Die vor drei Jahren im biblischen Alter von 95 Jahren verstorbene Sybil Gräfin Schönfeldt  war eine Schriftstellerin und Publizistin, die für ihre Beiträge zur Kinder- und Jugendliteratur, ihre kulinarischen Kochbücher sowie ihre Kolumnen und Essays bekannt war, unter anderem für die ZEIT. Sie wurde für ihre Arbeit vielfach ausgezeichnet, darunter mit dem Deutschen Jugendliteraturpreis. Seit 2007 oder 2008 gab sie dann den Literarischen Küchenkalender heraus, ab wann genau hab ich nicht herausgefunden. Der Kalender mit wöchentlichen Beiträgen erscheint immer noch unter der Genitiv-Überschrift Sybil Gräfin Schönfeldts. Ich habe gelesen, dass für 2026 die freie Autorin Brigitte Lotz Texte für den Küchenkalender geschrieben hat – neben alten aus Schönfeldts Archiv; Julia Linne hat die von Susanne Nadolny ausgewählten Texte lektoriert.
Ein Exemplar der-inzwischen preislich reduzierten-  Ausgabe für das neue Jahr habe ich mir doch noch in letzter Minute gegönnt, und gleich in dieser Woche lese ich darin über das Rezept Gnocchi in Salbeibutter („Gnocchi di patate al burro e salvia“) und den mir bis dato unbekannten kanadischen Schriftsteller David Bezmozgis; der hatte Ende der 1970er Jahre als Kind nach der Ausreise seiner jüdischen Familie aus der UdSSR monatelang in Rom gelebt, bis die Weiterreise ins kanadische Exil klar war. Darüber schrieb Bezmozgis vor 15 Jahren seinen hochgelobten Debutroman „Die freie Welt“ („The Free World“) und darin eben auch über Gnocchi, ein Aushängeschild der Cucina italiana, und über Salbei (italienisch: Salvia), das Speisen (nicht nur) der italienischen Küche eine bekömmliche Note verleiht.

Nächste Woche übrigens geht es dann im Küchenkalender um… das wird hier nicht verraten. Aber das Rezept der in ihrer Einfachheit einfach nur köstlichen Gnocchi:

  • Zutaten: 700 g mehlig kochende Kartoffeln, Salz, 200 g Mail, 2EL Butter, zwei Eier, zehn Salbeiblättchen, 50g frisch geriebener Parmesan
  • Zubereitung: Kartoffeln mit Schale in Salzwasser, weich kochen, Pellen und durch eine Kartoffelpresse auf eine bemehlte Arbeitsfläche drücken. Das Püree leicht salzen und so viel Mehl unterkneten, bis ein elastischer Teig entsteht. Ich meine, zwei Eier für den Kartoffelteig schaden nicht, wenn auch das  Schönfeldt-Rezept darauf verzichtet. Den Teig zu fingerdicken Rollen formen und ihn in jeweils ca. 3 cm dicke Stücke schneiden. Mit einer Gabel Rillen in die Teigstückchen drücken. Die Gnocchi in kochendes Wasser geben und bei schwacher Hitze circa vier Minuten garen, bis sie an der Oberfläche schwimmen. Dann sind sie gar, also Herausnehmen und abtropfen lassen.  Die Butter (es dürfen auch mehr als 2 Esslöffel sein, finde ich; Butter ist inzwischen auch wieder bezahlbar…) in einer Pfanne zerlassen, Salbeiblättchen darin zart anbraten, die Gnocchi zugeben und in der Salbeibutter schwenken.
    Vor dem sofortigen Servieren mit Parmesan bestreuen. Dazu passt eine frische Tomatensoße.
  • Nebenbei: Ein Glas Arneis passt ganz gut dazu, oder auch Grauburgunder (geht natürlich nicht im Dry January, aber dann geht der Klassiker: Sprudelwasser mit Zitrone oder Limette)
  • Hier das Gnocchi-Machen per Wie-mach-ichs-Video:

Noch etwas Besserwisserei:
Wie Sven es in seinem Video macht: Gnocchi spricht sich „Njoki“ aus, mit einem weichen „nj“-Laut am Anfang, ähnlich wie in „Mignon“, und „oki“ am Ende, also mit K; das „g“ vorn wird dabei fast verschluckt oder weich „nj“ ausgesprochen. Bitte, bitte also nicht als hartes „g“ oder gar vorn wie hinten ein „tsch“. Danke.


Salbei, Foto oben von  ignartonosbg via pixabay

Vier Jahre nach der Machtübernahme der Taliban ist Afghanistan im westlichen Diskurs nahezu unsichtbar geworden. Dabei hat sich die Lage für Frauen und Mädchen dramatisch verschlechtert: Sie sind von Schulen und Universitäten ausgeschlossen, dürfen nicht arbeiten, nicht reisen, nicht am öffentlichen Leben teilnehmen. Über 130 Edikte regeln inzwischen die Auslöschung weiblicher Teilhabe. Menschenrechtsorganisationen sprechen von einem System der Gender-Apartheid (Infos), das Kernbestandteil der Taliban-Herrschaft ist. 

Diese Analyse stützt sich auf einen Beitrag der afghanischen Menschenrechtsverteidigerin Shaharzad Akbar, veröffentlicht im Verfassungsblog unter dem Titel „Der Kampf gegen Gender-Apartheid – Hoffnung durch Rechenschaft“. Darin macht Akbar deutlich: Internationale Rechenschaftsmechanismen sind derzeit die einzige Hoffnung für Afghanistans Frauen.

Deutschland, Australien, Kanada und die Niederlande hatten vor genau einem Jahr angekündigt, die Taliban wegen Verletzungen des gegen das UN-Übereinkommen zur Beseitigung jeder Form von Diskriminierung der Frau (CEDAW)  vor den Internationalen Gerichtshof zu bringen. Afghanische Frauenrechtsgruppen begrüßten diesen Schritt, mahnten jedoch Teilhabe, Transparenz und internationale Rückendeckung an – auch durch Staaten des Globalen Südens. Ein Jahr später ist aber kaum ein Fortschritt erkennbar. Parallel verschärfen die Taliban ihre Repressionen: Mädchen verlieren den Zugang zu Schulen, Frauen dürfen nicht mehr arbeiten oder reisen, selbst der Zutritt zu Parks, Restaurants und medizinischer Ausbildung wird verweigert.

Immerhin setzte der Internationale Strafgerichtshof im Juli 2025 ein Zeichen: Er erließ Haftbefehle gegen zwei Taliban-Führer. Doch ohne politische Rückendeckung droht auch dieser Schritt ins Leere zu laufen. Menschenrechtsorganisationen wie Amnesty International und Human Rights Watch drängen darauf, Gender-Apartheid im internationalen Recht zu verankern und bestehende Lücken, etwa über den Vertrag zu Verbrechen gegen die Menschlichkeit, zu schließen.

Auch zivilgesellschaftlich wächst der Druck: Afghanische Aktivistinnen haben das People’s Tribunal for Women of Afghanistan gegründet. Dort berichten Überlebende von Verfolgung, Folter und Entrechtung. Die kommenden Anhörungen in Madrid sollen internationale Solidarität mobilisieren und den Druck auf Regierungen erhöhen.

Besonders widersprüchlich wirkt derzeit die deutsche Politik. Während Berlin öffentlich die CEDAW-Initiative unterstützt, arbeitet die Bundesregierung zugleich mit den Taliban an „technischen Kontakten“, um Abschiebungen nach Afghanistan vorzubereiten. Für viele Beobachter untergräbt dieses Vorgehen die eigene Glaubwürdigkeit – und liefert den Taliban indirekt Legitimität. Die Analyse von Akbar fällt ernüchternd aus: Internationale Schritte existieren, doch sie reichen nicht aus, um die Macht der Taliban zu begrenzen oder die Hoffnung afghanischer Frauen zu stützen. Stattdessen droht eine Normalisierung des Regimes, auch diplomatisch, wie die jüngste Anerkennung durch Russland zeigt.

Wenn Deutschland und seine Partner ernsthaft für Menschenrechte eintreten wollen, müssen sie ihre Haltung überprüfen: Abschiebungen stoppen, internationale Verfahren konsequent unterstützen und die rechtliche Anerkennung von Gender-Apartheid vorantreiben. Andernfalls bleibt Afghanistan ein weiterer Schauplatz, an dem das Völkerrecht nur auf dem Papier gilt.
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Diesem Beitrag liegt dieser Aufsatz von Shaharzad Akbar im Verfassungsblog zugrunde. Shaharzad Akbar ist Geschäftsführerin von Rawadari, einer afghanischen Menschenrechtsorganisation, und ehemalige Vorsitzende der Unabhängigen Menschenrechtskommission Afghanistans.