Während draußen die Temperaturen sinken, kocht in der politischen Debatte ein Thema hoch, das uns alle betrifft: Die Wärme in unseren Wohnzimmern – oder besser gesagt, das Fehlen einer Garantie dafür. Schnallt euch an, es geht um historische Tiefstände in den Erdgasspeichern und die Verantwortung der neuen Bundeswirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU) im Kreuzfeuer.

Wir schreiben den Januar 2026, und eigentlich sollten wir uns im tiefsten Winter auf unsere Vorräte verlassen können. Aber die Gasspeicherstände in Deutschland sind auf einem historischen Tiefstand für diese Jahreszeit gefallen und dümpeln bei nicht ganz 41 % herum. Die deutschen Gasspeicher sind damit etwa 23 Prozentpunkte weniger gefüllt als im Mittel der Jahre 2017 bis 2021 (Datenstand: 20.01.2026).

Auch die Industrie beobachtet die sinkenden Füllstände der Gasspeicher in Deutschland mit Sorge. Führende Verbände erklärten, die Unternehmen hätten Notfallpläne, um in einer Mangellage Produktionsausfälle möglichst gering zu halten.

Experten warnen: Wenn jetzt eine langanhaltende Frostperiode kommt, könnten wir tatsächlich vor Versorgungslücken stehen. Man fragt sich unwillkürlich: Wer hat im letzten Sommer eigentlich vergessen, den Hahn aufzudrehen und die Vorräte für die kalten Tage zu sichern?

Kitzbühel statt Krisenmanagement?
Allerdings ist Robert Habeck (Bündnis’90/Die Grünen) seit dem Frühjahr nicht mehr Bundeswirtschaftsminister, und deshalb sieht die Realität eher düster aus: Im Zentrum der Kritik steht die neue Bundesregierung und ganz besonders Wirtschaftsministerin Katherina Reiche (CDU). Während das Land schlottert, wirkt das Krisenmanagement im Ministerium seltsam distanziert.

Besonders pikant: Während die Speicherstände sanken, sah man die Ministerin des Öfteren bei exklusiven Terminen, etwa an der Seite ihres Partners Karl-Theodor zu Guttenberg (CSU) auf Wirtschaftsgipfeln in Kitzbühel. Böse Zungen behaupten, das Networking auf glattem Parkett sei der Ministerin wichtiger gewesen als die profanen Füllstände in den deutschen Erdgaskavernen.

Ideologie füllt keine Speicher
Die Argumentation aus dem Ministerium klingt fast schon routiniert: Man verweist auf „fehlende ökonomische Anreize“ für Händler im Sommer 2025 und betont die Entlastung durch die Abschaffung der Gasspeicherumlage zum 1. Januar 2026.

Doch hier liegt der Hund begraben: Weniger Gebühren auf der Rechnung sind zwar nett, aber sie ersetzen kein physisches Gas im Netz. Die Opposition wirft Reiche vor, sehenden Auges in die Mangellage gesteuert zu sein, weil man sich zu sehr auf Marktmechanismen verlassen hat, die in Krisenzeiten schlicht nicht funktionieren.

Mein Fazit: Eine Phase der „Krisen-Nonchalance“
Was wir also hier erleben, ist eine gefährliche Mischung aus politischer Selbstzufriedenheit und organisatorischem Versagen. Man pflegt im Ministerium die Kunst der gepflegten Ausrede, während die Bürger zu Hause die Decken fester um sich ziehen. Wenn die „Wirtschaftswende“ der neuen Regierung so aussieht, dass wir bei 40 % Speicherstand auf den Frühling hoffen müssen, dann haben wir ein massives Problem.

Was meint ihr dazu?
Habt ihr schon die Heizung runtergedreht oder vertraut ihr darauf, dass die Regierung die Lage noch in den Griff bekommt? Wie bewertet ihr den Auftritt von Katherina Reiche in dieser Krise? Schreibt es mir in die Kommentare! ✍️👇


Foto/Beitragsbild: Ergdgas (Symbolbild) Aufnahme von Adam Górka auf Pixabay
Quellen: NDR, Bundesnetzagentur, tagesschau, taz, SZ, Handelsblatt

 

Die Lindenstraßenbrücke über den Dortmund-Ems-Kanal, bekannt für ihre charmante Sperrung seit Juni 2025 aufgrund einer kleinen, eher unbedeutenden Schiffskollision, erstrahlt nun endlich wieder in all ihrer reparierten Pracht – und das sogar schon seit gestern! Die Schweißarbeiten sind abgeschlossen, die Nähte heute kontrolliert, und siehe da: keine Fehler, so höre ich. Wer hätte das gedacht?

Die Tragfähigkeit? Natürlich vollständig wiederhergestellt. Autos, Busse, Lkw, Radfahrer, Fußgänger – alle könnten theoretisch wieder stolz über die Brücke fahren oder flanieren. Könnten. Denn: Obwohl nur noch ein bisschen Farbe fehlt und ein paar Kleinigkeiten abgebaut werden müssen, bleibt die Brücke natürlich weiterhin gesperrt. Schließlich wollen wir den Behörden -vorneweg das WSA Meppen- nicht den amtlichen Spaß verderben, sich strikt an ihren meisterlichen Plan zu halten und das Brückenbauwerk erst am 6. Februar frei zu geben.

Eine Freigabe des reparierten Bauwerks vor diesem Datum? Um Himmels willen, wer käme denn auf die absurde Idee, Bürokratie zu beschleunigen? Das wäre ja fast so, als würde man Kaffee trinken, bevor er abgekühlt ist – völlig undenkbar. Also, lehnen wir uns entspannt zurück und genießen den Anblick einer nutzlosen, aber perfekt instand gesetzten Brücke.


Foto: Lindenstraßenbrücke von (c) milanpaul via flickr

Es ist wie eine digitale Dr. Jekyll & Mr. Hyde-Show. Denn bei der Geschichte um einen Richter zwischen Paragrafen und Pöbeleien hab ich mir ungläubig die Augen gerieben. Als die wochentaz am vergangenen Wochenende berichtete, hab ich den Artikel noch einmal nachgelesen und mich gefragt, ob ich nicht versehentlich in einer eher schlechten Satire-Kolumne gelandet war. Doch was die wochentaz  zutage gefördert hat, ist ganz offenbar keine Fiktion, sondern ein Lehrstück über mutmaßliche Abgründe einer niedersächsischen Juristenkarriere.

Der Professor für „Pöbel-Wissenschaften“?
Im Zentrum steht der Instagram-Account „profdrcn“. Dieser Account pflegte ein Hobby, das man charmant als „chronisches Online-Tourette“ bezeichnen könnte, wenn es nicht so systematisch menschenverachtend wäre. Seit Jahren wurden dort Frauen, die es wagen, mehrgewichtig zu sein, mit „Whale Watching“-Sprüchen bedacht. Krebspatientinnen wird attestiert, die Chemo hätte das Hirn „weggeballert“, und queere Menschen werden kurzerhand als „krank“ tituliert.

Man könnte das als das übliche Grundrauschen des digitalen Bodensatzes abtun – wäre da nicht die Kleinigkeit, dass hinter diesem digitalen Pöbler laut einer erdrückenden Indizienkette ein Mann steckt, dessen Berufsethos eigentlich Mäßigung und Gerechtigkeit verlangt: Gert Armin Neuhäuser, Präsident des Verwaltungsgerichts Osnabrück, Honorarprofessor in Hannover und (ehemaliger) Vorsitzender des niedersächsischen Verwaltungsrichterverbands.

Wenn der Dienstwagen plaudert
Man muss fast über die handwerkliche Unbeholfenheit staunen, mit der dieser „profdrcn“ agierte. Die Indizien lesen sich wie ein Anfängerfehler im Krimi-Seminar:

  • Initialen: Früher hieß der Account „profdrgan“ – zufällig die Initialen von Gert Armin Neuhäuser (GAN).
  • Das Auto: „profdrcn“ beschwerte sich über die schlechte Ladeinfrastruktur für seinen Dienstwagen, einen VW ID.4. In Osnabrück fährt der Gerichtspräsident zufällig exakt dieses Modell.
  • Das Timing: Als eine Metzgerei „Gert-Armin“ zum beruflichen Erfolg gratulierte, geschah dies exakt zwei Tage nach Neuhäusers Ernennung zum Gerichtspräsidenten.
  • Der Bindestrich: Als ihn jemand mit „Gert-Armin“ ansprach, korrigierte der Pöbel-Account prompt: „bitte ohne Bindestrich“. Ordnung muss schließlich sein, auch bei der Online-Beleidigung.

Zwischen Kommunalpolitik und Ideologie
Doch Neuhäuser ist nicht nur im Gerichtssaal und (mutmaßlich) auf Instagram aktiv. In seiner Heimatstadt Rinteln führt er die Fraktion „Rintelner Interessen“ an. Erst kürzlich verkündete er stolz den Zuwachs durch Anthony Lee – einen Landwirt, der vor allem als rechtspopulistischer Influencer bekannt ist und offen für Koalitionen mit der AfD wirbt. Neuhäuser selbst wettert in Pressemitteilungen gegen „rote und grüne Ideologie“ und fordert Politik „für die Bürger“. Dass „profdrcn“ auf Instagram Aktivisten als „Linksfaschisten“ bezeichnet und die „grüne Sekte“ beschimpft, passt da fast schon zu perfekt ins Bild.

Die Verteidigungsstrategie: „Identitätsmissbrauch“
Neuhäusers Anwalt – der für seine streitbare Art bekannte und deutlich mehr als einen Hauch rechts angelehnte Joachim Steinhöfel – wählt die Vorwärtsverteidigung. Es handle sich um „digitalen Identitätsmissbrauch“. Unbekannte Dritte hätten also über Jahre hinweg mühsam ein Profil aufgebaut, das exakt Neuhäusers Dienstwagen, seine Initialen, seine Vorlesungsthemen und seine Vorliebe für korrekte Zeichensetzung im Vornamen imitiert, nur um ihn zu diskreditieren. Ein wahrhaft genialer Plot von Phantom-Gegnern!

In der Zwischenzeit zeigt sich die Leibniz Universität Hannover „zutiefst verstört“. Dort lehrt Neuhäuser unter anderem „Öffentliches Dienstrecht“. Ob er das Thema „Mäßigungspflicht nach § 39 des Deutschen Richtergesetzes“ in der nächsten Vorlesung wohl als praktisches Fallbeispiel behandelt?

Ein Urteil mit Beigeschmack
Besonders pikant: Neuhäuser führte vor Jahresfrist den Vorsitz in einem Verfahren gegen einen Polizisten, der rassistische Dateien in Chatgruppen geteilt hatte. Neuhäusers Kammer entschied dann  gegen eine Entlassung des Beamten aus dem Dienst – mit dem Hinweis auf das Recht auf „Privatleben“. Ein Schelm, wer Böses dabei denkt, wenn man die Vorliebe des Richters für „private“ Instagram-Ausflüge betrachtet.

Auch seine Tätigkeit im Rat der Stadt Rinteln für eine zweiköpfige, populistisch wirkende Wählergemeinschaft könnte dem Gerichtspräsidenten jetzt auf die Füße plumpsen. Die wochentaz berichtete von abenteuerlichen Aussagen des Instagramers.

Während die Staatsanwaltschaft Göttingen, die sich schwerpunktmäßig um Internetkriminalität kümmert, nun wegen Beleidigung ermittelt und Neuhäuser seinen Verbandsvorsitz schon am Sonntag – direkt nach der Veröffentlichung des „taz“-Artikels – als Vorsitzender des Verbands der niedersächsischen Verwaltungsrichter (VNVR) zurückgezogen, wie die „Hannoversche Allgemeine Zeitung“ zuerst berichtete, weil „die sachliche Arbeit des VNVR nicht durch Diskussionen über seine Person überlagert werden soll“.

Doch ich frage: Wie fühlt sich eigentlich ein queerer Mensch oder eine mehrgewichtige Frau, wenn sie in einem Gerichtssaal vor einem Mann sitzen, der laut Indizienlage ein Doppelleben als digitaler Pöbler führt? Die Fassade des unantastbaren Würdenträgers jedenfalls hat bereits mehr als nur Risse, und nach dieser Sache vor zwei Wochen steht der Osnabrücker Gerichtsbezirk eh schon im Wind.


Foto oben: Osnabrücker Fachgerichtszentrum -mit Verwaltungsgericht Osnabrück- (CC) siehe den CC-Vermerk im Blogbeitrag vom 10.06.2022
Beitragsbild: Schild Fachgerichtszentrum, Foto von Ramsch (CC) Attribution-Share Alike 4.0 International
Quellen: wochentaz, NDR, HAZ, PM Leibniz Universität Hannover, NOZ