Vor 20 Jahren

18. Januar 2016

HL_Damals_–_Hafenstraße_52Als Lübecker Brandanschlag wird der Anschlag auf ein Haus für Asylbewerber in der Nacht zum 18. Januar 1996 in Lübeck, Hafenstraße 52 bezeichnet. Er jährt sich heute zum 20. Mal. Bei dieser Brandstiftung starben 10 Menschen: Drei Erwachsene sowie sieben Kinder und Jugendliche. Sie stammten aus Zaire, Angola, Togo und dem Libanon, die Jüngsten waren in Deutschland geboren. Das Verbrechen wurde nicht aufgeklärt, die Ermittlungen standen unter starker öffentlicher Kritik.

Die taz druckte heute dieses Interview mit dem damaligen Lübecker Bürgermeister Michael Bouteiller (SPD):

taz: Herr Bouteiller, was ist Ihr erster Gedanke, wenn Sie auf den Lübecker Brandanschlag angesprochen werden? 

Michael Bouteiller: Unaufgeklärt und unaufgearbeitet.

Etwas genauer bitte. 

1996 war Lübeck noch im Bann der in den Jahren zuvor erfolgten Anschläge auf die jüdische Synagoge. Als dann am 18. Januar 1996 dieses schreckliche Morden dazukam, haben sich viele gefragt: Warum immer Lübeck? Deshalb führte das Ereignis mit den furchtbaren Szenen am Brandort zu einer großen Auseinandersetzung in der Stadt.

Sie sind am Brandort in Tränen ausgebrochen und haben anschließend zum zivilen Ungehorsam zum Schutz von Flüchtlingen aufgerufen. 

Für mich war die Anteilnahme am Brandort, die dann so hochgejubelt wurde, selbstverständlich. Es bot sich dort ein furchtbares Bild. Ich traf einige Betroffene, die schrecklich weinten, und habe eine Frau, die sich beim Sprung aus dem Fenster verletzt hatte, umarmt. Da kamen auch mir die Tränen. Anschließend habe ich das Rathaus als Treffpunkt für alle Beteiligten und Koordinationspunkt für Hilfeleistungen geöffnet. Da gab es für mich keine Alternative.

Das haben nicht alle Bürger so gesehen. 

Ich habe…“

[weiter bei der taz]

(Foto: Brandruine Lübeck, Hafenstraße 52; von 1970gemini – CC CC-BY-SA 4.0)

Ansporn

17. Januar 2014

Man durfte es schon vermuten: Der Landkreis Emsland hat eine neue Spitzenposition erklommen. Die Tierschutzorganisation PETA hat unseren Lieblingslandkreis ganz vorn eingestuft. Im alljährlichen PETA-Ranking der deutschen Veterinärämter belegt der Meppener Beamtentross den Spitzenplatz 2 – bei den „schlimmsten Veterinärämter Deutschlands“.

Veterinärämter sind bekanntlich für die Überwachung und den Vollzug des Tierschutzgesetzes in Deutschland zuständig. PETA meldet diesen Behörden zahlreiche Fälle von Tierquälerei und kontrolliert anschließend, ob und wie die Behörden im Sinne des Tierschutzgesetzes daraufhin tätig werden. PETA: „Während wir in vielen Fällen in kooperativer Zusammenarbeit mit Amtstierärzten sehr gute Erfolge für die Tiere erzielen konnten, gibt es noch immer viel zu viele Behörden, die das Tierschutzgesetz und die entsprechenden Verordnungen und Richtlinien nicht umsetzen. Ein Grundproblem ist das Fehlen einer neutralen Aufsichtsbehörde, welche schlecht arbeitende Amtstierärzte kontrolliert und maßregelt. Wir nennen dann die gesamte Behörde, auch wenn oftmals einzelne Amtstierärzte positiv oder negativ hervorstechen.“

Das schlimmste deutsche Veterinäramt 2013 ist laut PETA die Behörde im Landkreis Cuxhaven. Direkt dahinter dann der zweifelhafte Vizetitel für unser Veterinäramt des Landkreises Emsland und folgende Begründung:

„Im Emsland sorgte 2013 ein Fall von abgemagerten Pferden und in kleine Käfige (sogenannte Fangwagen) eingesperrte Galloway-Rinder für großes Aufsehen. Die Rinder schrien Zeugen zufolge stundenlang vor Durst, so dass sich auch Nachbarn bei den Behörden beschwerten. Trotz Strafanzeige von PETA gegen den Tierhalter bei der Ortschaft Klein Hesepe sowie zahlreicher Meldungen an das Veterinäramt änderte sich an den tierquälerischen Zuständen monatelang nichts. Daher wurde seitens PETA auch Strafanzeige gegen das Veterinäramt im Landkreis Emsland erstattet. Eines der Pferde wurde im Dezember 2013 nach Hinweis eines örtlichen Tierschutzvereins von der Polizei tot auf dem Gelände des Tierhalters aufgefunden. Weitere Informationen hier.“

Die besten Veterinärämter fand PETA im vergangenen Jahr übrigens im Landkreis Segeberg, den Städten Lübeck,  Bielefeld und Halle sowie dem Landkreis Aichach-Friedberg.

„Ausgezeichnet“ hat PETA solche Behörden, „die bei ihrer Arbeit besonders positiv oder negativ aufgefallen waren, nachdem sie von PETA über einen Missstand informiert wurden. Die Organisation fordert alle Veterinärbehörden dazu auf, jede Missstandsmeldung ernst zu nehmen und dem Tierschutz insgesamt einen höheren Stellenwert einzuräumen.“

„Diese Negativ-Auszeichnung ist auch als Ansporn zu verstehen, damit sich das Veterinäramt im Landkreis Emsland künftig engagierter für die Tiere einsetzt“, so Peter Höffken, Kampagnenleiter bei PETA.

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PETAPETA-Tipps, „wie Sie persönlich Tierquälerei stoppen können:
Bitte melden Sie Missstände und Tierquälerei konsequent der zuständigen Veterinärbehörde in Ihrer Stadt oder Ihrem Landkreis. Fassen Sie Ihre Beobachtungen detailliert und sachlich zusammen. Fertigen Sie möglichst Bild- und Videomaterial an. Unbedingt sollten Sie nach Ihrer Meldung beim Veterinäramt so lange nachfassen, bis der Missstand beseitigt ist (Fallbericht). Das kann ermüdend sein, ist aber für das jeweilige Tier die einzige Chance! In dieser Übersicht finden Sie ausführliche Tipps, wie Sie vorgehen sollten.“

vliegfeld

5. Dezember 2012

800px-Enschede_Airport_TwenteIn Lübeck hat es jetzt einen Deutsch-Ägypter gegeben, der den hochdefizitären Flughafen übernommen hat. Aber den Flughafen Twente zwischen Enschede und Hengelo will niemand.

Auf die öffentliche Ausschreibung hat sich im Nachbarland jedenfalls niemand gemeldet, der den „luchthaven Twente“ betreiben will. Der sollte da entstehen, wo es einen Militärflughafen gegeben hatte, der schon seit Jahren außer Betrieb ist.

Zwar hatten sich zunächst drei Firmenkonsortien interessiert gezeigt. Aber keines von ihnen gab nun ein Gebot ab. Warum alle jetzt nicht mehr als Betreiber wollten, ist für die Planungsgesellschaft ein Rätsel, das sie lösen will. Dabei ist die Lösung doch reichlich klar: Man kann mit dem Luchthaven Twente kein Geld verdienen.

Die Stadt Enschede und die Provinz Overijssel, die das „vliegfeld“ dem Vernehmen nach für 30 Mio Euro gekauft hatten, sind über die mangelnde Resonanz besonders enttäuscht. Sie hatten nämlich gehofft, dass der neue Flughafen zu mehr Beschäftigung führen werde. Nun überlegen beide, einen Teil der Pläne für den Flughafen noch umzusetzen. Ob das geht, dürfte aber erst im kommenden Frühjahr feststehen.. Der Chef der Planungsgesellschaft und Bürgermeister von Enschede Peter den Oudsten sagte:

“Die große Chance für Twente durch den Bau des Flughafens mehr Arbeits-plätze und nachhaltige Innovation zu erreichen, ist erst einmal vertan. Aber dies ist nicht das Ende fürunser Ziel, für die Wirtschaft der Region Twente einen kräftigen Anreiz zu geben. ”

Der Militärflughafen war seit dem zweiten Weltkrieg in Betrieb. 2003 beschloss dann der niederländische Verteidigungsminister die Schließung (Foto oben). Seither gibt es Pläne für eine zivile Nutzung, die aber nun erst einmal scheiterten. Auch im Münsterland und im westlichen Niedersachsen hatte es an den Plänen viel Kritik gegeben, weil eine starke Konkurrenz für den ohnehin gegenwärtig unter Druck stehenden Flughafen Münster/Osnabrück („FMO“) befürchtet wurde. Die Verantwortlichen und der Grafschaft Bentheim fürchteten den Fluglärm.

weiße Fläche

11. November 2012

Man darf auch lecker und gut essen, Freunde. Mit anderen Worten: Jetzt geht es um den Guide Michelin 2013.

Autoschrauber kennen die Michelin-Geschichte: 1900 erschien der erste Michelin-Führer als Wegweiser für die damals weniger als 3.000 Autofahrer  in Frankreich. Die Initiatoren  André und Édouard Michelin  gaben  Ratschläge zum Umgang mit Auto und Reifen nannten Werkstätten, Batterieladestationen und Benzindepots. 1923 erschien der Michelin in seinem Heimatland erstmals mit Hotel- und Restaurantempfehlungen.

Ab 1926 gewann der Guide Michelin für die Gastronomie seinen bis heute währenden Stellenwert, als er erstmals Sterne für eine gute Küche vergab, 1931 erstmals zwei und drei Sterne für eine herausragende Küchenleistung.  1936 führte Michelin die bis heute gültigen Definitionen zu den Sternen: „Eine sehr gute Küche: verdient besondere Beachtung“ (ein Stern), „Eine hervorragende Küche: verdient einen Umweg“ (zwei Sterne), „Eine der besten Küchen: ist eine Reise wert“ (drei Sterne).

Letzte Woche nun erschien der deutsche Guide Michelin 2013. Deutschland kann nun mit 255 ausgezeichneten Restaurants, davon zehn Drei-Sterne-Häuser, aufwarten (2011: 249). Sieben Restaurants erhielten einen zweiten Stern, 29 wurden erstmals ausgezeichnet. „Damit ist Deutschland nach Frankreich die Nummer zwei in dieser Kategorie in Europa“, sagte „Michelin“-Chefredakteur Ralf Flinkenflügel. Deutschland wird also zunehmend zum Land für Feinschmecker und Genießer.

Ganz Deutschland? Nein! Ein von unbeugsamen Einheimischen bevölkerter Landstrich hört nicht auf, dem Eindringling der hervorragenden Esskultur Widerstand zu leisten. Sie ahnen es: Das Emsland, der Landstrich von fettigen Pommes rotweiß und industriell-vorproduzierter Speckbohnenröllchen an Schnitzel in klebriger Panade. Tja, Freunde, es wird wohl noch lange im Emsland brauchen, bis man auch bei uns bundesdeutsches Durchschnittsniveau in den Restaurants erreicht, fast möchte man sagen, bis man anstelle Dönerwokpizzafastfood überhaupt Restauranthöhe erreicht.

Etwas resignierend stellt auch die NOZ fest, dass „die Region zwischen Osnabrück und der Nordsee weitgehend eine weiße Fläche in der Michelin-Karte (ist). (Michelin-)Chefredakteur Ralf Flinkenfügel meint, dass ‚die gehobene Küche nicht so einen Stellenwert einnimmt wie etwa in Baden-Württemberg‘ und dass die Gäste fehlen, die für gute Küche mehr auszugeben bereit sind.“

Neben dem Perior im wunderschönen Leer, dem Seesteg auf Norderney  und dem Osnabrücker La Vie konnten Keilings Restaurant (Bad Bentheim) und Apicius in Bad Zwischenahn ihren Stern behaupten. 3-Sterne-Koch Thomas Bühner (La Vie Osnabrück) meint, es fehle auch manchmal das regionale Selbstbewusstsein.

Also seien wir selbstbewusst, denken emsländisch zufrieden an die gute regionale Küche im Gasthof Backers in Twist und von Franz-Josef Sanders in seinem Jagdhaus Wiedehage (Haselünne). Aus Lingener Sicht hoffen wir auf Jan Kieseling (Foto oben re), unseren Kandidaten für mehr im Ratskeller am Lingener Markt. Hab ich eine richtig gute Küche vergessen? ich würde mich freuen, wenn es mehr als drei Restaurants sind, die man entspannt besuchen kann. Der erste emsländische Michelin-Stern kommt jedenfalls bestimmt…

Bis dahin schauen wir uns lächelnd an, wie herrlich sich der junge Lübecker Kevin Fehling über seinen dritten Stern  gefreut hat: