Emlichheim

24. Februar 2021

Tobias Schwartz ist am Rand von Niedersachsen aufgewachsen, kurz vor der niederländischen Grenze. Zwei Romane hat der Wahlberliner bisher dort angesiedelt. Dabei schreibt er nicht autobiografisch: Seine Geschichten sind in der Provinz beheimatet und gehen doch weit über sie hinaus. Die Provinz ist Emlichheim in der Niedergrafschaft Bentheim. Emlichheim: kaum ein Ort in Deutschland, der weiter von einer Großstadt entfernt wäre; kaum ein Ort in Deutschland, an dem Einheimische und Flüchtlinge deutlicher spüren könnten, dass es nur eine gemeinsame Geschichte gibt. In einer durch Torfbau und Gasförderung geprägten niedersächsischen Landschaft gelegen – die der Legende nach entstanden war, weil Napoleon seinen Daumen aufs Lineal gehalten hatte, als er die Grenze in seine Feldkarte einzeichnete -, kennzeichnen vier Kirchen unterschiedlicher Konfessionen das Dorf.

Wo das Auge hinreicht: Kartoffeln. Irgendwo am Horizont die größte Kartoffelstärkefabrik Europas. Dazwischen Pumpen, die Erdöl aus der Tiefe des sandigen Bodens fördern. In diese Gegend, Emlichheim in der Grafschaft Bentheim, kehrt der Kinderarzt David zurück: „Nordwestwärts“, der 2019 erschienene erste Teil der Emlichheim-Reihe von Tobias Schwartz, erzählt einen Tag dieser zeitweiligen Rückkehr.

David fährt morgens mit dem Zug quer durch Deutschland, um abends ein Konzert zu geben, mit seiner Tante. Dabei bietet seine Reise nach und durch Emlichheim eine Resonanzfläche für Erinnerungen: an seine Jugendliebe Grete vor allem, die hochschwanger ist, die Geburt steht kurz bevor. Sein Kind könne es nicht sein, denkt David, das hätte Grete ihm doch gesagt.

Die Geschichte ist multiperspektivisch erzählt, geht auch mal zurück zu Kindheitserlebnissen von David und Grete oder gar ans Ende des Zweiten Weltkriegs. Das Buch wechselt rapide zwischen insgesamt rund 20 Perspektiven, manchmal gibt die jeweilige Sicht nur einen Satz her, bevor schon wieder gesprungen wird. Für Textstellen in Platt gibt es dankenswerterweise Fußnoten mit Übersetzungen ins Hochdeutsche. Obwohl Emlichheim aufgrund dieses vielstimmigen Formats so etwas wie der heimliche Star von „Nordwestwärts“ ist, liefert den roten Faden die Frage der Vaterschaft. Die Geschichte von Davids Familie und die Geschichte der Region scheinen unauflöslich verbunden mit diesem Tag, mit der Frage, die David die ganze Länge des Buches vor sich herschiebt: Ist er Vater – und will er einer sein? Ganz zu Anfang träumt er von einem Schwanenei, „und plötzlich übermannte ihn im Schlaf die traumhafte Gewissheit: Grete … hatte dieses Ei gelegt“. Schon hier wird also die Thematik geöffnet, die David aber lange verschlossen bleibt.

Schwartz, Jahrgang 1976, ist wie sein Protagonist in Emlichheim aufgewachsen. Trotz der vielen Sprünge zwischen Jetzt und Damals, zwischen zentralen und Nebenfiguren, behält er stets die Kontrolle über die Erzählung. Dabei schreibt er klar und präzise – nicht nur in den Dialogen. Die sind vielerorts gelobt worden, und das gern unter Hinweis aufs Theater, für das Schwartz schon viel geschrieben hat.

Für ihn…“

[weiter bei der taz]


Tobias Schwartz:
„Nordwestwärts“, 2019, 264 S., 22 Euro; ISBN-13 : 978-3961600069
„Vogelpark“, 2020, 192 S., 22 Euro; ISBN-13 : 978-3961600311

beide Elfenbein-Verlag Berlin.
Erhältlich in der lokalen Buchhandlung Ihres Vertrauens.

Max Goldt (abgesagt)

28. Februar 2019

Max Goldt liest
Lingen (Ems) – Centralino, Marienstraße 8
Freitag, 1. März –  20 Uhr

Achtung: Die Veranstaltung wurde leider abgesagt.

Eintritt: 15,50 € zzgl. Geb.

«Max Goldt schreibt heute das schönste Deutsch aller jüngeren Autoren … Die Heiterkeit und Stille, die diese Sprache ihren Lesern schenkt, liegt nicht nur im Humor; ebenso in einem freundlichen Abstandnehmen von den Aufdringlichkeiten einer Wirklichkeit, an der man sich besser seitlich vorbeidrückt.» Gustav Seibt

«Daß Max Goldts Werk sehr komisch ist, weiß ja nun jeder gute Mensch zwischen Passau und Flensburg. Daß es aber, liest man genau, zum am feinsten Gearbeiteten gehört, was unsere Literatur zu bieten hat, daß es wahre Wunder an Eleganz und Poesie enthält und daß sich hinter seinen trügerischen Gedankenfluchten die genaueste Komposition und eine blendend helle moralische Intelligenz verbergen, entgeht noch immer vielen, die nur aufs Lachen und auf Pointen aus sind. Max Goldt gehört gelesen, gerühmt und ausgezeichnet.» Daniel Kehlmann

Lingen literarisch

27. Juni 2017

Lingen literarisch
Ein Rundgang über 10 Stationen
mit Elisabeth Köck und Dr. Andreas Eiynck
Treffpunkt: Emslandmuseum, Burgstr. 28b – Lingen (Ems)
Mittwoch, 28.06. – 19 Uhr
Kosten 2 €
Zu einer literarischen Stadtführung lädt die LWT Lingen am 28.6. (Mi., 19 Uhr) alle Interessierten ein. Elisabeth Köck und Dr. Andreas Eiynck vom Emslandmuseum haben in Reiseberichten und Chroniken gestöbert, klassische und moderne Gedichte auf Lingen zusammengetragen sowie manchen literarischen Leckerbissen entdeckt und aufbereitet.
Die Ergebnisse werden nun bei einer öffentlichen Stadtführung präsentiert.
Bei dem rund 90-minütigen Rundgang durch die Innenstadt präsentieren die beiden Literaturbegeistern an zehn Stationen Ernstes und Heiteres, Historisches wie Aktuelles aus dem literarischen Fundus der tausendjährigen Stadt an der Ems.
Rezitierte Autoren sind dabei z.B. Emsland-Klassiker wie Emmy von Dincklage und Theo Lingen, aber auch die jüdische Buchhändlerin Helga Hanauer, die in den 70er Jahren zahlreiche eindringliche Gedichte veröffentlichte. Als Autor ganz neu entdeckt wurde der frühere lingener Beatmusiker und spätere Konzeptkünstler Peter Fjodoroff, alias Peter Newmerschyzky (Foto). Auch der zeitgenössische Schriftsteller Manfred Rockel darf mit seinen wortspielerischen Gedichten auf Lingen und das Emsland natürlich nicht fehlen.
Der Rundgang berührt viele Aspekte der Stadt und bietet eine Bandbreite von Reiseberichten sowie historischen Beschreibungen bis zu aktuellen Begegnungen in Prosa und Poesie, ausgewählt nicht nur für Literaturkenner.
(Quelle)

welches

19. Juli 2016

Einen dicken Applaus für die Literaturabteilung der Polizei Frankfurt.

Grass

(via Lachgas)

schwer und intensiv

29. Juni 2016

Bachmannpreis16Der Schriftsteller Burkhard Spinnen eröffnet heute den diesjährigen Ingeborg-Bachmann-Wettbewerb. Der Ingeborg-Bachmann-Preis wurde in Gedenken an die Schriftstellerin Ingeborg Bachmann von ihrer Geburtsstadt Klagenfurt (Kärnten) gestiftet und wird seit 1977 jährlich während der mehrtägigen Veranstaltung Tage der deutschsprachigen Literatur verliehen.  Spinnen war sieben Jahre lang Juryvorsitzender des Lesewettstreits und hält unter dem Titel „Grand Tour durch das Nähkästchen eines Veteranen oder: 15 Mal Bachmann-Preis“ die traditionellen Klagenfurter Rede zur Literatur.

Die Tage der deutschsprachigen Literatur im österreichischen Klagenfurt sind der bedeutendsten Literaturwettbewerb im deutschsprachigen Raum. Sie  finden in diesem Jahr bis zum 3. Juli statt und feiern gleich zwei Jubiläen: 2016 wäre nämlich die österreichische Schriftstellerin Ingeborg Bachmann 90 Jahre alt geworden, und der nach ihr benannte Preis wird 2016 zum 40. Mal vergeben. 14 Autorinnen und Autoren aus Deutschland, Österreich, Großbritannien, Frankreich, Serbien, Türkei, Israel und der Schweiz lesen bis kommenden Samstag um den mit 25.000 Euro dotierten Ingeborg-Bachmann-Preis, der am 3. Juli vergeben wird.

Die Zuhörer selbst können via Internet den Publikumspreis in Höhe von 7.000 Euro vergeben. Außerdem vergibt 3sat, der werbefreie Gemeinschaftssender von ZDF, ORF, SRG und ARD, an „ein vielversprechendes Talent aus dem Kreise der zum Klagenfurter Wettbewerb eingeladenen Autorinnen und Autoren“ den mit 7.500 Euro dotierten 3sat-Preis.

Direkt nach Burkhard Spinnens Eröffnungsrede wird übrigens die Le­sereihenfolge der eingeladenen Autorinnen und Autoren ausgelost. Alle sich in den folgenden Tagen anschließenden Lesungen überträgt 3sat live bzw. per Livestream: Am Donnerstag (30.6.) und Freitag (1.7.) jeweils von 10.00 bis 15.30 Uhr, am Samstag (2.7.) von 10.00 bis 14.00 Uhr. Die Schlussdiskussion mit der Preisverleihung zeigt 3sat am kommenden Sonntag von 11.00 bis 12.00 Uhr. Beim Wettbewerb zugelassen sind übrigens ausnahmslos unveröffentlichte deutschsprachige Prosatexte mit einer maximalen Lesedauer von 25 Minuten.

Eine der im Wettstreit  lesenden Autoren ist in diesem Jahr die in Osnabrück lebende, in Hannover geborene Ada Dorian. Die studierte Literaturwissenschaftlerin liest auf Einladung der Jurorin Hildegard E. Keller.  Ada Dorians Romandebüt „Betrunkene Bäume“ erscheint 2017 bei Ullstein.

Ada Dorians Texte sind schwer und intensiv, schreibt der NDR. Sie sei kein Fan der Heiterkeit, erklärt die 34jährige über sich selbst und sagte dem NDR: „: „Ich würde mich selbst als optimistische Melancholikerin bezeichnen. Ich glaube, dass meine Texte ganz viel Mut machen, aber inhaltlich rückwärtsgewandt sind und sehr nachdenklich. Sie werden in meinen Texten keine Explosionen und keine Witze finden.“ Im Vorfeld der Veranstaltung hat die Niedersächsin wie die anderen Kandi­daten eine persönliche Visitenkarte in Form eines rund 2-minütigen Videoporträts eingereicht.

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Die Frankfurter Buchmesse 2016 mit den Ehrengästen Niederlande und Flandern wirft einen weiteren Schatten voraus. Nachdem heute verkündet wurde, dass die Boekenweek 2016 „Deutschland“ als Thema haben wird (NiederlandeNet berichtete), organisierte ein großer niederländischsprachiger Verlag jüngst eine Art Speed Dating mit Vertretern großer deutscher Verlage und hierzulande noch unbekannten Autoren.

FBM16„Ich wollte deutsche Verlage gerne mit unseren besten Schriftstellern zusammenbringen“, sagte Mizzi van der Pluijm, Organisatorin der Veranstaltung und Direktorin des Verlags Atlas Contact, in das Mikrofon des NOS-Deutschlandkorrespondenten Jeroen Wollars. Stattgefunden hat die Begegnung in einem Münchener Restaurant, wo rund ein Dutzend Vertreter deutscher Verlage an langen Tischen niederländischen Autoren wie Adriaan van Dis, P.F. Thomése, Nelleke Noordervliet, Midas Dekkers oder Hanna Bervoet gegenübersaßen. Laut van der Pluim allesamt „Menschen, die möglicherweise Nachfolger jener Namen werden, die jeder in Deutschland schon kennt.“ Das es abseits von den gemeinten großen drei Cees NootenboomHarry Mulisch und Margriet de Moor noch weiteres niederländisches Potential gäbe, sei wichtig aufzuzeigen, so die Atlas Contact-Direktorin.

Anlass für den Schriftsteller P.F. Thomése, an der Veranstaltung teilzunehmen, ist neben dem Wunsch, hierzulande bekannter zu werden auch seine Bewunderung für Deutschland und seinen Büchermarkt. „Für einen Autoren ist Deutschland wie nach Hause kommen. Denn das Interesse an Literatur ist dort noch viel größer als bei uns, wo doch der Unterhaltungssektor leider triumphiert hat.“ Das Thomése in Deutschland momentan noch recht unbekannt ist, könnte sich bald ändern. Auf der Matching-Veranstaltung in München habe er laut NOS nämlich durchaus das Interesse mancher deutscher Verlage wecken können.

Manche Verlagsvertreter bilanzieren die Veranstaltung aber eher verhalten. Ob sie einen Nachfolger von Mulisch oder Nootenboom gefunden hätte wollte der NOS-Reporter wissen: „Nicht wirklich, wenn ich ehrlich bin.“ Adriaan van Dis, den Gewinner des renommierten niederländischen Libris Literatuur Prijs in diesem Jahr, wundert es dabei nicht, dass er und seine Kollegen nicht unbedingt mit offenen Armen in Deutschland empfangen werden: „Vor 15 Jahren stand die niederländische Literatur für eine ganz eigene Stimme – es war etwas anderes. Sie war ungezogen, mehr auf die Außenwelt bezogen. Aber das sieht man mittlerweile auch in Deutschland.“ Deshalb sei es anstrengender, als niederländischer Autor auch in Deutschland langfristig Erfolg zu haben.

Bis zur Frankfurter Buchmesse 2016 haben die Autoren noch ein wenig Zeit, ihren Namen hierzulande mehr Bekanntheit zu verschaffen. Die Buchmesse mit den Gastregionen Niederlande und Flandern (NiederlandeNet berichtete) wird vom 19. bis zum 23. Oktober 2016 stattfinden.

(gefunden auf Niederlande.Net}