Offene Gärten

17. April 2017

Gärten und Parks, Alleen und Plätze bestimmen in hohem Maße die Lebensqualität und den Erlebniswert einer Stadt. Der Garten als Ort der Ruhe und Erholung gewinnt in dabei immer mehr an Bedeutung. Entsprechend wachsen das Angebot an Gartenliteratur sowie die Lust an Gartenreisen. In den letzten Jahren hat sich zudem die Gartenkultur in Deutschland stark gewandelt.

„Offene Gartenpforte“ ist der treffende Name einer folgerichtigen Bewegung, die – ursprünglich aus England – auch hierzulande immer mehr Freunde findet. Seit 1999 wird diese Aktion im benachbarten Westfalen vom Billerbecker Winfried Rusch durchgeführt. Ich bin auf sie durch eine Broschüre aufmerksam geworden, die ich in Kathys Wohnart in der Lingener Burgstraße fand.

Neugierig geworden stieß ich dann schnell auf vergleichbare Initiativen, u.a. eine deutsch-niederländische, die sehenswerte Privatgärten in unserer Region und den nordöstlichen Provinzen der Niederlande dem interessierten Publikum zugänglich macht. Auf diese Weise werden sowohl die Gartenkultur als auch der Kontakt zwischen Niederländern und Deutschen gefördert.

Inzwischen nehmen rund 150 Gärten teil, die alle von einer Gartenkommission beurteilt und im Turnus von drei Jahren wieder aufgesucht werden. Kriterien für die Bewertung sind u. a. Gastfreundlichkeit, Pflanzenkenntnis der Besitzer, der Zustand und die Ausstrahlung des Gartens. In Lingen (Ems) darf man den Garten von Johannes Wiemker in Darme besuchen und südlich unserer Stadt zwei Gärten in Ahlde und Emsbüren. Im Landkreis Emsland sind es im wesentlichen öffentliche oder quasi-öffentliche Gärten, die mitmachen. Für Privatleute und ihre Gärten ist noch reichlich Platz.

Im nordwestlichen Niedersachsen können außerdem Gärten im Ammerland, in Ostfriesland,  in Oldenburg und im Oldenburgischen Land besucht werden. Im Sommer und im Herbst findet der so genannte Gartenmarathon statt. Darüber hinaus bieten viele Garteninhaber auch individuelle Termine an.

Verantwortlich für das Ganze ist die Stiftung „Het Tuinpad Op/In Nachbars Garten“. Sie wurde 1984 in der Provinz Groningen von motivierten Gartenfreunden als Träger der Initiative gegründet. 1992 wagte die Stiftung den Schritt über die Grenze der Provinz Groningen nach Nord-West-Niedersachsen. Im Jahre 2007 kam die niederländische Provinz Drenthe hinzu. Weitere Informationen hält die Website sowie der Gartenführer „In Nachbars Garten / Het tuinpad op“ (152 Seiten, 10 Euro incl. Versand) bereit.

Auch im Osnabrücker Land gibt es die Offene-Gärten-Bewegung, und eine niedersachsenweite Übersicht findet sich hier. Für Privatleute und ihre Gärten ist noch reichlich Platz zum Mitmachen.

Erdbeben

13. September 2016

Nicht weit weg, in der niederländischen Provinz Groningen hat ein Erdbeben über 100.000 Wohnungen und Häuser beschädigt, so das Ergebnis einer neuen Studie. Etwa ein Viertel aller betroffenen Häuser wies mehrfach Schäden als Folge der Erdbeben auf. Die Erdbeben sind Folge der Gasförderung in der Region. Einer aktuellen Studie zufolge, wurde ein Großteil der entstandenen Schäden nicht registriert, und die Bewohner der betroffenen Häuser kämpfen oft mit gesundheitlichen Problemen.

bildschirmfoto-2016-09-12-um-13-49-25Die Zahl der Häuser mit Erdbebenschäden in der Provinz Groningen ist damit weiter gestiegen. Die Untersuchung der Rijksuniversiteit Groningen, des örtlichen GGD’s und der Stadt Groningen belegt, dass in etwa einem Viertel der Fälle wurden die Häuser sogar mehrfach durch Erdbeben geschädigt wurden. Dem Koordinator der Studie, Professor Tom Postmes (Foto re.), zufolge, liegt die Zahl der betroffenen Häuser womöglich noch höher. Er schätzt, dass in der Stadt Groningen etwa die Hälfte alle Meldungen nicht als Erdbebenschäden registriert wurden. Postmes konstatiert, dass es schwierig sei die benötigten Informationen einzusehen, um die Diskrepanz erklären zu können: „Eigentlich tappen alle Untersuchenden ein wenig im Dunkeln. Sogar bei staatlichen EInrichtungen. Ich halte das für eigenartig und falsch.”

Das Ziel der Untersuchung “Groninger Perspektive” ist es, einzuschätzen welche Folgen die Erdebeben für die Bevölkerung haben. Im Rahmen der Untersuchung wurde bereits festgestellt, dass Wohnungsschäden zu Gesundheitsproblemen führen können, insbesondere bei Menschen deren Wohnung wiederholt durch Erdbeben getroffen wurden. In erdbebenfreien Regionen fühlen sich 85 Prozent der Menschen in ihren Häusern sicher, im Groninger Erdbebengebiet sind es dahingegen nur 60 Prozent aller Menschen. Unter denjenigen, die mehrfach von Erdbeben getroffen wurden, liegt dieser Wert nur bei 38 Prozent.

Die Erdbeben in Groningen beschäftigen seit geraumer Zeit auch die nationale Politik. Am vergangenen Montag reiste eine Gruppe von Abgeordneten von Den Haag nach Groningen, um die Folgen der Erdbeben persönlich in Augenschein zu nehmen. Für Donnerstag ist eine Anhörung geplant, im Laufe des Monats wird eine Debatte in der Tweede Kamer stattfinden, im Anschluss soll das Kabinett erneut beschließen, ob und in welchem Umfang die Gasproduktion in Zukunft weitergeführt wird.

 

(Quelle/gefunden bei NiederlandeNet.)

Erbsensuppe

21. November 2015

erbsensuppe_gr TV-Koch Steffen Henssler präsentierte gestern Abend 1500 Besuchern der EmslandArena seine Kochshow mit manch internationalen Gerichten und mit Schützenkönig aD Hubert Germing, der gemeinsam mit Gattin Rita iN Wettrup den Gasthof Schrichte betreibt; der bekennende Nichtkoch und Sushi-Gegner bereitete aus Loup de Mer fast fehlerfrei Sweet Shashimi.

Der gute Rosche -Hubert ganz frankophil: Roschee– aus Haselünne war auch dabei. Doch es fehlte „eine warme und deftige Mahlzeit, wie der niederländische Erbseneintopf, der zudem auch noch recht preiswert zuzubereiten ist.

Auch in den Niederlanden gibt es wie in Deutschland eine lange Tradition typischer Wintergerichte. Um durch den Winter zu kommen, mussten die Menschen von getrockneten Hülsenfrüchten leben sowie von Gemüse das lange haltbar war und gut aufbewahrt werden konnte, wie zum Beispiel Wintermöhren, Grünkohl und Rosenkohl. Geräucherter Speck und Wurst sorgten für die Fleischbeilage. So entstanden Rezepte wie Erbseneintopf oder Stamppot, zu Deutsch Eintopf. Die Rezepte hatten häufig dieselbe Basis, aber die Variationen, wie Schälerbsen und Sellerie anstelle von Erbsen, waren zahlreich und wurden häufig von Mutter zu Tochter weitergegeben.

Erbsensuppe als Gericht gibt es schon sehr lange, in etwa seit dem 16./17. Jahrhundert als die Erbse ihren Einzug in Länder wie Frankreich, England und die Niederlande hielt. Die Erbse war einfach anzubauen und getrocknet lange und gut haltbar. In den Niederlanden machte man eine Tradition daraus, die Erbsensuppe nach der Schlacht zu essen. In den ärmeren Bevölkerungsschichten dienten häufig die weniger edlen Fleischteile (wie von den Klauen und vom Schädel) als Suppeneinlage.

Erbsensuppe wird in den Niederlanden sowohl Erwtensoep als auch Snert genannt. Einen Unterschied gibt es in der Bedeutung nicht. Snert kommt laut etymologischen Wörterbuch van Dale aus dem Friesischen und das Wort „snert“ ist als Synonym für Erbsensuppe seit 1768 bekannt. Es ist wahrscheinlich, dass es mit dem Wort „sneirts“ verwand ist, das mit Trinken zu tun hat, da „Met eenen sneirts“ bedeutet etwa in einem Zug zu trinken. Es kann aber auch bedeuten etwas sehr lange zu kochen. Lustigerweise bedeutet  „Dat is snert!“ auch „Das ist Mist“ was möglicherweise auf die Bekömmlichkeit der Erbsensuppe zurückzuführen ist, was an dieser Stelle nur Spekulation ist. Ich selbst mag nämlich sehr gerne Erbsensuppe. Die Niederländische Königin hingegen sagte einst bei einem Treffen mit Willem-Alexander, dass sie Erbsensuppe nicht ausstehen könne.

Die Erbsensuppe ist bei den Niederländern im Allgemeinen so beliebt, dass man sie selbst in den 70er Jahren beim niederländischen McDonalds bekam. Wie ernst es die Niederländer inzwischen mit dem Kochen und Verkosten ihrer Erbsensuppe nehmen, kann man daran erkennen, dass es schon seit 25 Jahren eine Erbsensuppen Weltmeisterschaft gibt, die jedes Jahr in Groningen ausgetragen wird, gibt, die „Snert WK„.

Sie haben richtig gehört. In Groningen, wo der Winter häufig noch etwas kälter ist als im Rest der Niederlande, treffen sich jedes Jahr die besten Erbsensuppenköche und zaubern und werkeln was das Zeug hält. Auch, wenn dieser Wettbewerb auf eine Schnapsidee von Fré Schreiber und Etty Bonnema zurückgeht die sich 1992 fragten wer wohl die beste und leckerste Erbsensuppe kochen könne, ist der Wettbewerb ebenfalls dazu da die Tradition der leckeren Wintergerichte am Leben zu halten. Viele Leute wissen nämlich gar nicht mehr, wie sie diese zubereiten. Als Anreiz gibt es für die Gewinner des Wettbewerbs die „Silberne Schöpfkelle“ zu gewinnen.

Außerdem wird der Wettbewerb von RTV Noord den ganzen Abend  live übertragen und auch die landesweiten Medien haben das bunte Treiben rund um die Erbse für sich entdeckt. Der Gewinner wird in seinem Dorf häufig als Held gefeiert und selbstverständlich gibt es so manches Mal auch die Erbsensuppe des Gewinners später im Supermarkt zu kaufen.

Für viele Teilnehmer der „Snert WK“ – Erbsensuppen-Weltmeisterschaft, ist auch heute noch Omas Rezepte die Basis. Sie werden jedoch stets weiterentwickelt und nicht nur Niederländer nehmen an diesem Wettbewerb teil. Man sollte es kaum glauben, aber auch beim Erbseneintopf gibt es viele interkulturelle Varianten: Halal snert, australischen Snert mit Krokodilfleisch, vegetarisch oder vegan.

Erbsensuppe an sich ist eine dicke Suppe, die aus Schälerbsen gemacht wird. Die Suppe schmeckt am besten, wenn sie in großen Mengen gekocht wird und nach dem Essen noch einen Tag ziehen kann. Gekühlt bleibt die Suppe noch einige Tage gut, kann aber auch im Gefrierfach eingefroren werden. Die Menge der verschiedenen Zutaten variiert. Insgesamt muss so viel Gemüse hinzugefügt werden, dass die Suppe besonders dick wird.

Viele traditionelle Rezepte haben als einziges Gemüse Sellerie, Erbsen und Porree. Das heißt keine Kartoffeln, keine Möhren und keine Zwiebeln. Manchmal werden Kartoffeln hinzugefügt, um die Struktur dicker zu machen und so die Kochzeit zu verkürzen.

Die Suppe wird traditionell mit Roggenbrot gegessen, das mit Speck, Käse oder Butter belegt ist. Als Nachtisch gibt es in vielen Familien Pfannkuchen.

Für Sie präsentieren wir diesmal  dieses Rezept: die vegetarische Curry-Erbsensuppe von Jitske Buijs aus Usquert, die man natürlich nach Geschmack selbst noch mit Fleisch verfeinern kann.

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[mit NiederlandeNet-„Autor: Simon Wibbeling“; Foto: Pixabay (CC0) – alles gefunden auf  NiederlandeNet]

Vluchtelingen welkom!

28. September 2015

vluchtelingen_welkom

 

Genau wie Deutschland stimmten die Niederlande auf dem Treffen der Innenminister vergangene Woche in Brüssel der verpflichtenden Umverteilung der Flüchtlinge in Europa zu. Die Regierungspartei VVD erklärte, ein permanentes System zur Umverteilung innerhalb der EU sei wünschenswert.

Am Dienstag beschlossen die Mitglieder der Europäischen Union 120.000 Flüchtlinge, die sich momentan in Italien und Griechenland befinden, mithilfe eines Verteilungsschlüssels auf alle EU-Länder umzuverteilen. Die Niederlande sollen circa 7.000 Flüchtlinge aufnehmen. Frans Timmermans, ehemaliger niederländischer Außenminister und inzwischen Vizevorsitzender der Europäischen Kommission, sprach von einer „monumentalen“ Entscheidung.

Europäisches Asylverfahren

Laut Klaas Dijkhoff (VVD), Staatssekretär im niederländischen Justizministerium, war dieser Umverteilungs-Beschluss eine „einmalige Konstruktion“. Die Niederlande fänden ein europäisches Asylverfahren besser als immer neue Notmaßnahmen, wird Dijkhoff vom Algemeen Dagblad zitiert. „Wenn es mehr Flüchtlinge werden, müssen wir noch härter arbeiten. Und inzwischen arbeiten wir hier in Brüssel daran, den Zustrom zu begrenzen.“

Auch Premier Mark Rutte (VVD) erklärte am Mittwochmorgen in einer Debatte der Zweiten Kammer zur Flüchtlingsfrage, es sei wünschenswert, das Umverteilungssystem zu verstetigen. In der Regionalzeitung De Gelderlander wird er mit den Worten zitiert: „Wir müssen weitere Schritte einleiten, damit jedes Land Verantwortung trägt. Ein erster Schritt ist getan, doch mehr als ein Auftakt ist es nicht.“ Rutte versprach außerdem, sich beim Treffen der EU-Regierungschefs am Abend dafür einzusetzen, die Flüchtlingscamps in der Region zu unterstützen.

Tickende Zeitbombe

Koalitionspartner PvdA sowie die meisten der Oppositionsparteien zeigten sich zufrieden über den Beschluss der EU-Innenminister. Die rechtspopulistische Partei PVV hingegen forderte, die niederländischen Grenzen zu schließen. Der ununterbrochene Zustrom an Flüchtlingen sei eine „Beleidigung des niederländischen Bürgers“, erklärte Parlamentarier Sietse Fritsma (PVV) in der Debatte. „Wir können uns ein Beispiel an Ungarn nehmen, das seine Grenzen geschlossen hat. Dann hört der Flüchtlingsstrom einfach auf.“ Zudem rief Fritsma Premier Rutte dazu auf, am Abend nicht nach Brüssel zu fahren.

PVV-Chef Geert Wilders hatte Mitte September bereits Ähnliches verlauten lassen. Die große Zahl an Flüchtlingen, die nach Europa und in die Niederlande kämen, sei „eine tickende Zeitbombe“. Das Kabinett stünde in dieser Frage „auf der falschen Seite“.

(Foto: Eine von der Socialistische Partij  organisierte Demo Mitte September 2015 in Groningen. Quelle: SP Groningen/cc-by-nc-nd)

 

Beben

24. Juni 2015

Die Diskussion bei unseren niederländischen Nachbarn über die Folgen der Erdgasförderung geht weiter. „Da die Erde immer stärker bebte, hatte der niederländische Raad van State die Gasförderung im Gebiet um Groningen bereits im April diesen Jahres gestoppt (mehr…). Gestern nun stellte der niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) der NAM (Nederlandse Aardolie Maatschappij), einem Joint Venture aus Shell und Exxon, einen neuen Plan vor. Die niederländische Regierung will die Gasförderung in diesem Jahr auf 30 Milliarden Kubikmeter statt 39,4 Milliarden Kubikmeter herunterschrauben. Kamp stieß damit bei der NAM auf wenig Gegenliebe.

Die Fördermenge zu reduzieren ist aus Sicht der NAM nicht unproblematisch. Sie müsse statt 30, rund 33 Milliarden Kubik Gas fördern erklärte ein Unternehmssprecher, um den Anforderungen des Gasverbrauchs nachkommen zu können. Demgegenüber sieht die Opposition aus GroenLinksSPD66 und CU in der Zweiten Parlamentskammer die Verringerung der Fördermenge als überaus positiv. „Ich möchte dem Minister sagen: Gern weiter so. Ich höre auch gerne schnell etwas von seinen Plänen für 2016, damit man in Groningen länger planen kann als nur ein halbes Jahr“, kommentierte Eric Smaling (SP) die Pläne. Laut Liesbeth von Tongeren (GL) seien 22 Milliarden Kubik völlig ausreichend um den Verbrauch der Menschen zu decken. Auch die CU äußerte sich freudig über diesen Schritt: „Wir müssen weg von unseren fossilen Energien.“ Vom Koalitionspartner PvdA erhielt Kamp ebenfalls Zuspruch.

Anders als für die politischen Parteien war Kamps Plan für die Bürgerinitiativen in Groningen – wie die GBB (Groninger Bodem Beweging) und Schokkend Groningen – lediglich ein „Jonglieren mit Zahlen“ zur Beruhigung der Gemüter. Besonders die Argumentation Kamps, dass die Erdbeben lediglich eine Stärke von 4,5 statt – wie vorher vermutet – 5 auf der Richterskala haben würden, ließen sie nicht gelten. „Ein Erdbeben von 4,5 auf der Richterskala ist immer noch ein enormes Erdbeben. Ein Beben dieser Stärke wird immer noch eine Katastrophe sein“, so ein GBB-Sprecher in der Zeitung Trouw. Zudem zeigte sich die GBB darüber in Sorge, dass die jetzt angekündigten Maßnahmen aufgrund einigen Vorbehalte nicht so umgesetzt würden. „Wir finden es immer noch merkwürdig wenig“, fasste ein GBB-Sprecher zusammen.

Außer der Kritik der örtlichen Aktionsbündnisse tut sich derzeit auch ein eher praktisches Problem auf. Die Gasförderung ist neben den Steuereinnahmen eine der Hauptfinanzquellen für die Staatskasse der Niederlande. Wie die geringen Einnahmen aufgefangen werden können, legte de Volkskrant am Dienstag in einem Artikel dar:

Der erste Ansatz. Weniger Energie zu verbrauchen. Dabei betonte Minister Kamp ausdrücklich, dass Erdgas auch weiterhin maßgeblich zur Energieversorgung betragen würde. Als zweite Möglichkeit sieht de Volkskrant den Import von Gas. Schon jetzt würde man rund 20 Prozent des Gases aus Ländern wie Russland oder Norwegen importieren. Der Ansatz wird jedoch auch häufig kritisch gesehen, da man sich dadurch abhängiger mache. Den Gegenentwurf liefert de Volkskrant auch: Weniger exportieren. Da etwa 60 Prozent des niederländischen Erdgases ins Ausland gehen, könnte man durch Rückgänge an dieser Stelle den eigenen Verbrauch wieder sichern. Zuletzt gäbe es noch die Möglichkeit, den Gesamtaufwand auf viele kleine Gasfelder zu verteilen um den Standort Groningen zu entlasten, ohne Einschränkungen vornehmen zu müssen.“§

(gefunden bei Niederlande.net; Foto: Gasförderung in NL; “Thijs nl uit nl” CC BY-SA 3.0))

#aardbeving

15. April 2015

GasförderungNLNeues aus der nord-niederländischen Provinz: In dem stark von Erdbeben betroffenen Gebiet rund um den Ort Loppersum zwischen der Universitätsstadt Groningen und dem Hafen Delfzijl darf vorläufig kein Gas mehr gefördert werden. Der Raad van State, das  höchste Verwaltungsgericht der Niederlande, untersagte am Dienstag die Produktion an insgesamt fünf Stellen um den Ort mittels einer einstweiligen Verfügung. Nur wenn die Gasversorgung aus anderen Bohrgebieten nicht gedeckt werden könne, dürfe das Verbot aufgehoben werden, heißt es in dem Gerichtsbeschluss.

Die Region im Nordosten der Niederlande ist zunehmend von Erdbeben getroffen worden, die bis zu einer Stärke von 3,6 auf der Richterskala reichten. Zehntausende Schäden waren gemeldet worden. Eine Bürgerinitiative und Politiker verlangten daraufhin ein totales Gasförderverbot. Einen solchen völligen Stopp lehnte das Gericht ab, da sonst die Versorgung des Landes und auch Exportverpflichtungen in Gefahr geraten könnten. Eine endgültige Entscheidung will das Gericht später fällen.

Bildschirmfoto 2015-04-15 um 07.26.52Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) hatte bisher eine drastische Reduzierung der Gesamtfördermenge abgelehnt. Nach dem Bekanntwerden des Gerichtsbeschluss ordnete er die fast völlige Stilllegung der Gasförderung an, wie die Groninger Zeitung „Dagblad van het Noorden“ berichtete. Das Journal hat auf seiner Internetseite ein umfangreiches Dossier zu den Folgen der Erdgasförderung (Grafik lks) veröffentlicht.

Die Erdgasvorkommen rund um Groningen gehören zu den größten Westeuropas.  Im ersten Halbjahr 2015 sollen 16,5 Milliarden Kubikmeter Gas gewonnen werden. Die Niederlande sind nach Norwegen der größte Gasproduzent Westeuropas. Verantwortlich für die Erdgasförderung ist die Nederlandse Aardolie Maatschappij BV („NAM“), eine Tochter der Großkonzerne Shell und Esso.

Mit dem Twitter-Hashtag #aardbeving kann man sich über aktuelle Entwicklungen (in niederländischer Sprache) auf dem Laufenden halten.

(Foto: Gasförderung in NL; „Thijs nl uit nl“ CC BY-SA 3.0)

verrückt

21. Februar 2015

erdgasfoerderungEin Bericht auf NiederlandeNet über die Auswirkungen der Erdgasförderung im Nord-/Osten der Niederlande, über Hintergründe und Proteste:

Maximaler Gewinn und und bestmögliche Förderungsbedingungen bei den niederländischen Bodenschätzen waren den Verantwortlichen bei der Gasgewinnung in der Provinz Groningen jahrelang wichtiger als die Sicherheit von Anwohnern. So lautet das Ergebnis einer Studie, die der Onderzoeksraad voor Veiligheid (OVV) am Mittwoch veröffentlicht hat. Zornige Reaktionen ließen nicht lange auf sich warten.

Anlass für die Studie waren viele unterschiedlich starke Erdbeben, die immer wieder durch die Gasgewinnung verursacht wurden. Etliche Gebäude in der grenznahen nordniederländischen Provinz Groningen wurden durch die vielen Erschütterungen beschädigt und der Boden sank an etlichen Stellen spürbar ab. Im Jahr 2012 etwa bebte die Erde dort insgesamt 93 Mal, 2013 wurde diese Zahl mit 96 Erdbeben bereits Mitte September überschritten (NiederlandeNet berichtete). Erst in der vergangenen Woche hatte der für die Erdgasförderung zuständige niederländische Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD) aktuelle verkündet, die Gasförderung bis zur Jahresmitte zunächst einmal herunterzufahren. Als Gründe führte er wachsende Proteste aus der Bevölkerung sowie erneute kleine Erdbeben an (NiederlandeNet berichtete).

Im Text der Studie hieß es, dass mangelhafte Kommunikation in den vergangenen Jahren zu einem beschädigten Verhältnis zu den Groninger Bürgern geführt habe. Die betroffenen Akteure aus Politik und Niederländischer Erdöl Gesellschaft (NAM) müssten das Verhältnis nun reparieren und es müsse viel stärker mit Anwohner über mögliche Risikos der Erdgasgewinnung gesprochen werden. Auch sollte zukünftig nicht mehr nur das Wirtschaftsministerium allein, sondern auch andere Ministerien in Den Haag am Entscheidungsprozess zur Gasgewinnung beteiligt sein.

Politiker und Groninger Bürgerinitiativen reagierten auf die am Mittwoch publizierte Studie entrüstet: „Die Schlussfolgerungen des Berichts ist schlichtweg schockierend“, so William Moorlag, PvdA-Abgeordneter im Groninger Provinzparlament gegenüber RTL Nieuws. Dass man noch im Jahr 2013 eine Rekordmenge an Gas gefördert habe, sei vor diesem Hintergrund ein „grober Skandal“. Groningens Bürgermeister Peter den Oudsten (PvdA) forderte die Einrichtung einer parlamentarische Enquete-Kommission zur Gasgewinnung. Erbost reagierte auch die Grünen-Abgeordnete Liesbeth van Tongeren auf den jetzt veröffentlichen Bericht des OVV: „Der Staat lief blind hinter den Milliarden hinterher und die NAM war blind für unbequeme Fakten über Erbeben und Bodensenkung.“

Bildschirmfoto 2015-02-21 um 23.12.04Vertreter lokaler Bürgerinitiativen forderten nach Veröffentlichung der Studie ein Handeln der Politik. So hofft John Lanting von der Interessengruppe Schokkend Groningen, dass Wirtschaftsminister Kamp nach der Veröffentlichung der neuesten Erkenntnisse nun einen anderen Kurs einschlägt. Selbst werden Lanting und seine Mitstreiter die Arbeit der letzten Zeit ungebremst weiterführen: „Für uns verändert sich nichts. Wir werden auch weiterhin Anzeigen gegen den Minister aber auch den Direktor der NAM erstatten. Sie bringen uns in Gefahr und so müssen sie rechtlich verfolgt werden.“ Dirk Kleijer von der Initiative Groninger Bodem Beweging sieht die jahrelange Arbeit seiner Bewegung und die Gefühle der Groninger Bevölkerung durch die Studie bestätigt: „Groninger liefen jahrelang gegen eine Mauer aus Unverständnis und wurden für verrückt erklärt. Endlich gibt es eine Bestätigung dessen, was wir bereits wussten: Unsere Sicherheit spielte keine Rolle und das ist ein Skandal.“

Mehr zum Thema Gasgewinnung auch im Dossier von NiederlandeNet Energiegewinnung in den Niederlanden.

Die komplette Studie kann hier heruntergeladen werden.

[Foto: Erdgasgewinnung in der Provinz Groningen, Quelle: NAM]

Musikfest Bremen in Sögel

1. September 2014

316_Quatuor Cambini 2 - Amelie TchemiakVorgestern Abend begann das Musikfest Bremen. Die dreiwöchige Veranstaltung gibt es seit 25 Jahren. Im Rückblick bedeutet das- wie die Veranstalter zu recht schwärmen-  „einen glanzvollen Reigen an Repertoire-Schlüsselwerken in maßstabsetzenden Interpretationen, beglückende Wiederaufführungen vergessener Werke, Debüts von renommierten Stars wie hoffnungsvollen Nachwuchstalenten sowie Uraufführungen und exklusive Deutschland-Premieren. Und mit diesen Zutaten lockt das Festival auch zu seinem Jubiläum und bietet dem Publikum ab heute und bis zum 20. September ein klangvolles Geburtstagsprogramm mit über 35 Veranstaltungen in Bremen, Bremerhaven, ausgewählten Spielstätten im Nordwesten und Gastspielen in Groningen (NL) und Hamburg.“

Am kommenden Dienstag (02. September), gastiert das Musikfest auf  Schloss Clemenswerth in Sögel. Es konzertiert das Quatuor Cambini-Paris (Foto) mit  diesem Programm:

Wolfgang Amadeus Mozart: Streichquartett d-Moll KV 421 (417 b), Streichquartett C-Dur KV 465 (»Dissonanzenquartett«)
Joseph Haydn: Streichquartett Nr. 34 op. 20 Nr. 4 D-Dur

Beginn 20 Uhr. Eintritt: 24 Euro (erm. 18 Euro)
Mehr…

Weitere „Auswärts“-Konzerte finden u.a. in Emden (5.9.), Leer (17.9.) und Langförden (17.9.) statt.

(Foto: © Amélie Tchemiak)

Kohle

20. April 2014

KohlekraftwerkEemshaven„Der Schadstoffausstoß durch das von vielen Seiten kritisierte neue Kohlekraftwerk in der niederländischen Nordseegemeinde Eemshaven muss durch die Provinzen Groningen, Friesland und Drenthe in Verbund mit dem niederländischen Wirtschaftsministerium erneut überprüft werden. Zu diesem Urteil kam das höchste niederländische Verwaltungsorgan Raad van State (dt. Staatsrat) am vergangenen Mittwochabend. Damit geht der jahrelange Rechtsstreit um das grenznahe Kraftwerk in eine neue Runde. [mehr und mehr]

Trotz der erneuten Überprüfung sah die Kommission in ihrem Urteil keinen Grund dafür, die für dieses Jahr geplante Inbetriebnahme des Kraftwerks zu verweigern. Diverse Umweltorganisationen, die seit Jahren gegen den Bau des Kraftwerks in unmittelbarer Nähe zur deutschen Grenze demonstrieren, sind mit dieser Entscheidung nicht einverstanden. Sie kündigten an, den Start des 1.600 Megawatt Kraftwerks weiterhin verhindern zu wollen.

Bereits seit 2006 plant das Energieunternehmen…“

[weiter bei NiederlandeNet und in NL bei Waddenvereniging.nl]

 

(Foto: Baustelle RWE/Essent-Kohlekraftwerk Eemshaven Ende 2012. Wutsje / Wikimedia Commons / CC-BY-SA-3.0)

Opstand

10. Januar 2014

GroningerinopstandEs brodelt im benachbarten Friesland rund um Groningen. Dies weiß Niederlandenet und berichtet über den letzten Anlass, den Konkurs des Aluminiumherstellers Aidel:

Aldel (Aluminium Delfzijl), einer der größeren Lieferanten für Primäraluminium in Westeuropa, hat vergangene Woche Insolvenz angemeldet. Eine mittlere Katastrophe für die strukturschwache Provinz Groningen. Neben den rund 300 Aldel-Mitarbeitern, die ihren Job verlieren, wird die Firmenpleite indirekt auch viele Zulieferbetriebe treffen. Die Wut der Betroffenen richtet sich vor allem gegen Wirtschaftsminister Henk Kamp (VVD), der ihrer Meinung nach nicht genug getan hat, um die Insolvenz des Betriebs zu verhindern. Unter anderem wird Kamp vorgeworfen, nicht für „deutsche Energiepreise“ gesorgt zu haben.

„Die Einwohner unserer Provinz trifft es doppelt. Keine Arbeit mehr und dafür Risse in der Wand“, so Max van den Berg, Kommissar des Königs in Groningen bei seiner Neujahrsansprache. Die Pleite Aldels sei für die Region nach den Erdbeben, die immer wieder durch Erdgasförderung ausgelöst werden (NiederlandeNet berichtete), der Tropfen, der das Fass zum Überlaufen bringe.

Tatsächlich brodelt es in der Provinz, wie bei einem Protestmarsch gegen die SchließungAldels am 3. Januar deutlich wurde. Tausende Demonstranten versammelten sich vor dem Gemeindezentrum. „Die Menschen sind sehr sauer auf die Regierung. Teilnehmer sprechen davon, dass dies der Anfang einer großen Groninger Protestbewegung ist“, so die Journalistin Femke Awater, die für das NRC Handelsblad vor Ort war. Unter Beifall wurde ein Brief von Wirtschaftsminister Kamp, worin dieser geschrieben hatte, dass er alles tun werde, um Aldel zu retten, verbrannt. Der Brief stelle manches falsch dar. Aldelsei in Wahrheit ein Gewinn bringender Betrieb, so Klaas Pijper, Vorsitzender des AldelerBetriebsrates, „zumindest, wenn Kamp für deutsche Energiepreise sorgt.“

Auch der Delfzijler Bürgermeister Emme Groot (PvdA), der ebenfalls an der Demo teilnahm, fand, im Bereich Energie- und Industriepolitik halte Kamp den „Schlüssel“ in Händen. Kamp, der im Oktober vergangenen Jahres für Aldel einen Überbrückungskredit in Höhe von 8 Millionen Euro ermöglicht hatte, hatte damals selbst in einem Brief an die Zweite Kammer erklärt: „Die schwierige Situation von Aldel ergibt sich unter anderem durch die geringen Aluminiumpreise am Markt und die höheren Elektrizitätspreise im Vergleich zu Deutschland.“ Die deutsche Konkurrenz hätte viel geringere Energiekosten zu tragen, darum, so Kamps Vorschlag, solle auch der niederländischen energieintensiven Industrie bei den Kosten entgegengekommen werden. Das entsprechende Gesetz wurde bereits auf den Weg gebracht. Für Aldel wurde sogar überlegt, eine „direkte Verbindung“ anzulegen, „eine Stromleitung zu einem Elektrizitätswerk in Deutschland“.

Jan Willem Zwang von der Energieberatungsfirma GreenSpread zweifelt daran, dass Aldelallein aufgrund der im Vergleich zu Deutschland höheren Energiekosten Insolvenz anmelden musste. Den Alumniumpreisen seit 2008 stellte er die Strompreise gegenüber: Gerade jetzt aufgrund zu hoher Energiekosten Insolvenz anzumelden, ergäbe keinen Sinn, denn „der Gewinn durch den Verkauf des Aluminiums abzüglich der Stromkosten ist momentan höher als im Jahr 2008“, so Zwang. „Was also ist der wirkliche Grund für die Insolvenz?“

Doch viele Groninger wollen jetzt anscheinend keine Antworten, sondern einfach Köpfe rollen sehen. Die Facebook-Seite „Groningers in opstand“ (dt. Groninger erheben sich) hat inzwischen rund 23.800 „Gefällt mir“-Angaben erhalten. Inzwischen hat dieselbe Initiative auch eine Online-Petition geschaltet, die den Rücktritt Henk Kamps fordert.

[Quelle]