Ein Fehlstart, schade.

5. Januar 2026

Die Lingener CDU hat Jens Hofschröer für die Oberbürgermeister-Wahl 2026 nominiert.  Wie in diesem kleinen Blog vor dem Jahreswechsel angekündigt, hat sie sich also entschlossen, anders als vor acht Jahren in diesem Jahr einen eigenen Kandidaten zur Wahl des Oberbürgermeisters aufzustellen. Die findet am 13. September -und eine Stichwahl zwei Wochen später statt.

Es gab eine CDU-interne Findungskommission und die hat Jens Hofschröer auf den Schild gehoben. Der in Lingen geborene Wirtschaftsgeograph ist seit drei Jahren Dezernent für Digitales und Wirtschaft  in der VW-Stadt Wolfsburg [mehr…].  Der Lingener CDU-Vorstand ist dem Vorschlag der Findungskommission gefolgt -einstimmig natürlich-  und hat seinen Mitgliedern direkt nach den Feiertagen dazu diesen Brief geschrieben:

„…Die Kommunalwahl 2026 wirft bereits jetzt ihre Schatten voraus. Als CDU- Stadtverbandsvorstand haben wir uns in den vergangenen Wochen und Monaten intensiv mit der Frage beschäftigt, wie wir unsere Stadt Lingen (Ems) auch in Zukunft erfolgreich gestalten und mit einer starken Persönlichkeit in die kommende Oberbürgermeisterwahl gehen können.

Vor diesem Hintergrund haben wir uns im Vorstand einstimmig darauf verständigt, bei der anstehenden Kommunalwahl Jens Hofschröer als Kandidaten für das Amt des Oberbürgermeisters der Stadt Lingen (Ems) zu empfehlen und werben darum, ihn auf einer Mitgliederversammlung als unseren Kandidaten aufzustellen.

Mit Jens Hofschröer wollen wir einen erfahrenen und zugleich dynamischen Kandidaten nominieren. Er vereint fachliche Kompetenz mit einem ausgeprägtem Verständnis für Menschen, Verwaltung und wirtschaftliche Zusammenhänge. Als gebürtiger Lingener ist er eng mit seiner Heimat verbunden. Jens Hofschröer, überzeugt als Persönlichkeit durch Bodenständigkeit, Engagement, Verlässlichkeit und Führungsstärke. Er übernimmt Verantwortung, bringt unterschiedliche Interessen zusammen und motiviert Menschen, gemeinsam tragfähige Lösungen zu entwickeln.

Wir sind überzeugt, dass Jens Hofschröer der richtige Kandidat für die kommenden acht Jahre ist, um Lingen verantwortungsvoll weiter zu entwickeln, Bewährtes fortzuführen und neue Impulse für die Zukunft unserer Stadt zu setzen.

Jens Hofschröer ist 45 Jahre alt, verheiratet und hat zwei Kinder. Er ist zur Zeit Dezernent für Wirtschaft und Digitales bei der Stadt Wolfsburg und Geschäftsführer der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH.

Wir hoffen sehr, dass Sie diesen Vorschlag mittragen und unterstützen. Als CDU können wir gemeinsam viel erreichen!

Eine Einladung zu einer Mitgliederversammlung, auf der wir Jens Hofschröer offiziell als unseren Kandidaten vorstellen und aufstellen möchten, wird in Kürze erfolgen. Parallel dazu werden wir diese Entscheidung auch gegenüber der Presse kommunizieren. In der Anlage finden Sie einen Kurzsteckbrief, indem sich Jens Hofschröer vorstellt.

Für persönliche Gespräche, Rückfragen oder einen weiteren Austausch stehen wir Ihnen selbstverständlich jederzeit zur Verfügung.

Mit herzlichen Grüßen und den besten besten Wünschen für das neue Jahr…“

Mein Beitrag vom 30.12.2025 war also richtig und ich habe natürlich bei Jens Hofschröer nachgefragt, ob das Gerücht denn stimmt, von dem ich erfahren hatte. Er antwortete zwar schnell, doch leider nicht offen. Seine Kernaussagen:

„Auch ich habe wahrgenommen, dass mein Name im Zusammenhang mit der Oberbürgermeisterwahl 2026 in Lingen gelegentlich genannt wird. Eine offizielle Kandidatur/Nominierung gibt es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht. Derzeit bin ich in Wolfsburg in Doppelfunktion als Wirtschafts- und Digitaldezernent sowie Geschäftsführer der Wolfsburg Wirtschaft und Marketing GmbH tätig und richte meinen vollen Einsatz auf diese beiden Aufgaben.

Unabhängig davon verfolge ich die Entwicklungen in meiner Geburtsstadt Lingen weiterhin mit Interesse. Die langjährige Arbeit von Oberbürgermeister Dieter Krone, Stadtverwaltung und Politik hat Lingen über viele Jahre erfolgreich geprägt und verdient mehr als nur Anerkennung. Wie viele Lingener und Lingenerinnen möchte auch ich, dass meine Heimatstadt wirtschaftlich stark bleibt, lebenswert für alle ist und mit klarem Kurs in die Zukunft geht. Für mich steht daher stets die Frage im Mittelpunkt, wie Lingen auch künftig verantwortungsvoll, lebenswert und zukunftsorientiert gestaltet werden kann. Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt eine persönliche Entscheidung hierzu ergeben, werde ich diese selbstverständlich offen und transparent kommunizieren.“

Diese Antwort von Jens Hofschröer erreichte mich nach meinem Posting am letzten Dienstag. Ich weiß es zwar zu schätzen, dass ich überhaupt eine Antwort auf meine Frage bekommen habe. Doch gewünscht hatte ich mir eine offene, ehrliche Antwort. Stattdessen las ich:

  • Auch ich habe wahrgenommen, dass mein Name im Zusammenhang mit der Oberbürgermeisterwahl 2026 in Lingen gelegentlich genannt wird.“
  • „Eine offizielle Kandidatur/Nominierung gibt es zum jetzigen Zeitpunkt jedoch nicht.“ Und:
  • „Sollte sich zu einem späteren Zeitpunkt eine persönliche Entscheidung hierzu ergeben, werde ich diese selbstverständlich offen und transparent kommunizieren.“

Hätte Jens Hofschröer mir geantwortet: „Ja, das ist so! Ich werde kandidieren, bitte aber darum, dass noch wenige Tage vertraulich zu behalten.“ hätte ich das akzeptiert und mich so verhalten. So allerdings, wo drei Tage später der CDU-Vorstand allen Lingener CDU-Mitgliedern die Kandidatur übermittelt hat, fühle ich mich vom Kandidaten ganz und gar nicht ehrlich behandelt.

Ein Fehlstart, schade.

Spoilerfragen zum Thema:
Kandidiert Jens Beeck (FDP) für das OB-Amt? Wen stellen die BürgerNahen auf? Wen nominiert die SPD und wen die Grünen? Auf das Auslaufmodell des amtierenden, bekanntlich nicht teamfähigen OB Krone (SPD-Anrede „Lieber Dieter“) werden SPD und Grüne schwerlich setzen, wenn er denn überhaupt kandidiert, wovon ich nicht ausgehe.
Wenn die örtliche  Lingener Tagespost schon abwartet, bis ihr die CDU Lingen mundgerecht die Pressemeldung zur Hofschröer-Kandidatur übermittelt, erwarten nicht wenige Lingener, vor allem natürlich die meist besser informierte Leserschaft dieses kleinen Blogs und auch dessen Betreiber, auf diese Fragen eine ordentlich recherchierte, öffentliche Antwort. Herzlichen Dank im Voraus.
——–
Foto: Jens Hofschröer (c) Stadt Wolfsburg/Nina Stiller