Lehrhausabend des Forum Juden Christen
Der Umgang mit der NS-Vergangenheit in Lingen nach 1945
Dietmar von Reeken, Oldenburg

Lingen (Ems) – Emslandmuseum, Burgstraße 28B
Mittwoch 21. Jnuar 2026 – 19.30 Uhr
Kein Eintritt

Dietmar von Reeken beleuchtet, wie sich die Lingener Stadtgesellschaft nach dem Ende der nationalsozialistischen Diktatur mit ihr auseinandersetzte. Im Zentrum steht die direkte Nachkriegszeit: die Herausforderungen durch die soziale und ökonomische Krise, die politischen Umbrüche unter alliierter Besatzung sowie der Übergang von der Diktatur zur Demokratie. Dabei wirft der Vortrag einen kritischen Blick auf die Art und Weise, wie Erinnerung und Verantwortung in der frühen Nachkriegszeit in Lingen stattfand. Zwar zwangen die Entnazifizierungsverfahren zur Auseinandersetzung mit der NS-Zeit, doch häufig erfolgte dies im Modus der Rechtfertigung und Abwehr. Die Mitverantwortung für das geschehene Unrecht und das Leid der Opfer blieben meist ausgeblendet. In seinem Vortrag liefert Prof. von Reeken nicht nur eine grundlegende historische Analyse, „sondern regt auch zur Reflexion über den langen Weg der Aufarbeitung an.“
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Dietmar von Reeken, geboren 1959 in Wilhelmshaven, lehrt seit 2004 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg, wo er den Lehrstuhl für Geschichtsdidaktik mit den Schwerpunkten Geschichtsunterricht und Geschichtskultur innehat.Akademischer Werdegang
Dietmar  von Reeken absolvierte von 1980 bis 1985 ein Studium der Geschichte, evangelischen Religionslehre, Pädagogik und Soziologie an den Universitäten Münster und Oldenburg.  Anschließend durchlief er von 1988 bis 1990 sein Referendariat am Studienseminar in Celle. Seine Promotion im Fach Geschichte erfolgte 1989 an der Carl von Ossietzky Universität Oldenburg.  Daraufhin arbeitete er als wissenschaftlicher Assistent an der Universität Bielefeld. Seine Habilitation im Fach Neuere Geschichte und Didaktik der Geschichte erlangte er 1998 an der Universität Oldenburg. 2001 übernahm er die Professur für Didaktik des Sachunterrichts am Zentrum für Lehrerbildung der Universität Bielefeld. Schließlich folgte er 2004 einem Ruf an die Universität Oldenburg.Forschung und Publikationen
Dietmar von Reeken ist Autor und Herausgeber zahlreicher Publikationen, die sich mit geschichtlichen Themen und unterrichtsdidaktischen Inhalten für den Schulunterricht befassen.  Darüber hinaus hat er sich intensiv mit spezifischen Themen der bremischen und ostfriesischen Geschichte auseinandergesetzt.

Im vergangenen Jahr gab von Reeken den Sammelband „Lingen im Nationalsozialismus“ (ISBN 978-3-7395-1540-3, 29,- Euro) heraus, der erstmals die Geschichte der Stadt von 1933 bis 1945 aufzuarbeiten sucht. Dazu hat Dietmar von Reeken  zusammen mit verschiedenen HistorikerInnen neben der Vor- und Nachgeschichte vor allem die In- und Exklusionsprozesse in Lingen (Ems) in der Zeit von 1933 bis 1945 dargestellt, so dass „das dichte Bild einer Kleinstadt in der Zeit des Nationalsozialismus entsteht.“ (Stadt Lingen (Ems)). 

Lehrhausabend des Forum Juden Christen
„Thomas Mann und das Judentum“
Vortrag von Georg Aehling, Autor und Verleger
Lingen (Ems), Kunsthalle, Kaiserstraße 10a
Mittwoch, den 19. März 2025 – 19.30
Eintritt frei, Spende erbeten

In diesem Jahr jährt sich der Geburtstag von Thomas Mann zum 125. 150. und sein Todestag zum 70. Mal. Georg Aehling, Autor u.a. von zwei literarischen Werken über den Nobelpreisträger Thomas Mann, untersucht in seinem Vortrag  „Thomas Mann und das Judentum“  die Rolle des Judentums in den Familien Pringsheim und Mann, die essayistisch-programmatische und wie er selbst sagte-  philosemitische Haltung von Thomas Mann gegenüber dem Judentum und  Stereotypen und Klischees von Juden im Werk von Thomas Mann, um abschließend ein Resümee zu ziehen.

Thomas Mann spielte eine bedeutende Rolle als politisch engagierter Autor im Exil. Er kämpfte für die Anerkennung der diskriminierten jüdischen Minderheit und hatte Umgang mit etlichen Intellektuellen jüdischen Glaubens, die er sehr schätzte; auch sein Verleger Samuel Fischer, vor allem aber auch seine Ehefrau Katia waren jüdischer Herkunft. in den Jahren des Nationalsozialismus rückte Mann den Kampf gegen den Antisemitismus in den Mittelpunkt seines politisch-publizistischen Wirkens.

Lehrhausabend des Forum Juden-Christen im Altkreis Lingen eV
„Wat mööt wi hier smachten“ –
Hungertod und „Euthanasie“ in der Heil- und Pflegeanstalt Wehnen
Vortrag des Medizinhistorikers Dr. habil. Ingo Harms (Oldenburg) 

Lingen (Ems), Café Feinsinn im St. Bonifatius-Hospital, Wilhelmstraße 13. 
Mittwoch, 15. Januar 2025 – 19:30 Uhr
Eintritt frei, Spende erbeten

Der Medizinhistoriker Dr. habil. Ingo Harms (Oldenburg) gehört zu den Initiatoren der Gedenkstätte „Alte Pathologie“ in in der ehem. Heil- und Pflegeanstalt Wehnen bei Oldenburg (heute Karl-Jaspers-Kinik) . Schon etwa drei Jahre vor dem Beginn der Aktion T4 begann in dem Ort, der heute zu Bad Zwischenahn gehört, ein „Euthanasie“-Programm. Den geistig behinderten und psychisch kranken Patienten wurde die Nahrung vorenthalten. Rund 1500 PatientInnen fielen den unter ärztlicher Aufsicht vollzogenen Hungermorden zum Opfer

Ingo Harms stellt diese Verbrechen und ihre Aufarbeitung vor.
Die Veranstaltung findet in Kooperation mit dem Ethikkomitee des St. Bonifatius-Hospitals statt.