Am Flughafen Hannover-Langenhafen haben am Dienstagabend etwa 100 Menschen gegen die Sammelabschiebung nach Afghanistan protestiert. Für Mittwoch, 17 Uhr, war eine weitere Demonstration angemeldet, die vor dem Landtag in Hannover beginnt. Proteste gab es auch in Celle, wo 50 Menschen bereits am Montag lautstark gegen die Abschiebung nach Afghanistan protestierten (siehe Bericht der Celler Zeitung). Insgesamt 27 Männer wurden in das Bürgerkriegsland abgeschoben. Zum zweiten Mal überhaupt war Hannover-Langenhagen der Abflugort des Sammelcharters (erstmals im März 2021). Es war die die insgesamt 40. Sammelabschiebung nach Afghanistan seit Dezember 2016.

Von der am Flughafen anwesenden Polizei wurde die aus der Ferne erfolgte Abschiebebeobachtung ohne nachvollziehbaren Grund verhindert. Zwei Fotografen erhielten sogar Platzverweise und wurden in ihrer Berichterstattung behindert.

Insgesamt sechs der abgeschobenen Menschen kamen aus Niedersachsen. Betroffen war u.a. ein schwer erkrankter Mann aus dem Landkreis Osnabrück. Die grüne Landrätin sah „keine Möglichkeit“, die vom Landkreis Osnabrück eingeleitete und vom nds. Innenministerium bestätigte Abschiebung zu stoppen. Nach Afghanistan abgeschoben wurde auch ein junger Mann aus der Stadt Celle. Der Afghane lebte seit 2015 in Niedersachsen. Er wollte bald heiraten. In Afghanistan hat er keine Familie. Siehe auch Presseerklärung vom 5.7.2021.

Eine der Abschiebungen aus Niedersachsen nach Afghanistan wurde vom Verwaltungsgericht Oldenburg gestoppt. Der junge Mann aus dem Landkreis Leer wurde vom Flüchtlingsrat Niedersachsen in der Abschiebungshaft beraten und an einen Anwalt vermittelt. Zuvor waren bereits zwei Abschiebungen aus Hamburg gestoppt worden.

Der Flüchtlingsrat wiederholt seine Forderung an die Landesregierung, von der rechtlichen Möglichkeit Gebrauch zu machen, einen Abschiebungsstopp für drei Monate auf Länderebene zu erlassen und das Auswärtige Amt aufzufordern, einen neuen Lagebericht zu Afghanistan zu erstellen. „Es ist einfach unfassbar, dass die Innenminister von Bund und Ländern sich auch angesichts des dokumentierten Todes eines aus Hamburg abgeschobenen Afghanen und vor dem Hintergrund der fortschreitenden Geländegewinne der Taliban nicht dazu bewegen lassen, innezuhalten und eine neue Lageeinschätzung vorzunehmen. Mit der ungerührten Abschiebung in das laut global peace index „gefährlichste Land der Welt“ nehmen die Innenminister den Tod weiterer Menschen zumindest fahrlässig in Kauf.“

Der derzeitige Lagebericht des Auswärtigen Amts, auf dessen Grundlage Behörden und Gerichte die Lage einschätzen, ist vom Juli 2020 und somit ein Jahr alt. Darin heißt es laut tageschau.de: Dem Auswärtigen Amt seien „keine Fälle bekannt, in denen Rückkehrer nachweislich aufgrund ihres Aufenthalts in Europa Opfer von Gewalttaten wurden“.

Doch eine Anfang Juni veröffentlichte Studie der Afghanistan-Expertin Friederike Stahlmann zur Gefährdungslage Abgeschobener kommt zu ganz anderen Ergebnissen – und das bei Recherchen, die vor dem von den westlichen Truppen angekündigten Truppenabzug lagen: Nach der Langzeitrecherche der Afghanistan-Expertin Friederike Stahlmann, herausgegeben von Diakonie und Brot für die Welt, sind aus Deutschland abgeschobene Afghanen der Gefahr einer erneuten Verfolgung durch die Taliban ausgesetzt. Ihnen wird wegen der Flucht nach Europa Verrat, Verwestlichung, unmoralisches Verhalten oder die Abkehr vom Islam vorgeworfen.

Nachtrag:
Afghanische Regierung bittet vergeblich um die Aussetzung von Abschiebungen

Ein Sprecher des Flüchtlingsministeriums in Kabul sagte der Deutschen Presse-Agentur, dass man aufgrund der Sicherheitssituation, hoher Arbeitslosigkeit, steigender Armut und der Corona-Pandemie in offiziellen Treffen mit den abschiebenden Ländern immer wieder anfrage, die Abschiebungen auszusetzen. Allerdings hätten die Länder ihre eigenen Regeln und würden Afghanen nach diesen Regeln weiter abschieben. (Quelle)

(Quelle: Nds. Flüchtlingsrat)

Die Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und die Diakonie Hessen fordern einen sofortigen Abschiebestopp nach Afghanistan. Einer am Freitag veröffentlichten Studie der Sozialwissenschaftlerin und Afghanistan-Expertin Friederike Stahlmann zufolge drohen abgeschobenen Afghanen Gefahr für Leib und Leben, Verelendung und Verfolgung. Unter anderem werde ihnen wegen der Flucht nach Europa Verrat, Verwestlichung, unmoralisches Verhalten oder die Abkehr vom Islam vorgeworfen. Auch die Familien von Europa-Rückkehrern sind der Studie zufolge gefährdet. Vor diesem Hintergrund fehlt den Rückkehrern vielfach das überlebenswichtige familiäre Netz. Bis auf einen Betroffenen haben alle bekannten Abgeschobenen das Land wieder verlassen oder planen dies. Zwei von ihnen haben Suizid begangen.

Die Studie „Erfahrungen und Perspektiven abgeschobener Afghanen im Kontext aktueller politischer und wirtschaftlicher Entwicklungen Afghanistans“ ist im Auftrag der Diakonie Deutschland, Brot für die Welt und der Diakonie Hessen entstanden. Die Untersuchung basiert auf einer mehrjährigen Forschung und dokumentiert die Erfahrungen von 113 der 908 zwischen Dezember 2016 und März 2020 aus Deutschland abgeschobenen Afghanen.

Diakonie-Präsident Ulrich Lilie: „Wir gefährden sehenden Auges das Leben dieser Menschen durch Abschiebungen nach Afghanistan und setzen sie der Gefahr lebensbedrohlicher Verletzungen und Verelendung aus. Dies ist mit der Europäischen Menschenrechtskonvention unvereinbar. Wir fordern die Bundesregierung auf, gemeinsam mit den Bundesländern einen generellen, bundesweiten Abschiebestopp nach Afghanistan zu beschließen. Der geplante Abschiebeflug am 8. Juni muss unterbleiben, die bereits inhaftierten Betroffenen müssen aus der Abschiebehaft freigelassen werden. Menschen dorthin abzuschieben, ist grob fahrlässig und bringt auch die dortigen sozialen und familiären Netzwerke der Betroffenen in Gefahr.“

Die Präsidentin von Brot für die Welt, Dagmar Pruin, mahnt an: „Die Lage im kriegs- und krisengebeutelten Afghanistan ist seit Jahren dramatisch und hat sich pandemiebedingt noch weiter verschlechtert. Die eskalierende Dynamik der massiven Verelendung der Bevölkerung und die Sicherheitslage müssen zu einer Neubewertung auch des Auswärtigen Amts führen. Es ist nun erstmals in umfangreicher Recherche belegt: Die meisten der Abgeschobenen sind erneut geflohen und befinden sich derzeit in verzweifelter Lage in Ländern wie Iran, Pakistan, Türkei und Indien – keineswegs sichere Aufenthaltsorte für afghanische Staatsangehörige. Der derzeitige NATO-Truppenabzug droht die Sicherheitslage weiter zu verschärfen.“

Carsten Tag, Vorstandsvorsitzender der Diakonie Hessen: „Die Ergebnisse unserer Studie müssen nun auch Konsequenzen für die rund 30.000 Ausreisepflichtigen aus Afghanistan haben. Sie sind zum Teil trotz einer Duldung hierzulande gut integriert und gehen einer Beschäftigung oder einer Ausbildung nach. Das BAMF muss jetzt seine Entscheidungspraxis zu Afghanistan überdenken und es nicht den Gerichten überlassen, Menschen vor der Abschiebung zu bewahren. Vielmehr sollte ihnen von Anfang an die Bleibeperspektive auch rechtlich zugesichert sein. Allein im Jahr 2020 wurde in über 21.000 Fällen ein Widerruf der Flüchtlingseigenschaft für afghanische Geflüchtete geprüft. Das ist angesichts der derzeitigen Lage in Afghanistan absurd und verhindert das Ankommen in der Gesellschaft.“

Der Verwaltungsgerichtshof Baden-Württemberg hat in einer am 3. Februar 2021 veröffentlichten Grundsatzentscheidung (Az. A 11 S 2042/20) festgestellt, dass alleinstehende gesunde Männer im arbeitsfähigen Alter nicht abgeschoben werden dürfen, wenn weder ein soziales oder familiäres Netzwerk noch sonstige begünstigende Umstände vorliegen.

Die neue Studie belegt nun, dass die Wahrscheinlichkeit für ein aufnahmewilliges soziales oder familiäres Netzwerk sehr gering ist, denn die Unterstützung Abgeschobener stellt aufgrund der weitverbreiteten Kollektivhaftung auch für ihre Familien eine erhebliche Gefahr dar. „Betroffene Familien versuchen entweder, sich zu schützen, indem sie den Kontakt verweigern, oder Abgeschobene müssen versteckt bleiben. Dieser soziale Ausschluss aufgrund der spezifischen Sicherheitsrisiken macht eine Reintegration oder eine Existenzgründung für Abgeschobene auch unabhängig von der derzeitigen Eskalation der Not nahezu unmöglich. Der Schutz des Lebens ist nicht garantiert, Abschiebungen nach Afghanistan müssen gestoppt werden“, so die Herausgeber des Appells.

Mehr: Interview mit Friederike Stahlmann

Sammelabschiebeflieger

8. Oktober 2019

Allen Meldungen über Luftschläge, Gefechte und Anschläge in Afghanistan zum Trotz soll heute, meldet die Flüchtlingsorganisation pro Asyl, Medienberichten zufolge der mittlerweile 28. Sammelabschiebeflieger in die afghanische Hauptstadt Kabul starten, diesmal von München aus. Abermals sollen auch Geflüchtete von der Abschiebung betroffen sein, die vollkommen unbescholten und zum Teil seit Jahren in Deutschland leben.

Angesichts des Wahldesasters in Afghanistan und der daraus resultierenden chaotischen politischen Situation sowie der völlig außer Kontrolle geratenen Sicherheitslage im Land fordert PRO ASYL erneut einen Abschiebungsstopp. Mit jeder Abschiebung in das Kriegsland setzt die Bundesregierung die Betroffenen wissentlich der Gefahr für Leib und Leben aus.

Studie: Situation von Rückkehrern desaströs

Bislang wurden bei 27 Flügen 676 Menschen nach Afghanistan abgeschoben. Wie eine aktuelle Studie von Afghanistan-Expertin Friederike Stahlmann über den Verbleib und die Erfahrungen der zwischen Dezember 2016 und April 2019 aus Deutschland 547 Abgeschobenen zeigt, ist ihre Situation prekär und gefährlich. Viele werden Opfer von Bedrohung, Erpressung und Gewalt. Ein Existenzaufbau ist kaum möglich: Die Wohnsituation ist für die Rückkehrer desaströs, ebenso ist es aussichtslos, dauerhaft für den eigenen Unterhalt zu sorgen. Die Befragten berichten über soziale Ausgrenzung und Stigmatisierung bis hin zu offenen Anfeindungen aufgrund ihres Aufenthaltes in Europa.

Laut Global Peace Index 2019 ist Afghanistan das unsicherste Land der Welt. Die Geländegewinne der Taliban und ihr damit verbundener Einfluss nehmen kontinuierlich zu. Sie kontrollieren inzwischen mehr als 50% des Landes und damit so viel wie noch nie seit ihrem Sturz 2001.

Die Lage in Afghanistan ist derart gefährlich, dass momentan sogar die Bundespolizei das für eine Ausbildungsmission vorgesehene Personal nicht nach Kabul fliegen lässt. Im Zuge dessen hat die DGB-Gewerkschaft der Polizei (GdP) den Stopp der Ausbildungsmission in Afghanistan gefordert, weil das Sicherheitsrisiko zu hoch sei.*

(Quelle: Presseerklärung von Pro Asyl)

vergessene Menschen

28. Dezember 2018

Während die Bundesregierung stets betont, dass die Zahl der Asylanträge weiter sinkt und etwa die Kampagne für eine„freiwillige“ Rückkehr ausgebaut werden soll, wird das Leid der Flüchtenden an den Grenzen zur EU immer weniger beachtet. In diesem Bericht wird ein Blick auf die Situation von etwa 100 Flüchtenden gelegt, die in und um die serbische Stadt Subotica leben und auf ein Weiterkommen in die EU hoffen. Dort unterstützen derzeit drei Aktivist*innen aus Niedersachsen als Teil der spanischen Organisation escuela con alma die Menschen. Hier ihr Bericht:

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Momentan gibt es, bis auf eine staatliche Unterbringung für Familien, vor allem zwei Orte in bzw. bei Subotica, in denen die Flüchtenden leben. Da beide Orte sehr unterschiedlich sind, müssen sie separat beschrieben werden.

Horgos

Der Ort ist 1,5km von der ungarischen Grenze entfernt und ca. eine Stunde Fußmarsch zur nächsten Einkaufmöglichkeit. Die ca. 40 überwiegend aus Afghanistan stammenden Menschen, darunter einige Minderjährige, wohnen hier in in einer selbstverwalteten Struktur in alten und kaputten Scheunen. Mit der Unterstützung von escuela con alma wurde eine Versorgung mit Strom (Autobatterien), Wasser, Waschdienst und Essen etabliert. Zudem wurden Öfen gebaut, sodass zumindest drei Räume beheizbar sind.

Da es keinen Wasseranschluss gibt ist der Hygienestandart eher schlecht und hängt von der Unterstützung ab. In den letzten Monaten fuhren die Unterstützer*innen regelmäßig mit einer mobilen Dusche zu dem Ort. Jedoch ist diese aktuell kaputt. Zudem können die Räumlichkeiten nicht zufriedenstellend gereinigt werden und eine medizinische Versorgung gibt es nicht. Einige leiden an Verletzungen durch die Strapazen der Flucht oder Polizeigewalt und Folgen der fehlenden Hygiene.

Hier leben die Menschen teilweise schon seit Monaten ohne eine wirkliche Perspektive auf ein Weiterkommen. Es ist beeindruckend wie sie es in einer solchen Umgebung schaffen sich gemeinsam zu organisieren und solidarisch miteinander umzugehen.

Train Station

Bei dem anderen Ort handelt es sich um leerstehende Häuser neben dem Bahnhof im Zentrum der Stadt, die seit einem 3⁄4 Jahr besetzt sind. Es sind offene, fensterlose Ruinen, ohne Heiz- und Kochmöglichkeiten, Strom oder anderer Infrastruktur. Hier ist eine höhere Fluktuation an Menschen, die meisten sind sehr jung und viele minderjährig. Ihre Situation muss insbesondere durch die extremen Temperaturen (bis -10Grad) als lebensbedrohlich beschrieben werden. Zwar werden sie mit Sachspenden (vor allem mit Decken und warmer Kleidung) unterstützt und so die physische Bedrohung minimiert, doch durch ihre Ausweglosigkeit sind sie zusätzlich psychisch extrem belastet. Hier wäre, durch die mangelnde Hygiene sowie die härteren Bedingungen, eine medizinische Versorgung noch dringlicher.

Auch die Polizei geht in der Stadt aggressiver gegen die Flüchtenden vor. So wird von gewalttätigen Übergriffen und 5-7 stündigen Ingewahrsamnahmen durch die serbische Polizei berichtet, welche versuchen die Menschen aus der Innenstadt zu vertreiben. Eine der Unterstützer*innen kommentiert ihre Eindrücke von vor Ort:

„Nach dem ersten Besuch in den alten Scheunen außerhalb waren wir schockiert. Doch als wir dann den Ort in der Stadt besuchten, konnten wir kaum fassen, wie Menschen in solchen prekären Bedingungen leben müssen.“

Keine Perspektive in Serbien und keine Weiterkommen

Serbien ist ein armes Land mit niedrigen Aufnahmequoten. Die Flüchtenden berichten von überfüllten Aufnahmelagern, die ihnen auch keine lebenswürdigen Bedingungen bieten. Der Weg in die EU ist gut gesichert: an der ungarischen Grenze gibt es zwei unter Strom stehende Zäune mit Stacheldraht, Wärmekameras mit 8km Reichweite, Wachhunde, Lautsprecher in vier Sprachen und schon beim Annähern an den Zaun gewalttätige Polizei. Sind solche Versuche dann doch einmal erfolgreich, berichteten Geflüchtete, dass es immer wieder zu illegalen und brutalen Push-Back-Aktionen kommt. Nach dem Dublin
III-Abkommen wäre Ungarn für das Asylverfahren verantwortlich, sobald ein Geflüchteter das Territorium betritt. Werden die Menschen nicht aufgenommen sondern ohne Verfahren zurückgeschickt, widerspricht dies dem geltenden Recht.

Die Fluchtgründe

Die Flüchtenden in Subotica stammen vorwiegend aus Afghanistan und einige aus dem Iran und Pakistan. Sie zeigen schreckliche Bilder aus ihre Heimat: Geköpfte Menschen, tote Kinder, blutüberströmte Mädchen und Bilder von Folterungen. Zudem sind einige von Narben gezeichnet, die Folge von Folterungen sind und die sie noch immer schmerzen. In Erzählungen wird berichtet, dass viele vor dem „Bürgerkrieg“ fliehen, in dem 41 weitere Staaten mitmischen. Diesen Einsatz beschreibt einer der Bewohner in Horgos als ein Kampf um Macht im Zusammenhang mit den afghanischen Bodenschätzen und wünscht sich, nicht in einem solchen Ölreichen Staat geboren zu sein. Sie erzählen also nicht nur vor den Taliban, sondern auch von Problemen in Folge des Nato-Einsatzes in Afghanistan. Jetzt müssen sie in daran beteiligte Länder fliehen und wissen, dass es auch dort, wenn sie es schaffen sollten, nicht einfach werden wird.

 

(Quelle)

Morgenland etc.

7. Mai 2018

Ich darf heute noch nicht über die tiefe Krise schreiben, in die das Lingener Abifestival geraten ist. Das hab ich versprochen und gestern gar zwei Tweets dazu gelöscht. Aber die Situation ist -sechs Wochen vor dem geplanten AF-Wochenende- ausgesprochen ernst – angesichts immer neuer bürokratischer Forderungen aus dem Lingener Rathaus. Allen Beteuerungen zum Trotz haben die dortigen Bürokraten längst das Zepter übernommen und die Abifestival-Gemeinde steht ratlos da.

Also schreib‘ ich heute ersatzweise etwas über das Morgenland-Festival, dessen erfreuliche Neuauflage zeitgleich in Osnabrück ansteht.

Unter www.morgenland-festival.com finden sich seit dem wochenende alle Informationen zu Konzerten und Ticketing. Das Morgenland Festival Osnabrück 2018 verlagert seinen Fokus nach Osten und wird sich der Musik Zentralasiens in verschiedenen Konzerten widmen. Auf den Spuren der Seidenstraße gelangen wir mit der herausragenden Pipa-Spielerin Wu Man und dem Sheng-Virtuosen Wu Wei bis nach China.
Wir freuen uns sehr auf das kasachische Ensemble Khazar, den Lichtkünstler Philipp Geist, auf UlzhanBaibussynova und Raushan Orozbaeva, Nezar Omran und Ingolf Burkhardt, Hogir Göregen, Florian Weber, Homayun Sakhi, SirojiddinJuraev, Salar Nader, MukhtorMuborakqadomov, den DJ Hello Psychaleppo, Salman Gambarov und Bodek Janke, auf das Gurdjieff Ensemble und Hewar, und natürlich auf unsere langjährigen Freunde der Morgenland All Star Band und das Ensemble desMorgenland Campus.
Ein umfangreiches Gastspiel bringt das Festival bereits nächste Woche nach Almaty in die Kasachische Staatsphilharmonie, in das Musikinstrumentenmuseum Almaty und in verschiedene Bars zu Jam-Sessions. Mit der VW Werkshalle 2 wird ein spektakulärer neuer Spielort erkundet, und mit der Elbphilharmonie und dem Holland Festival hat das Morgenland Festival international strahlende Kooperationspartner.
Vorgestern eröffnete bereits die Ausstellung „Hass und Hoffnung. Afghanistan“ – Fotografien von Andy Spyra in der Felix Nussbaum Sammlung.
Die Ausstellung ist eine Koproduktion von Morgenland Festival Osnabrück und Museumsquartier Osnabrück.
Eine große Ehre für die Festivalmacher ist übrigens eine eigene Sendung mit Konzertmitschnitten des Morgenland Festival Osnabrück auf dem internationalen Jazz-TV-Bezahlsender Stingray DJazz, die am 1. Mai begonnen hat.

„Wenn ich mich mit Bloglesern unterhalte, kommt es häufig zu so Äußerungen wie „wie hälst du das nur alles aus“ und „was kann man denn überhaupt machen“. Ich finde es gefährlich, wenn man alle Dinge für unwirksam hält, die nicht gleich Auswirkungen auf globaler Ebene haben. Man muss eben tun, was man innerhalb seines Aktionsradius‘ machen kann.

Aber manchmal gibt es Ausnahmen. Da geht jemand los und tut etwas, das auch außerhalb des normalen Aktionsradius von einer Person Auswirkungen haben kann. Auf dem 33c3 gab es eine Filmvorführung von „National Bird“, das war sowas. Eine vergleichsweise zierliche Journalistin, die vorher als Korrespondentin für NDR und CNN gearbeitet hat, entschied sich eines Tages, dass sie die Drohnenmorde nicht mehr hinnehmen will. Sie nahm sich eine US-Soldatin und ging mit der einfach so in die Drohnenmordgebiete in Afghanistan. Mehrere Whistleblower kommen zu Wort. Nach allen Kommentaren zu dem Film ist das ein zeitgenössisches Meisterwerk, eine Sache, bei der jeder von uns als erstes denkt: Whoa, die hat mal was gemacht! Geil!

Und der Film gammelt da jetzt in der Obskurität herum, lief auf ein paar Filmfestivals. Das Mindeste, was wir jetzt alle machen können, ist dafür zu sorgen, dass sie dieses krasse Risiko nicht umsonst eingegangen ist. Sie und die Whistleblower natürlich. Ich will jetzt nicht ausführen, was ich gehört habe, was die für Drohungen ausgesetzt sind, das könnt ihr euch ja selber denken.

Jedenfalls, wer den Film sehen möchte, und dazu möchte ich alle Leser ausdrücklich aufrufen, der kann das in einigen Kinos im Lande tun. Viel weniger als ich gehofft hätte, aber hey, immerhin. Man kann, wenn man will. Ihr solltet die Chance nutzen.“ (Quelle)

Geht man auf den Link, findet sich im 50km Umkreis um Lingen kein Kino. Also, Centralkino, mach mal. Vor alle,, wenn man diesen Kommentar liest: „Primitivste Propaganda – aber bei den meisten wohl sehr gut wirkend.

Der Dokumentarfilm „National Bird“ begleitet Menschen, die entschlossen sind, das Schweigen über eine der umstrittensten militärischen Maßnahmen der jüngeren Zeit zu brechen: Den geheimen Drohnenkrieg der USA.

Im Zentrum des Films stehen drei Kriegsveteranen der US-Air-Force, die in unterschiedlichen Funktionen selbst an diesem Krieg beteiligt waren. Ihre Mitschuld an der Tötung Unbekannter – und möglicherweise Unschuldiger – auf weit entfernten Kriegsschauplätzen lässt sie nicht zur Ruhe kommen. Schließlich gehen sie an die öffentlichkeit – ohne Rücksicht auf mögliche Konsequenzen.

Im Verlauf des Films nehmen ihre Geschichten dramatische Wendungen: So führt eine der Protagonistinnen selbst nach Afghanistan, wo sie mit einem grauenhaften Vorfall und dessen Opfern konfrontiert wird. Doch ihre Reise bietet auch Anlass zu Hoffnung auf Frieden und Versöhnung.

Fatimeh

9. Januar 2017

Nachfolgend dokumentiere ich das Schicksal der Afghanin Fatimeh, deren Asylantrag abgelehnt wurde, und die nun mit einer Duldung in Deutschland lebt. Wäre das Asylverfahren ordentlich betreut worden, wäre Fatimeh wohl anerkannt worden, und es hätte gute Aussichten für einen Familiennachzug gegeben. Nun gehört sie zu dem großen Kreis der afghanischen Flüchtlinge, die aufgrund der Ankündigungen des deutschen Innenministers de Maiziére, abgelehnte Flüchtlinge nach Afghanistan abschieben zu wollen, in großer Angst bei uns lebt und keine Chance hat, ihre Kinder in Sicherheit zu bringen.

Fatimeh

Derzeit werden Abschiebungen nach Afghanistan aus Niedersachsen n i c h t vollzogen. Das Land Niedersachsen wartet auf eine Stellungnahme des Auswärtigen Amts zur Verschärfung der Sicherheitslage in Afghanistan, wie sie sich auch aus der neuen Erkenntnismittelliste zur Sicherheits- und Gefahrenlage in Afghanistan (Stand 3.1.2017) ergibt. (Quelle)

Keine Frage, was würde, wenn nach den Landtagswahlen Anfang kommenden Jahres wieder die das Sagen haben sollten, die zum Schlag des unsäglichen Uwe Schünemann zählen, der 2013 als CDU-Innenminister abgewählt wurde.

Ausgedient

25. Januar 2015

„Ausgedient“ handelt von Soldaten, die aus dem Krieg kommen und so krank geworden sind, dass sie weder ihren Einsatz fortführen noch so weiterleben können wie vorher. Ihre psychischen Beschädigungen sind so tiefgehend, dass sie intensiver psychiatrischer Behandlung bedürfen. Ihre Verletzungen sind nicht sichtbar. Aber es sind die Folgen eines Krieges, dem wir uns bisher nicht wirklich gestellt haben. Der Film porträtiert die Kompanie eines Panzergrenadier-Regiments, das auf den Einsatz in Afghanistan vorbereitet wird. Wie bereitet die Bundeswehr ihre Soldaten auf extremste Gewalterfahrungen vor? Wir sehen Soldaten, die aus Afghanistan zurückgekehrt sind, und solche, die dort hinfahren werden. Die traumatisierten Rückkehrer werden vom Horror ihrer Einsätze bis in ihren Alltag verfolgt. Für die Soldaten in der Vorbereitung ist Afghanistan vorerst nicht mehr als ein Potemkinsches Dorf auf einem Truppenübungsplatz im niedersächsischen Munster.

„So wird nur selten vom Krieg erzählt. An Leichenteile, die nach einem Selbstmordanschlag herumliegen, an Gerüche und Schreie der Verwundeten erinnern sich vier Soldaten, die in Afghanistan im Einsatz waren. Und ihre Schilderungen sind erschütternd intensiv und konkret, denn was ihnen vor vielen Jahren widerfuhr, dominiert heute noch ihr Leben.

Einer von ihnen spricht davon, dass er „nach neun Jahren in derselben Schleife“ lebt, ein anderer „hasAusgedientst die ersten Frühlingstage“ und stellt in einer Therapiesitzung die Frage, ob es nicht einfacher für ihn gewesen wäre, wenn er, statt sich nun mit diesen Erinnerungen herumzuquälen, in Afghanistan gefallen wäre. „Man hat Menschenleben beendet“, sagt der eine und ein weiterer schildert, wie er das abgetrennte Bein eines Attentäters mit bloßen Händen angefasst hat und sich deshalb heute noch schuldig fühlt.

Michael Richter stellt in seiner Dokumentation „Ausgedient“ die Frage, wie der Krieg die Soldaten verändert…. „
AUSGEDIENT (D 2014, 80 mins) Buch und Regie: Michael Richter, Kamera: Uli Fischer, Jens Gebhard, Ton: Arndt Henning, Schnitt: Silke Olthoff, Redaktion: Jutta Krug (WDR) + Barbara Denz (NDR), gefördert von der Filmförderung Hamburg Schleswig-Holstein. Eine Produktion von HANFGARN & UFER Nord
*** Nominierung PRIX EUROPA 2014 ****
*** Nominierung Friedensfilmpreis Osnabrück Filmfestival ***
[leider habe ich zu diesem wichtigen Dokumentarfilm keinen Trailer entdeckt]

Preis

6. April 2014

Heute am Sonntag muss ich wieder an die erschossene Fotojournalistin denken. Hal Faber schreibt:

„Anja Niedringhaus war eine große Fotografin.… Sie wurde in Afghanistan erschossen. Vor ihr starben Sardar Ahmad und Nils Horner. Alle drei wollten über die friedlichen Wahlen in Afghanistan berichten.“

In den letzten beiden Tagen habe ich zahlreiche, beeindruckende Fotos dieser Frau gesehen, die mir unbekannt war und die jetzt aus Rache erschossen wurde. Ich las, was sie zu sagen hatte: „Ich bin zur größten Pazifistin geworden, seit ich in diesen Gebieten arbeite. Mit Panzern löst man keine Probleme.“

So ist es wohl. Doch den Preis für die Alternative zahlen Menschen wie Anja Niedringhaus.

Bildschirmfoto 2014-04-06 um 09.08.12

Flüchtlingskinder

1. Februar 2014

Portraits of Afghan Child Refugees
Show the Legacy of Conflict

Around 1.6 million Afghan refugees live within Pakistan’s borders, making up one of the world’s largest refugee communities, according to the United Nations refugee agency. These people have been fleeing persecution and violence in Afghanistan ever since the Soviet invasion in 1979. Despite feeling alienated in Pakistan, many refugees say they wouldn’t take the risk of returning to Afghanistan. Because of the turmoil, generations of Afghan children have been growing up in Pakistan, never going to school and uncertain of their future.

Below is a beautiful series of portraits taken by Muhammed Muheisen for the Associated Press of Afghan children living in Islamabad, Pakistan.

Augen

laiba Hazrat, 6
IMAGE: MUHAMMED MUHEISEN/ASSOCIATED PRESS

Mehr beeindruckende Aufnahmen hier