Mathias Matze Wagner ist gestern im Alter von 71 Jahren gestorben. Beim Joggen im Altenlingener Forst. Ausgerechnet in dem Wald, den er so liebte und für den er sich eingesetzt hat, erlitt der Lingener Rocksänger einen tödlichen Herzinfarkt.

Es gab keinen einzigen Lingener Musiker wie Matze. Seine Stimme war unverwechselbar und ein großer Genuss für alle, die sie hörten. Auf der Bühne war er so unglaublich präsent, dass er sein Publikum stets mitriss. Matze war immer der Frontmann und prägte so die Rockkultur unserer Stadt wie kein anderer.

Mit 16 machte er als Leadsänger einige Jahre Rock’n Roll mit den Beat-Kings, die Songs der Beatles, Kinks und Stones coverten und in der ganzen Region erfolgreich waren. Auftritte in Norddeutschland, Westfalen und in Belgien und den Niederlanden folgten. 1980 war Matze Mitbegründer der Lingener Band „Clan“, die sich zwei Jahre später in Revoice umbenannte. Matze war -zusammen mit der unvergessenen Jane Skibicki- sofort das Markenzeichen der heutigen Kultband. Und engagierte sich: „Matze“ Wagner, das „Urgestein“ -wie ihn die Lingener Tagespost nannte, war seit den Anfängen des Christophorus-Werkes stets musikalischer Begleiter der Einrichtung. Er lebte Inklusion, als die meisten noch nicht wussten, was das ist. Mit seinen Bands spielte er in den Knästen der Region und viele Benefizkonzerte „für den guten Zweck“.

Seine Konzerte und Auftritte waren einzigartig. Mit fällt das Fiesta-Mayor-Konzert 1998 in Lingens katalanischen Partnerstadt Salz, als er mit Revoice morgens um 4.00 Uhr die Katalanen zum Abheben brachte.

Christoph Frilling schrieb gestern auf Facebook: „Vor seinem letzten Konzert traf ich ihn im Aldi. Es ginge ihm schlecht, sagte er. Auf meine Frage, was denn los sei, grinste er und sagte: „Lampenfieber, als wenn’s mein erster Auftritt vor Publikum wäre….“ Matze eben.

Wir dürfen sehr dankbar sein, dass wir Matze kannten und erleben durften.  Matze, Du wirst uns allen und Du wirst dieser Stadt so fehlen.

(Foto: Revoice)

weiterhin die Separatisten

22. Dezember 2017

Ein Blick in die Partnerstadt Salt in Katalonien, wo gestern natürlich auch die Neuwahl zum Parlament der Autonomen Gemeinschaft Katalonien stattfand. Zur vorgezogenen Neuwahl war es gekommen, nachdem das Parlament von Katalonien im Rahmen der Anwendung des Artikels 155 der spanischen Verfassung aufgelöst worden war. Der spanische Senat hatte zuvor auf Antrag der spanischen Regierung mit parteiübergreifender Mehrheit für die  Inkraftsetzung des Artikels 155 der spanischen Verfassung gestimmt und  die Absetzung der gewählten Regionalregierung Kataloniens und die Auflösung des Parlamentes genehmigt.

Zu dieser Wahl kam übrigens keine Neuauflage diverser, nach dem Wahlsystem für größere Gruppierungen vorteilhaften Wahlbündnisse zustande, So klappte es nicht erneut mit dem 2015 so erfolgreichen, separatistischen Wahlbündnis Junts pel Sí zwischen der ERC und der PDeCAT  zustande; ebenso wenig konnten sich die konkurrierenden Parteien Ciutadans (C’s);  PPC und PSC auf ein Wahlbündnis einigen.

Gegen Mitternacht sagten gestern Abend stabile Hochrechnungen, dass die Befürworter einer Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien („Independentistas“) erneut die absolute Mehrheit im Parlament errungen haben- ganz nach dem klugen Motto: Nationalismus ist das letzte, was wir in Europa brauchen. Stärkste Kraft mit 37 Parlamentssitzen wurde aber die rechtsliberale Ciutadans (auf deutsch: Staatsbürger), die gegen die Unabhängigkeit Kataloniens und vor 11 Jahren in Barcelona als Gegenbewegung zum katalanischen Nationalismus entstanden ist.

Hier geht es zum Ergebnis für ganz Katalonien.* [mehr…]. Die Partido Popular (PP) des spanischen Ministerpräsidenten Rajoy wurde übrigens heftig abgestraft. Im katalonischen Parlament ist sie nur noch mit 3 (vorher 11) Sitzen vertreten und hat keinen Fraktionsstatus mehr. In Lingens Partnerstadt Salt kam sie nur auf knapp 3,3 %.

Hier das Wahlergebnis in Salt (Provinz Girona) (zum Vergleich die Zahlen von 2015), wo JxCat,  ERC und CUP, also die Befürworter der Unabhängigkeit Kataloniens von Spanien, stark abschnitten mehr als die Hälfte der Stimmen erhielten.


 

 

* Diese Anmerkung zum Gesamtergebnis:
JxCat = Wahlbündnis der PDeCat mit Unabhängigen. Vergleichswert mit dem Ergebnis der JxSí 2015 (CDC/PDeCat erhielt die meisten Mandate im Rahmen des Wahlbündnisses und stellte den Ministerpräsidenten).
ERC–CatSíc = Wahlbündnis der ERC mit kleineren Parteien. 2015 trat die ERC mit der CDC (Vorgängerorganisation der PDeCat) im Wahlbündnis JxSí an.
Catalunya en Comú–Podem = Vergleichswert 2015: Wahlbündnis CSP
CUP-CC = Wahlbündnis der CUP mit kleineren Parteien

update am 22.12., 8.00 Uhr

Salt, Catalunya

2. Oktober 2017

Wer spanisch lernen will, muss seit gestern eine neue Vokabel lernen: Den Superlativ von dumm: Rajoy. Oder auch rajoyen als Verb für: Etwas starrköpfig vor die Wand fahren. Es geht um das Unabhängigkeitsreferendum in Katalonien. Neben den verstörenden Bildern aus dem Nordosten des iberischen Halbinsel, die der spanische Ministerpräsident Mariano Rajoy produziert hat und die ihn sein ohnehin brüchiges Amt kosten werden, ist das Votum der Teilnehmer am Referendem mehr als eindeutig. 90 % sind für die Loslösung Kataloniens von Spanien. In Lingens Partnerstadt Salt etwa stimmten 93,4 % der Teilnehmer am Referendum für „die Unabhängigkeit“ Kataloniens. Doch gut 5.400 Si-Stimmen bei 30.000 Einwohnern sind so überragend auch nicht.

Da liegt ein großer, formaler Schwachpunkt des Referendums. Es gibt kein Quorum. Gleichgültig wie hoch die Teilnehmerzahl ist, das Ergebnis soll gelten. Hätten die Mannen um Rajoy nicht  deshalb eher gelassen auf den Ausgang der Abstimmung warten können? Hat er nicht, und jetzt hat er die blutigen Bilder, die zu Hass führen und die ihn sein Amt kosten werden.

Man fragt mich nicht, aber ist im Europa des Jahres 2017 tatsächlich der von den Katalnen eingeschlagene Weg in den Nationalismus a) richtig und b) alternativlos?

Städtepartnerschaften

29. September 2017

Jede -öffentliche wie nichtöffentliche- Ratssitzung endet mit dem Tagesordnungspunkt „Anfragen und Anregungen. Gestern habe ich im Lingener Rat unter diesem Top das Wort ergriffen, weil mich der zunehmende Nationalismus umtreibt. Meine Rede zum Nachlesen:

„(Anrede)
ich melde mich mit einer Anregung. …
Gestatten Sie mir, dass ich ein klein wenig aushole. Es geht um unsere Städtepartnerschaften. Dazu möchte ich zuerst unterstreichen, dass es seit der ersten Städtepartnerschaft im Jahre 1981 mit der englischen Stadt Burton-upon-Trent inzwischen fünf Städtepartnerschaften und –freundschaften gibt.
Nach Burton-upon-Trent bzw. East Staffordshire sind dies
seit 1993 das polnische Bielawa bzw. Langenbielau (Niederschlesien),
dann nach Jahren guter und effektiver Zusammenarbeit seit 1996 offiziell Marienberg (Sachsen), Salt (Katalonien, Spanien), seit 1998 und in Frankreich Elbeuf (Normandie), seit 12 Jahren, also seit 2004. Man sollte auch nicht das kleine ukrainische Juskowzy vergessen, mit dem wir allerdings keine formelle Partnerschaft haben.

Ich weiß nicht, wie Sie, liebe Kolleginnen und Kollegen, es empfinden. Aber ich habe in den vergangenen Jahren zunehmend den Eindruck gewonnen, dass es immer mehr Rituale sind, die diese Städtepartnerschaften ausmachen. Es gibt wenig Neues bzw. wenig neue Begegnungen. Es gibt zu wenig Austausch.

Bei dem insgesamt guten Besuch des Rates in Bielawa vor zwei Monaten ist das sehr greifbar geworden. Ein wirklicher Meinungsaustausch hat leider nicht stattgefunden. Wir haben bereits in der letzten Ratssitzung darüber gesprochen, wie wir das aufnehmen.

Dies vorausgeschickt ergibt sich jenseits der Partnerschaftsrituale Handlungsbedarf, um sich intensiver kulturell und wirtschaftlich auszutauschen. Unsere kommunalen Partnerschaften sollten als Plattform genutzt werden, um Demokratisierungsprozesse, das Eintreten für Toleranz und Menschenrechte, für kulturelle Vielfalt und europäisches Denken und Handeln zu unterstützen.

Ich rege dazu an, in den Gremien des Rates offen zu diskutieren, wie sich dies trotz der Rituale verwirklichen lässt. Der Grund für meinen Vorschlag ist die Entwicklung in letzter Zeit, die uns allen bekannt geworden ist:

In Salt gibt es einen zunehmenden Nationalismus, mit dem die Kommune die Bewegung für ein eigenes Katalonien unterstützt.
In Burton-upon-Trent bzw. East Staffordshire haben im Frühjahr 2017 mehr als 60% der Abstimmungsberechtigten für den Brexit gestimmt, also auch für eine antieuropäische, nationalistische Position.
In Bielawa hat die nationalistische PiS-Partei maßgeblichen Einfluss und den Bürgermeister gewählt.. Sie entzog sich sogar –sagen wir –“protokollarischen Treffen“ mit uns „wegen unaufschiebbarer Termine“.
Und schließlich haben am vergangenen Wochenende bei den Bundestagswahlen in der Partnerstadt Marienberg 30 % der Wählerinnen und Wähler für die rechte, nationalistische AfD gestimmt.

All diese nationalistischen Entwicklungen machen Grund zur Sorge. Denn es war der Nationalismus in Europa, der in unserem Kontinent Jahrhunderte Krieg und Elend schuf. Wem es also um den Frieden in Eruopa geht, der muss gegen Nationalismus aufstehen. Das gilt auch für uns als Kommune.

Meine Bitte ist, offen und ehrlich ein Fazit von fast 40 Jahren Städtepartnerschaften zu ziehen und darüber hier im Rat sowie außerhalb in den Parteien und Gruppen zu diskutieren, wie wir weitermachen, was wir ändern und was wir neu und besser machen müssen, um „Europe first“ auf eine Weise zu befördern, die uns einander annähern lässt, anstelle uns voneinander wegzubewegen.

Ich danke für Ihre Aufmerksamkeit.“

Dieses Frühlingswochenende wäre perfekt für eine Reise in Lingens katalonisch Partnerstadt Salt gewesen. Die 30.000-Einwohner-Stadt – nur 6 km vom Flughafen Girona entfernt gelegen – ist mit dem irischen Billigflieger in rund 2 Stunden von Weetze am Niederrhein zu erreichen, und heute feiert Salt -wie ganz Katalonien – den Diada de Sant Jordi. Das Warum und das Was erklärt das katalonische Touristenbüro so:

„Am 23.4.303 starb der Ritter Sant Jordi im Nahen Osten den Märtyrertod. Bevor es so weit kam, hatte er gerade noch rechtzeitig das katalanische Dorf Montblanc erreicht, um eine schöne Prinzessin vor einem Drachen zu retten, der seit Jahren immer neue Menschenopfer forderte. Als St. Jordi dem Ungeheuer seine Lanze ins Herz stieß, schoß ein Blutschwall zur Erde, aus dem sofort ein wunderschöner Rosenbaum wuchs. St. Jordi schenkte der Prinzessin eine Rose, lehnte eine Hochzeit dankend ab und ritt seiner letzten Bestimmung entgegen. Aus diesem Grund werden schon seit dem 15. Jahrhundert in Katalonien am 23. April Rosenfeste zu Ehren der Liebenden gefeiert und auch im 21. Jahrhundert füllen sich an diesem Tag die Straßen der Städte mit Blumenständen. Nach aktuellen Berechnungen machen katalanische Blumenhändler 40% ihres Jahresumsatzes am 23. April.

„Das wäre doch mal was..“ dachten sich die katalanischen Buchhändler, die einfach etwas cleverer sind als viele ihrer ausländischen Kollegen. Doch diese Sichtweise wird vermutlich der schicksalhaften Größe und Tragweite der Ereignisse nicht gerecht. Wir erinnern uns: Am 23.4.1616 stirbt Miguel de Cervantes Saavedra und am 23.4.1616 stirbt William Shakespeare. Ein erstaunliches Zusammentreffen, das umso erstaunlicher wird, wenn man bedenkt, dass Cervantes 10 Tage vor Shakespeare starb. Dass der Todestag beider auf einem 23.4 zusammenfallen konnte, ist der Tatsache geschuldet, dass zu jener Zeit in Großbritannien noch der julianische Kalender galt, während in Spanien bereits der gregorianische Kalender etabliert war. Kurz und gut, die beiden absoluten Shooting-Stars der Weltliteratur des 17. Jahrhunderts verstarben beide an einem 23. April.

Gute 300 Jahre später nahm man diese merkwürdige Fügung des Schicksals zum Anlass, am 23. April den Tag des Buches zu feiern. Damit wurde endlich zusammengebracht, was seit jeher zusammengehört: Rosen und Bücher, Liebe und Literatur. Ab den 1920er Jahren des letzten Jahrhunderts kam es somit zu einer kulturellen Umwälzung in der Feiertagstradition der Diada de Sant Jordi: Während die Männer seit jeher den Frauen zu diesem Anlass Rosen geschenkt hatten, wurde es nun ein ebenso fester Brauch, dass die Frauen den Männern an diesem Tag Bücher schenkten. Im Jahr 1995 ernannte die UNESCO auf eine katalanische Initiative hin den 23. April zum Welttag des Buches und ließ die Welt somit zumindest an einem Teil dieses katalanischen Vergnügens Anteil haben.“

Apropos Partnerstadt. Ich höre, dass es personelle Probleme in der Deutsch-Hispanischen Gesellschaft in Lingen geben soll. Es wäre schade, wenn sich die Gesellschaft deshalb auflöst…

(Fotos vom heutigen Diada de Sant Jordi: Oben Jordi Viñas Xifra überreicht Rosen im Altersheim; unten Viel Betrieb auf dem offenen Büchermarkt in Salt)

Fiesta Mayor

7. Juni 2016

Filmabend Team75
Fiesta Mayor – Salt 2015
Lingen (Ems) – Centralkino
Do 9. Juni – 20 Uhr

Eintritt frei
84px-Escut_de_Salt.svgSeit 1998 pflegt Lingen eine Städtepartnerschaft mit der Stadt Salt in Katalonien, Spanien. Im Juli 2015 veranstaltete die DHG (Deutsch-Hispanische Gesellschaft, Lingen) eine Bürgerreise nach Salt. Anlass war die Fiesta Mayor. – Auch Kivelinge der Sektion „Schreckensteiner“ waren nach Salt gefahren.
Ein solches Fest findet jährlich in vielen Orten Kataloniens statt und zwar am Tag des Pfarrpatrons. In Salt ist das „Sant Cugat“. Es veranstalten mehrere Vereine des Ortes einen spektakulären Umzug durch die Stadt.- Es sind dies die Gegantes, Riesenfiguren, begleitet von den Cabezudos, den Schwellköpfen, und den Correfocs, den Feuerteufeln; diese speien Feuer und schießen Feuerwerkskörper ab. Sie werden von einer Gruppe von Trommlern begleitet, die mit viel Temperament tanzend und springend durch die Straßen ziehen. Eine weitere Gruppe sind die Castellers, sie bauen Menschentürme mit bis zu 8 „Stockwerken“.- Auch aus den Nachbargemeinden werden die entsprechenden Vereine eingeladen.
Die Feuerteufel traten übrigens feuerspeiend am Freitag den 6. Mai vor dem Theater und am Samstag, dem 7. Mai auf dem Marktplatz vor der Laserschau anlässlich des 150-jährigen Bestehens der Freiwilligen Feuerwehr in Lingen auf. Ihre Feuerwerkskörper durften sie übrigens im Flugzeug nicht mitnehmen…
Die Ereignisse bei der Fiesta Mayor in Salt im vergangenen Juli 2015 wurden von Mitgliedern des Team75, den Lingener Filmamateuren, aufgezeichnet. Hier ein Video der „Konkurrenz“ TVSalt.

Salt resultats

21. Dezember 2015

Spanien hat gewählt, also auch Lingens katalonische Partnerstadt Salt. Hier die Resultate und ein Link zum Bessersehen. Salt wählte mehrheitlich links. Die Resultate der Provinz Girona finden sich hier, die der Region Catalunya hier und die Geamtergebnisse aus Spanien hier.

Stärkste Kraft in Salt wurde EN COMU, also vereinfacht gesagt das katalonische Bündnis der neuen Linkspartei Podemos mit der traditionellen Linkspartei IU [mehr…], dicht gefolgt von ER CATSI, der mit  mit der kleinen Catalunya Sí verbundenen republikanischen katalonischen Regionalpartei (18,9%) sowie der sozialdemokratischen PSC mit 18,7 %. Vierstärkste Kraft wurde mit 17,8 % das Wahlbündnis Democràcia i Llibertat (DL). Die im Vorfeld in manchen Umfragen landesweit bereits zum Gewinner deklarierten rechtsliberalen Ciudados (C’s),  die katalonischen Unabhängigkeitsbestrebungen ablehnt, kam mit 11,9% in der Partnerstadt auf Platz 5, überflügelte damit aber die Regierungspartei PP von Ministerpräsident Mariano Rajoy, die nur noch rund 9,3% erreichte, etwas mehr als halb so viel wie vor vier Jahren.

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Bürgernähe

14. Juni 2015

VinasBgmEs hat tatsächlich den prognostizierten Wachwechsel gegeben: Die 30.000 Einwohner im katalonischen Salt haben einen neuen Bürgermeister. Der vor drei Wochen neugewählte, 21köpfige Stadtrat der Partnerstadt Lingens wählte am Samstagmittag Jordi Viñas mit 12 Stimmen – das war die absolute Mehrheit und sogar „eine mehr über den Durst“; denn neben den fünf Stimmen der Koaltion aus der eigenen Esquerra Republicana de Catalunya (ERC), denen der PSC (3) und von IpS-CUP (3) wählte auch das Ratsmitglied von Canviem Salt („Salt verändern!“) den Kandidaten. Der bisherige, konservativ-nationalistische Amtsinhaber Jaume Torramadé wurde damit abgewählt. Er saß mit versteinerter Miene direkt neben der gläsernen Wahlurne.

Der Saal im Rathaus von Salt war bei der Bürgermeisterwahl übrigens völlig überfüllt und viele Einwohner standen draußen. Lokale Aktivisten der PAH, der Vereinigung der Betroffenen der Hypothekenkrise, demonstrierten für ihre Rechte und zeigten sich empört, dass die ersten Reihen des Ratssaales bereits mit Verwandten von CiU-Ratsmitgliedern und Bekannten der bisherigen Bürgermeisterpartei CiU besetzt waren, als sich die Türen auch für sie öffneten.

PAHSaltSie hielten „Menschenrechte“-Plakate in die Höhe und  kommentierten die Wahl des neuen Bürgermeisters anschließend: „Wir sind sehr glücklich, Ihnen mitteilen zu können, dass Jaume Torramadé von der CiU nicht mehr Bürgermeister von Salt ist und dass die neue Ratshauskoalition jetzt mit Fakten beweisen kann, dass sie vor allem soziale Rechte und Menschenrechte verteidigt“.

Jordi Viñas, übrigens als Republikaner kein Anhänger der spanischen Monarchie, hat angekündigt, nicht wie bisher die Entscheidungen zu treffen, sondern diese Art der Führung durch ständige Gespräche mit den Parteien der neuen, linken Formation im Rathaus von Salt zu ersetzen. Er bot „Dialog und Konsens“ an, verpflichtete sich, das öffentliche Interesse der Stadt Salz vor alles andere zu setzen, und er versprach „transparència i proximitat“

Das übersetze ich mit „Offenheit und Bürgernähe“. Na, bitte!

[Fotos: oben Jordi Viñas (lks.) erhält den Amtsstab aus der Hand von Alterspräsident Joseph Valenti (re.), via Ajuntament de Salt; unten: Proteste der PAH; via FB]

Bürgermeisterwechsel

11. Juni 2015

In Lingens Partnerstadt Salt in der autonomen Region Katalonien dürfte es bald einen neuen Bürgermeister geben. Denn der bisherige, konservative Amtsinhaber Jaume Torramadé  steht nach acht Jahren vor der Abwahl, nachdem seine CiU deutlich Stimmen bei der Kommunalwahlen vom 24. Mai einbüßte und die Wahlgewinner von der unabhängigen katalanische ERC, nicht davon überzeugen konnte, sich die Macht zu teilen und den Bürgermeister je zwei Jahre durch CiU und ERC zu stellen. Es zeichnet sich nämlich jetzt ab, dass die ERC mit Frontmann Jordi Viñas (5 Sitze), die katalanischen Sozialisten um Iolanda Pineda (3) und die lokale, linkskritische IpS-CUP („Independents per Salt-Candidatura d’Unitat Popular„) mit Spitzenkandidat Ferran Burch (3) eine „gemeinsame starke Stadtregierung“ bilden wollen. Zusammen verfügen die drei Parteien über 11 der 21 Ratsvertreter und damit über die absolute Mehrheit. Das erste Ziel: Sie wollen gemeinsam einen linken Bürgermeister wählen und das wird Jordi Viñas (Foto) sein.

Nach zwei Wochen politischer Verhandlungen hat ERC, sagte Viñas, die absolute Mehrheit gesichert und man habe miot PSC und IPS-CUP ein Programm formuliert „für eine Regierungsmannschaft mit dem notwendigen Minimum von elf Stadträten“.

Iolanda Pineda kündigte an, dass die neue Dreiparteien-Koalition aus drei Partnern  Jordi Viñas (ERC) zum Bürgermeister wählen will. „Bei so vielen Gruppen im Stadtrat wird es eine starke Regierung und eine stabile Mehrheit geben“, sagt Bürgermeisterkandidat Jordi Viñas. Die Mitgliederversammlungen von PSC, IpS-CUP und ERC haben die Ergebnisse der dreiwöchigen Verhandlungen jedenfalls gebilligt.

Gewählt wird der neue Bürgermeister am morgigen Samstag um 12 Uhr im Rathaus von Salt.

Jordi Viñas

26. Mai 2015

Saltresultate15Es gibt Neues aus unserer Partnerstadt. Am Sonntag hat nämlich Spanien in 13 der 17 autonomen Regionen die regionale Regierung gewählt und in über 8.000 Ortschaften die Gemeinderäte, darunter auch in der Lingener Partnerstadt Salt, eine der am dichtesten besiedelten Gemeinden der „Comarca Gironès“ im nördlichen Katalonien. Deren kommunales Problem liegt seit Jahren in der hohen Zahl von Migranten.

Bei der Kommunalwahl in Salt kam es wie überall in Spanien zu einem Linksruck – begleitet von einem katastrophalen Abschneiden der traditionellen Parteien. Die spanische Regierungspartei PP war in Salt immer schon nur schwach vertreten; am Sonntag hat nun auch ihr letzter Vertreter seinen Sitz eingebüßt; er kam nur auf rund 4% der Stimmen.

Auch die CiU, bisher stärkste Partei und eine katalanische Parteienspezialität, hat heftig Federn lassen müssen. Die CiU mit Bürgermeister Jaume Torramadé an der Spitze hat ihre prägende Stellung wohl verloren, bleibt aber trotz eines Verlustes von 847 Stimmen und damit von rund 10% aller Wähler mit insgesamt 6 Ratsmitgliedern (-3) gerade noch stärkste Gruppe im Stadtrat.

Große Verliererin ist ebenfalls die sozialdemokratische PSC mit ihrer Spitzenfrau Iolanda Pineda. Die PSC bekam nur noch 1131 Stimmen (-700) und damit letztlich noch etwa ein Drittel der Stimmen wie bei den vorletzten Kommunalwahlen 2007, als sie noch rund 3000 Wähler von sich überzeugen konnte. Die Folge: Nur 3 Sitze hat die einst so stolze PSC noch im 21-köpfigen Gemeinderat von Salt.

Neue Kraft ist dort die ERC Salt. Sie verfünffachte ihre Stimmen und kam so auf 5 Mandate. Bei  der letzten Kommunalwahl 2011 hatte die Regionalpartei ihre beiden Sitze eingebüßt, die sie 2007 errungen hatte. Ihr Spitzenmann Jordi Viñas (Foto) könnte also neuer Bürgermeister („Alcalde“) werden, falls er informell oder als Koalition neben seiner ERC, die Ratsvertreter der PSC, von IPS und vielleicht noch den Kandidaten der Wählergemeinschaft Canviem Salt („Veränderung Salt“) in’s Boot holt. Die Unabhängigen für Salt (IPS) haben sich am Sonntag um 2 % (+1 Sitz) verbessert und nun drei Vertreter im Gemeinderat.

Insgesamt ist der Gemeinderat in Salt aber mit sieben unterschiedlichen Gruppierungen bei 21 Mandaten reichlich zersplittert, und das verspricht nicht nur eine spannende Bürgermeisterwahl sondern auch lebhafte kommunalpolitische Diskussionen in den nächsten vier Jahren.