Baumschutz in Osnabrück
29. Januar 2026
Nein, ich schreibe nichts darüber, dass der noch amtierende OB in der heutigen Ratssitzung bekannt geben wird, erneut zu kandidieren und dass ihn auch dieses Mal die Lingener SPD und die Grünen unterstützen werden. Wie damals vor 16 Jahren. Lingen ist aber nicht mehr damals und ich empfinde die Unterstützung deshalb als reichlich absurd, weil niemand die rote und die grüne Minderheitsfraktion im Stadtrat 16 Jahre lang so gedemütigt hat wie der gegenwärtige Amtsinhaber. Seit seiner ersten Wahl 2010 nimmt er jeden Montag an den Sitzungen der CDU teil und einmal monatlich an denen der SPD, die dann aber eigens nicht montags sondern am Dienstag tagen musste, weil der OB an Montagen die Union beglückte. die Grünen laden ihn im Einzelfall ein, was auch nichts voranbringt. Er ist eben kein Teamplayer, unser OB – nicht einmal, wenn seine Unterstützer ihn 16 Jahre lang immer mit „lieber Dieter“ anschreiben. Aber er durfte seine erstrebte Wiederwahl mit einem Millionen-1050-Jahre-Programm vorbereiten, stets gehypt von der kritiklos-klickorientierten Lokalpresse. Dabei hat er gezeigt, wie kreativ er alle Aktionen und Feiern an vielen Haushaltsstellen verstecken konnte…
Ich schreibe auch nichts über das falsche Lingener Gerücht, dass der Kiosklaufmann Julius Frilling für die AfD kandidieren werde. Tut er nicht. Kandidaten der AfD heißen Kai mit Vornamen (Ex-FDP) oder sind Fahrradhändler mit schlechter google-Bewertung (also klar weniger als 4).
Ich schreibe auch nichts darüber, dass die Freie Wähler Lingen (FWL) wohl nicht wieder antreten; sie hatten 2021 ein Mandat errungen. Aber vielleicht tritt die Linke bei den Kommunalwahlen am 13. September an.
Nein, ich möchte lieber über schöne Dinge schreiben. Die neue Baumschutzsatzung in Osnabrück ist so etwas. Nach fast einem Vierteljahrhundert hat die Stadt Osnabrück wieder eine Baumschutzsatzung, deren Vorläufer CDU und FDP 2002 abgeschafft hatten. In Lingen hat OB Krone sie abgelehnt, worüber die Grünen jettz hinwegsehen. Doch womöglich gibt es die Osnabrücker Neuauflage nur kurz, fürchtet Harff-Peter Schönherr in der taz und informiert:
„Osnabrück gibt sich gern stolz auf sein urbanes Großgrün. Zum Beispiel so: Für 300 Euro kann man hier „StadtBaumPate“ werden. Die Kommune pflanzt dann einen neuen Baum.
Andererseits: Wer in Osnabrück einen Baum fällen wollte, hatte es in den vergangenen Jahrzehnten vergleichsweise leicht. Eine Baumschutzsatzung gab es nicht. 2002 hatten CDU und FDP sie abgeschafft.
Jetzt gibt es wieder eine, nach harter Debatte. Mitte März geht ihr Entwurf durch den Rat; zwei neue Vollzeitstellen entstehen. Der Anstoß kam von der Ratsfraktion der Grünen. Die Situation der Stadtbäume habe sich in den letzten Jahren „deutlich verschlechtert“, steht in ihrem Wiedereinführungsantrag.
„Das ist multifaktoriell“, sagt Volker Bajus der taz. Er ist Ratsmitglied der Grünen. „Durch die Klimakrise kommt es zu Dürre. Viele Kastanien sind durch die Miniermotte geschädigt. Lange waren Luftschadstoffe ein großes Thema. Viele Grundbesitzer fällen leider Bäume, weil sie kein Laub harken wollen, weil ihnen sterile Schottergärten lieber sind als Natur, weil sie von der Vorgeneration einen Garten geerbt haben und ihn ganz nach ihren eigenen Vorstellungen gestalten wollen.“
Jeder Baum ist wertvoll
Die neue Satzung habe „nicht nur eine ordnungsrechtliche Dimension“, betont er. „Es geht stark um Beratung. Viele BürgerInnen sind ja unsicher, auch was Baumkrankheiten angeht, den Beschnitt. Hier können unsere MitarbeiterInnen helfen.“
Zu den Gegnern der neuen Satzung zählen die Gegner der alten, zudem die AfD. Auch Oberbürgermeisterin Katharina Pötter (CDU) reiht sich hier ein.
„Das ist aus der Zeit gefallen“, wundert sich Bajus. „Jeder Stadtbaum ist ja zunehmend wertvoll. Wegen seiner Filterwirkung. Weil er die Stadt belüftet, im Sommer die Temperatur senkt. Einer Oberbürgermeisterin müsste ja an alldem gelegen sein, was Gesundheit und Wohlbefinden der BürgerInnen verbessert.“
Die meisten Osnabrücker Bäume stehen auf Privatgrund, waren bisher also ungeschützt, wenn nicht als Naturdenkmal ausgewiesen, nicht im Bebauungsplan als erhaltenswert eingetragen. Nur…“
Foto: Naturdenkmal Platane am Landgericht Osnabrück (Quelle)
Beitragsbild: Hist. Rathaus Lingen