Gemein

10. Juni 2009

bn_logo_gif_200px_fuer_webDie Schepsdorferin Sabine Stüting, (Mit-)Vorsitzende der neuen politischen Gruppe „Die BürgerNahen„, hat einen Beitrag zu einem Artikel geschrieben, mit dem die „Lingener Tagespost“ heute Stimmung für die 32-Mio-Euro-Emslandarena in Laxten macht. Vier, angeblich zufällig befragte „Bürger“ – eine davon aus Dalum – äußern sich unkritisch-positiv über das Arenalein. Falsch ist dabei schon die einleitende Behauptung, die Kosten des Projekts seien auf 25 Mio Euro begrenzt. Das kleine Wort „netto“ fehlt nämlich dabei. 25 Mio Euro netto wäre richtig.  Tatsächlich wird die 3500-Plätze-Halle mindestens 25 Mio + 4,5 Mio Mehrwertsteuer + 2 Mio Grundstück kosten.  

Sabine Stüting ist ob des Artikels und seiner Meinungsmache empört. Sie bringt die Dinge so auf den Punkt:

Eine Umfrage unter vier Personen als verlässliche Stichprobe auszugeben, wie die Bevölkerung in Lingen zu den Plänen der Emslandarena steht, ist derart hanebüchen, dass sich ein weiterer Kommentar hierzu verbietet. Es bleibt zu hoffen, dass es auch bei der Lingener Tagespost vielleicht noch den einen oder anderen Journalisten gibt, der so etwas wie Berufsehre kennt. Aber Schwamm drüber, ein jeder versucht halt sein Bestes.

Wenn dieser Artikel irgendeinen Schluss zulässt, dann den:  Unverbindlich gefragt, finden vier Personen in Lingen die Planungen gut. Nun ja, sich eine fundierte Meinung zu Lokalthemen zu bilden, erfordert eine unabhängige  Presse und interessierte Bürger, sowie den offenen Zugang zu Informationen.

Manches muss man „übersetzen“, damit es verständlich wird. Ein Bild: Von hundert Lingenern werden mit Sicherheit mindestens neunzig zustimmen, dass Audi, Mercedes und BMW schöne und attraktive Autos herstellen, und deren Besitz erstrebenswert wäre. Überraschenderweise werden aber nicht alle neunzig eine solche Marke kaufen! Denn in der konkreten Situation wird dann doch abgewogen: was brauche ich, und was kann ich mir leisten. Derjenige, der sich nur „wegen der Nachbarn“ auf Kredit ein Luxusauto zulegt, ist doch die Ausnahme – und wohl kein Vorbild.

Und genau diese Fragen sollten zunächst geklärt werden: Was braucht Lingen, und was können wir uns leisten?

Antworten gibt es dazu bisher nicht, und daran krankt die Planung.

Eine Veranstaltungshalle tut Lingen gut, die Emslandhallen sind aber veraltet und haben, da ungedämmt, ein Lärmproblem. Ebenso ist die verkehrliche Anbindung ungeregelt. Die aktuelle Auslastung ergibt ungefähr ein Konzert  und eine Messe pro Monat. Die Emsland-Arena soll 50 – 60 Konzerte pro Jahr bieten, gleichzeitig sollen die Märkte und Messen in den Hallen vermehrt werden. Nun fängt das Rechnen an: Bei 3.500 Plätzen und auch nur 50 Konzerten pro Jahr müsste jeder – also auch jeder Säugling und jeder Greis – in Lingen 3,4 Karten erwerben, bei niedrig geschätzten 30 Euro Eintritt wären das pro vierköpfige Familie schon 408 Euro im Jahr.  Vielleicht bin ich von Kulturbanausen umgeben, aber einen solchen Bedarf an Veranstaltungen kann ich nicht erkennen, leider auch nicht eine solche Finanzkraft.

Diese einfache Betrachtung macht schon klar, dass die Arena nicht „für Lingen“ ist. Selbst bei Betrachtung des gesamten Landkreises müsste jede Familie im Durchschnitt 60 Euro an Eintritt zahlen wollen, und wirklich jeder Säugling und Greis des Landkreises müsste zumindest jedes zweite Jahr die Arena genießen wollen.

Und wenn wie in den Konzepten von einem Einzugskreis bis zu 90 Minuten Fahrzeit die Rede ist – wer hat schon nachgewiesen, dass die Menschen aus dem Ruhrgebiet zu kulturellen Veranstaltungen nach Lingen fahren wollen? Welcher Veranstalter kann zusagen, eine Vervierfachung der Konzerte nach der Anzahl und eine noch größere Steigerung an Besuchern zu garantieren?

Und wenn es nicht „für Lingen“ ist, warum soll Lingen dann zahlen?

Die Stadt gab im vergangenen Jahr 25 Euro pro Bürger in die Kulturförderung aus, 7 Euro für die Sportförderung.  OB Pott sprach von 500.000 Euro Verlust pro Jahr durch den Betrieb der Hallen, und schon jetzt wird die Stadt ca. 15 Mio für den Bau aus ihrem Vermögen entnehmen. Rechnet man die geplanten Verluste sowie die entgangenen Zinsen zusammen, ergeben sich hierdurch zu berücksichtigende Kosten  von 18  Euro pro Bürger und Jahr. Das heißt: die Arena wird eine Steigerung der Kulturförderung von 25  auf 43 Euro bedeuten, Schlappe 70% mehr! Oder es wird an anderen Stellen gekürzt… da würde es nicht einmal ausreichen, die Sportförderung komplett einzustellen!

Wem will der Oberbürgermeister weis machen, dass eine Ausgabensteigerung von 70% in die kommenden Jahre passt?

Eine Arena, die anders als die Hallen keine Innenstadtanbindung hat, wird für Lingen nur Kosten und für die Außenbezirke Lärm und Verkehr bedeuten. Sollten die Hallen für Großkonzerte nicht umzurüsten sein – was noch bewiesen werden müsste.. stellt das panische und kurzfristige Verplanen einer Arena an den Stadtrand eine schlechte Alternative dar.

Eine Arena für Großkonzerte sollte optimal verkehrlich erschlossen sein. Eine Arena, die, wie Herr Pott richtig sagte, der gesamten Region dient,  muss von der Region getragen werden. Sinnvoll wäre, nun zuzugeben, dass eine schnelle Lösung eine schlechte Lösung ist. Nachdenken und Nachverhandeln sind nun nötig, vielleicht sogar über die Kreisgrenzen hinaus… „

Soweit zu den Fakten und zu berechtigten, bisher nicht beantworteten Fragen. Angesichts dessen würden gute Journalisten mehr tun, als nur Stichworte zu liefern und sich auf diese Weise mit den Plänen der Stadtoberen gemein zu machen.  Das muss einmal mehr und wieder  gesagt werden.

3 Antworten zu “Gemein”

  1. Conny Spielmanns said

    Traurig ist nur, das man für diese verhältnismäßig teure Tagespresse so billig aufgemachte Artikel lesen muß. Für unser gutes Geld sollte sich die Tagespost doch wenigstens qualifizierte, seriöse und unabhängige Berichterstatter leisten. Aber dieser Schuß ging wohl nach hinten los. Solche Berichterstatter/innen drücken das Niveau unserer Tageszeitung ganz schön runter. Wir Lingener Leser sind ja einiges gewohnt, aber hier ist das Geld selbst für die Druckerschwärze zu schade. – Die spart man dann lieber bei kritischen Leserbriefen ein.
    – Kennen wir doch aus Laxten: „Was nicht passt, wird passend gemacht.

  2. Carsten Primke said

    Hallo!

    Ich kann bei der Lingener Tagespost schon lange kein Niveau mehr erkennen. Alleine was sich im Moment in Richtung Emsland Arena abspielt, ist einfach nur peinlich. Da wird jeder CDUler befragt oder tut seine Meinung kund. Ich frag mich da immer, hat die CDU keine Mitgliederzeitschrift?

    Gruß

    Carsten Primke

  3. Giesela said

    Hallo,

    den Bau einer Arena über Stimmungsmache umsetzen zu wollen, ist so arm, wie z.B.die rücksichtslose Erstellung des Gebäudes am Ende der Großen Straße, „Medicus Wesken“ am Konrad-Adenauer-Ring und und und…
    Hier hätte die „Lingener Tagespost“ sachgerecht und objektiv berichten können – ja, wenn da nicht die
    Mehrheitsfraktion und OB Pott gewesen wären. Es hätte einen dunklen Fleck hinterlassen können, obwohl schwarz auf schwarz passt doch.

    Betrachtet man die letzten 10 Jahre, kann man nur feststellen, die Stadt hat sich ,mit Ausnahme des früheren Eisenbahnausbesserungswerkes (jetzt FH) eher zurück entwickelt. Bis heute ist der Stadt Lingen nichts eingefallen, die Burgstraße zu beleben. Will man nicht oder kann man nicht ? Oder der scheinbar günstige Ankauf des Kaserngeländes, dessen Beseitigung der Altlasten nunmehr Millionen verschlingen wird. Bodenproben hätte diese evtl. verhindern können.

    Planen, dieses beziehe ich nicht nur auf den Bausektor, beinhaltet u.a. Rationalität und Intelligenz. Besonders intelligent war man bei der Erstellung des Mittelbahnsteiges, mal sehen , ob den Aussagen des ehem. Oberbürgermeister H. Pott auch Taten folgen werden.

    Die Krönung des Ganzen ist jedoch die Planung und Ausführung des Zentralen Omnibusbahnhofes an der
    Bernd-Rosemeyer-Str..Damit die Wartenden sich auch unterstellen können, hat man in ca.4,–m Höhe eine
    Überdachung erstellt, angeblich für 2 stöckige Busse. Ich hoffe nur, dass es nie regnet und schneit, denn dann könnte es nass werden.

    Im übrigen würde der Bau einer nicht bedarfserforderlichen Arena mit allen Nebenanlagen, Grundstückskosten, Personal, Unterhaltungskosten etc über 40.000.000,–€ betragen.

    Raten sie mal,wer die Kosten für Fehlplanungen und Gutachter bezahlt? Natürlich der Steuerzahler.
    Man sollte wirklich darüber nachdenke , den Bund der Steuerzahler einzuschalten.

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