„unzufrieden“

29. Dezember 2025

Hat die taz etwa diesen Beitrag aus diesem kleinen Blog aufgegriffen? Am Wochenende berichtete für die taz Harff-Peter Schönherr:

„Denkmalschutz schützt vor Verfall nicht.
An vier Baracken des einstigen NS-Emslandlagers XI Groß Hesepe nagt der Zahn der Zeit. Erhalten wollen sie viele. Geschehen ist wenig.


Verrottet und verfallen: Baracke 38, Teil des einstigen Emslandlagers XI Groß Hesepe
Foto: (c) Harff-Peter Schönherr

Die Abteilung Groß Hesepe der Justizvollzugsanstalt (JVA) Lingen, in der Gemeinde Geeste an der Ems, liegt auf historisch belastetem Boden. Wo sie heute 275 Haftplätze vorhält, Vollzug für männliche Gefangene, lag von 1938 bis 1945 Lager XI der 15 Konzentrations-, Straf- und Kriegsgefangenenlager, die während der NS-Zeit im Emsland errichtet wurden. In Groß Hesepe zwang die Wehrmacht Soldaten anderer Nationen zum Arbeitseinsatz. Vier Baracken von Lager XI sind bis heute erhalten, eine außerhalb der Zäune und Stacheldrahtrollen der JVA, drei innerhalb. Zusammen mit einem Transformatorengebäude und einem grubenhausähnlichen Kartoffelkeller machen sie Groß Hesepe zu etwas Besonderem: dem Ort, an dem sich die meisten baulichen Spuren des Terrors der Emslandlager finden.
Die Baracken, alle aus Holz, nur eine teils aus Backstein, stehen unter Denkmalschutz. Aber dieser Schutz schützt sie nicht. Die drei größten, jede viele Dutzend Schritte lang, sind baulich marode, in Teilen unbetretbar. Eine ihrer Türen ist mit einer rotweißen Warn-Sperre vernagelt, einem riesigen X – hier sackt das Dach zusammen.

„Angesichts der besonderen historischen Bedeutung sind wir mit dem aktuellen baulichen Zustand der Baracken unzufrieden“, sagt Meik Portmann der taz, Leiter der JVA Lingen. „Es ist wichtig, das historische Erbe zu bewahren, sich nicht von ihm zu distanzieren.“

„Schon lange“ gebe…“

[weiter in der taz Nord]

Die Aufgeweckten unter den LeserInnen dies kleinen Blogs werden sich an die dramatische Zeit um den  Jahreswechsel vor zwei Jahren erinnern. Ein gefährliches, besonders hohes Emshochwasser hielt damals die Region in Atem.

Doch warum reagieren Menschen trotz präziser Hochwasserwarnungen häufig zu spät oder gar nicht? Mit dieser Frage am Beispiel der Ahrtal-Katastrophe befasst sich eine neue Arbeit von Prof. Dr. Britta Höllermann (Institut für Geographie, Universität Osnabrück) und Dr. Anna Heidenreich vom Weizenbaum-Institut in Berlin. Die Studie ist inzwischen bei Springer Nature Hazards veröffentlicht und darauf verweist ganz aktuell das UNDRR – das Büro der Vereinten Nationen zur Reduzierung von Katastrophenrisiken.

Am Beispiel der Flutkatastrophe im Sommer 2021 im Ahrtal zeigen die beiden Wissenschaftlerinnen auf, dass nicht allein technische Prognosen dafür entscheidend sind, ob eine drohende Katastrophe auch als solche erkannt wird. Die Analyse macht deutlich, dass viele Betroffene ihre Entscheidungen an früheren Erfahrungen ausrichten, etwa an weniger schweren Hochwassern oder Warnungen, die keine gravierenden Folgen hatten. Diese Orientierung an Bekanntem könne in Extremsituationen zu einer trügerischen Sicherheit führen, so die Forscherinnen.

Hinzu komme ein starkes Vertrauen in bestehende Schutzmaßnahmen und in das Eingreifen staatlicher Institutionen, wodurch Risiken unterschätzt und eigene Handlungsmöglichkeiten ausgeblendet würden. In ihrer Studie stellen die Autorinnen das sogenannte „Uncertainty Lens Framework“ vor, das zeigt, wie subjektive Unsicherheitswahrnehmungen Entscheidungen auf individueller und gesellschaftlicher Ebene prägen.

„Nicht die Unsicherheit selbst ist das Problem, sondern der Umgang mit ihr“, erläutert Prof. Dr. Britta Höllermann von der Universität Osnabrück. „Wenn Warnungen keine Vorstellung davon vermitteln, wie gravierend ein Ereignis tatsächlich werden kann, bleiben sie für viele abstrakt und führen nicht zu konsequentem Handeln.“

Die Studie plädiert daher für eine offenere und verständlichere Kommunikation von Unsicherheiten in der Hochwasservorsorge und im Katastrophenfall. „Nur wenn Restrisiken klar benannt und Verantwortlichkeiten transparent gemacht werden, können Gesellschaft und Individuen besser auf zunehmend häufigere und unvorhersehbare Extremereignisse reagieren“, so Britta Höllermann.


Quelle: PM Universität Osnabrück
Symbolfoto: Emshochwasser, CC siehe >Beitrag vom 22.10.24