Weiß jemand aus der Leserschaft dieses kleinen Blogs, warum vorgestern -also an einem Samstag!- am Biener Busch offenbar durch den Oberligisten SV Holthausen/Biene zahlreiche großkronige Bäume abgeholzt worden sind? Die aufgestellte Schutzhütte steht jetzt nur noch kahl und kalt herum. Sollte die Fällaktion etwa ein Vereinsbeitrag zum Klassenerhalt des zunehmend abstiegsgefährdeten Oberligisten aus Lingens Norden sein? 😜

Zwei Jahre nach dem Emshochwasser, das deutlich gemacht hat, wie schlicht falsch der „Sportplatz am Biener Busch“ im Überschwemmungsgebiet gelegen ist, hat das Bauamt mit Dezernent Lothar Schreinemacher still und heimlich die Abholzaktion für neue Parkplätze genehmigt. Gefragt wurde vorher niemand, keine Nachbarschaft, keine Naturschützer. Dabei gibt es keinen Bebauungsplan und keine sog. privilegierte Nutzung nach § 35 Baugesetzbuch, die dafür notwendig sind. Gleichzeitig hat die Bauverwaltung auf eigenen Antrag (!) auch die bisher befristete Ausnahmegenehmigung für die sportliche Nutzung der Rasenplätze dauerhaft „entfristet“. Nur ein Nachbar wurde beteiligt, der der Entfristung widersprochen hat – ein knappes halbes Dutzend anderer Nachbarn wurde vorsichtshalber gar nicht erst beteiligt.

Früher sah es so aus, heute ist alles kahl:

Es darf gezählt werden!

7. Januar 2025

Zum Jahresstart empfiehlt der NABU – statt bloß guter Vorsätze – gleich etwas Schönes und Sinnvolles: Vögel beobachten und zählen! An Freitag dieser Woche beginnt nämlich die „Stunde der Wintervögel“. Im Mittelpunkt der dreitägige Aktion stehen vertraute und weit verbreitete Vogelarten wie Meisen, Finken, Rotkehlchen und Spatzen. Die nächste, bereits fünfzehnte Zählung der Wintervögel findet vom 10. bis 12. Januar statt. Dann darf gezählt werden und es ist Zeit, für eine Stunde die Vögel am Futterhäuschen, im Garten, auf dem Balkon oder im Park zu zählen und zu melden. (Zählende nehmen auch an der großen Verlosung des NABU teil, bei der es manche Preise zu gewinnen gibt.)

-> So funktioniert die Vogelzählung

Mit allen Beobachtungen erhält der NABU wertvolle Informationen über die heimische Vogelwelt. Das ist wichtig, um Vögel besser schützen können. Aber Vögel beobachten tut auch unserer Seele gut. Zahlreiche Studien zeigen: Wer sich mit allen Sinnen der Vogelbeobachtung widmet, ist weniger gestresst und geistig fitter. Und Menschen, die in Gegenden mit vielen Vögeln, Sträuchern und Bäumen leben, leiden seltener an Depressionen, Angstzuständen und Überlastung.

Grünflächen sind also wahrlich kein Luxus, sondern gut für unsere Gesundheit. Für sie gibt es in unserer Stadt bekanntlich vieles zu tun. Aus allerjüngster Zeit gibt es drei Beispiele, wie es nicht gehen soll.

So wird die grüne Oase Kokenmühle immer mehr ausgedünnt; Dutzende Bäume dort sind klamm und heimlich abgesägt worden.

Auch viele Bäume, Sträucher und Pflanzen auf der Grünfläche zwischen Wasserturm und Kurt-Schumacher-Brücke sind zugunsten einer Skater-Anlage verschwunden – trotz streng geschützter Fledermausarten.

Ähnlich ist es im Amtsgerichtspark („Justizgarten“), wo sich tatsächlich Sämlinge erdreisteten, einfach vor sich hin zu wachsen. Jetzt werden 13 Bäume abgesägt…pardon „entnommen“. Kleiner Seitenblick: Das Protokoll über die Sitzung des Ausschuss für Umwelt, Klima und Nachhaltigkeit, in der die Baumfällerei beraten und beschlossen wurde und dabei auch das von mir nicht erwartete Ok der Grünen fand,  liegt auch mehr als einen Monat später nicht vor; die Geschäftsordnung der Stadt gibt für die Protokollvorlage 10 Tage Zeit; die LT berichtete allerdings im letzten Monat ausnahmsweise aus der Sitzung und zitierte aufschlussreich den Gärtnermeister Horst Feltrup des städt. Bauhofs mit seinem bemerkenswerten Satz. Die Aktion, sagte Feltrup, sei „notwendig, um die Entwicklung des vorhandenen Baumbestandes für die Zukunft zu gewährleisten“…

Der NABU empfiehlt derweil, am kommenden Wochenende auf kleine Futterhäuschen zu schauen und nicht so sehr auf große Bäume. Zählen wir also ab Freitag gemeinsam Wintervögel! Das Zählen sollte uns jedoch nicht davon ablenken, uns  energisch für den Erhalt von Bäumen, Sträuchern und öffentlichem Grün nachhaltig einzusetzen.

Baumschnitt für Ignoranten

28. Februar 2024

Traditionell ist in Lingen der Februar der alljährliche Baumab-Monat. Männer fällen die aufstehenden rachtexemplare, als ob es kein Morgen gäbe; denn ab März darf wegen der Brut- und Setzzeit der heimischen Vögel nicht mehr gefällt werden.  Immer werden dafür Argumente gegen die verholzte Pflanze vorgetragen: der gemeine Pappelbock, die Stadtwerkeleitungen, die Verkehrssicherungspflicht, die notwendige Straßenneugestaltung oder -wie gerade in Laxten- der KuRa – der Kunstrasenplatz; ichahne, dass es dabei nicht selten bloß um Pellet-Beschaffung geht.

Kurzum: Alljährlich erleben wir in unserer Stadt den Baumschnitt für Ignoranten. Dagegen dürfte nur eine Baumschutzsatzung helfen, die aber bisher keine Mehrheit hat. Auch ich habe die Befürchtung, dass es damit bürokratischer wird, aber so respektlos gegenüber dem Grün wie aktuell kann es schwerlich weitergehen. Auch nicht, wenn geradezu huldvoll nicht von Baumfällungen sondern von Baumentnahmen gesprochen wird.

Hier vier der jüngsten lokalen Baumfällergebnisse:

 

 

 

 

 

Keines davon musste sein. Meine Baumbilder: oben links: Bahnhofsvorplatz, darunter Baumfällungen an der Delpstraße, rechts: gefällte Bäume in der Kivelingstraße; im Hintergrund grüßt noch der Ilex, der an den ehemaligen Garten des Pfarrhauses an dieser Stelle erinnert und der schon vor 35 Jahren gefällt werden sollte. Damals sprang mir sozusagen in letzter Minute bei einem Ortstermin des Ausschusses der damalige CDU-Ratsherr Heinz Rolfes bei, und der Ilex (vulgo: Stechpalme) blieb stehen. Dieses Mal stellt es sich ungleich schwieriger dar. Kollege Rolfes hat nämlich kein Ratsmandat mehr…

Und untendrunter, besonders schräg, das Video vom vollendeten KuRa-Kunstrasenplatz-Kahlschlag und dem geräumten Wall für den KunstRasenplatz, der am Brockhauser Weg in Laxten entstehen wird.  Wie gesagt: Rücksichtsloser geht es wirklich nicht.

-> Spoiler:
Wer noch weitere Fotografien hat, kann sie mir für zusätzliche Veröffentlichungen gerne zusenden.