Frauen in den Niederlanden: „Wij eisen de nacht op“
7. September 2025
Vor einer Woche fand auch im nordniederländischen Groningen eine Protestaktion statt, bei der Tausende Frauen unter dem Motto „Wij eisen de nacht op“ („Wir fordern die Nacht zurück“) für mehr Sicherheit im Dunkeln demonstrierten.
Die Demonstration in Groningen war Teil einer landesweiten Bewegung im Nachbarland, organisiert von der feministischen Gruppe Dolle Mina, und wurde durch die Ermordung der 17-jährigen Lisa aus Abcoude ausgelöst, die vor 10 Tagen auf dem Heimweg von einer Party in Amsterdam auf ihrem E-Bike verfolgt und brutal erstochen wurde..
In Groningen begann die Aktion schon um 21.30 Uhr auf dem Grote Markt. Tausende von Frauen, aber auch Männer und Kinder, nahmen an einer beleuchteten Fietstocht (Fahrradtour) teil, die durch die Innenstadt führte, unter anderem über die Poelestraat, das Schuitendiep, das Academiegebouw, den Vismarkt und das Zuiderdiep. Damit führte die Route exakt an Orten vorbei, die Frauen als unsicher empfinden, um so auf die Gefahren für Frauen im öffentlichen Raum hinzuweisen, insbesondere nachts. Mit Lichtern, Leuchtstäben, Kerzen und Protestplakaten machten die Teilnehmenden ihren Anspruch auf Sicherheit deutlich. Sprüche wie „Als je vrouwen wilt nafluiten, word je maar scheidsrechter“ („Wenn du Frauen nachpfeifen willst, werde doch Schiedsrichter“) oder „Ik wil ook zonder angst naar huis!“ („Ich will auch ohne Angst nach Hause!“) prangerten die alltägliche Belästigung und Unsicherheit an.
Die Organisatoren unterstrichen, dass die Verantwortung für die Sicherheit nicht bei den Frauen liegen sollte, sondern ein gesellschaftliches Problem ist, „das alle angeht“. Anders als in anderen Städten startete der Protest in Groningen deutlich früher, weil in der Universitätsstadt nach Mitternacht keine Busse mehr fahren und viele Frauen sich nicht sicher fühlen, tiefnachts allein nach Hause zu gehen. [Warum fällt mir da sofort auch Lingen ein…?]
Neben Groningen gab es auch in Amsterdam, Rotterdam, Den Haag und vielen anderen niederländischen Städten ähnliche Proteste, darunter Märsche und Kundgebungen. Die Kampagne „Wij eisen de nacht op“ wurde auch durch eine erfolgreiche Crowdfunding-Aktion unterstützt, die über 340.000 Euro einbrachte, um die Botschaft auf digitalen Werbetafeln und durch weitere Maßnahmen zu verbreiten.
Die Proteste sind Teil einer längeren Tradition, die an die „Heksennacht“-Demonstrationen der 1970er Jahre anknüpft, bei denen Frauen ebenfalls die Straßen zurückforderten. Sie richten sich gegen die weiter fortbestehende Unsicherheit und Gewalt, mit der Frauen nachts konfrontiert sind, und fordern strukturelle Veränderungen, um die öffentlichen Räume sicherer zu machen.