Die geplante Sanierung im nördlichen Reuschberge sorgt für große Unruhe unter den Anwohnern. Weil die Stadtverwaltung bisher auf ein „vereinfachtes Verfahren“ setzt (Ratsvorlage 2/2006), schlägt die unabhängige Stadtratsfraktion „Die BürgerNahen“ nun Alarm: In einem umfassenden Änderungsantrag fordert die Fraktion einen deutlich stärkeren Schutzschirm für die Mieterinnen und Mieter. Das Ziel: Sanierung ja, aber nicht auf Kosten der angestammten Nachbarschaft.

Keine „Sanierung light“ zu Lasten der Mieter
„Das von der Verwaltung vorgeschlagene vereinfachte Sanierungsverfahren dient vor allem den Steuervorteilen der Investoren, nimmt der Stadt aber die rechtlichen Zügel aus der Hand“, erklärt die Fraktion. Die BürgerNahen fordern stattdessen ein umfassendes Sanierungsverfahren. Nur dieses gibt der Stadt die gesetzliche Macht, jede Modernisierung und jeden neuen Mietvertrag vorab zu prüfen und zu genehmigen. „Wir wollen sicherstellen, dass aus ‚unwesentlichen‘ Mietsteigerungen keine unbezahlbaren Wohnungen werden.“ formulierte BN-Fraktionsvorsitzender Robert Koop.

Fünf Kernforderungen für ein faires Sanierungsverfahren stellt die BN auf:

  1. Mietpreis-Bremse bei Modernisierung: Die gesetzliche Modernisierungsumlage soll von 8 % auf 4 % halbieren werden. Zudem darf die Warmmiete nach der Sanierung für einkommensschwache Haushalte maximal 30 % des Einkommens betragen. Dafür gibt es im Gegenzug die´zusätzliche steuerlichen Vorteile durch die Ausweisung als Sanierungsgebiet..
  2. Unabhängiges Umsetzungsmanagement: Wer seine Wohnung durch Bauarbeiten vorübergehend oder dauerhaft verliert, darf nicht allein gelassen werden. Die Stadt soll unabhängige Profis beauftragen, die den betroffenen Menschen aktiv bei der Suche nach Ersatzwohnraum und beim Umzug helfen – finanziert durch die Investoren.
  3. Investorenunabhängige Mieterberatung: Mieterinnen und Mieter brauchen Experten an ihrer Seite, die nicht vom Vermieter bezahlt werden. Ein kostenloser Beratungsservice und die Gründung eines Mieterbeirats sollen die Bewohner stärken.
  4. Stopp von Luxus-Umbauten: Durch eine sogenannte „Soziale Erhaltungssatzung“ soll verhindert werden, dass günstige Mietwohnungen in teure Eigentumswohnungen umgewandelt oder durch Zusammenlegung vernichtet werden.
  5. Sofortige Veränderungssperre: Damit Investoren nicht noch schnell Fakten schaffen, bevor die neuen Regeln gelten, sollen Baugesuche und Abbruchanträge ab sofort kritisch geprüft und im Zweifel zurückgestellt werden.

„Menschen wichtiger als Rendite“
Die BürgerNahen betonen, dass die Modernisierung der Mühlenbachstraße und Umgebung zwar sinnvoll sei, aber der soziale Frieden Vorrang habe. „Die Stadtverwaltung mit OB Krone an der Spitze setzt auf Versprechungen der Investoren. Doch bloße Versprechen von Investoren sind rechtlich nicht bindend. Wir brauchen konsequente, klare städtebauliche Verträge“, so Robert Koop. „Das Reuschberge ist das Zuhause vieler Menschen, oft seit Jahrzehnten. Dieser soziale Wert darf nicht der Renditeerwartung geopfert werden.“

Der Stadtrat und im Vorfeld der Ausschuss für Planen und Bauen werden nun über diesen konsequenten Schutz-Katalog entscheiden müssen. Die BürgerNahen laden alle betroffenen Anwohner ein, den Prozess aufmerksam zu verfolgen und Anfang Februar an der „endlich doch noch“ (Koop) anberaumten Bürgerversammlung im Haus der Vereine teilzunehmen.


Crosspost von bnlingen.wordpress.com

Lehrhausabend des Forum Juden Christen
Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in Lingen nach 1945
Dietmar von Reeken, Oldenburg

Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28B
Mittwoch 21. Jnuar 2026 – 19.30 Uhr
Kein Eintritt

Dietmar von Reeken beleuchtet, wie sich die Lingener Stadtgesellschaft nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur mit ihr auseinandersetzte. Im Zentrum steht die direkte Nachkriegszeit: die Herausforderungen durch die soziale und ökonomische Krise, die politischen Umbrüche unter alliierter Besatzung sowie der Übergang von der Diktatur zur Demokratie. Dabei wirft der Vortrag einen kritischen Blick auf die Art und Weise, wie Erinnerung und Verantwortung in der frühen Nachkriegszeit in Lingen stattfand. Zwar zwangen die Entnazifizierungsverfahren zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, doch häufig erfolgte dies im Modus der Rechtfertigung und Abwehr. Die Mitverantwortung für das geschehene Unrecht und das Leid der Opfer blieben meist ausgeblendet. In seinem Vortrag liefert Prof. von Reeken nicht nur eine grundlegende historische Analyse, „sondern regt auch zur Reflexion über den langen Weg der Aufarbeitung an.“
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Dietmar von Reeken, geboren 1959 in Wilhelmshaven, lehrt seit 2004 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, wo er den Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik mit den Schwerpunkten Geschichtsunterricht und Geschichtskultur innehat.Akademischer Werdegang
Dietmar  von Reeken absolvierte von 1980 bis 1985 ein Studium der Geschichte, evangelischen Religionslehre, Pädagogik und Soziologie an den Universitäten Münster und Oldenburg.  Anschließend durchlief er von 1988 bis 1990 sein Referendariat am Studienseminar in Celle. Seine Promotion im Fach Geschichte erfolgte 1989 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.  Daraufhin arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bielefeld. Seine Habilitation im Fach Neuere Geschichte und Didaktik der Geschichte erlangte er 1998 an der Universität Oldenburg. 2001 übernahm er die Professur für Didaktik des Sachunterrichts am Zentrum für Lehrerbildung der Universität Bielefeld. Schließlich folgte er 2004 einem Ruf an die Universität Oldenburg.Forschung und Publikationen
Dietmar von Reeken ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen, die sich mit geschichtlichen Themen und unterrichtsdidaktischen Inhalten für den Schulunterricht befassen.  Darüber hinaus hat er sich intensiv mit spezifischen Themen der bremischen und ostfriesischen Geschichte auseinandergesetzt.

Im vergangenen Jahr gab von Reeken den Sammelband „Lingen im Nationalsozialismus“ (ISBN 978-3-7395-1540-3, 29,- Euro) heraus, der erstmals die Geschichte der Stadt von 1933 bis 1945 aufzuarbeiten sucht. Dazu hat Dietmar von Reeken  zusammen mit verschiedenen HistorikerInnen neben der Vor- und Nachgeschichte vor allem die In- und Exklusionsprozesse in Lingen (Ems) in der Zeit von 1933 bis 1945 dargestellt, so dass „das dichte Bild einer Kleinstadt in der Zeit des Nationalsozialismus entsteht.“ (Stadt Lingen (Ems)).