Vier Monate nach dem Schiffsunfall am Dortmund-Ems-Kanal ist die Lindenstraßen-Brücke weiter für Kfz nicht nutzbar. Das Wasserstraßen- und Schifffahrtsamt Ems-Nordsee (WSA) hat nun ein Sanierungskonzept vorgelegt, wie jetzt der NDR meldet. Die Reparatur soll danach „noch in diesem Jahr“ beginnen – doch bis dahin bleibt eine der wichtigsten Verkehrsadern Lingens blockiert.

Pikant: Schon am Tag nach dem Unfall hatte die zuständige WSA-Ingenieurin gegenüber der Presse eine erste Schätzung abgegeben: Die Reparatur werde zwischen 100.000 und 200.000 Euro kosten und wohl bis zum Jahresende dauern. Genau vier Monate später hat das Amt nun mit seinem offiziellen Konzept exakt dieselben Eckdaten bestätigt. Viel Bewegung scheint es also nicht gegeben zu haben.

Dabei erinnern sich die Menschen in unserer Stadt an die verständnisvolle Aussage des Lingener Oberbürgermeisters Krone in Richtung WSA: „Gründlichkeit geht vor Schnelligkeit“. Ich möchte diese behördliche Scheinalternative herzlich ergänzen: „Behördliche Behäbigkeit geht mit Trägheit doppelt so langsam…“

Denn der Unfall ereignete sich vor mehr als vier Monaten Anfang Juni, als ein Binnenschiff mit unzureichend eingefahrenen Aufbauten gegen den äußeren Hauptträger der Brücke stieß. Die Stahlkonstruktion wurde deformiert, so dass -so das WSA- die Brücke ihre Tragfähigkeit verloren habe. Sofort wurde sie vollständig gesperrt, nur Schiffe durften das angeblich fragile Gebilde schon nach wenigen Stunden passieren  – für Autos, Radfahrer und Fußgänger galt das nicht. Nach 10 Tagen durften Letztere sie wieder benutzen; für den motorisierten Verkehr blieb sie tabu.

Erst jetzt, Mitte Oktober, steht fest, wie nach Ansicht des WSA die Sanierung ablaufen soll. Die Arbeiten sind ausgeschrieben, bis Ende des Monats erwartet das WSA die Angebote. Danach soll „zügig“ begonnen werden. Die Behörde rechnet mit Baukosten von rund 150.000 Euro – ein Betrag, der sich exakt in dem Rahmen bewegt, den man schon am Tag nach dem Unfall vermutet hatte.

Die Leserschaft dieses kleinen Blogs ahnt es: Technisch, lese ich in der WSA-Aussage, sei die Reparatur anspruchsvoll. Die Brücke könne aktuell keine großen Lasten mehr aufnehmen. Ein externes Traggerüst soll die Kräfte von der beschädigten Konstruktion abfangen. Anschließend sollen die verbogenen Stahlteile herausgeschnitten und neue Bleche eingeschweißt werden. Darauf deuten nun die Reparaturkosten aber eher nicht hin. Während der, offenbar analog den Arbeits- und Ruhezeiten der staatlichen Verwaltung konzipierten Arbeiten wird die Brücke in der Vorweihnachtszeit und über den Jahreswechsel erneut wochenlang komplett gesperrt – auch wieder für Fußgänger und Radfahrer. Zudem darf während mehrerer Wochen kein Schiff unter ihr hindurchfahren.

Dass zwischen Unfall und Baubeginn fast ein halbes Jahr vergeht, muss  für Kopfschütteln sorgen. Für Lingen bedeutet das: Die Verbindung über den Kanal bleibt noch monatelang eingeschränkt. Die Umleitungen führen zu zusätzlichem Verkehr in der Innenstadt und in angrenzenden Wohnstraßen. Viele Betriebe und Anwohner klagen über längere Wege und mehr Lärm. Die Raffinerie kann nicht mittels Binnenschiffen nach Süden hin ausliefern.

Da frage ich mich, warum ein vergleichsweise überschaubarer Schaden erst in mehreren Stufen untersucht, bewertet und dann erneut bestätigt werden musste – mit exakt denselben Ergebnissen, die eine Ingenieurin schon am Tag nach dem Unglück genannt hatte.

Wenn alles gut läuft, könnte die Brücke im Dezember oder Januar wieder freigegeben werden, heißt es. Nach aktuellem Stand wäre das ziemlich genau zu dem Zeitpunkt, den die WSA-Ingenieurin bereits im Juni genannt hatte.

Dieses Gesamtergebnis behördlicher Behäbigkeit überrascht damit  dann doch. Vor allem nämlich: Wenn es schlecht läuft, warten wir länger…


Foto: Brücke über den Dortmund-Ems-Kanal in Lingen, Lindenstraße
von milanpaul via flickr <10.10.25> (Danke!)
Quellen: NDR, Lingener Tagespost