmen, selbst wenn sie gewollt hätten:  Sie hatten kein Wahlrecht.

Was bedeutet das Wahlergebnis in der Partnerstadt für uns in Lingen? Bedeutet es überhaupt etwas?

Ich stelle die Gegenfrage:
Wer will hier im Rahmen der Völkerverständigung fremdenfeindliche Populisten empfangen oder welcher Lingener will in Salt von solchen Vertretern empfangen werden? Ich nicht. Wir werden uns im Stadtrat darüber verständigen müssen, wie wir mit der neuen Situation umgehen.

(Foto: (c) Diari de Girona)

Nachtrag vom 24.05.2011, 00.00 Uhr. 

Ich habe gestern Abend eine Reihe klebrig-rechtslastiger Kommentare rausgeworfen und schon geahnt, dass ich irgendwie in den Verteiler einer unappetitlich rechten Dumpfbacken-Internetseite geraten bin. So ist es.

Blogleser Moax schreibt:
Kein Wunder, dass da so ein Shitstorm bei dir im Blog losgeht, wenn eine Geert Wilders (u.a.) Unterstützer-Seite zu dir verlinkt.

http://www.pi-news.net/2011/05/auch-spanien-im-konservativen-trend/

Vorschlag von meinem Leser: Alle Kommentare entfernen, anschließend Kommentarfunktion deaktivieren. Einmal editieren und reinschreiben, dass eine Diskussion nicht möglich ist, wenn die Leserschaft der „PI-News“ rüberschwappt.

Dann machen wir das doch!