Unkraut

13. November 2019

In den Niederlanden hat der Senat, die Erste Kammer der Gesetzgebung im Nahbarland in dieser Woche Besonderes beschlossen.

Das meldete der Online-Dienst Westerwolde-News in seinem Twitter-Account. Twitter hat die Meldung in niederländischer Sprache auch ins Deutsche übersetzt. Ganz prima. Jedenfalls nahezu. Warum? Klickt bitte den Tweet an und dann auf google Übersetzen

Um was geht es? Aktuell entwickeln die Niederlande ein Modell, in dem für den Freizeitgebrauchstaatlich gezüchtetes und angebautes Marihuana („Wiet“) nur in bestimmten Coffeeshops verkauft werden sollen. So soll ein geschlossener Kreislauf entstehen. Nach Ansicht der Kommission „Experiment closed coffee shop chain“ unter  Vorsitz von Prof. Dr. Dr. med. André Knottnerus, die die Realisierbarkeit des Versuchs untersucht, kann der Wiet-Versuch gelingen, wenn es ein diverses Angebot an verschiedenen Cannabissorten, Verkaufspunkten und teilnehmenden Gemeinden gibt.

Gestern nun beschloss nun der Senat der Niederlande („Eerste Kamer“) den entsprechenden Gesetzesentwurf für das auf vier Jahre angelegte Experiment „Closed coffee shop chain“ – ein wichtiger Schritt, um den im Koalitionsvertrag der amtierenden Koalition vereinbarten, landesweiten Versuch mit einer geschlossenen Kette vom Cannabisanbau bis zum Verkauf bzw. vom Züchter bis zum Konsumenten umzusetzen.

Als nächste Schritte sind auch die Annahme des Beschlussvorschlags durch den niederländischen Staatsrat sowie eine Ministerialverordnung notwendig. Der Beschlussvorschlag liegt inzwischen bereits dem Staatsrat vor. Die Anhörungen zur Ministerialverordnung wurden in dieser Woche ebenfalls abgeschlossen. Die abgegebenen Stellungnahmen werden jetzt ausgewertet. Nach diesen letzten Schritten im Gesetzgebungsverfahren wird der mehrjährige Versuch dann starten.

Im vergangenen Sommer hatte bereits die unabhängige Knotterus-Kommission 10 niederländische Städte für das Experiment vorgeschlagen: Arnhem, Almere, Breda, Groningen, Heerlen, Hellevoetsluis, Maastricht, Nijmegen, Tilburg und Zaanstad. Die drei Städte Maastricht, Breda und Heerlen wurden aufgrund ihrer Lage als Grenzgemeinden eingestuft und dürfen daher kein Marihuana an Ausländer verkaufen.

2024/25 soll die Situation in den zehn Versuchsgemeinden dann mit anderen, am Versuch nicht teilnehmenden Gemeinden verglichen werden. Als sogenannte Kontrollgemeinden hat die zuständige Kommission Zutphen, Tiel, Roermond, Midden-Groningen, Lelystad, Hoorn und Helmond vorgeschlagen. Die Kommission hatte außerdem im Sommer gefordert, dass auch eine der vier großen niederländischen Städte am Experiment teilnehmen müsste; von diesen hatte sich aber keine beworben. Daher ist offen, ob bspw. Utrecht nicht doch mit modifizierten Konditionen am Versuch teilnehmen könnte.

Cannabisanbauer, die an dem Projekt interessiert sind, können sich inzwischen anmelden, wenn das Projekt tatsächlich beginnt. Sie müssen dabei nicht aus einer der 10 Versuchsgemeinden kommen. Der genaue Zeitpunkt und die Frist für die notwendige Registrierung werden in naher Zukunft bekannt gegeben. Es bleiben also nur noch wenige Hürden zu meistern, bevor das Experiment mit staatlich gezüchtetem Cannabis in den Niederlanden beginnt.

staatlich gezüchtet

7. September 2019

Um das illegale Geschäft mit Cannabis zu beenden, gehen die benachbarten Niederlande einmal mehr undogmatische Wege. Niederlande.Net, die  Informationsplattform aus Münster, weiß mehr über einen, auf vier Jahre angelegten Modellversuch:

Groningen, Tilburg, Breda, Maastricht, Almere, Arnhem, Nimwegen, Zaanstad, Heerlen und Hellevoetsluis sind als die niederländischen Gemeinden ausgewählt, in denen bald nur noch staatlich gezüchtetes Marihuana in Coffeeshops gekauft werden kann. Insgesamt hatten sich 26 Gemeinden für die Teilnahem am Experiment beworben, die vier großen Städte (Amsterdam, Den Haag, Rotterdam und Utrecht) hatten allerdings bekannt gegeben, dass sie aufgrund der Bedingungen des Experiments nicht teilnehmen werden. Sie fanden es nicht akzeptabel, dass alle Coffeeshops einer ausgewählten Gemeinde am Experiment teilnehmen müssen.

Nach vier Jahren soll die Situation in den zehn Experimentiergemeinden dann mit Kontrollgemeinden verglichen werden. Als sogenannte Kontrollgemeinden schlug die zuständige Kommission Zutphen, Tiel, Roermond, Midden-Groningen, Lelystad, Hoorn und Helmond vor. Die Kommission gibt außerdem zu bedenken, dass eigentlich eine der „Großen Vier“ am Experiment teilnehmen müsste. Daher soll och untersucht werden, ob beispielsweise Utrecht nicht doch mit modifizierten Konditionen am Experiment teilnehmen könnte.

Nach Ablauf des Experiments soll sein Erfolg an verschiedenen Faktoren bemessen werden. So soll beispielsweise geprüft werden, ob die Handelskette – vom Züchter bis zum Konsumenten – geschlossen gehalten werden kann und es zu keinen illegalen Lieferungen gekommen ist. Auch wird unter anderem der Cannabiskonsum in den jeweiligen Gemeinden evaluiert werde. Laut Knottnerus, Leiter der bereits genannten Kommission, sei das Experiment bereits positiv zu bewerten, wenn „es keine Verschlechterung gegenüber der jetzigen Situation ist“. Das würde nämlich bedeuten, dass die organisierte Kriminalität, die zum jetzigen Zeitpunkt Teil der Lieferkette für Coffeeshops ist, ins Abseits katapultiert werden konnte.

Die stattlichen Züchter, die übrigens nicht in den jeweiligen Gemeinden selbst ansässig sein müssen, sollen rund 15 Cannabis- und 10 Haschvarianten züchten, die dann zu einem „marktkonformen“ Preis angeboten werden: Nicht zu billig, damit der Marihuanakonsum nicht stimuliert wird, aber auch nicht zu teuer, sodass die Konsumenten Waren auf dem Schwarzmarkt kaufen werden.

Die drei Gemeinden Maastricht, Breda und Heerlen werden aufgrund ihrer Lage als Grenzgemeinden eingestuft und dürfen daher kein Marihuana an Ausländer verkaufen.

Durch die Bekanntgabe der jeweiligen Experimentiergemeinden hat das niederländische Experiment mit staatlichem Marihuana mehr Kontur bekommen. Der Aufbau und die voraussichtliche Durchführung sind aber bereits kritisiert worden. Die Anzahl an Gemeinden reiche u. a. nicht aus, um verlässliche, wissenschaftliche Ergebnisse zu bekommen.

Mehr über die niederländische Drogenpolitik und die vermeintliche Legalität von Marihuana kann im Niederlande.Net-Dossier Drogengesetzgebung in den Niederlanden nachgelesen werden.

Pass

29. Januar 2018

Ismail Ismail pendelt zwischen Lüneburg, Oldenburg und Hannover, wo er sich auf sein Studium vorbereitet. Was ihm unterwegs widerfährt und wem er begegnet, schreibt er für die taz auf. Nach drei Jahren Flucht hat er einen Reisepass bekommen: „Es ist das erste Mal in meinem Leben, dass ich einen Pass habe. Ich habe sofort ein Zugticket gekauft“:

„Früh am Morgen bin ich zur Ausländerbehörde gegangen und habe zum allerersten Mal in meinem Leben einen Reisepass bekommen. Meinen Pass, nach drei Jahren Kampf – und zwei Monate nachdem ich den Antrag gestellt habe. Ich bin direkt zum Lüneburger Bahnhof gegangen, habe mir ein Niedersachsen-Ticket plus fünf Euro für die Reise in die niederländische Stadt Groningen gekauft. Und bin losgefahren.

Ende Februar 2011 konnte ich dank der Revolution in Syrien zum ersten Mal aus Syrien ausreisen, damals in den Irak. Wir waren damals eine Gruppe von rund 40 Leuten und fuhren zu einem Dorf an der irakischen Grenze. Dort mussten wir einige Stunden in einem Hinterhof warten.

Gerade als die Uhr ein Uhr in der Nacht zeigte, liefen wir los. Zwei, drei Hügel auf und ab, viele Bäche überquert, von den Grenzwächtern eine lange Strecke gejagt, bis wir es endlich zum von Fluchthelfern vorgesehenen Treffpunkt am Fluss schafften.

Erschöpft, klitschnass und frierend mussten wir das Schlauchboot aufpumpen, damit wir auf die irakische Fluss-Seite fahren konnten. Wir passten nicht alle auf einmal rein.

Also teilten wir uns in zwei Gruppen auf. Ich war in der ersten Gruppe, die auf einer Insel in der Mitte des Flusses auf die zweite Tour warten sollte, genau in diesem Dreieck zwischen Irak, Türkei und Syrien. Die beiden letztgenannten Länder gehen nicht sehr freundlich mit geflüchteten Menschen um: Eher werden sie erschossen.

Ich war am Ende fast Experte für illegale Reisen, das machte die Gefahr nicht geringer

Mit Glück und wahrscheinlich mit den Gebeten unserer Mütter schafften wir es auf die andere Seite, wo uns kurdische Soldaten…

[Fortsetzung hier]

Erdbeben

10. Januar 2018

In der benachbarten niederländischen Provinz Groningen bebte vorgestern gegen 15.00  die Erde. Wieder einmal. Es war das heftigste Erdbeben seit 2012. Sogleich entbrannten wieder heftige Diskussionen um die Erdgasförderung in der Region.

In den letzten Jahren hatte es eigentlich ganz gut ausgesehen. Die Intensität der Erdbeben hatte in Groningen sukzessive abgenommen, nachdem die Erdgasförderung in Folge des schweren Erdbeben 2012 in Huizen halbiert worden war – von 53 Milliarden Kubikmetern auf nur noch 21,6 Milliarden pro Jahr. Am Montag allerdings wurde Groningen vom zweitgrößten Beben, das die Region jemals erlebt hat, erschüttert. Das Epizentrum lag in Zeerijp, einem 440-Seelendorf im Norden der Provinz. Das Beben lag dort bei 3,4 auf der allgemeinen Richterskala und war noch 20 Kilometer weiter südlich in der Großstadt Groningen deutlich zu spüren.

Da die Anzahl der mittleren bis starken Erdbeben, im Zusammenhang mit der verminderten Erdgasförderung seit 2014, zunächst tatsächlich abgenommen hatte, erwischte das jetzige Beben viele Groninger auf dem falschen Fuß. Koos Cleveringen sagte der Tageszeitung des Volkskrant beispielsweise: „Ich dachte, dass durch die Verminderung der Erdgasförderung solch starke Beben nicht mehr vorkommen würden. Damit habe ich überhaupt nicht gerechnet.“ Wie ihm ging es vermutlich vielen Anwohnern, die am Montag von dem Beben überrascht worden waren, zumal das Abpumpen des Erdgases rund um die Gemeinde Loppersum, in der sich das Dörfchen Zeerijp (Bild unten: Pfarrhaus von Zeerijp, ©2018 De Pastorie Zeerijp) befindet, bereits vor längerer Zeit vollständig eingestellt wurde. Auch der Kommissar des Königs der Region, René Paas, zeigte sich überrascht: „Es wird auf einen Schlag deutlich, dass es ein Irrglauben ist, dass die Erde in Groningen ruhiger wird.“

Der Bürgermeister von Loppersum, Albert Roodenboog, sagte Montagnachmittag: „Ich hatte die leise Hoffnung, dass der Boden zur Ruhe gekommen ist, bis heute drei Uhr. Das ist ein schwerer Schlag.“ Das einzige, was seiner Ansicht nach langfristig Sicherheit für die Region bringen könne, sei die Einschränkung der Erdgasförderung auf dem gesamten Abpumpgebiet. Er wendete sich auch direkt an die an der Erdgasgewinnung beteiligten Unternehmen: „Ich appelliere an die Anteilseigner der NAM (Nederlandse Aardolie Maatschappij), Shell und ExxonMobil, um für die Sicherheit der der Groningerinnen und Groninger zu bürgen.“ Die NAM ließ am späten Montagnachmittag wissen, dass sie die Vorkommnisse bedauere und diese noch analysieren werde. Das wird die Niederländische Erdöl-Gesellschaft auch müssen, denn das Bergamt (Staatstoezicht op de Mijnen) hat bestimmt, dass die NAM den Vorfall innerhalb von zwei Tagen analysieren und Maßnahmen erarbeiten muss.

Unterdessen ließ Eric Wiebes, Wirtschaftsminister der Niederlande, verlauten, dass die Gasgewinnung in Groningen innerhalb dieser Legislaturperiode maximal zurückgeschraubt werden müsse „was auch immer uns dazu einfallen wird – wir müssen die Erdgasgewinnung runterregulieren.“ Wiebes wird der Regionheute einen bereits länger geplanten Besuch abstatten. In der Tweede Kamer wurde bereits eine Debatte zum Thema angefragt. Selbst wenn die Erdgasgewinnung jedoch immer weiter zurückgefahren oder gar irgendwann vollständig eingestellt würde, kann nicht mit letzter Sicherheit gesagt werden, dass die Erdbeben in Groningen aufhören. Ein halbes Jahrhundert Raubbau unter der Erde zollt schließlich ihren Tribut. So warnt auch der flämische Geologe Manuel Sintubin, dass das Zusammenspiel zwischen dem Niveau der Gasgewinnung und der Stärke der Erdbeben schlichtweg zu undurchsichtig sei, um sichere Aussagen zuzulassen. Dies sei sogar dann der Fall, wenn die Politik sich dazu durchringen würde, die Erdgasförderung, die den Niederlanden immerhin über Jahre hinweg einen nicht geringen Wohlstand beschert hat, ganz einzustellen.

Der Schaden, der in Groningen seit dem ersten spürbaren Erdbeben im Jahr 1986 entstanden ist, ist beträchtlich und trotzdem hängen viele Groninger an ihrer Heimat. Sie wollen bleiben. Trotz der Unsicherheit. Trotz den ständigen Querelen um die Schadensvergütung. Immerhin sitzen viele Anwohner der Region noch auf den Kosten von dem letzten Beben, während das Beben vom Montag schon wieder neue Schäden an Haus und Hof verursacht hat. Bis Montagabend 20.00 Uhr waren bereits 316 Schadensmeldungen telefonisch eingegangen, auf welche Höhe sie sich insgesamt belaufen, ist allerdings noch nicht absehbar

Alle 22.000 Häuser im Groninger Erdbebengebiet werden in den kommenden fünf Jahren auf ihre Erdbebenbeständigkeit hin untersucht. Sind die Häuser nicht sicher genug, werden sie verstärkt. Sollten die Kosten für eine solche Maßnahme bei über 50 Prozent des Marktwertes des Hauses liegen, wird das Haus abgerissen und neu aufgebaut. Für viele Groninger – betroffen oder nicht – ist das ein Alptraum. Denn selbst wenn das eigene Haus erdbebensicher ist und man bleiben kann, wird sich viel am Stadtbild ändern. So werden aller Voraussicht nach vor allem ältere Wohnviertel mit historischem Anstrich von den Maßnahmen betroffen sein.

Leeuwarden-Fryslân 2018

1. Januar 2018

2018 zeigen wir, wie wir Friesen das Leben feiern. Wie wir uns mutig trauen, aus der Masse hervorzustechen, um der Welt unsere eigenwillige Art zu zeigen. Unsere Landschaft ist die Bühne und alle sind eingeladen. Packen Sie die Badesachen ein, vergessen Sie die Gummistiefel nicht, setzen Sie die Kappe auf und nehmen Sie Ihre neue Sonnenbrille mit. Was wir vorhaben, wird nicht verraten, und Sie werden nicht nach Hause gebracht. Das macht auch nichts, denn einmal in Friesland angekommen, möchten Sie nie wieder nach Hause.

Das klingt selbstbewusst, was uns die Friesen da mitteilen. Dafür haben sie auch allen Grund: Das niederländische Leeuwarden baut in diesem Jahr das EU-Projekt „Kulturhauptstadt Europa“ zum gesellschaftlichen Experiment aus. Anhand von Kunst und Kultur soll in der friesischen Regionalhauptstadt der Traum einer offenen Gesellschaft, auf Friesisch „iepen mienskip“, erarbeitet werden. In zahlreichen Ausstellungen, Workshops und Performances werden Themen wie Nachhaltigkeit, Diversität und soziale Ungerechtigkeit diskutiert. „Wir werden etwas wagen, was wir noch nie zuvor in diesem Umfang und auf diesem Niveau getan haben“, heißt es dazu auf der Webseite „Leeuwarden-Fryslân 2018“.

Die großen Ambitionen werden bodenständig umgesetzt. Die Organisatoren der Culturele Hoofdstad van Europa 2018 besinnen sich auf das ländliche Erbe Frieslands. Zahlreiche Programmpunkte haben einen starken Bezug zur Landwirtschaft, dem stärksten Wirtschaftszweig der Region. Im Rahmen des Projekts „Farm of the World“ wird auf einem ehemals verlassenen Bauernhof gleichzeitig Bio-Gemüse angebaut und nachhaltige Kunst gemacht. Das Musiktheaterstück „Verloren im Gewächshaus“ erzählt die Geschichte der Freundschaft zwischen friesischen und polnischen Feldarbeitern und nimmt sich neben der Nachhaltigkeit auch dem Thema der Integration an.

Passend zum Motto der Kulturhauptstadt Leeuwarden ist das Besucherzentrum im „De Blokhuispoort“ untergebracht, einem ehemaligen Gefängnis. In wöchentlichen Diskussionsveranstaltungen können Einheimische, Besucher und Künstler am gesellschaftlichen Wandel mitarbeiten. Wer es lieber etwas klassischer hat, wird außerhalb Leeuwardens fündig. Im Rahmen der Kulturhauptstadt findet in Groningen unter dem Titel „Die Romantik im Norden – von Friedrich bis Turner“ eine Ausstellung über romantische Landschaftsmalerei statt.

Nach der offziellen feierlichen Eröffnung mit König Willem-Alexander am Wochenende vom 27. und 28. Januar 2018, starten über 50 große Projekte und Hunderte Initiativen. Das Land und die Städte der Region sollen, so die Macher, zu Bühnen werden. Hier findet man das Programm.

Also sollten wir Menschen an Ems und Vechte da hin. Wer aus unserer Region Leeuwarden-Friesland besuchen und in die Feierlichkeiten zum Jahr als Kulturhauptstadt Europas eintauchen will, erreicht die Kulturhauptstadt Europas 2018 mit dem Pkw in gut 100 Minuten. Mit dem Zug kostet der Spaß hin und zurück zwar keine 50 Euro, ist aber -weil die bundesdeutsche Eisenbahnverwaltung die beschädigte „Friesenbrücke“ bei Leer erst in -zig Jahren ersetzen will-  auf eine knapp 4stündige Umsteigeritis angewiesen, die man niemandem empfehlen mag.

Und fürs Gemüt hier das offizielle Lied von Leeuwarden-Friesland 2018″. Das muss wohl so sein und heißt dann Song. Aber es ist auf friesisch.

(Quelle: DW, PR)

 

 

Offene Gärten

17. April 2017

Gärten und Parks, Alleen und Plätze bestimmen in hohem Maße die Lebensqualität und den Erlebniswert einer Stadt. Der Garten als Ort der Ruhe und Erholung gewinnt in dabei immer mehr an Bedeutung. Entsprechend wachsen das Angebot an Gartenliteratur sowie die Lust an Gartenreisen. In den letzten Jahren hat sich zudem die Gartenkultur in Deutschland stark gewandelt.

„Offene Gartenpforte“ ist der treffende Name einer folgerichtigen Bewegung, die – ursprünglich aus England – auch hierzulande immer mehr Freunde findet. Seit 1999 wird diese Aktion im benachbarten Westfalen vom Billerbecker Winfried Rusch durchgeführt. Ich bin auf sie durch eine Broschüre aufmerksam geworden, die ich in Kathys Wohnart in der Lingener Burgstraße fand.

Neugierig geworden stieß ich dann schnell auf vergleichbare Initiativen, u.a. eine deutsch-niederländische, die sehenswerte Privatgärten in unserer Region und den nordöstlichen Provinzen der Niederlande dem interessierten Publikum zugänglich macht. Auf diese Weise werden sowohl die Gartenkultur als auch der Kontakt zwischen Niederländern und Deutschen gefördert.

Inzwischen nehmen rund 150 Gärten teil, die alle von einer Gartenkommission beurteilt und im Turnus von drei Jahren wieder aufgesucht werden. Kriterien für die Bewertung sind u. a. Gastfreundlichkeit, Pflanzenkenntnis der Besitzer, der Zustand und die Ausstrahlung des Gartens. In Lingen (Ems) darf man den Garten von Johannes Wiemker in Darme besuchen und südlich unserer Stadt zwei Gärten in Ahlde und Emsbüren. Im Landkreis Emsland sind es im wesentlichen öffentliche oder quasi-öffentliche Gärten, die mitmachen. Für Privatleute und ihre Gärten ist noch reichlich Platz.

Im nordwestlichen Niedersachsen können außerdem Gärten im Ammerland, in Ostfriesland,  in Oldenburg und im Oldenburgischen Land besucht werden. Im Sommer und im Herbst findet der so genannte Gartenmarathon statt. Darüber hinaus bieten viele Garteninhaber auch individuelle Termine an.

Verantwortlich für das Ganze ist die Stiftung „Het Tuinpad Op/In Nachbars Garten“. Sie wurde 1984 in der Provinz Groningen von motivierten Gartenfreunden als Träger der Initiative gegründet. 1992 wagte die Stiftung den Schritt über die Grenze der Provinz Groningen nach Nord-West-Niedersachsen. Im Jahre 2007 kam die niederländische Provinz Drenthe hinzu. Weitere Informationen hält die Website sowie der Gartenführer „In Nachbars Garten / Het tuinpad op“ (152 Seiten, 10 Euro incl. Versand) bereit.

Auch im Osnabrücker Land gibt es die Offene-Gärten-Bewegung, und eine niedersachsenweite Übersicht findet sich hier. Für Privatleute und ihre Gärten ist noch reichlich Platz zum Mitmachen.

Erdbeben

13. September 2016

Nicht weit weg, in der niederländischen Provinz Groningen hat ein Erdbeben über 100.000 Wohnungen und Häuser beschädigt, so das Ergebnis einer neuen Studie. Etwa ein Viertel aller betroffenen Häuser wies mehrfach Schäden als Folge der Erdbeben auf. Die Erdbeben sind Folge der Gasförderung in der Region. Einer aktuellen Studie zufolge, wurde ein Großteil der entstandenen Schäden nicht registriert, und die Bewohner der betroffenen Häuser kämpfen oft mit gesundheitlichen Problemen.

bildschirmfoto-2016-09-12-um-13-49-25Die Zahl der Häuser mit Erdbebenschäden in der Provinz Groningen ist damit weiter gestiegen. Die Untersuchung der Rijksuniversiteit Groningen, des örtlichen GGD’s und der Stadt Groningen belegt, dass in etwa einem Viertel der Fälle wurden die Häuser sogar mehrfach durch Erdbeben geschädigt wurden. Dem Koordinator der Studie, Professor Tom Postmes (Foto re.), zufolge, liegt die Zahl der betroffenen Häuser womöglich noch höher. Er schätzt, dass in der Stadt Groningen etwa die Hälfte alle Meldungen nicht als Erdbebenschäden registriert wurden. Postmes konstatiert, dass es schwierig sei die benötigten Informationen einzusehen, um die Diskrepanz erklären zu können: „Eigentlich tappen alle Untersuchenden ein wenig im Dunkeln. Sogar bei staatlichen EInrichtungen. Ich halte das für eigenartig und falsch.”

Das Ziel der Untersuchung “Groninger Perspektive” ist es, einzuschätzen welche Folgen die Erdebeben für die Bevölkerung haben. Im Rahmen der Untersuchung wurde bereits festgestellt, dass Wohnungsschäden zu Gesundheitsproblemen führen können, insbesondere bei Menschen deren Wohnung wiederholt durch Erdbeben getroffen wurden. In erdbebenfreien Regionen fühlen sich 85 Prozent der Menschen in ihren Häusern sicher, im Groninger Erdbebengebiet sind es dahingegen nur 60 Prozent aller Menschen. Unter denjenigen, die mehrfach von Erdbeben getroffen wurden, liegt dieser Wert nur bei 38 Prozent.

Die Erdbeben in Groningen beschäftigen seit geraumer Zeit auch die nationale Politik. Am vergangenen Montag reiste eine Gruppe von Abgeordneten von Den Haag nach Groningen, um die Folgen der Erdbeben persönlich in Augenschein zu nehmen. Für Donnerstag ist eine Anhörung geplant, im Laufe des Monats wird eine Debatte in der Tweede Kamer stattfinden, im Anschluss soll das Kabinett erneut beschließen, ob und in welchem Umfang die Gasproduktion in Zukunft weitergeführt wird.

 

(Quelle/gefunden bei NiederlandeNet.)

Erbsensuppe

21. November 2015

erbsensuppe_gr TV-Koch Steffen Henssler präsentierte gestern Abend 1500 Besuchern der EmslandArena seine Kochshow mit manch internationalen Gerichten und mit Schützenkönig aD Hubert Germing, der gemeinsam mit Gattin Rita iN Wettrup den Gasthof Schrichte betreibt; der bekennende Nichtkoch und Sushi-Gegner bereitete aus Loup de Mer fast fehlerfrei Sweet Shashimi.

Der gute Rosche -Hubert ganz frankophil: Roschee– aus Haselünne war auch dabei. Doch es fehlte „eine warme und deftige Mahlzeit, wie der niederländische Erbseneintopf, der zudem auch noch recht preiswert zuzubereiten ist.

Auch in den Niederlanden gibt es wie in Deutschland eine lange Tradition typischer Wintergerichte. Um durch den Winter zu kommen, mussten die Menschen von getrockneten Hülsenfrüchten leben sowie von Gemüse das lange haltbar war und gut aufbewahrt werden konnte, wie zum Beispiel Wintermöhren, Grünkohl und Rosenkohl. Geräucherter Speck und Wurst sorgten für die Fleischbeilage. So entstanden Rezepte wie Erbseneintopf oder Stamppot, zu Deutsch Eintopf. Die Rezepte hatten häufig dieselbe Basis, aber die Variationen, wie Schälerbsen und Sellerie anstelle von Erbsen, waren zahlreich und wurden häufig von Mutter zu Tochter weitergegeben.

Erbsensuppe als Gericht gibt es schon sehr lange, in etwa seit dem 16./17. Jahrhundert als die Erbse ihren Einzug in Länder wie Frankreich, England und die Niederlande hielt. Die Erbse war einfach anzubauen und getrocknet lange und gut haltbar. In den Niederlanden machte man eine Tradition daraus, die Erbsensuppe nach der Schlacht zu essen. In den ärmeren Bevölkerungsschichten dienten häufig die weniger edlen Fleischteile (wie von den Klauen und vom Schädel) als Suppeneinlage.

Erbsensuppe wird in den Niederlanden sowohl Erwtensoep als auch Snert genannt. Einen Unterschied gibt es in der Bedeutung nicht. Snert kommt laut etymologischen Wörterbuch van Dale aus dem Friesischen und das Wort „snert“ ist als Synonym für Erbsensuppe seit 1768 bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass es mit dem Wort „sneirts“ verwand ist, das mit Trinken zu tun hat, da „Met eenen sneirts“ bedeutet etwa in einem Zug zu trinken. Es kann aber auch bedeuten etwas sehr lange zu kochen. Lustigerweise bedeutet  „Dat is snert!“ auch „Das ist Mist“ was möglicherweise auf die Bekömmlichkeit der Erbsensuppe zurückzuführen ist, was an dieser Stelle nur Spekulation ist. Ich selbst mag nämlich sehr gerne Erbsensuppe. Die Niederländische Königin hingegen sagte einst bei einem Treffen mit Willem-Alexander, dass sie Erbsensuppe nicht ausstehen könne.

Die Erbsensuppe ist bei den Niederländern im Allgemeinen so beliebt, dass man sie selbst in den 70er Jahren beim niederländischen McDonalds bekam. Wie ernst es die Niederländer inzwischen mit dem Kochen und Verkosten ihrer Erbsensuppe nehmen, kann man daran erkennen, dass es schon seit 25 Jahren eine Erbsensuppen Weltmeisterschaft gibt, die jedes Jahr in Groningen ausgetragen wird, gibt, die „Snert WK„.

Sie haben richtig gehört. In Groningen, wo der Winter häufig noch etwas kälter ist als im Rest der Niederlande, treffen sich jedes Jahr die besten Erbsensuppenköche und zaubern und werkeln was das Zeug hält. Auch, wenn dieser Wettbewerb auf eine Schnapsidee von Fré Schreiber und Etty Bonnema zurückgeht die sich 1992 fragten wer wohl die beste und leckerste Erbsensuppe kochen könne, ist der Wettbewerb ebenfalls dazu da die Tradition der leckeren Wintergerichte am Leben zu halten. Viele Leute wissen nämlich gar nicht mehr, wie sie diese zubereiten. Als Anreiz gibt es für die Gewinner des Wettbewerbs die „Silberne Schöpfkelle“ zu gewinnen.

Außerdem wird der Wettbewerb von RTV Noord den ganzen Abend  live übertragen und auch die landesweiten Medien haben das bunte Treiben rund um die Erbse für sich entdeckt. Der Gewinner wird in seinem Dorf häufig als Held gefeiert und selbstverständlich gibt es so manches Mal auch die Erbsensuppe des Gewinners später im Supermarkt zu kaufen.

Für viele Teilnehmer der „Snert WK“ – Erbsensuppen-Weltmeisterschaft, ist auch heute noch Omas Rezepte die Basis. Sie werden jedoch stets weiterentwickelt und nicht nur Niederländer nehmen an diesem Wettbewerb teil. Man sollte es kaum glauben, aber auch beim Erbseneintopf gibt es viele interkulturelle Varianten: Halal snert, australischen Snert mit Krokodilfleisch, vegetarisch oder vegan.

Erbsensuppe an sich ist eine dicke Suppe, die aus Schälerbsen gemacht wird. Die Suppe schmeckt am besten, wenn sie in großen Mengen gekocht wird und nach dem Essen noch einen Tag ziehen kann. Gekühlt bleibt die Suppe noch einige Tage gut, kann aber auch im Gefrierfach eingefroren werden. Die Menge der verschiedenen Zutaten variiert. Insgesamt muss so viel Gemüse hinzugefügt werden, dass die Suppe besonders dick wird.

Viele traditionelle Rezepte haben als einziges Gemüse Sellerie, Erbsen und Porree. Das heißt keine Kartoffeln, keine Möhren und keine Zwiebeln. Manchmal werden Kartoffeln hinzugefügt, um die Struktur dicker zu machen und so die Kochzeit zu verkürzen.

Die Suppe wird traditionell mit Roggenbrot gegessen, das mit Speck, Käse oder Butter belegt ist. Als Nachtisch gibt es in vielen Familien Pfannkuchen.

Für Sie präsentieren wir diesmal  dieses Rezept: die vegetarische Curry-Erbsensuppe von Jitske Buijs aus Usquert, die man natürlich nach Geschmack selbst noch mit Fleisch verfeinern kann.

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[mit NiederlandeNet-„Autor: Simon Wibbeling“; Foto: Pixabay (CC0) – alles gefunden auf  NiederlandeNet]

Vluchtelingen welkom!

28. September 2015

vluchtelingen_welkom

 

Genau wie Deutschland stimmten die Niederlande auf dem Treffen der Innenminister vergangene Woche in Brüssel der verpflichtenden Umverteilung der Flüchtlinge in Europa zu. Die Regierungspartei VVD erklärte, ein permanentes System zur Umverteilung innerhalb der EU sei wünschenswert.

Am Dienstag beschlossen die Mitglieder der Europäischen Union 120.000 Flüchtlinge, die sich momentan in Italien und Griechenland befinden, mithilfe eines Verteilungsschlüssels auf alle EU-Länder umzuverteilen. Die Niederlande sollen circa 7.000 Flüchtlinge aufnehmen. Frans Timmermans, ehemaliger niederländischer Außenminister und inzwischen Vizevorsitzender der Europäischen Kommission, sprach von einer „monumentalen“ Entscheidung.

Europäisches Asylverfahren

Laut Klaas Dijkhoff (VVD), Staatssekretär im niederländischen Justizministerium, war dieser Umverteilungs-Beschluss eine „einmalige Konstruktion“. Die Niederlande fänden ein europäisches Asylverfahren besser als immer neue Notmaßnahmen, wird Dijkhoff vom Algemeen Dagblad zitiert. „Wenn es mehr Flüchtlinge werden, müssen wir noch härter arbeiten. Und inzwischen arbeiten wir hier in Brüssel daran, den Zustrom zu begrenzen.“

Auch Premier Mark Rutte (VVD) erklärte am Mittwochmorgen in einer Debatte der Zweiten Kammer zur Flüchtlingsfrage, es sei wünschenswert, das Umverteilungssystem zu verstetigen. In der Regionalzeitung De Gelderlander wird er mit den Worten zitiert: „Wir müssen weitere Schritte einleiten, damit jedes Land Verantwortung trägt. Ein erster Schritt ist getan, doch mehr als ein Auftakt ist es nicht.“ Rutte versprach außerdem, sich beim Treffen der EU-Regierungschefs am Abend dafür einzusetzen, die Flüchtlingscamps in der Region zu unterstützen.

Tickende Zeitbombe

Koalitionspartner PvdA sowie die meisten der Oppositionsparteien zeigten sich zufrieden über den Beschluss der EU-Innenminister. Die rechtspopulistische Partei PVV hingegen forderte, die niederländischen Grenzen zu schließen. Der ununterbrochene Zustrom an Flüchtlingen sei eine „Beleidigung des niederländischen Bürgers“, erklärte Parlamentarier Sietse Fritsma (PVV) in der Debatte. „Wir können uns ein Beispiel an Ungarn nehmen, das seine Grenzen geschlossen hat. Dann hört der Flüchtlingsstrom einfach auf.“ Zudem rief Fritsma Premier Rutte dazu auf, am Abend nicht nach Brüssel zu fahren.

PVV-Chef Geert Wilders hatte Mitte September bereits Ähnliches verlauten lassen. Die große Zahl an Flüchtlingen, die nach Europa und in die Niederlande kämen, sei „eine tickende Zeitbombe“. Das Kabinett stünde in dieser Frage „auf der falschen Seite“.

(Foto: Eine von der Socialistische Partij  organisierte Demo Mitte September 2015 in Groningen. Quelle: SP Groningen/cc-by-nc-nd)

 

Beben

24. Juni 2015

Die Diskussion bei unseren niederländischen Nachbarn über die Folgen der Erdgasförderung geht weiter. „Da die Erde immer stärker bebte, hatte der niederländische Raad van State die Gasförderung im Gebiet um Groningen bereits im April diesen Jahres gestoppt (mehr…). Gestern nun stellte der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) der NAM (Nederlandse Aardolie Maatschappij), einem Joint Venture aus Shell und Exxon, einen neuen Plan vor. Die niederländische Regierung will die Gasförderung in diesem Jahr auf 30 Milliarden Kubikmeter statt 39,4 Milliarden Kubikmeter herunterschrauben. Kamp stieß damit bei der NAM auf wenig Gegenliebe.

Die Fördermenge zu reduzieren ist aus Sicht der NAM nicht unproblematisch. Sie müsse statt 30, rund 33 Milliarden Kubik Gas fördern erklärte ein Unternehmssprecher, um den Anforderungen des Gasverbrauchs nachkommen zu können. Demgegenüber sieht die Opposition aus GroenLinksSPD66 und CU in der Zweiten Parlamentskammer die Verringerung der Fördermenge als überaus positiv. „Ich möchte dem Minister sagen: Gern weiter so. Ich höre auch gerne schnell etwas von seinen Plänen für 2016, damit man in Groningen länger planen kann als nur ein halbes Jahr“, kommentierte Eric Smaling (SP) die Pläne. Laut Liesbeth von Tongeren (GL) seien 22 Milliarden Kubik völlig ausreichend um den Verbrauch der Menschen zu decken. Auch die CU äußerte sich freudig über diesen Schritt: „Wir müssen weg von unseren fossilen Energien.“ Vom Koalitionspartner PvdA erhielt Kamp ebenfalls Zuspruch.

Anders als für die politischen Parteien war Kamps Plan für die Bürgerinitiativen in Groningen – wie die GBB (Groninger Bodem Beweging) und Schokkend Groningen – lediglich ein „Jonglieren mit Zahlen“ zur Beruhigung der Gemüter. Besonders die Argumentation Kamps, dass die Erdbeben lediglich eine Stärke von 4,5 statt – wie vorher vermutet – 5 auf der Richterskala haben würden, ließen sie nicht gelten. „Ein Erdbeben von 4,5 auf der Richterskala ist immer noch ein enormes Erdbeben. Ein Beben dieser Stärke wird immer noch eine Katastrophe sein“, so ein GBB-Sprecher in der Zeitung Trouw. Zudem zeigte sich die GBB darüber in Sorge, dass die jetzt angekündigten Maßnahmen aufgrund einigen Vorbehalte nicht so umgesetzt würden. „Wir finden es immer noch merkwürdig wenig“, fasste ein GBB-Sprecher zusammen.

Außer der Kritik der örtlichen Aktionsbündnisse tut sich derzeit auch ein eher praktisches Problem auf. Die Gasförderung ist neben den Steuereinnahmen eine der Hauptfinanzquellen für die Staatskasse der Niederlande. Wie die geringen Einnahmen aufgefangen werden können, legte de Volkskrant am Dienstag in einem Artikel dar:

Der erste Ansatz. Weniger Energie zu verbrauchen. Dabei betonte Minister Kamp ausdrücklich, dass Erdgas auch weiterhin maßgeblich zur Energieversorgung betragen würde. Als zweite Möglichkeit sieht de Volkskrant den Import von Gas. Schon jetzt würde man rund 20 Prozent des Gases aus Ländern wie Russland oder Norwegen importieren. Der Ansatz wird jedoch auch häufig kritisch gesehen, da man sich dadurch abhängiger mache. Den Gegenentwurf liefert de Volkskrant auch: Weniger exportieren. Da etwa 60 Prozent des niederländischen Erdgases ins Ausland gehen, könnte man durch Rückgänge an dieser Stelle den eigenen Verbrauch wieder sichern. Zuletzt gäbe es noch die Möglichkeit, den Gesamtaufwand auf viele kleine Gasfelder zu verteilen um den Standort Groningen zu entlasten, ohne Einschränkungen vornehmen zu müssen.“§

(gefunden bei Niederlande.net; Foto: Gasförderung in NL; “Thijs nl uit nl” CC BY-SA 3.0))