Heute vor genau 30 Jahren, am 18. Januar 1996, wurde in Lübeck das Flüchtlingsheim der Diakonie in der Hafenstraße 52 angezündet. Bei dem Brandanschlag wurden drei Erwachsene und sieben Kinder und Jugendliche getötet, 38 Menschen wurden zum Teil schwer verletzt. Die Getöteten sind Françoise Makodila Landu, Christine Makodila, Miya Makodila, Christelle Makodila Nsimba, Legrand Makodila Mbongo, Jean-Daniel Makodila Nkosi, Monica Maiamba Bunga, Nsuzana Bunga, Sylvio Bruno Comlan Amoussou und Rabia El Omari; sie stammten aus Zaire, Angola, Togo und dem Libanon. Die jüngsten Bewohner des Hauses waren in Deutschland geboren. Nicht nur Hinterbliebene können nicht begreifen, dass diese Tat, der tödlichste Brandanschlag in der Bundesrepublik, nie aufgeklärt wurde.

Gegen 3:41 Uhr ging damals der Notruf von Francoise Makodila Landu bei der Feuerwehr ein. In panischer Angst rief sie „Hafenstraße! Nazis!“, während im Hintergrund bereits das Feuer wütete. Andere Quellen schreiben, die Getötete habe „Hallo! Feuer! Polizei!“ gerufen. Wenig später erstickten sie und ihre fünf Kinder im giftigen Rauch. Weitere Bewohner*innen starben in den oberen Stockwerken oder bei dem verzweifelten Versuch, sich über Fenster und Dächer zu retten.

Aus geringer Entfernung beobachteten drei junge Skinheads aus dem mecklenburgischen Grevesmühlen die brennende Geflüchtetenunterkunft. Eine Polizeistreife kontrollierte die Männer und nahm sie später fest. In den Vernehmungen fielen sie durch widersprüchliche Aussagen, spezifisches Täterwissen auf;  ihre Haare und Augenbrauen zeigten Brandspuren. Ein vierter Tatverdächtiger wurde zwar festgenommen, jedoch nicht erkennungsdienstlich behandelt und bald wieder freigelassen. Auch die anderen drei Verdächtigen waren bereits einen Tag nach der Tat wieder auf freiem Fuß.

Trotz klarer Hinweise, Zeugenaussagen und späterer, mehrfacher Geständnisse eines Täters wurden die vier Tatverdächtigen nicht verurteilt. Auch von staatlicher Seite wird der rassistische Anschlag nicht offiziell anerkannt.

Die Initiative Hafenstraße ’96 erinnert jährlich an die Opfer, kämpft für Aufklärung und setzt sich für eine lebendige Erinnerungskultur in Lübeck ein. Anlässlich des 30. Jahrestages haben die Aktiven eine neue Kampagne gestartet.

Die Initiative ist -trotz 10.000 Unterschriften- wohl mit dem Vorschlag gescheitert, das Geschehen mit einem parlamentarischen Untersuchungsausschuss des schleswig-holsteinischen Landtags aufzuklären. Jan Kürschner, Grünen-Abgeordneter und Vorsitzender des Rechts- und Innenausschusses, sagte: „Ein parlamentarischer Untersuchungsausschuss ist kein Ersatzgericht.“ Gerechtigkeit lasse sich darüber nicht herstellen. „Ein Untersuchungsausschuss nach 30 Jahren kommt zu spät und brächte zu wenig an wünschenswerter Aufklärung für die Hinterbliebenen, Überlebenden und die Öffentlichkeit.“ Auch der SPD-Innenpolitiker Niclas Dürbrook, so die taz,  ist „skeptisch, ob ein Untersuchungsausschuss uns in der Sache wirklich weiter bringen würde“.

Dass der oder die Täter bis heute nicht ermittelt werden konnten, treibt viele Menschen um. Mord verjährt nicht, doch neue Ermittlungen wird es offenbar trotzdem nicht geben.

Das Haus wurde später abgerissen, heute steht an der Stelle eine Fabrik für Frühstücksflocken. Gegenüber erinnern zwei Granitplatten und eine Bronzetafel an den Anschlag. Um der Fabrik Platz zu machen, wurde das Mahnmal auf eine kleine Grünfläche verlegt. Es fällt kaum auf zwischen Bäumen und Gestrüpp…

Mit verschiedenen Veranstaltungen wird an diesem Wochenende in Lübeck der Katastrophe gedacht. Eine offizielle Veranstaltung der Stadt Lübeck habe ich darunter nicht finden können.


Quellen: Amadeu-Antonio-Stiftung, epd, NDR, SPIEGEL, taz
Foto/Beitragsbild: Hafenstraße 52 nach dem Brandanschlag,  Stephan GrimmEigenes Werk CC BY-SA 4.0

Crossposting!*
Ein Schiff, das im Juni 2025 die Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal an der Lingener Lindenstraße rammte, dann die Sperrung der Brücke -selbst für Fußgänger und Radfahrer- und monatelanger Stillstand und eine Stadtverwaltung, die das Problem offenbar „verschlafen“ hat: Der Fall der beschädigten Kanalbrücke sorgt weiter für massive Kritik. Nun schlägt auch die Ärzteschaft Alarm.  Dr. Thomas Götz, Facharzt am Bonifatius-Hospital, hat jetzt in einem Brandbrief an Stadtbaurat Schreinemacher das ausgesprochen, was Tausende Lingener täglich spüren: Die Brückensperrung ist nicht nur ein Ärgernis, sie ist eine Belastung für die Infrastruktur, auch die medizinische. Patienten verpassen Termine, Rettungswege sind in der Rushhour blockiert. Die  „BürgerNahen“ sagten gestern klar: Diese Behäbigkeit ist inakzeptabel!

Während im medizinischen Bereich bei Notfällen jede Minute zählt, scheint die Zeit beim primär zuständigen Wasser- und Schifffahrtsamt (WSA) in Meppen und im Lingener Rathaus stillzustehen. Sieben Monate (!) dauerte es vom Unfall bis zum Baubeginn im Januar 2026, und noch ist unklar, wann die Brücke wieder freigegeben wird. Dass es auch anders geht, zeigt ein Blick nach Rheinland-Pfalz. An der Moselschleuse Müden gab es im Dezember 2024 einen Totalschaden. Die Bilanz dort:

  • Reparaturdauer: Nur 55 Tage.
  • Arbeitsweise: 24/7-Schichtbetrieb, auch am Wochenende.
  • Vergaberecht: Mut zur Eil-Vergabe ohne monatelange Ausschreibungs-Bürokratie.

Und in Lingen? Hier herrscht auf der Baustelle am Wochenende „Ruhe sanft“, während der Verkehr in der Stadt kollabiert. Besonders bitter: Die Kosten der Reparatur trägt die Haftpflichtversicherung des Verursachers. Die „sparsame“ und langsame Arbeitsweise des WSA schont also lediglich die Kasse der Versicherung. Die Zeche zahlen die Lingener Bürger, die lokalen Betriebe und die Umwelt durch unnötige Umwege und Abgase.

In der letzten Sitzung des Verwaltungsausschusses am vergangenen Donnersta zeigte sich der Stadtbaurat von der Kritik der Ärzteschaft noch „uninformiert“. Für die BN-Fraktion ist das ein Armutszeugnis. Sie sagt: „Wir lassen nicht locker:

  1. Druck aufs WSA: Die Stadt muss endlich massiv in Meppen intervenieren.
  2. Schichtbetrieb einfordern: Wer eine Hauptverkehrsader sperrt, muss unter Hochdruck arbeiten – auch am Wochenende!
  3. Beschwerde in Berlin: Wir werden eine offizielle Dienstaufsichtsbeschwerde beim Bundesverkehrsministerium gegen die Verantwortlichen des WSA einreichen.

Lingen braucht keine Verwaltung, die Zuständigkeiten hin- und herschiebt, sondern eine, die Probleme löst.“