vergessen

17. November 2016

Das regionale Fußballportal KEI: schreibt: „Der traditionsreiche, 106 Jahre alte TuS Lingen steht vor dem Aus. Der älteste Ballsportverein des Emslandes befindet sich seit Ende vergangener Saison in einer tiefen Krise, als die Verantwortlichen nach dem unverhofften Absprung von zwei Großsponsoren das Handtuch warfen. Die erste Mannschaft stürzte von der Oberliga in die 2. Kreisklasse. Seither läuft ein Insolvenzverfahren, das der TuS selbst beantragt hat, um zu überleben. Die Verbindlichkeiten zu bedienen, um so die Insolvenz wieder aufzuheben und den TuS zu erhalten, war das Ziel des neuen Vorstandsteams um den im Juli gewählten jungen Vorsitzenden Marcel Eilermann.

Tus_LingenDass es jetzt offenbar nicht zur geplanten Sanierung kommt, liegt an behördlichen Forderungen. So hat die Stadt Lingen Ende Oktober rund 50.000,- Euro als Insolvenzforderung gegen den TuS angemeldet. Dabei hatte noch Anfang September –so TuS-Kreise gegenüber KEI- ein hochrangiger Vertreter der Stadt bei einem Gespräch bestätigt, mit Ausnahme von etwa 5.000,- Euro an Energiekosten habe die Stadt keine Forderungen. „Für uns ist das Vorgehen ein Rätsel“, heißt es aus Kreisen des ehrenamtlich tätigen Vorstandes. Die Forderungsanmeldung sei in keinem städtischen Ausschuss angesprochen worden.

Auch das Hauptzollamt und das Finanzamt verlangen Geld in sechsstelliger Höhe. Vorgeworfen wird dem Verein, Aufwandspauschalen an Kilometergeld falsch abgerechnet zu haben. Dazu sagte der KEI-Gesprächspartner, man habe erhebliche Zweifel an den Behauptungen der Behörden. Diese verweigerten Einsicht in die Akten und hätten zuletzt in der vergangenen Woche dem Rechtsanwalt des TuS die Teilnahme an einer Besprechung im Büro des Insolvenzverwalters verweigert. Man werde mit einer sechsstelligen Forderung konfrontiert, deren Berechtigung zumindest nicht belegt sei. Insbesondere das Hauptzollamt fordere Geld aufgrund nicht nachprüfbarer Behauptungen und kündige langwierige Ermittlungen an, wenn der TuS nicht zahle.

„Wir können aber unseren Verein nicht so lange unter den ausgesprochen sport- und ehrenamtsfeindlichen Bedingungen des Insolvenzverfahrens führen. Wir können und wollen auch keinen sechsstelligen Betrag zahlen“, sagte ein Vereinsvertreter zu KEI. Ohne die neuen Forderungen wäre voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres eine Lösung gefunden und das Insolvenzverfahren beendet worden. Geld habe zur Verfügung gestanden, um den Gläubigern eine ordentliche Quote von bis zu 40% anzubieten. „Wir waren auf einem richtig guten Weg.“

Der scheint jetzt zu Ende. Wie KEI erfuhr, wird inzwischen hinter den Kulissen fieberhaft an der Gründung eines neuen Vereins (Arbeitstitel: FC Lingen) gearbeitet. „Wir wollen, dass unsere Kids weiter Fußball spielen können!“, hieß es am Mittwochabend und weiter: „Der neue Fußballclub soll ein attraktiver Stadtverein sein!“. Dieser neue Verein möchte auch künftig das Emslandstadion als Spielstätte nutzen.“

Der Pressemitteilungsbeitrag von Lingens OB Dieter Krone zum Thema scheint geradezu seltsam: Der TuS Lingen habe der Stadt Lingen in dieser Woche mitgeteilt, dass sich der Verein zum Ende des Jahres auflösen wird, ließ er aus dem Rathaus erklären, ohne die Erklärung mit den verantwortlichen Ehrenamtlichen abzustimmen. Und dann diese Sprechblase: .„Es ist unser Ziel, die Kräfte im Bereich des Spitzenfußballs zu bündeln. Insofern möchten wir in den nächsten Wochen alle Vereine zu einem ´Runden Tisch` einladen und gemeinsam ergründen, in welcher Form ein ´FC Lingen` realisierbar sein kann“. Jeder Fußballer in Lingen weiß, dass dies auf nicht absehbare Zeit nicht der Fall sein wird. Schon Krones Vorgänger und Fußballfreund Heiner Pott hatte vor 10 Jahren ebenso vergeblich eine Fusion angestrebt wie der ehemalige TuS-Vorsiotzende Heinrich Essmann vor 20 Jahren.

Die Mitteilung des Lingener OB, dass sich der TuS Lingen zum Ende des Jahres 2016 auflösen wird, enthielt zudem eine dicke Lücke. OB Krone verschwieg nämlich, dass die bisherigen TuS-Verantwortlichen an dem Nachfolgeverein arbeiten, der als FC Lingen starten soll, wie sie bei Gesprächen im Rathaus sagten. Der TuS Lingen verschwindet also keineswegs  sang- und klanglos. Sein Nachfolger führt die sportlichen Verpflichtungen weiter -insbesondere die Spielgemeinschaften mit dem VfB Lingen. Davon berichtet die Presseerklärung des OB nichts, di er eilig verbreiten ließ, weil er neidisch auf den Namen FC Lingen ist, den sich der TuS-Nachfolger geben will. Wegen Krones PM-Lücke läuteten bei den TuS-Sportlern gestern jedenfalls ununterbrochen die Telefone und Lingener Konkurrenzvereine wollten Spieler überreden, zu ihnen zu wechseln. „Das ist ein unmögliches Vorgehen.“ habe ich das Verhalten des OB  der Lokalzeitung gegenüber kommentiert.

OB Krone hat noch mehr vergessen: Bis zum Mai gab es mit dem TuS Lingen einen Verein, der im Bereich des Spitzen-Amateurfußballs spielte: Zuletzt in der Oberliga Niedersachsen – eine Klasse unter dem SV Meppen. Hätte die Stadt vor fünf Monaten eine Ausfallbürgschaft übernommen, wäre dies auch so geblieben. Mein Fazit: OB Krone zählt offenbar nicht zu den großen Fußballexperten der Region.

Der noch amtierende TuS-Vorstand, der auch dem neuen Verein vorstehen wird, informierte gestern Abend zunächst die Eltern der spielenden Jugendmannschaften und dann die Spieler der „Ersten Senioren“. Mein Eindruck: Alle ziehen mit.

Für Donnerstagabend ist zu einer Pressekonferenz eingeladen.

(Quelle: KEI-Fußball, eigene Recherchen)

5 Antworten to “vergessen”

  1. K. Bendig said

    Warum sollte die Stadt eine Ausfallbürgschaft übernehmen?
    Alle anderen Vereine in Lingen überleben ohne Finanzspritzen der Stadt Lingen. Und damals einige zehntausend Euros für Jugendarbeit zu bekommen wobei der TuS keine eigene Jugendarbeit hat sondern das Geld für die miserable Erste Senioren zu nutzen ist auch eine Sache die kein Lingener Verein akzeptiert hat.

    Richtig ist es jetzt das der Verein aufgelöst wird.

    Jeden ordentlichen Fußballer in Lingen freut diese Nachricht.

    • Dazu drei Dinge, weil sie im Posting falsch sind.
      1) Kein Verein überlebt ohne Zuschüsse der Stadt.
      2) Der TuS hat „eine eigene Jugendarbeit“ – von den Minis bis zu A-Jugend.
      3) Die Erste Senioren spielte Oberliga. Was daran „miserable“ ist, kann ich nicht erkennen.

      ps Schön wäre es, würden Sie nicht unter einem falschen Namen mit gefakter E-Mailadresse posten.

      • Realist said

        Richtig ist:

        zu 1) Andere Vereine konnten mit deutlich weniger Zuschüssen besser wirtschaften
        zu 2) Die Jugendarbeit wird jetzt nur hervorgehoben um wieder an frisches Geld zu kommen
        zu 3) Das verprasste Geld wurde in der Vergangenheit für die ERSTE verbrannt und sicher nicht in der Jugend

        Das hier wieder Lingener Bürger mit Steuergeldern herhalten kann es doch wirklich nicht sein!

  2. Es gibt eine gesund gewachsene Ablehnung dem TuS Lingen gegenüber, die sich nicht mehr abbauen ließ. Gesund gewachsen? Trotz vieler positiver Veränderungen und Entwicklungen beim TuS hielten gerade Mitglieder anderer Stadtvereine hartnäckig an ihren Vorurteilen fest und kolportierten viel Unsinn durch die Jahre. Wann immer der TuS mit positiven Nachrichten aufwartete, man glaubte dem Verein nicht und hakte alles als „teuer fremdeingekauft“ ab.

    Besonders ärgerlich war das, weil die ehrenamtlichen Kräfte in jüngster Zeit vor allem den Kindern Fußball als ein tolles Gemeinschaftserlebnis vermitteln konnten. Mit ganz viel Arbeit und Herzblut. Die TuS-Kinder und -Jugendlichen sind keine gecastete Elitetruppe, keine „rich Kids“, sondern einfach Kinder und Jugendliche; große und kleine, laute und stille, talentierte und weniger talentierte, welche mit und ohne Migrationshintergrund, welche die gut, andere die weniger gut in der Schule sind. Ganz normale Kinder und Jugendliche. Nur halt nicht so viele wie in Darme oder Laxten. Wofür die Kinder und Jugendlichen und ihre ehrenamtlichen Betreuer nun nix können. Allen von ihnen ist eines gemeinsam: Spaß am Fußball. Dafür wiederum können die ehrenamtlichen Kräfte etwas; dafür haben sie schließlich ihre Zeit und Kraft aufgebracht.

    Weil aber über ihrer Arbeit das Label TuS Lingen klebt, muss man sie ablehnen; soweit ist man sich in Lingen ortsvereinig. Differenzierte Sicht- und Herangehensweise leider Fehlanzeige.

    Natürlich sind es Fehler der Vergangenheit, die zu dieser Situation geführt haben, aber: Wenn jemand seine Fehler ausbügelt, dann sollte man ihn nicht auf ewig dafür verurteilen. Das Ende des TuS ist unausweichlich. Dem Neuanfang wünsche ich persönlich auch einen Neuanfang im Umgang miteinander; denn der war bis hierher alles andere als sportlich …

  3. Tiger,T said

    Statt TuS Reuschberge kommt RB Lingen!

    Essmann zahlt und gründet.

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