100 Jahre Stadtbibliothek Lingen
Franziska Walser und Edgar Selge
lesen Texte von Rainer Maria Rilke aus den „Duineser Elegien“

„Jeder Engel ist schrecklich“
Lingen (Ems) –  Foyer des Theaters an der Wilhelmshöhe,
Willy-Brandt-Ring 44
Fr 10. Jan 2020 – 20 Uhr
Karten: 22 €, erm 18 €
Vielen Menschen sind sie aus zahlreichen Kino- und Fernsehproduktionen bekannt: das Schauspielerpaar Franziska Walser und Edgar Selge. An diesem Freitag werden sie im Foyer des Theaters an der Wilhelmshöhe zu Gast sein und die „Duineser Elegien“ von Rainer Maria Rilke unter dem Titel „Jeder Engel ist schrecklich“ vortragen. Mit dieser Lesung werden sie das Jubiläumsjahr zum 100. Geburtstag der Stadtbibliothek Lingen eröffnen.
Rainer Maria Rilke verfasste die „Duineser Elegien“ im Zeitraum von 1912 bis 1922. Sie stellen den Höhepunkt seines Schaffens dar und gehören zu den schönsten, komplexesten und vielschichtigsten Schöpfungen deutscher Lyrik. Der Engel ist ein Leitmotiv der Duineser Elegien. Doch zugleich ist die Existenz des Engels überhaupt fraglich, die Beziehung zwischen Mensch und Engel ist hypothetisch. „Der Engel der Elegien ist dasjenige Wesen, das dafür einsteht, im Unsichtbaren einen höheren Rang der Realität zu erkennen. Daher „schrecklich“ für uns, weil wir, seine Liebenden und Verwandler, doch noch am Sichtbaren hängen.“, so Rilke selbst in einem Brief an Witold Hulewicz.

Im Januar 1912 war Rainer Maria Rilke zu Gast bei der Fürstin Marie von Thurn und Taxis in deren Schloss Duino an der Adria. Auf einem Spazierweg dort soll Rilke die Duineser Elegien „gehört“ haben, bevor er sie zu Papier brachte. Der Sinn menschlichen Daseins ist das Thema der Elegien: Klagegesänge, deren Musik die Sprache ist, Verse von betörender Schönheit, ein lyrisches Meisterwerk, das zum Vollkommensten gehört, was in deutscher Sprache geschrieben wurde. „Wer, wenn ich schriee, hörte mich denn aus der Engel Ordnungen?“, so der einleitende Vers dieser Rezitation von Franziska Walser und Edgar Selge, die weit mehr ist als eine Lesung: eine freie Gestaltung in Gedanken, Worten und Bildern.
Franziska Walser (Schauspielerin), Absolventin der Otto-Falckenberg Schule München, erhielt ihr erstes Engagement am Staatstheater Stuttgart. Ein Jahr später wechselte sie an das Deutsche Schauspielhaus in Hamburg. 1976 bis 2001 gehörte sie fest dem Ensemble der Münchner Kammerspiele an. Seit 2002 arbeitet sie frei und hatte Engagements in Köln, Zürich und am Maxim Gorki Theater Berlin. Seit der Spielzeit 2013/2014 tritt sie verstärkt am Schauspiel Stuttgart auf, wo sie sehr erfolgreich die Hauptrolle in Samuel Becketts „Glückliche Tage“ spielte. Die Filmschauspielerin Franziska Walser wurde 1991 mit dem Bayerischen Filmpreis für die Beste Schauspielerin in der Literaturverfilmung von Lion Feuchtwangers „Erfolg“ ausgezeichnet. Für „Ein halbes Leben“ von Nikolaus Leytner bekam sie 2010 den Adolf-Grimme-Preis.
Edgar Selge (Schauspieler), wurde 1948 in Brilon geboren, studierte Philosophie und Germanistik in München und Dublin sowie klassisches Klavier in Wien bevor er seine Schauspielausbildung an der renommierten Otto-Falckenberg-Schule in München absolvierte. Neben Auftritten auf den großen Bühnen des Landes ist Edgar Selge in zahlreichen Kino- und Fernsehfilmen zu sehen, darunter in Helmut Dietls „Rossini“, in der Komödie „Drei Chinesen mit dem Kontrabass“, in dem Film „Poll“, in dem Thriller „Das Experiment“, als Richard Wagner in „Ludwig II“, an der Seite von Benedict Cumberbatch und Daniel Brüh sowie im US-amerikanischen Kinofilm „Inside Wikileaks – Die fünft Gewalt“, in der Komödie „Miss Sixty“ mit Iris Berben oder zuletzt 2016 in „Bach in Brazil“ an der Seite von Franziska Walser.
(Text: PM Stadt Lingen, Foto: Walser und Selge, von
Karin Rocholl (c) Stadt Lingen)

Brunnen

23. Mai 2015

Brunnen

 

 

Ich meine, blitzsauber ist er ja. Nur fehlt seit Oktober 2014 das Wasser im Brunnen in der Burgstraße. Wie wusste schon Rainer Maria Rilke 1895:

Ganz verschollen ist die alte,
holde Brunnenpoesie,
da aus Tritons Muschelspalte
eine klare Quelle lallte,
die den Gassen Sprache lieh.

Abends bei den Röhrenkasten
sammelte sich Paar um Paar,
weil der Quelle lieblich Glasten
und ihr Laut der tiefgefaßten
Neigung süßes Omen war.

Aber als durch Menschenmühn dann
Wasser treppenaufwärts stieg,
und kein Paar kam: Misogyn dann
ward der Gott; es schlich sich Grünspan
in die Muschel, – und er schwieg.

 

Nachtrag:

OK, Rilkes Muschelspalte passt nur zu 90%, aber vielleicht plätschert der trockengefallene Brunnen ja bald wieder – möglicherweise gar bevor er in fünf Monaten wieder abgestellt wird…