Der Panther

4. Dezember 2025

Herzlichen Glückwunsch, Rainer Maria Rilke! schreibt die Rilke-Gesellschaft heute auf ihrer Website. Denn heute, am 4. Dezember 2025 jährt sich Rilkes Geburtstag zum 150. Mal. Herzlichen Glückwunsch, Rainer Maria Rilke! schreibt die Rilke-Gesellschaft heute auf ihrer Website. Denn heute, am 4. Dezember 2025 jährt sich Rilkes Geburtstag zum 150. Mal. Im Deutschen Literaturarchiv in Marbach wird an diesem Tag die Ausstellung ‚Und dann und wann ein weißer Elefant. Rilkes Welten‘ eröffnet (Infos). Im Paula Modersohn-Becker-Museum in Bremen ist aus dem gleichen Anlass noch bis zum 18.1.2026 die Ausstellung ‚Rilke und die Kunst‘ zu sehen (Infos), in der Landesbibliothek Oldenburg die Ausstellung ‚Unter soviel Lider‘ mit Fotografien von Jan Jindra zu Lebensorten Rilkes (Infos).

Und auch im TV & Co. können Zuschauende Rilke jetzt vermehrt begegnen. Arte zeigt die neue Dokumentation ‚Rilke – Du musst dein Leben ändern‘ (Regie: Thomas von Steinaecker, 53 min., zum Film) und im SRF ist eine Sendung der Reihe ‚Sternstunde Philosophie‘ Rilke gewidmet; zu Gast sind dort Iris Radisch und unser Mitglied Manfred Koch, beide konnten Sie bereits im September auf unserer Prager Tagung erleben (zum Video).

Der Panther
Im Jardin des Plantes, Paris

Sein Blick ist vom Vorübergehn der Stäbe
so müd geworden, daß er nichts mehr hält.
Ihm ist, als ob es tausend Stäbe gäbe
und hinter tausend Stäben keine Welt.

Der weiche Gang geschmeidig starker Schritte,
der sich im allerkleinsten Kreise dreht,
ist wie ein Tanz von Kraft um eine Mitte,
in der betäubt ein großer Wille steht.

Nur manchmal schiebt der Vorhang der Pupille
sich lautlos auf -. Dann geht ein Bild hinein,
geht durch der Glieder angespannte Stille –
und hört im Herzen auf zu sein.

„Der Panther“ gilt als Rilkes berühmtestes Dinggedicht, in dem Rilke zum Interpreten der „stummen Dinge“ wird. Bemerkenswert ist, dass das Substantiv „Panther“ nur im Titel vorkommt. Im weiteren Verlauf des Gedichts werden nur Pronomen und Beschreibungen des Tieres verwendet. Das Raubtier wird in 3 Strophen von seiner äußeren Erscheinung (Blick, Gang, Auge) beschrieben, um seine äußere wie innere Gefangenschaft zu erschließen.

„Die Werke Rainer Maria Rilkes faszinieren die Menschen bis heute, und das überall auf der Welt. Geboren 1875 in Prag wurde Rilke schon früh als vollendeter Dichter verehrt. Gedichte wie „Der Panther“ oder „Herbsttag“ sind Teil des internationalen Literaturkanons. Mit der Sprache entlockt Rilke den Dingen eine ungewohnte Tiefe und eine ganz eigene Wirklichkeit, auf die sich die Menschen einlassen sollen. Eine Wirklichkeit jenseits der Rationalität der Moderne – damit ist sein Werk auch ein Gegenentwurf zu den Machbarkeitsvisionen der Tech-Giganten von heute.
Fast gescheitert wäre Rilke an seinem Hauptwerk, den „Duineser Elegien“, die die Summe seines Schaffens werden sollten. Thomas von Steinaecker erzählt in seiner Dokumentation, wie Rilke über ein Jahrzehnt um die Vollendung seines Hauptwerkes ringt und wie er verzweifelt nach Inspiration sucht. Erst als er sich in das Schweizer Wallis zurückzieht und die Verbindungen zur Alltagswelt kappt, gelingt ihm ein kaum noch erwarteter Schaffensrausch. So vollendet Rilke in kürzester Zeit ein Jahrhundertwerk. Kurz darauf stirbt er. Und wird als Dichter und Lebensratgeber zur Ikone für die nachfolgenden Generationen.“
Text über eine filmischen Dokumentation von Thomas von Steinaecker (D 2025, 52 Min)