Grenzsituationen

2. Dezember 2017

Ich bin mir sicher: Dieser Fehler hätte angesichts der SV-Meppen-Affinität auch hier in unseren Emsland-NOZ-Ausgaben erscheinen können. Apropos veröffentlichen: Vor 10 Tagen ist eine der großen Unternehmerpersönlichkeiten der Region an Ems und Vechte verstorben: Heinrich Essmann, der ein riesiges Getänkeunternehmen aufgebaut hat und nebenan die Oberligatruppe des TuS Lingen 1910 eV sponserte. Bis jetzt hielt es die NOZ nicht für nötig. einen Nachruf zu veröffentlichen, obwohl sie sonst einen Liveticker über den Männergrippe-Verlauf beim stellvertretenden Platzwart des SV Meppen anbietet. Diese Blätter aus Lingen, Meppen und Papenburg sind und bleiben mir ein Rätsel.

Heinrich Essmann gestorben

22. November 2017

Wie am späten Abend bekannt wurde, verstarb heute der Lingener Unternehmer und Mäzen Heinrich „Heini“ Essmann unerwartet und plötzlich im Alter von 78 Jahren. Mit ihm verlieren Wirtschaft, Kultur und Sport im Emsland einen profilierten Firmenchef und Förderer.

Über lange Jahre seiner aktiven Unternehmertätigkeit hat sich Heinrich Essmann für die Belange der Fußballabteilung des TuS Lingen eingesetzt. Auch nach der Auflösung des Lingener Traditionsvereins setzte sich Essmann, obgleich er als Ehrenpräsident auch kritische Töne äußerte, für den Nachfolgeclub RasenBallsport (RB) Lingen ein. Essmann selbst hatte den Namensvorschlag, in Anlehnung an den Bundesligisten RB Leipzig, eingebracht und den Start des RBL als Hauptsponsor gefördert. Nachdem er für den TuS Lingen als Sponsor, langjähriger Vorsitzender und zuletzt Ehrenvorsitzender aktiv war, trat er auch dem Beirat des RBL bei.

Zusammen mit seiner Frau Eva förderte Heinrich Essmann auch über seine „Essmann Stiftung“ den Sport und im besonderen den Fußball sowie die Jugendarbeit des TuS Lingen bzw. RB Lingen. Darüber hinaus unterstützte die Familie Essmann zahlreiche gemeinnützige Projekte in Lingen und der Region.

Die Stadt Lingen und die Fußballregion verliert einen charismatisch Förderer und Gönner. Der Familie Essmann und allen Freunden wünschen wir viel Kraft.

(übernommen von KEI Fussball; Foto: ©KEI Fussball)

RB Lingen

22. November 2016

Gestern Abend wurde im Kolpinghaus an der Lingener Burgstraße ein neues Kapitel des Fußballs in der größten Stadt an Ems und Vechte eröffnet. 15 Fußballenthusiasten gründeten mit „Rasenballsport Lingen“ (kurz: „RB Lingen“) den Nachfolgeverein des in Insolvenz befindlichen TuS Lingen 1910 eV.  Der Vorschlag zu dem nicht gewöhnlichen Namen kam vom langjährigen TuS-Vorsitzenden Heinrich Essmann, und nach kurzer Debatte wurde seine Empfehlung einstimmig angenommen. Keine Frage: Der Name RB wird Aufmerksamkeit hervorrufen, kontrovers diskutiert werden und zu manch neidischer Aufregung führen.

Das Fußball-Internetportal KEI berichtete noch gestern exklusiv über die Gründungsversammlung:

„Die Tage des TuS Lingen, das teilte der Vorstand bereits in der letzten Woche mit (KEI berichtete), sind gezählt! Doch die Verantwortlichen verständigten sich auf die Gründung eines neuen Vereins, der nicht nur an die lange Tradition anknüpfen, sondern auch die Spielrechte des TuS Lingen übernehmen soll.

rblingenDer Name dürfte dabei für viele Fans eine echte Überraschung sein. Anders als bisher angenommen, wird der neue Club nicht „FC Lingen“ heißen, sondern trägt den Namen „RB Lingen“! „Ein Vorschlag auf Initiative unseres Ehrenvorsitzenden und Hauptsponsors“, verriet Marcel Eilermann. Der aktuelle Vorsitzende des TuS Lingen wurde zusammen mit Michaela Bauer (2. Vorsitzende), Yvonne Fieker-Hinzkowski (Kassenwartin und Jugendwartin), Steffi Gerdelmann (Schriftührerin) sowie Markus Meer (Sportlicher Leiter Senioren) durch die Gründungsversammlung in einer, wie es heißt, sehr harmonischen Abstimmung gewählt. Zuvor hatte es zur Aussprache und Beschlussfassung über die Vereinssatzung ebenfalls ausschließlich Ja-Stimmen gegeben.

Ob „RB Lingen“ auch weiterhin seine derzeitigen Spielrechte wahrnehmen darf, liegt nun in den Händen der Zulassungskommission des Niedersächsischen Fußball-Verbandes (NFV). „Es wartet viel Arbeit auf uns, aber wir freuen uns auf die Aufgabe und die Herausforderungen. Mit dem NFV und den Vertretern im Emsland sind wir in intensiven Gesprächen und optimistisch“, teilte Eilermann mit. „RB Lingen ist ein Club für ganz Lingen“, zitierte der neue Vorsitzende die neue Präambel gegenüber KEI. Als Mitgründer unterzeichnete auch der frühere TuS Vorsitzende und langjährige Ehrenvorsitzende Heinrich Essmann am Montagabend die Gründungsurkunde des neuen Clubs im Lingener Kolpinghaus (Foto).

Lingens Vorstand machte deutlich, dass der neue Verein, der wie sein Vorgänger in Rot-Gelb auflaufen werde, unbelastet in die Zukunft gehe und auch die viele Sponsoren erhalten blieben. Neu ist hingegen ein ständiger Beirat, der den RB-Vorstand in seiner Arbeit zu beraten und zu unterstützen, aber auch, z.B. in der Kassenführung, kontrollieren soll. „Wir müssen auch Vertrauen aufbauen“, so Eilermann.

Auf Unverständnis stieß eine Ankündigung der Lingener Stadtverwaltung, die die Nutzung des Emslandstadions in Frage stelle. „Wir hoffen sehr“, so Eilermann abschließend, „dass wir auch weiterhin im Emslandstadion zuhause sind“.“

(Fotomontage): mit Dank an © KEI-Fußball; kleines Foto CC BY 2.0 DE RB Lingen: Heinrich Essmann unterzeichnet die RB-Gründungssatzung;)

vergessen

17. November 2016

Das regionale Fußballportal KEI: schreibt: „Der traditionsreiche, 106 Jahre alte TuS Lingen steht vor dem Aus. Der älteste Ballsportverein des Emslandes befindet sich seit Ende vergangener Saison in einer tiefen Krise, als die Verantwortlichen nach dem unverhofften Absprung von zwei Großsponsoren das Handtuch warfen. Die erste Mannschaft stürzte von der Oberliga in die 2. Kreisklasse. Seither läuft ein Insolvenzverfahren, das der TuS selbst beantragt hat, um zu überleben. Die Verbindlichkeiten zu bedienen, um so die Insolvenz wieder aufzuheben und den TuS zu erhalten, war das Ziel des neuen Vorstandsteams um den im Juli gewählten jungen Vorsitzenden Marcel Eilermann.

Tus_LingenDass es jetzt offenbar nicht zur geplanten Sanierung kommt, liegt an behördlichen Forderungen. So hat die Stadt Lingen Ende Oktober rund 50.000,- Euro als Insolvenzforderung gegen den TuS angemeldet. Dabei hatte noch Anfang September –so TuS-Kreise gegenüber KEI- ein hochrangiger Vertreter der Stadt bei einem Gespräch bestätigt, mit Ausnahme von etwa 5.000,- Euro an Energiekosten habe die Stadt keine Forderungen. „Für uns ist das Vorgehen ein Rätsel“, heißt es aus Kreisen des ehrenamtlich tätigen Vorstandes. Die Forderungsanmeldung sei in keinem städtischen Ausschuss angesprochen worden.

Auch das Hauptzollamt und das Finanzamt verlangen Geld in sechsstelliger Höhe. Vorgeworfen wird dem Verein, Aufwandspauschalen an Kilometergeld falsch abgerechnet zu haben. Dazu sagte der KEI-Gesprächspartner, man habe erhebliche Zweifel an den Behauptungen der Behörden. Diese verweigerten Einsicht in die Akten und hätten zuletzt in der vergangenen Woche dem Rechtsanwalt des TuS die Teilnahme an einer Besprechung im Büro des Insolvenzverwalters verweigert. Man werde mit einer sechsstelligen Forderung konfrontiert, deren Berechtigung zumindest nicht belegt sei. Insbesondere das Hauptzollamt fordere Geld aufgrund nicht nachprüfbarer Behauptungen und kündige langwierige Ermittlungen an, wenn der TuS nicht zahle.

„Wir können aber unseren Verein nicht so lange unter den ausgesprochen sport- und ehrenamtsfeindlichen Bedingungen des Insolvenzverfahrens führen. Wir können und wollen auch keinen sechsstelligen Betrag zahlen“, sagte ein Vereinsvertreter zu KEI. Ohne die neuen Forderungen wäre voraussichtlich Anfang des kommenden Jahres eine Lösung gefunden und das Insolvenzverfahren beendet worden. Geld habe zur Verfügung gestanden, um den Gläubigern eine ordentliche Quote von bis zu 40% anzubieten. „Wir waren auf einem richtig guten Weg.“

Der scheint jetzt zu Ende. Wie KEI erfuhr, wird inzwischen hinter den Kulissen fieberhaft an der Gründung eines neuen Vereins (Arbeitstitel: FC Lingen) gearbeitet. „Wir wollen, dass unsere Kids weiter Fußball spielen können!“, hieß es am Mittwochabend und weiter: „Der neue Fußballclub soll ein attraktiver Stadtverein sein!“. Dieser neue Verein möchte auch künftig das Emslandstadion als Spielstätte nutzen.“

Der Pressemitteilungsbeitrag von Lingens OB Dieter Krone zum Thema scheint geradezu seltsam: Der TuS Lingen habe der Stadt Lingen in dieser Woche mitgeteilt, dass sich der Verein zum Ende des Jahres auflösen wird, ließ er aus dem Rathaus erklären, ohne die Erklärung mit den verantwortlichen Ehrenamtlichen abzustimmen. Und dann diese Sprechblase: .„Es ist unser Ziel, die Kräfte im Bereich des Spitzenfußballs zu bündeln. Insofern möchten wir in den nächsten Wochen alle Vereine zu einem ´Runden Tisch` einladen und gemeinsam ergründen, in welcher Form ein ´FC Lingen` realisierbar sein kann“. Jeder Fußballer in Lingen weiß, dass dies auf nicht absehbare Zeit nicht der Fall sein wird. Schon Krones Vorgänger und Fußballfreund Heiner Pott hatte vor 10 Jahren ebenso vergeblich eine Fusion angestrebt wie der ehemalige TuS-Vorsiotzende Heinrich Essmann vor 20 Jahren.

Die Mitteilung des Lingener OB, dass sich der TuS Lingen zum Ende des Jahres 2016 auflösen wird, enthielt zudem eine dicke Lücke. OB Krone verschwieg nämlich, dass die bisherigen TuS-Verantwortlichen an dem Nachfolgeverein arbeiten, der als FC Lingen starten soll, wie sie bei Gesprächen im Rathaus sagten. Der TuS Lingen verschwindet also keineswegs  sang- und klanglos. Sein Nachfolger führt die sportlichen Verpflichtungen weiter -insbesondere die Spielgemeinschaften mit dem VfB Lingen. Davon berichtet die Presseerklärung des OB nichts, di er eilig verbreiten ließ, weil er neidisch auf den Namen FC Lingen ist, den sich der TuS-Nachfolger geben will. Wegen Krones PM-Lücke läuteten bei den TuS-Sportlern gestern jedenfalls ununterbrochen die Telefone und Lingener Konkurrenzvereine wollten Spieler überreden, zu ihnen zu wechseln. „Das ist ein unmögliches Vorgehen.“ habe ich das Verhalten des OB  der Lokalzeitung gegenüber kommentiert.

OB Krone hat noch mehr vergessen: Bis zum Mai gab es mit dem TuS Lingen einen Verein, der im Bereich des Spitzen-Amateurfußballs spielte: Zuletzt in der Oberliga Niedersachsen – eine Klasse unter dem SV Meppen. Hätte die Stadt vor fünf Monaten eine Ausfallbürgschaft übernommen, wäre dies auch so geblieben. Mein Fazit: OB Krone zählt offenbar nicht zu den großen Fußballexperten der Region.

Der noch amtierende TuS-Vorstand, der auch dem neuen Verein vorstehen wird, informierte gestern Abend zunächst die Eltern der spielenden Jugendmannschaften und dann die Spieler der „Ersten Senioren“. Mein Eindruck: Alle ziehen mit.

Für Donnerstagabend ist zu einer Pressekonferenz eingeladen.

(Quelle: KEI-Fußball, eigene Recherchen)

Hometeam

12. Mai 2012

Der TuS Lingen 1910 eV -nach dem MTV Lingen der zweitälteste Sportverein unserer  Stadt- ist nur zwei Jahre nach seinem Hundertjährigen in einer wirklich ernsten Krise angekommen, trotz des engagierten Vorstandes um den Vorsitzenden Klaus Salomon und trotz Heinrich Essmann, der im Hintergrund längst wieder dabei ist. Denn gestern ist die zweite Mannschaft des TuS Lingen in der Rückrunde der 2. Kreisklasse nicht angetreten. Und das gibt Anlass zu mehr als Spekulationen:

Die Bezirksliga-Konkurrenz vom SC Spelle-Venhaus hoffte auf einen Aufstieg am grünen Tisch, lese ich: Denn bereits einmal war die TuS Reserve  in der „2. Kreisklasse Süd“ nicht angetreten. Am 15. April fuhr die Elf, die arg dezimiert längst keine Elf mehr ist und absteigen wird, dann auch nicht zum BV  Clusorth/Bramhar und nun trat sie gestern auch bei Fortuna Beesten nicht an. Dreimal nicht angetreten – eigentlich bedeutet dies das Aus für eine Mannschaft; üblicherweise wird ein solches Team aus dem Punkterennen der jeweiligen Klasse genommen. Die entsprechende Kann-Regel will der verantwortliche Staffelleiter Jürgen Siegert aber hier nicht anwenden. Womöglich wegen der Folgen:

Denn dann nämlich wäre der ersten Mannschaft des TuS Lingen, aktuell auf Platz zwei in der Fußball-Bezirksliga 3 Südwest, der Aufstieg in die Landesliga verwehrt. Die Aufstiegsregeln sind klar. Sie lauten:

„Vereine, die eine Herrenmannschaft zur Teilnahme am Pflichtspielbetrieb der Oberliga, Niedersachsen oder Landesliga melden, werden für diese Spielklassen nur zugelassen, wenn sie mit mindestens einer weiteren Herrenmannschaft in einer unteren Leistungsklasse und einer Juniorenmannschaft in einer der Altersklassen von den A- bis C-Junioren (11er-Mannschaft) im gesamten abgelaufenen und neuen Spieljahr am Pflichtspielbetrieb teilgenommen haben und teilnehmen werden. An die Stelle einer weiteren Herrenmannschaft kann eine weitere Juniorenmannschaft (11er-Mannschaft) in den genannten Altersklassen treten.“

Der TuS Lingen erfüllt diese Voraussetzungen nicht mehr, wenn seine zweite Herrenmannschaft aus dem Kreisklassen-Wettbewerb gestrichen wird. Eine weitere als die Herrenmannschaft in der Bezirksliga gäbe es dann nicht mehr. Auch sonst sieht es nicht gut aus: Die A-Jugend belegt in der Landesliga mit nur sieben Punkten den letzten Platz; seine B-Jugend hatte der Verein bereits vor dem Saisonstart zurückgezogen. Ein C-Junioren-Team hat der TuS Lingen nicht. Die aktiven D, E und F-Mannschaften  reichen nicht.

Die Folge: Der SC Spelle/Venhaus wäre schon vor seinem anstehenden Spiel bei Concordia Emsbüren Bezirksligameister. Er hat ohnehin sieben Punkte Vorsprung vor dem TuS und will die Meisterschaft jetzt morgen in Emsbüren sichern, während der TuS Lingen morgen  Borussia Neuenhaus erwartet.

Doch Staffelleiter Jürgen Siegert (Foto re.) will nicht und der Mann aus Varenrode sagt über seine Entscheidung: „Das ist eine Kann-Bestimmung. Das werden wir nicht machen“. Die Spiele laufen also wie angesetzt weiter, selbst  wenn der TuS Lingen II keine Mannschaft mehr stellen kann.

Die Entwicklung beim TuS Lingen ist kein Einzelfall. Darauf weist die Webseite Nordwestsport.com hin, auf der ich meine Informationen gefunden habe. Auch der  TSV Oldenburg in der Bezirksliga Nordost steckt in einer ähnlichen Situation. Der TSV ist Erster, kann aber nicht aufsteigen. Der Verein hat nur eine C-Junioren, aber keine 2. Mannschaft. Damit hat der VfL Brake die besten Aufstiegschancen.  Und daran knüpfen sich dann bei Nordwestsport.com dargestellte weitere Aufstiegsüberlegungen, die aber so kompliziert sind, dass ich sie nicht wiedergeben will. Sie können sie hier nachlesen.

Im kommenden Jahr bilden übrigens der TuS Lingen und der SV Dalum eine A-Jugendspielgemeinschaft; damit hat der TuS wieder ein A-Jugendteam und irgendwie will man auch eine 2. Herrenmannschaft zusammenbringen. Die darf dann in der 3. Kreisklasse antreten. Das ist eine Liga für Hobbykicker mit großer Freude am Fußballsport, doch ohne besonderen Leistungsanspruch. Für ein ambitioniertes erstes Herrenteam ist eine solche Liga schwerlich ausreichend, braucht man die eigene Reserve doch regelmäßig, um beispielsweise verletzt gewesenen Spieler wieder Spielpraxis zu geben.

Aber das Emslandstadion ohne Hometeam ist für mich wirklich schwer vorstellbar und  auch der SV Holthausen-Biene als zurzeit ranghöchster Lingener Fußballverein hat noch keine Lizenz für die kommende Saison. Ob auch dort nicht alles glänzt, was glänzen sollte?  Mein Fazit: Die von der Stadt angestoßenen Gespräche über eine Zusammenarbeit im Fußballleistungssport in Lingen sind wohl wirklich dringlich.

(Quelle: Nordwestsport.com)

Höhe

14. August 2009

whh_150x100Unterstellen wir mal, dass es den Mannen um OB Heiner Pott tatsächlich darum gegangen ist, die Wilhelmshöhe zu erhalten; dann können sie jetzt einen Erfolg verbuchen. Eine Bürgerinitiative um den regionalen Gastronomiepapst Heinrich Essmann hat sich zusammen gefunden, um die  traditionsreiche Kulturstätte zu erhalten. Die 1848 vom Kaufmann Wilhelm Hungeling im Rahmen eines ersten Konjunkturprogramms erbaute Lingener Wilhelmshöhe bleibt auch mehr als 160 Jahre nach ihrer Fertigstellung  erhalten. Ich muss sagen, dass ich mich darüber sehr freue.
Nicht nur ein Mal  hab‘ ich vor 50 Jahren „auf der ‚Höhe'“ ein halbes Glas „Regina“-Limonade für 15 Pfennig getrunken. Meine Oma und mein Opa wohnten nebenan. Manches Fest habe ich später dort gefeiert, auch ein sehr persönliches. Ich räume ein, das macht mich beim Thema Wilhelmshöhe  sentimental.

In der Sache freue ich mich folglich über die aktuelle, vorbildliche Bürgerinitiative, die das traditionsreiche Haus erhalten will, indem sie es den lokalen Gastronomen für einzelne Veranstaltungen überlässt. Robert Blanke, Thomas Diepenbrock, Heinrich Essmann, Burkhard Kirchhoff und andere haben angesichts des drohenden Abbruchs der Höhe ebenso klug wie engagiert gehandelt. Die Stadt wird ihnen das Objekt zu einem symbolischen Erbbauzins von 1 Euro pro Jahr überlassen. Die Unterhaltskosten bis zu 100.000 Euro pro Jahr wollen sie aufbringen. Mit ihnen wird die Stadt einen Vertrag  abschließen (müssen), der denkbare Spekulationen unterbindet und die Wilhelmshöhe erhält, so wie sie ist.
Es klappt, wünsch‘ ich mir. Die ganze Stadt hätte etwas davon. Und auch wenn „die Regina“ inzwischen etwas teurer ist, werd ich zur Eröffnung ein paar Flaschen der orangefarbenen Brause ausgeben.