Kaum ein Bauwerk prägt die Region an Ems und Vechte so nachhaltig wie die Burg Bentheim . Sie ist ein majestätisches, geschichtsträchtiges Bauwerk und ein bedeutendes Ziel für den Tourismus; 150.000 Besucher jährlich künden davon. Seit Wochen herrscht jedoch Stille hinter ihren Mauern. Aufgrund akuter Einsturzgefahr sind die Tore geschlossen. Schon zu Ostern 2025 war eine Burgmauer eingestürzt. Der zu Rate gezogene Monumentendienst in Oldenburg hat jetzt sein Gutachten vorgelegt. Die vorgelegte Untersuchung brachte nach Angaben der Stiftung erhebliche Mängel an den Tag. Sowohl Teile der Burgmauer als auch Teile der Gebäude und das Dach weisen demnach erhebliche Schäden auf, die auf akute Einsturzgefahr hinweisen, sagt das Gutachten den Angaben zufolge aus.
Also: Die Burg muss umfasst instand gesetzt werden, und das wird viel, viel länger dauern als einige Wochen oder Monate. Die „Stiftung Fürst zu Bentheim und Steinfurt“ ist Eigentümerin der historischen Anlage. Nach einer Sitzung ihres Kuratoriums am Donnerstag letzter Woche gab sie bekannt, dass ihr Ziel sei, ab Sommer 2027 zumindest einen eingeschränkten Besichtigungsbetrieb anbieten zu können. Angesichts der üblichen Durchführung derartiger Baumaßnahmen in Deutschland wird das nicht klappen. Nicht ansatzweise.
Klar ist: Die Sanierungskosten betragen bis zu 40 Millionen Euro – ein beträchtlicher Betrag, und es wird schon heftig debattiert, wer sie zahlen soll. Die Summe stellt eine erhebliche Verantwortung dar, die nicht einfach auf den Steuerzahler übertragen werden darf. Denn die Burg Bentheim ist kein staatliches Museum, sondern Privateigentum besagter Stiftung derer zu Bentheim und Steinfurt. Laut eigenen Angaben hat die fürstliche Familie in den vergangenen zehn Jahren rund vier Millionen Euro in die Instandhaltung investiert. Dies stellt eine beträchtliche Summe dar., hat aber nicht ansatzweise gereicht Wenn jedoch der „finanzielle Spielraum erschöpft“ ist und die Stiftung für die Rettung der Mauern auf Unterstützung durch Landkreis, Land und Bund angewiesen ist, stellt sich die grundsätzliche Frage, warum privates, denkmalgeschütztes Eigentum immer erst dann zur Gemeinschaftsaufgabe wird, wenn die finanziellen Belastungen erheblich werden.
Der Erhalt der Burg Bentheim ist von großer Bedeutung für die regionale Identität. Sollte der Adel jedoch seine Besitztümer als privates Vergnügen betrachten, das nur bei günstigen Wetterbedingungen genutzt wird, und bei ungünstigen Bedingungen die Unterstützung des Staates in Anspruch nehmen, ist dies nicht akzeptabel.
Weil derzeit die Mauern der Burg wackeln, haben sich die Verantwortlichen reflexhaft an Bundesfinanzminister Lars Klingbeil und Ministerpräsident Olaf Lies gewendet und bitten um finanzielle Unterstützung aus Steuergeldern, wie die Grafschafter Nachrichten meldeten.
Sollte aber die Allgemeinheit finanzielle Mittel in der notwendigen Höhe für den Erhalt des kulturellen Erbes bereitstellen, ist die Offenlegung der wirtschaftlichen Verhältnisse der Eigentümer unabdingbar. Vor der Inanspruchnahme öffentlicher Gelder muss nämlich sichergestellt sein, dass sämtliche privaten Reserven ausgeschöpft wurden. Die beträchtliche Millionen-Investition sollte nicht nur mit der Erwartung einer umfassenden Sanierung sondern zugleich einer neuen Form der öffentlichen Zugänglichkeit und Mitbestimmung einhergehen. Der Finanzierungsgeber muss folglich auch die Möglichkeit zur Mitgestaltung erhalten.
Im politischen Diskurs hat sich längst die Praxis etabliert, Denkmalschutzmaßnahmen an prominenten Standorten als nationale Verpflichtung zu priorisieren, während kleinere Projekte oder soziale Initiativen häufig unberücksichtigt bleiben. Vor der Genehmigung von 40 Millionen Euro Steuergeldern ist daher ein Runder Tisch unerlässlich für einen umfassenden Plan, der den öffentlichen Beitrag an eindeutige Gegenleistungen knüpft. Sollte die Last des Erbes für die private Stiftung zu groß geworden sein, ist es angebracht, die Burg Bentheim in öffentliche Trägerschaft zu übernehmen.
-> Gemälde: Burg Bentheim, Jacob van Ruisdael (ca. 1655)
Jacob Isaackszoon van Ruisdael wurde 1628 im niederländischen Haarlem geboren und starb 1682 in Amsterdam. Er war ein erfolgreicher niederländischer Landschaftsmaler und weit gereister Künstler. Um 1650 hat er auch die Grafschaft Bentheim bereist. In den folgenden Jahren malte er in seinem heimischen Atelier mehrere Ansichten von Burg Bentheim: detailgetreu und doch mit Elementen aus Skizzen von anderen Reisen verfremdet. So gleicht keines seiner Gemälde dem anderen, selbst wenn es dasselbe Motiv darstellt.
Das von etwa 1655 stammende Burg-Gemälde Ruisdaels, das in Burg Bentheim zu sehen ist, wurde erst 1988 wiederentdeckt. Bis dahin galt es als verschollen. Der Landkreis ersteigerte es während einer Auktion und stellte es 23 Jahre lang im Kloster Frenswegen in Nordhorn aus. Erst 2012 kam es im Rahmen der Kunstaktion „raumsichten“ an den Ort, den es zum Motiv hat: Burg Bentheim. Das Bild ist Eigentum der Niedersächsischen Sparkassenstiftung.
Weitere Gemälde van Ruisdaels von Burg Bentheim sind unter anderem im Rijksmuseum Amsterdam und in der Nationalgalerie Dublin ausgestellt.
5 oder 4? Schaffen wir!
4. Februar 2025
Warum der Nachwuchs 2015 ausgerechnet im Wasserturm heiraten wollte, habe ich nie wirklich herausgefunden. Doch an die Trauung im Wasserturm, an der ich im Sommer vor 10 Jahren teilnehmen konnte, erinnere ich mich aus vier Gründen gut. Alle vier lagen damals sozusagen außerhalb des Protokolls.
Erstens:
Dort zu heiraten schien plötzlich unmöglich, weil am vorgesehenen Heiratstermin das Standesamt für das Kutscherhaus geplant hatte. Damals wurde eben an dem „romantischsten Ort“ geheiratet, für den sich das erste Kandidatenpaar entschieden hatte und seinerzeit hatte ein Hochzeitspaar das Kutscherhaus am Emslandmuseum gewählt, weshalb dann auch alle anderen Hochzeitspaare dort heiraten mussten. Es wurde sogar behauptet, dass Heiraten im Wasserturm gar nicht mehr möglich seien. Erst auf meine -ich möchte sagen- dringende Intervention beim Geschäftsführer der Stadtwerke, ging es dann wie von Geisterhand doch noch.
Zweitens:
Um sechs Uhr morgens am Hochzeitstag saß ich kerzengerade in meinem Bett, weil mich eine akute apikale Parodontitis (findet bitte selbst raus, was das ist) außer Gefecht zu setzen drohte. Keine zwei Stunden später saß ich -mein Zahnarzt hatte mich wegen seines schnöden Urlaubs im Stich gelassen- im Behandlungsstuhl der mir unbekannten Zahnärztin Dr. Afarin Babai und bat um dringende „Hilfe, weil ich doch heute früh noch heiraten“ müsse. Auf ihre erste Rückfrage klärte ich zunächst auf, selbst „nur indirekt heiraten“ zu müssen; denn tatsächlich schließe der Nachwuchs den Bund der Ehe. Dann fragte sie: „Wann müssen Sie denn?“ und ich sagte, dass die Hochzeit um halb elf sei. Sie antwortete: „Halb 11? Schaffen wir!!“ Was danach behandlungstechnisch passierte, war perfekt, und wir haben es geschafft. Zahnärztin Afarin Babai praktiziert schon längst nicht mehr in Lingen, aber sie verstand ihr Handwerk.
Drittens:
Im Turm drängte es mich zu Fuß nach oben – ich verzichtete auf den Aufzug- überschätzte damit aber -nüchtern, wie ich immer noch war- meine Kraft für den Aufstieg in das ganz oben gelegene Trauzimmer und kam dort reichlich außer Atem an.
Viertens:
Oben fand ich dann zwei Präsente für Braut und Bräutigam seitens der Stadtwerke. Einmal eine Flasche „Lingen“-Sekt, der später besser als sein Name schmeckte, und außerdem einen feinen Sektflaschen-Verschluss nebst Glückwunschkarte der Stadtwerke. Eine wirklich freundliche Idee, die mir in guter Erinnerung geblieben ist. Wann man bekommt man schon einmal ein Geschenk unserer Stadtwerke?
Warum das alles? Nun, daran erinnerte ich mich gestern früh, als ich in der Lokalzeitung „Lingener Tagespost“ diesen Artikel fand:
Fünf romantischste Orte, und einer davon unser Hochzeitswasserturm! Auch mein Sohn und BN-Fraktionskollege Bernd Koop las den Beitrag, erinnerte sich an vielerlei Schönes in der Wasserturmspitze -einschließlich Sekt und Sektverschluss- und auch an eine ganz aktuelle Meldung der Stadtwerke Lingen, die den Wasserturm ihr Eigen nennen. Die nämlich lautete:
Von Baufälligkeit des Wasserturms war dort die Rede, doch nicht seit wann, weshalb, wie lange. Also schrieb Bernd Koop an Lilli Esser, die Autorin des LT-Beitrags und bat um Aufklärung. Die wiederum reagierte prompt und schnell:
„Hallo Herr Koop,“ emailte sie, „vielen Dank für Ihren aufmerksamen Hinweis. Ich habe einmal bei den Stadtwerken nachgefragt und man konnte mir bestätigen, dass der Wasserturm bis auf Weiteres auch für Trauungen geschlossen bleibt. Dieses Missverständnis haben wir in dem Artikel natürlich umgehend behoben. Genaueres zur Zukunft des Wasserturms soll nach Angaben der Stadtwerke noch folgen.“
Da waren es also nur noch vier romantischste Orte, um sich das „Ja-Wort“ zu geben. Und zu klären ist, wie es mit dem baufälligen Wahrzeichen weitergeht.
Foto: Lingener Wasserturm, Daniel Borker
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